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Wissen: Tipps für den Background-Gesang, Bühne, Stage

1. Juli 2021

Background-Gesang: So gelingen Gesang und Mix

Tipps für den Background-Gesang

Es ist ein Thema, das jede Band und jede Gesangsgruppe beschäftigt: der Background-Gesang. Oft stellt man den Instrumentalisten ein Mikrofon vor die Nase und erklärt sie zu Background-Sängern. Was muss, das muss. Dabei ist der Background-Sänger kein Sänger zweiter Klasse, sondern hat oft den ungleich schwierigeren Job. Auch technisch betrachtet ist das Thema Background-Gesang nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint. Wir beleuchten den Background-Gesang genauer und geben Tipps, wie ihr diesen umsetzen und üben könnt.

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Background-Gesang: Was ist das überhaupt?

Es gibt viele verschiedene Arten von Background-Gesang und im Laufe der Popmusikgeschichte hat sich der Background-Gesang oft gewandelt. So gibt es einstimmigen Background-Gesang, der einfach im Chorus den Gesang etwas fülliger gestalten soll. Im Prinzip ist er auf der Bühne das, was im Studio durch Dopplung des Gesangs erreicht wird. Da ein Sänger sich live nicht selbst doppeln kann, müssen dafür die Bandkollegen herhalten.

Eine andere Form des Background-Gesangs ist eine zweite Stimme, die gemäß der Harmonie des Songs der ersten Stimme des Lead-Sängers folgt. Oft wird diese je nach Akkord in Terz- und Quartabständen zur Lead-Stimme geführt.

Chorgesang ist die dritte Form des Background-Gesangs. Dieser kann entweder wie ein Instrument, zum Beispiel eine Keyboard-Fläche funktionieren (einfache Uuhs, Aahs usw.) oder tragendes Gesangselement sein. In solchen Fällen nimmt er schon fast die Rolle des Lead-Gesangs ein. Ein Beispiel für den ersten Fall wären die alten „Doo Wop Hits“ der späten 1940er- bis frühen 1960er-Jahre oder in den 1980er-Jahren die Bangles. Im zweiten Fall ließen sich zum Beispiel die Hits der Beach Boys nennen, der BeeGees oder der vielen Boy- und Girl-Groups späterer Jahrzehnte.

Je nach Bedeutung des Background-Gesangs für den Song müssen verschiedene Techniken eingesetzt werden, um eine homogene Mischung zu erhalten.

Sitz des Gesangs im Mix

Ein wichtiger Punkt ist, wo der Gesang überhaupt im Gesamtmix der Band sitzt? Beim Lead-Gesang ist das unbestritten weit vorne und in der Mitte des Stereopanoramas. Doch was bedeutet überhaupt weit vorne?

Tipps für den Background-Gesang

Ein Mix kann eine Aufteilung auf der Rechts-Links-Achse haben. Diese lässt sich mit dem Panoramaregler am Mischpult leicht einstellen. Ein Mix kann (und sollte) außerdem eine Tiefe besitzen. Instrumente können im Mix weit vorne oder weiter hinten erscheinen. Wichtige Elemente wie der Lead-Gesang, der Bass, die Bassdrum oder auch das Gitarrensolo sollten weit vorne im Mix stehen, während unwichtigere „Füllelemente“ weiter hinten Platz nehmen. Der Tonmeister spricht hier von Tiefenstaffelung.

Je nach Art des Background-Gesangs muss dieser entweder weit vorne sitzen (zum Beispiel bei einer zweiten Stimme zum Lead-Gesang) oder weit hinten (bei flächigen Chorgesängen). Auch Dopplungen durch andere Bandmitglieder benötigen einen Platz im Gefüge. Doch wie stelle ich eine solche Tiefenstaffelung her?

Tipps für den Background-Gesang: Tiefenstaffelung

Dazu schauen wir uns einmal näher an, wie Schallausbreitung und das Hören in der Natur funktionieren. Steht jemand direkt vor uns und spricht uns an, orten wir denjenigen auch genau dort, wo wir ihn sehen. Der Schall gelangt auf beide Ohrmuscheln mit gleichem Pegel und mit gleicher, sehr kurzer Zeitdifferenz. Raumanteile wie Hall oder Echo fehlen. Der Frequenzgang des gehörten Signals ist unverfälscht. Unser Gehirn verortet das Signal also direkt vor uns in der Mitte.

