Wissen: Der beste Audio-PC fürs Musikstudio

9. April 2021

Alle Fragen rund um den Kauf eines PCs

Wissen: Der beste Audio-PC fürs Musikstudio

Wissen: Der beste Audio-PC fürs Musikstudio

Für jedes Musikstudio der passende PC-Computer

Ab und an ist er doch fällig: Ein neuer Audio-PC zum Musikmachen. Aber wieso reicht der neue Rechner aus dem Homeoffice eigentlich nicht aus? Vorab sollte klar sein: Der DJ, der Elektro-Tracks produzieren will, hat andere Anforderungen an seinen Audio-PC als der Komponist, der Filme mit virtuellem Orchester vertonen möchte. Wir stellen im Special Audio-PC die wichtigsten Fakten für den Kauf bzw. den Selbstbau eines aktuellen Studio-PCs zusammen.

Kann ich meinen Office-Rechner als Audio-PC nutzen oder ist dieser zu schwach auf der Brust, lautet die bange Frage des Musikwilligen. Im Vorfeld ist es wichtig, sich Gedanken darüber zu machen, zu welcher Art von Produktionen der neue Audio-PC antreten wird. Dabei sollte nicht aus den Augen verloren werden, dass man sich als Künstler und Musiker durchaus weiterentwickelt und verändert. Wer nur mehrspurig aufnehmen möchte und die Recordings im Rechner mischen will, wird mit einem einfachen Computer als Audio-PC gut hinkommen, das kann auch ein Rechner sein, der für den Office-Bereich konzipiert ist. Wer viele virtuelle Instrumente zum Einsatz bringen möchte, wird dagegen viel CPU-Leistung einplanen müssen. Stehen aufwändige Sample-Librarys auf der Agenda, ist viel RAM (32 GB und mehr) angesagt.

Keine Office-Software wie Word, kein Excel und kein Call Of Duty?

Prinzipiell finde ich es eine gute Idee, den Audio-PC frei von unnötigem Ballast zu halten. Keine Software, die da nicht unbedingt benötigt wird. Ein eigener Office-PC/Gaming-PC sollte Pflicht sein. Alternativ lässt sich auch ein Multiboot-System einreichten, bei dem – abhängig von der Aufgabe –  eine andere Betriebssystem-Installation geladen wird. Interessant könnten auch Hypervisor-Systeme wie Unraid sein. Im folgenden Video findet ihr hierzu ein paar interessante Informationen:

Fatal sind manche Spiele und Programme, die eigene Scanning-Tools oder andere Hintergrunddienste starten, die dem Computer kostbare Rechenpower abschöpfen. Ich habe auf meinem Audio-PC wirklich nur Audio-Software (und Video-Tools), aber keine Games, keine Buchhaltungssoftware und keine Office-Programme. Letztere sind relativ unkritisch, trotzdem sollte man Vorsicht walten lassen und Leistungsfresser (Indizierungsdienste etc.) in diesen Softwarepaketen gar nicht erst mitinstallieren bzw. deaktivieren.

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Fürs Musikstudio: Mac oder PC?

Keine Sorge, ich steige jetzt nicht in die schon fast religiös anmutende Frage ein, ob nun der PC das beste System zum Produzieren von Musik ist oder der Mac. Zahlreiche professionelle Produktionen, die auf beiden Systemen realisiert wurden, sprechen eine deutliche Sprache: Es gibt keine objektiven Vorteile. Zumindest solange man nicht zwingend mit Logic arbeiten will, das läuft nur auf einem Mac. Ist Samplitude/Sequioa das Sequencer-System der Wahl, wird man um den Windows-PC nicht herumkommen. Tauscht man viele Daten mit anderen aus, produziert dezentral an denselben Projekten, sollte man sich auf ein System einigen, das dann jeder einsetzt. Ansonsten könnten viele Stunden Arbeit mit Kompatibilitätsproblemen winken.

Ich kenne ein paar Kollegen, die Mischsysteme betrieben. Damit ist nicht unbedingt Bootcamp auf dem Intel-Mac gemeint, sondern ein Studio mit zwei oder mehr Audio-Rechnern, von denen mindestens einer auf einer anderen Plattform basiert. Der große Vorteil dabei ist, dass man sich beide Welten zu Nutze machen kann und keine Einschränkung bezüglich des bevorzugten Betriebssystems und der Sequencer-Software hinnehmen muss. Allerdings ist dieses Vorgehen nicht ganz preiswert und bedeutet ein wenig Mehraufwand. Nicht nur, dass man zwei (oder mehr) Audio-PCs kaufen muss, diese Rechner wollen auch gewartet und gepflegt werden (Updates, Maintenance, Upgrades usw.).

Wer jetzt die Linux-Frage stellt, wird leider rasch enttäuscht. Es gibt zu fast keiner professionellen Audiohardware passende Linux-Treiber, die die entsprechenden Anforderungen erfüllen. Es gibt zwar ein paar, aber die Auswahl ist sehr bescheiden und übersichtlich. Zudem sind es fast immer Treiber aus dritter Hand (Community-Treiber), also nicht vom Hardware-Hersteller selbst. Die meisten dieser Treiber werden sicher funktionieren, allerdings hat man als Besitzender keine Ansprüche (Garantie, Support …) dem Hersteller gegenüber.

Mit brauchbarer Audio-Software sieht es auf der Linux-Plattform auch nicht so rosig aus, schade. Vom Reaper und Bitwig Studio gibt es bereits Linux-Versionen (die mit den Windows und Mac-Versionen auf Augenhöhe sind). Für Linux-Interessenten ist ein intensiver Blick auf Ubuntu-Studio zu empfehlen.

apple logic daw 10.6

Mag nur den Mac: Apple Logic X

Special Audio PC: DSP or not DSP – That’s the question

Da scheiden sich die Geister. DSP-Karten, wie beispielsweise die Systeme von Universal Audio, sollen dem Prozessor Rechenarbeit abnehmen und Effekte eigenständig berechnen. Auf diese Weise spart man Rechenkapazität, die in andere Effekten oder auch der grafischen Darstellung des Sequencers Anwendung finden kann. So kommt der Audio-PC nicht so schnell aus der Puste. Es gilt zu bedenken, dass – der steigenden CPU-Rechenleistung sei Dank – die Computer bei weitem nicht mehr so schnell an ihre Grenzen stoßen, wie das noch vor wenigen Jahren der Fall war. Was die Entscheidung nicht gerade einfacher macht ist, dass manche Plug-ins nur mit einer speziellen DSP-Lösung nutzbar sind und es keine native Version gibt, die auf jedem Audio-PC laufen kann.

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UAD2-Karte von Universal Audio

Die Entscheidung, ob der Audio-PC nun DSP-Karten bekommt, ist eine Geschmackfrage. Ich persönlich würde Lösungen wie UAD aus zwei Gründen immer eine Chance geben. Die Plug-ins klingen meistens gut bis sehr gut und jedes bisschen gesparte CPU-Leistung lässt das System runder laufen – zumindest nach meiner Erfahrung.

Musikstudio PC: SSD vs. HDD

Es gibt sie in jeder Anwenderschaft, so auch unter den Musikern und Audio-PC-Nutzern: Die Anhänger der SSD. SSD steht für Solid State Drive. Eine SSD ist quasi eine als Festplatte genutzt SD-Karte – zumindest ist die grundlegende Technologie dieselbe.

Der große Unterschied zwischen konventionellen Festplatten (HDD) und SSDs ist, dass SSDs keinen Magnetismus nutzen und keine mechanischen Teile darin rotieren. Somit sind diese Festplatten flüsterleise und auch gegen Stöße recht unempfindlich. Der größte Vorteil liegt im schnellen Zugriff auf Daten, es müssen ja auch keine Sektoren mit einem Lesearm physikalisch angefahren werden.

Die Nachteile sind, dass SSDs nicht ganz in den Größen verfügbar sind, wie konventionelle HDDs. Aber hier tut sich bereits einiges. Außerdem liegt der Preis – je nach Größe – teilweise noch deutlich bis sehr deutlich über dem der HDDs. Aber auch hier hat sich in der vergangenen Zeit einiges getan.

Zwingend notwendig sind SSDs nicht, es gibt aber trotzdem sehr gute Gründe, diese in den eigenen Audio-PC aufzunehmen. Steht der PC im selben Raum, in dem aufgenommen, gemischt und komponiert wird, spielen die SSDs klare Vorteile aus: Sie werden keine Störgeräusche für die Aufnahme produzieren (CPU, Gehäuse und Grafikkarten-Lüfter werden aber trotzdem hörbar sein).