Tritt diese Person nun einige Schritte zurück, passiert Folgendes:

Befinden wir uns im Freien, spielt die Räumlichkeit keine Rolle. Was aber eine Rolle spielt, ist die Distanz, denn die Schallwellen treffen verzögert und abgeschwächt bei uns ein. Der Sprecher ist etwas leiser geworden. Auch der Frequenzgang ist ein anderer. Durch den weiteren Weg, den die Schallwellen zurücklegen müssen, ändert sich der Frequenzgang. Höhenanteile treten mehr und mehr zurück, während die Energie im Bassbereich sehr viel weniger schwindet. Ein weit entfernter Sprecher klingt also leiser und dumpfer als ein Sprecher, der im Abstand von einem Meter vor uns steht. Außerdem treten Umgebungsgeräusche stärker hervor.

Tipps für den Background-Gesang

Befinden wir uns hingegen in einem Raum, spielt der Raumeinfluss auf den Sprecher eine sehr große Rolle. Steht der Sprecher direkt vor uns (zum Beispiel im Abstand von 1 m), überwiegt der Direktschall. Der Raumanteil ist zwar wahrnehmbar, tritt aber deutlich hinter dem Direktschall zurück. Außerdem trifft der Direktschall früher bei uns ein als die Reflexionen durch Wände, Boden und Decke. Das Gehirn wird den Sprecher also direkt vor uns orten. Das funktioniert auch mit geschlossenen Augen. Probiert es doch einfach mal aus!

Bewegt sich der Sprecher innerhalb eines Raumes vom Hörer weg, übernimmt mehr und mehr der Diffusschall, der aus den Raumreflexionen besteht, das Regiment. Der Sprecher wird leiser, dumpfer, räumlicher. Zugleich scheint in manchen Räumen die zeitliche Distanz zwischen Direktschall und Ohr zuzunehmen, während die des Diffusschalls abnimmt. Diesen Effekt können wir deutlich in großen Räumen wie Kirchen wahrnehmen.

Fassen wir noch einmal zusammen:

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  • nahe Signale klingen laut, im Frequenzgang ausgewogen und besitzen wenig Räumlichkeit
  • entfernte Signale klingen mit zunehmender Entfernung leiser, dumpfer und die Räumlichkeit nimmt zu

Mit diesen Elementen können wir nun den Gesang (und auch Instrumente) in der Tiefe des Mixes positionieren.

Lautstärke

Soll der Background-Gesang weiter hinten stehen als der Lead-Gesang, reduzieren wir im ersten Schritt etwas die Lautstärke. Diese Absenkung sollte nicht zu drastisch sein, schließlich muss der Background-Gesang sich immer noch gegen andere Instrumente auf der Bühne durchsetzen. Meistens reichen bereits 1-2 dB.

Tipps für den Background-Gesang

EQ-Einstellungen

Sprache spielt sich besonders im Bereich zwischen 300 Hz und 3 kHz ab. Bei 2 kHz finden sich wichtige Konsonanten. Grundtöne sind bei Männern bei 100-120 H zu finden, bei Frauen eher bei 200-240 Hz. Scharfe S-Laute sind im Bereich zwischen 4 und 8 kHz (je nach Stimme und Geschlecht) zu finden und darüber befinden sich die Höhen, die eine Stimme „luftiger“ klingen lassen. Entfernt sich ein Sprecher vom Hörer, nimmt die Deutlichkeit der Konsonanten mehr und mehr ab. Außerdem werden die oberen Höhen stark beschnitten. Der Grundtonbereich hingegen bleibt größtenteils intakt. Möchten wir eine Stimme also nach „hinten“ schieben, können wir zunächst einmal die oberen Höhen absenken. Das machen wir zum Beispiel mit einem Lowpass-Filter, das wir langsam absenken. S-Laute werden häufig sowieso gefiltert, weil sie über eine PA unangenehm klingen, wenn sie zu stark sind. Ich würde hier nicht zu stark absenken, weil es sonst klingt als würde der Sänger/die Sängerin lispeln. Bei den Konsonanten sollte ebenfalls sehr behutsam vorgegangen werden. Singen die Background-Sänger nur flächige Chöre auf Vokalen, ist das kein Problem und man kann sie einfach unangetastet lassen. Wird aber Text gesungen, muss man etwas jonglieren. Konsonanten spielen für die Sprachverständlichkeit der meisten Sprachen eine große Rolle. Es ist in den letzten Jahren Mode geworden, die Konsonanten im Lead-Gesang stark zu betonen. In einem solchen Fall sollte schon eine neutrale EQ-Einstellung in diesem Bereich dafür sorgen, dass der Background-Gesang hinter dem Lead-Gesang steht. Ansonsten kann man es mit einer geringen Absenkung von 0,5 bis 1 dB probieren. Achtung: Hier ist nicht chirurgische Präzision gefragt, sondern eher eine breitere und dafür moderate Absenkung.