Wer viele Samples in seine VST-Instrumente laden will, wird sich über den Geschwindigkeitszuwachs beim Laden gegenüber den konventionellen Festplatten sehr freuen. Manche VST-Sample-Instrumente lassen sich auch nur mit SSD sinnvoll nutzen.

Einen Nachteil haben SSDs auch: Datenrettung ist von konventionellen Festplatten (HDDs) deutlich einfacher, wie mir ein professioneller Datenretter anschaulich erklärt hat. Somit sind Backups (gespiegelte Festplatten) am besten auf konventionellen Festplatten zu Hause (ich handhabe das bspw. so).

Wer seine bestehende Installation auf SSD umrüsten möchte, muss das betreffende Festplatten-Image auf die neue SSD kopieren. Dafür gibt es spezielle Software-Tools. Ich nutze hierfür beispielsweise Reflect Free. Die meisten, die so vorgehen, werden wohl eine SSD nutzen wollen, die über SATA (oder auch mSATA) angebunden wird. Es gibt aber auch die Option eine SSD als PCIe-Steckkarte anzubinden. Die Datenraten sind hier sehr viel höher als über SATA. Solche Festplatten eignen sich gut für Sample-Librarys etc. Der m.2-Steckplatz mancher Notebooks und Mainboards kann auch SSDs beherbergen. Dabei ist m.2 so konzipiert, dass der PCIe-Bus, SATA oder auch USB3 genutzt werden kann. Da mit diesem Anschluss auch PCIe 4.0 (mit bis zu 4x 16 GT/s) genutzt werden können, sind Datenraten jenseits der 7 GB/s möglich (gerundet 7,9 G/s).

Ein RAID-System (Verschaltung mehrere Festplatten zu einer) kann zwar sinnvoll für den Power-User sein, ist aber für unseren Kontext nur bedingt sinnvoll.

Der beste Audio-PC oder Mac fürs Musikstudio

Special Audio PC: Kaufen oder bauen?

PC-Anfänger sollten in einem Musikfachgeschäft mit entsprechendem Angebot einen Audio-PC erstehen. In dem Fall, dass kein Musikgeschäft in der Nähe anzufinden ist, kann ein gutes Computerfachgeschäft weiterhelfen. Leider haben nur die wenigsten PC-Geschäfte spezielle Audio-PCs oder Medienproduktions-PCs im Angebot und die meisten Händler haben auch keine Ahnung, was die speziellen Anforderungen an Audio-PC im Besonderen und PCs zu Medienproduktion im Allgemeinen sind. Praktisch immer muss eine musiktaugliche Soundkarte bzw. ein Audiointerface hinzugekauft werden. Dieser Zukauf entfällt, wenn man den Weg in ein entsprechendes Musikhaus findet. Es gibt ein paar Anbieter, die für Audio- und Video-Produktionen spezialisierte PCs zusammenbauen. Diese Händler testen Komponenten ganz bewusst auf Musiker-Anforderungen hin und verbauen nur die, die sich für Audio-PCs bewährt haben. Ich selber habe im Test mit solchen Ausstattern gute Erfahrungen gemacht. Die Kollegen wissen sehr genau, was sie da tun.

Wer sich mit dem PC gut auskennt und keine Angst vor dem Selbstbau hat, kann sich überlegen, die Wunschkomponenten selbst zu einem Audio-PC zu verbauen. Klar sollte hier jedoch sein: Billiger wird das in der Regel nicht. Dafür hat man ein maßgeschneidertes System, das man selbst gut kennt und evtl. ein wenig Spaß beim Zusammenbauen. Ich selbst habe die meisten meiner Audio-PCs selbst zusammengebaut. Der positive Nebeneffekt: Ich kenne meine Rechner sehr gut und kann meistens in kürzester Zeit etwaige Probleme erkennen und beheben oder schnell und unkompliziert Erweiterungen vornehmen.

Der beste Audio-PC oder Mac fürs Musikstudio

Special Audio PC: Ruhe bitte, Aufnahme …

Die wenigsten von uns werden ein großes Studio mit mehreren Räumen ihr Eigen nennen, sondern das gesamte Equipment im selben Raum stehen haben. Somit sind die Geräusche, die der Audio-PC von sich gibt, nicht zu vernachlässigen und können unsere Aufnahmen versauen oder Nuancen in der Mischung unhörbar werden lassen. Ideal ist es, wenn alle Geräte, die Lüfter besitzen oder andere Geräuschentwicklungsherde haben (Festplatten etc.), nicht im Studio-/Regieraum untergebracht sind. Leider geht das nicht immer. Dem einen erlaubt der Vermieter keinen entsprechenden Wanddurchbruch, der andere verfügt nicht über den passenden Grundriss. In solchen Fällen gilt es, den Rechner so leise wie möglich zu bekommen.

Es gibt spezielle Gehäuse, die eine Dämmung mit Akustik-Baumaterialien als Feature mitbringen. Das bringt allerdings nicht immer die gewünschte Stille mit sich und ist eher auf der messtechnischen Seite zu bemerken als effektiv hörbar. Außerdem läuft man Gefahr, ein Wärmeproblem im Audio-PC zu erzeugen. Manche Studioausstatter bieten 19″-Racks mit Schallisolierung und spezieller nahezu unhörbarer Kühlung an. Diese Lösungen sind meist effektiv und machen ein ruhiges Studio. Allerdings sind die Anschaffungskosten nicht so ohne, dafür sind die Qualitätsunterschiede in punkto Kühlleistung und Geräuschentwicklung ebenfalls deutlich.

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Lüfter stellen das größte Geräuschproblem im Audio-PC dar. Gehäuselüfter gibt es in spezieller Lagerung (besonders leise Kugellager) und mit leisen Antrieben. Je nachdem wie groß das Gehäuse ist und wie viele Komponenten darin verbaut werden sollen, kommt der Audio-PC auch ohne Gehäuselüfter aus. Hier gilt es, die Temperaturen im Hardwaremonitoring im Auge zu behalten. Nur so kann ein möglicher Schaden am Audio-PC rechtzeitig erkannt und verhindert werden. Den Kühler bzw. Lüfter für den Prozessor kann man unter keinen Umständen einsparen. Es gibt zwar findige Köpfe, die mit relativ langsamen Notebook-Prozessoren diesen Lüfter vermeiden können, aber das geht zu Lasten der Leistung und stellt keine ernsthafte Perspektive dar. Neben aufwändigen und kostspieligen Wasserkühlungen, gibt es auch CPU-Kühler mit großem Kühlkörper und langsam drehenden Lüfter. Diese CPU-Kühler sind deutlich dicker als ihre konventionellen Kollegen, so dass man ein breiteres Gehäuse braucht.

Den Lüfter an einem Netzteil kann man nicht so einfach tauschen oder modifizieren. Allerdings gibt es im Handel günstige und auf wenig Geräuschentwicklung getrimmte Netzteile, die preislich nicht höher anzusiedeln sind als die konventionellen Kollegen.

Special Audio PC: Die inneren Werte

Ältere Prozessoren (Core2Duo/Core2Quad-Prozessoren, Celeron-Prozessoren, Pentium-Prozessoren, Athlon etc.) oder Prozessoren, die speziell auf den mobilen Einsatz hin optimiert wurden, sind nichts für aktuelle Audio-PCs. Ob Intel oder AMD CPUs das Mittel der Wahl zu bevorzugen ist, kann nicht (mehr) so pauschal beantwortet werden.

Während in der Vergangenheit Intel-CPUs oft besser abgeschnitten haben, lässt sich das heute nicht mehr so eindeutig beantworten; speziell, wenn man das Preis-Leistungs-Verhältnis in die Bewertung einfließen lässt. Hier scheinen die AMD-Prozessoren sogar die Nase etwas vorne zu haben. Wer mit Windows arbeitet, sollte sich nicht mehr mit den alten Versionen herumschlagen, sondern direkt Windows 10 einsetzen. Ich habe seit Windows 95 alle Windows-Versionen – außer ME – im produktiven Audio-/Musikeinsatz gehabt und kann getrost zu Windows 10 raten.

Hier nun ein tabellarischer Überblick, welche Komponenten prinzipiell in einen Audio-PC Einzug halten sollten. Ich empfehle nach leidvollen Erfahrungen Markenkomponenten oder Produkte, die einem ein kompetenter PC-Händler empfehlen kann.