Tipps für den Background-Gesang: Effekte

Räumlichkeit schiebt Signale im Mix nach hinten. Möchte man den Background-Gesang weiter in den Hintergrund schicken und doch vor den Instrumenten halten, bietet sich ein kurzer Raum-Effekt an. Experimentieren kann man mit Early-Reflection und Room-Algorithmen. Bei sehr flächigen Chorarrangements, die eher die Funktion eines Keyboard-Pad-Sounds übernehmen, darf es dann auch mal ein Hall-Algorithmus sein. Hier sollten dann per „Diffusion“-Parameter die Details des Nachhalls mit zunehmender Nachhalldauer reduziert werden. Bei sehr lauten Bands oder dichten Arrangements kann es sinnvoll sein, dem Lead-Gesang eher ein kurzes Delay zu verpassen, während der Background-Gesang verhallt wird. Da es auf der Bühne eher seltsam anmutet, wenn man extrem lange Hallfahnen verwendet und außerdem oftmals ohnehin bei Konzerten innerhalb von Hallen der natürliche Nachhall des Auftrittsortes hinzukommt, sollte eher mit kleineren Räumen und kürzeren Hallfahnen gearbeitet werden.

Chorus-Effekte können ebenfalls eingesetzt werden, um Background-Gesang weiter nach hinten zu schieben. Sie machen den Gesang flächiger. Wird der Effekt dann noch leicht verhallt, erhält man eine schöne Chorfläche, die hinter dem Lead-Gesang liegt.

Kompression

Handelt es sich beim Background-Gesang um einen Chor aus mehreren Stimmen, bietet sich eine gemeinsame Kompression, zum Beispiel auf einem Subgruppen-Bus, an. Dies macht aus den einzelnen Stimmen eine Einheit. Man sollte allerdings eine zu starke Kompression vermeiden, weil diese sonst den Background-Gesang wieder zu weit in den Vordergrund holt.

Das Stereopanorama

Während bei Studioaufnahmen das Stereopanorama neben der Tiefenstaffelung eine große Rolle für den Mix spielt, ist es bei Konzerten nur sehr eingeschränkt in voller Ausprägung nutzbar. Das hat vor allem damit zu tun, dass nur wenige Menschen überhaupt das Konzert stereo wahrnehmen können. Sobald man sich außerhalb der Spitze des Stereodreiecks befindet, hört man das Konzert eher mono. Viele Live-Tontechniker mischen deshalb von vorne herein nur eingeschränkt stereo. Dennoch können Stimmen des Background-Gesangs leicht links und rechts des Lead-Gesangs in der Mitte angeordnet werden. Vielleicht entsprechend der Aufstellung der Musiker auf der Bühne. Extreme Positionen sollten aber vermieden werden, da sonst Hörer auf der jeweils anderen Seite das betreffende Signal nicht oder nur sehr leise hören.

Tipps für den Background-Gesang: Monitoring

Gute mehrstimmige Background-Vocals benötigen nicht nur viel Übung (dazu später mehr), sondern auch ein sehr gutes Monitoring. Bei dreistimmigem Satzgesang muss jeder Sänger die jeweils andere Stimme gut hören, um sich zu orientieren und die eigene Stimme auch „in tune“ dazu zu singen. Durch In-Ear-Monitoring kann man hier einen großen Schritt in die richtige Richtung machen. In-Ear-Monitoring hilft besonders bei lauten Bühnen, die Intonation zu halten. Außerdem wird die Gefahr von Rückkopplungen vermindert, sodass es bei Bedarf kein Problem ist, das Mikrofon für das eigene Monitoring entsprechend laut zu machen.

Tipps für den Background-Gesang

Mehrstimmigen Gesang üben lohnt sich

Mehrstimmiger Gesang ist kein Hexenwerk, aber auch nichts für Gesangsanfänger. Kenntnisse in Harmonielehre sind von Vorteil. Es bietet sich an, den mehrstimmigen Gesang unter Zuhilfenahme eines Akkordinstruments zu üben. Das kann ein Tasteninstrument oder eine Gitarre sein. Nun kann man sich an den Akkordtönen orientieren. Am Anfang ist es einfacher, wenn man dazu Grundton, Terz und Quinte des Akkords verwendet. Spielt der Keyboarder oder Gitarrist eine einfach Sequenz, übernimmt jeder Sänger/jede Sängerin einen Ton dieser Sequenz. Idealerweise berücksichtigt man einfach Stimmführungsregeln: Gleiche Akkordtöne „bleiben liegen“, werden also nicht in der Lage verändert. Die übrigen Akkordtöne gehen stets den kürzesten Weg vom Startton zum Zielton. Ein Beispiel:

Gestartet wird auf einem C-Dur Akkord in Grundstellung mit den Tönen: c, e, g. Folgt nun ein F-Dur Akkord mit den Tönen f, a und c übernimmt der Sänger, der zuvor das c gesungen hat auch beim F-Dur Akkord den Ton c. Der Sänger, der das e gesungen hat, singt jetzt das f und der Sänger, der das g gesungen hat, das a. Akkordumkehrungen spielen also eine große Rolle. Chorstimmen sollten möglichst wenig Bewegung haben (außer es ist als Effekt so gewollt).background-gesang-dreiklaenge-singen_01

Eine weitere gute Übung für den mehrstimmigen Gesang ist das zweistimmige und dreistimmige Singen in festen Intervallen. Man verschiebt also einen Zweiklang oder Akkord. Bleiben wir bei unserem Beispiel mit dem C-Dur Akkord. Gestartet wird dreistimmig auf den Tönen c, e und g. Nun verschieben wir den Dreiklang zum nächsten Akkord der Tonleiter und singen einen d-Moll Dreiklang mit den Tönen d, f und a. Es folgt e-Moll mit e, g und h, dann F-Dur mit den Tönen f, a, c und so weiter. Gleiches macht man mit den Akkordumkehrungen und verschiebt diese diatonisch.background-gesang-dreiklaenge-singen_02

Eine andere gute Übung ist, einfach zu bekannten Songs spontan zweite Stimmen zu erfinden und sich dabei aufzunehmen. Das schult das Gehör und es stellt sich mit der Zeit ein Gespür dafür ein, welche Töne passen und welche nicht. Ein einfaches Notensatzprogramm wie das kostenlose Avid Sibelius First kann ebenfalls helfen, ein Gespür für Mehrstimmigkeit zu erlangen. So kann man schnell zu einer eingegebenen Melodie über die Zahlen der Tastatur Intervalle ergänzen. Drückt man in Sibelius zum Beispiel die „3“, während ein Ton markiert ist, wird eine Terz über dem markierten Ton hinzugefügt. Die Taste „4“ fügt eine Quarte, die „5“ eine Quinte hinzu. Hält man dabei Shift gedrückt, wird das entsprechende Intervall unter dem markierten Ton erzeugt. So kann man schnell eine Melodie diatonisch korrekt mehrstimmig aussetzen, sich anhören und üben.

Gehörbildungskurse und Apps zum Hören und Nachsingen von Intervallen in Zwei- und Dreiklängen sind ebenfalls ein wertvolles Instrument zum Üben.

Zur Aufteilung der Stimmen: Nicht jeder Sänger und jede Sängerin kann gleich hoch oder tief singen. Deshalb unterteilen wir einen Chorsatz in der Regel in die vier Stimmlagen Sopran (hohe Frauenstimme), Alt (tiefe Frauenstimme), Tenor (hohe Männerstimme) und Bass (tiefe Männerstimme). In den gezeigten Beispielen kann die Stimmverteilung von oben nach unten SAT (Sopran, Alt, Tenor) oder auch TSA (Tenor, Sopran, Alt) oder bei mehreren Frauenstimmen SSA oder SAA (Sopran, Sopran, Alt/Sopran, Alt, Alt) sein. Manchmal lohnt es sich, mit der Verteilung der Töne auf die einzelnen Stimmen zu experimentieren. Ein Alt kann ohne Probleme eine hohe Tenorstimme ersetzen, wenn der Satz das erfordert und kein hoher Tenor zur Verfügung steht. Ein Bass kann die Sopranstimme doppeln und so weiter. Richtig ist, was gut klingt und gefällt.

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Fazit

Background-Gesang ist wie das Salz in der Suppe: Er macht ein Arrangement interessanter und unterstützt den Lead-Gesang. Ob einfache Dopplung, Call & Response, Zweistimmigkeit oder dreistimmiger Background-Chor, Background-Gesang kann viele verschiedene Formen annehmen. Mit einigen einfachen Mitteln, die jedes Mischpult zur Verfügung stellt, kann man den Background-Gesang schnell in den Mix einbetten und Tiefe schaffen. Und wie immer heißt es: Versuch macht klug und probieren geht über studieren.

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