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* Der Preis ist ohne Maus, Tastatur, Audiointerface, Windows-Lizenz und Gehäuse (ab ca. 20,- Euro) gerechnet!

Der ein oder andere wird bei dieser Tabelle Bedenken anmelden und für eine höhere (oder auch niedrigere) Konfiguration votieren. Als ich vor ein paar Jahren komplett auf ein 64-Bit-System umgestiegen bin, habe ich mit unterschiedlichen Rechnern verschiedene Tests durchgeführt. Ich kann versichern, dass ein produktiver Betrieb natürlich mit weit geringerer Ausstattung möglich ist, als hier (zum Teil) aufgeführt – immer in Relation zu den gewünschten Anwendungen. Spaß macht das Arbeiten aber so nicht oder zumindest nicht uneingeschränkt.

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Darf der Audio-PC ins Internet?

Noch besser wäre es, wenn der Audio-PC keinen Zugang zum Internet hat. Bei der Lizenz- und Update-Politik mancher Hersteller lässt sich das jedoch kaum vermeiden, wenn man umständliche Aktivierungsarien vermeiden möchte. Möglich wäre es, dem Audio-PC den Zugang zum Internet nur zu Updates oder zur Lizenzierung zu gewähren. Wer jedoch regelmäßig Audio-Dateien, Mixes oder Layouts über das Internet versenden muss, wird seine Workstation dauerhaft ans Netz der Netze legen müssen – alles andere erscheint zu umständlich für eine ständige Nutzung. Schmuddelseiten, Facebook und Webpages mit „unklaren Inhalten“ sind dann tunlichst zu meiden.

Mac oder iOS als Musiker-Computer?

Wer sich übrigens ganz speziell nur für die MAC und iOS-Welt interessiert, für den haben wir hier ein brandneues Special zum Thema APPLE GEAR FÜR MUSIKER.

Fazit

Wann sollte nun ein neuer Audio-PC her? Wenn der Vorgänger nicht mehr ausreicht oder einen Defekt hat, lautet die simple Antwort. Ich bin ein großer Verfechter des Prinzips: „Never Change A Running System!“

Wenn man für die Anschaffung ein wenig vom Sauerverdienten in den Sparstrumpf gesteckt hat, kann man in ein entsprechend höherwertiges System investieren und hat somit eine Weile Ruhe. 2-3 Jahre sollte ein solcher Audio-PC schon ausreichen. Bei entsprechender Planung sind fünf Jahre (und mehr) auch möglich.

Preislich ist man ab etwas über 1.000,- Euro dabei, je nach Ansprüchen. Wer sich gut mit dem PC-Bau auskennt, kann sich an den Selbstbau wagen, allen anderen empfehle ich den Weg zum örtlichen PC-Händler oder – besser noch – Kontakt mit einem Musikhaus bzw. einem spezialisierten Computerhändler aufzunehmen.

Ans Herz legen möchte ich dem geneigten Leser noch, ein belastbares Backup-Konzept zu erarbeiten. Tägliches Sichern der Arbeiten auf einem externen Datenträger sollte fester Bestandteil der Arbeitsweise werden.

Forum
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    arnimhandschlag  

    Schön und kurzweilig geschrieben, danke. Was mir bei so Anleitungen immer fehlt: Apple hat deshalb oft die Nase vorn weil sie die möglichen Hardware Kombinationen kennen. Im Windows Bereich ist das für keinen Software Hersteller zu stemmen, auch nicht für Microsoft (deshalb geht manchmal nach dem Update das Licht aus). Es kann hier durchaus zu Fehlern kommen weil z.b. die Kombi aus Hauptspeicher x und mainboard y sich nicht mit Netzteil z verträgt und esoterische Probleme macht. Wie man da als selbst-Schrauber ansetzen kann habe ich leider bisher noch nirgends gelesen

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      ctrotzkowski  

      „Wie man da als selbst-Schrauber ansetzen kann“?
      :-) Durch Erfahrung wird man klug – auch gern durch die Erfahrung anderer Leute, die ihre Erkenntnisse für die persönliche Recherche im Internet veröffentlichen. Auch veröffentlichen manche Fachmagazine hin und wieder Selbstbau-Tips.
      Insgesamt ist die Gefahr „esoterischer“ Probleme in den letzten Jahren kleiner geworden.

      Aber Florian hat das ja in seinem Artikel sehr exzellent beschrieben: Fehlt einem die Erfahrung – oder schlicht die Lust oder Zeit, sich mit der Wahl der Komponenten zu beschäftigen und ggf. auch verschiedene Alternativen zu testen, dann wirft man entweder ein paar vergoldete Extramünzen in Richtung Apple oder Audio-PC-Systemhaus, welche dann auch für die Gesamt-Garantie geradestehen müssen, und bekommt ein schlüsselfertiges rundes System.

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    MonsDuvall  

    Zum Glück ist AMD wieder richtig stark aufgestellt und hat die Preise für Mehrkerner deutlich nach unten getrieben. Und die Leistung nach oben.Ich hab mir Ende 2019 für knappe 670 Euro einen PC zusammengestellt mit einem Ryzen 3600 und 32GB Ram in einem BeQuiet-Gehäuse. Der macht mir nicht den Eindruck als könnte ich ihn schnell an seine Grenzen bringen. Kommt aber wahrscheinlich auch immer drauf an wie gut die einzelnen Kerne genutzt werden.

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    chalaco

    2 Dinge einmal : Hätte ich gerne etwas über die Effizienz der Mainboardarchitektur abseits von PCI Datenrate gehört und zweitens darf man die Abschirmung des PCs nicht vergessen!!! Da gibt es von Tower zu Tower unterschiede vor allem für Selbstschrauber!

    • Profilbild
      Florian Scholz  RED

      Die Abschirmung ist ein Thema, elektrisch wie akustisch, stimmt :-)

      Akustisch gib es gute Gehäuse dafür, und elektrisch? Ich hatte noch kein Problem, welches ich nicht mit symmetrischen Audio-Leitungen hinreichend in den Griff bekommen hätte, da hatte ich aber uU nur Glück…

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    dubsetter  

    man kann mit einem selbstzusammengestellten pc auch locker
    mehr an jahren spass haben, wenn man nicht unbedingt immer alles dem update -wahnsinn unterzieht.
    (erster und zweiter pc 8 -10 jahre /dritter jetzt 5 jahre alt).
    ich habe im übrigen kein internet im studio (was manchmal etwas unbequem ist, gebe ich zu)
    und auf dem pc laufen nur audio programme.

    arbeite seit jahren mit der fast gleichen konfiguration
    (cubase/ableton-daw
    soundforge/wavelab audition-wave editor)

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    grisi  

    Aus eigener Erfahrung mit Windows (Reason, Live) kann ich sagen daß es auf reine Prozessorpower gar nicht so sehr ankommt. Mein altes (Intel-) Sockel-775 System mit CoreQuad schluckt den Workload problemlos, CPU Reserven sind laut Monitor stets massig vorhanden.
    Tückisch sind eklige Latenzen die durch inkompatible/veraltete Treiber in Verbindung mit Updates oder -noch schwieriger zu identifizieren- Hintergrundtasks z.B. der Windows Aufgabenplanung entstehen.
    Daher prüft man auf einem Windows-System die Latenzen mit dem DPC-Latency Checker oder dem LatencyMon, beides Freeware, und geht ggf. erst einmal auf die Suche nach dem Schuldigen.
    Kritisch sind auch jede Art von Updates, besonders unter Windows. Hier kommt es schon fast vorhersehbar zu Problemen. Bei mir hat es praktisch immer die (Bluetooth-)Audio-Konfiguration zerschossen. Daher: wenn’s mal läuft wie es soll: never touch a running system. Das heißt unter Windows leider auch: keine Internetverbindung, da Windows ungefragt selbst updatet (es sei denn man weiß wie man Windows das abgewöhnt).
    Massenspeicher sind seit der SSD auch nicht mehr das Problem; wie im Artikel erwähnt ist jedoch ein Backup-Konzept essentiell. Nichts ist schlimmer wenn die Arbeit und (einmalige) Inspiration eines langen Abends flöten geht weil die Disk sich von jetzt auf sofort verabschiedet oder man die falsche Datei löscht …

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    smoo  

    Die erste und für mich wichtigste Frage vor dem PC/Mac Kauf ist die Schnittstelle fürs Audiointerface. Ich baue mein PC rund um das Interface. Also musste ich ein Mainboard finden mit TB3 damit das Presonus Quantum 2626 mit kurzer Latenz geht. Die sind selten. Hat man ein Hardwarstudio ist Latenz wichtiger als Rechenleistung, jedenfalls für mich.

    Oder noch viel einfacher. Einfach ejn Barebone NUC von Intel mit allem drin und 2x TB3. Das hätte ich tun sollen anstatt alles zusammenzusuchen. Ich wollte aber ein AMD Ryzen 7 und da gab es nur ein Mainboard mit TB3. Rechenleistung habe ich nun massig. Das hält 10 Jahre:-)

    • Profilbild
      Holden  

      Thunderbolt ist bei einer Neuanschaffung absolut richtig. Ich konnte meine alte Firewire-Karte rauswerfen, nachdem mein Asrock X570-Mainboard mit einer Thunderbolt 3 AIC-Karte nachgerüstet wurde. Mit den Apple-Adaptern (TB3-TB2-Firewire), laufen meine zwei Focusrite Saffire Pro40 wie geschmiert (Budget-Tip!). Den Dell-Laptop, ebenfalls mit TB3, kann ich nun auch mit dem Heimstudio verbinden und so zwischen mobil und DAW wechseln. TB ist m.M.n. nicht so sensibel wie die meist heftig geteilten und für Einstreuungen anfälligen USB-Komponenten. Datenrate und Latenz tun ihr übriges.

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    anttimaatteri  

    solide auflistung
    für alle , die sich die grafikkartenkosten sparen wollen sind die neuen 5000er g apus eine gute wahl. ich überlege noch, ob ich mit dem 3800x aufrüste oder doch gleich mit dem 5800g. beide haben 8 kerne und in etwa den gleichen grundspeed. der 5000er dürfte aber doch deutlich schneller sein (fürs 570er board).
    der 3400g lohnt nicht mehr, da er inzwischen abhorrend viel mehr kostet als vor einem jahr noch.
    wer genug moneten hat, sollte aber ruhig zulangen bei den 5000er modellen und dafür die graka zusätzlich kaufen.

  8. Profilbild
    SkandinAlien

    Ja das alte Leid. Sehr schön geschriebener Vergleich, danke dafür :)

    Ich habe mir letztes Jahr als ich mein kleines Heimstudio wieder neu aufgebaut habe schlussendlich damit beholfen einen Gaming PC mit „veralteter“ Grafikkarte zu kaufen. Der Rest der Hardware passte genau und da der Kasten rein für die Musik gedacht ist ist es mir auch wurscht das die Spiele Performance nicht mehr up to date ist. Für 2 Monitore parallel reicht es immer noch und der Rest der Komponenten passt wunderbar zusammen.

  9. Profilbild
    bopegasus

    Alles sehr schön geschrieben. Da ich meine PCs immer selbst zusammen geschraubt habe, kenne ich einige Flaschenhälse, die leicht übersehen werden. Für mich ist das Wichtigste die Audiokarte und deren Treiber.
    Für manche Musiker reichen 15 mS Latenz, mir reicht das nicht. Das sollte stabil mit 5 mS laufen.
    (Wir sprechen hier nicht über Direct Monitoring)
    Ich benutze seit Jahren eine RME Raydat, habe viel probiert, diese Karte ist einfach stabil.
    Seit diesem Jahr 12Kern Ryzen, 32GB und 4 SSD Platten mit insgesamt 6TB. Reicht so mal eben. Da sind wir mit € 1500.- nicht mehr dabei, ich will hier nicht protzen, das System ist ja auch gewachsen, aber ich möchte auf NVMe Systemplatte und auch dasselbe für die Audiodatenplatte nicht mehr verzichten. Das wäre mein zweiter Vorschlag.
    Backups: es gibt relativ große Standardplatten, auf denen die kompletten Partitionen gespiegelt sind. Wer einmal alles neu aufsetzen musste, weiß wie lange es dauert. Grafikkarte: da ich drei Monitore betreibe, gibt es da nicht mehr soviel Auswahl.
    Ich empfehle Karten mit 3-4 Displayport-Ausgängen, dann mit Adapter weiter wie man es braucht. (€ 130.- bis € 150.-) Ich mache hier keine Werbung für Firmen, es gibt Computer Firmen, die tatsächlich eine funktionierende Hotline haben, sich das, was man zusammen gestellt hat auch auf mögliche Konzeptionsfehler anschauen…

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