Test: Magix Samplitude Pro X5, Digital Audio Workstation

2. November 2020

Major-Update oder Versionssprung?

samplitude pro x5 test

Magix Samplitude Pro X5, Digital Audio Workstation

Irgendwo haben wir uns aus den Augen verloren, Samplitude und wir von AMAZONA.de. Bis Samplitude 11 waren wir noch mit Tests dabei, bei Pro X4 gab es noch eine kleine News plus eine kurze Abhandlung in meiner DAW-Übersicht, aber sonst war Ruhe; ja, manchmal lebt man sich eben auseinander. Doch jetzt wollen wir einen neuen Anlauf versuchen, unsere Beziehung wieder zu vertiefen: Samplitude Pro X5 ist da und bekommt von uns einen ausführlichen Test. „The Master of Pro Audio“ – nennt Magix sein Produkt selber. Ist das gesundes, berechtigtes Selbstbewusstsein oder übertriebene Großspurigkeit? Getestet habe ich die Version Samplitude Pro X5, nicht die größere Suite-Version.

Samplitude Pro X5

Das Malen in der Automation wurde vereinfacht

Versionen und Historie

Die erste Version von Samplitude gab es bereits 1992 – damals noch in erster Linie ein Sample-Editor für den Amiga (den ich tatsächlich auch selber nutzte) und entwickelt vom „Studio für elektronische Klangerzeugung Dresden“ (SEK’D). 1995 erschien die erste PC-Version, vertrieben durch Hohner Media. Lange Zeit führte die DAW eher Schattendasein und war die graue Maus neben den schillernden Cubase oder Logic. Nicht unbedingt überfrachtet mit Extra-Features, dazu auch eher unansehnlich und vor allem teuer: Bis zur Version Pro X (die 2012 erschienen war) hatte Magix für die Suite-Version noch fast 1.000,- Euro aufgerufen. Erst ab dem Nachfolger Pro X2 hatte man dann ein Einsehen und senkte den Preis deutlich. So gibt es die aktuelle Pro X5 Suite für jetzt 456,- Euro und liegt damit – zumindest vom Preis her – ungefähr auf Augenhöhe mit Cubase Pro 10.5 (529,- Euro).

Nach der Version 11 im Jahr 2011 stellte Magix die Zählweise bei Samplitude um: Nach der Version 11 folgte die Version Pro X, seitdem wird wieder hochgezählt.

Seit dem Jahr 2000 existiert mit Sequoia auch noch eine Art Profi-Weiterentwicklung von Samplitude, spezialisiert auf Mastering, Post Production und Broadcast. Professionell ist da auch der Preis von 2.829,- Euro für die derzeit aktuelle Version 15.

Samplitude gibt es – wie inzwischen üblich – in drei Versionen: Die kleinste Version ist das Samplitude Music Studio 2021 für 99,99 Euro. Es folgt Samplitude Pro X5 – das ich hier zum Testen vorliegen habe – für 299,- Euro und die Samplitude Pro X5 Suite für 456,- Euro. Sowohl die Pro X5- als auch die Pro X5-Suite-Version können auch im 365er-Abo bezogen werden, das kostet dann (bei jährlicher Zahlung) 22,99 bzw. 29,99 Euro monatlich.

Die drei Versionen unterscheiden sich vor allem im Funktionsumfang: so bringt die Suite beispielsweise noch die coreFX Suite (gibt es in der Normalversion nur als Demo), Steinberg Spectral Layers Pro 7, iZotope RX 7 Elements und Ozone 9 Elements sowie Sound Forge Pro 13 plus 22 virtuelle Instrumente (11 neu) und die 70 GB große Independence Library.

Samplitude Pro X5

Das GUI könnte mal ein Facelifting vertragen

Download und Installation

Mein Testmuster von Samplitude Pro X5 habe ich direkt über die Magix-Website erhalten. Der Download geht hier schnell und einfach über die Bühne. Das Zielverzeichnis lässt sich bei der Installation frei bestimmen (was leider nicht überall der Fall ist), auch wird erst einmal nur das Hauptprogramm heruntergeladen. Alle zusätzlichen Librarys und Instrumente können dann bei Bedarf aus Samplitude heraus nachträglich installiert werden. Dafür muss man dann zwar einerseits etwas öfter klicken, es erspart aber andererseits auch lästige Doppelinstallationen bzw. Installationen von Features, die man nicht benötigt.

Positiv erwähnenswert: Samplitude Pro X5 kann gleichzeitig auf zwei Geräten genutzt werden und benötigt für die Aktivierung keinen Dongle, sondern nur die Seriennummer.

Was bisher geschah

Für alle, die bisher keinen Kontakt zu Samplitude hatten, hier noch mal eine kurze Zusammenfassung meiner Bemerkungen zum Vorgänger Pro X4 im Rahmen meiner zweiteiligen DAW-Übersicht von 2018 hier an dieser Stelle.

Samplitude hat schon lange seine Sample-Editor-Vergangenheit hinter sich gelassen und liefert das komplette DAW-Paket aus Recording, Editing, Produktion, Mixing und Mastering – und wird zudem mit einem umfangreichen Paket an Software-Instrumenten, Samples und Effekten ausgeliefert. Seit einiger Zeit bringt Samplitude zudem einiges an professionellen Broadcast- und Mastering-Tools wie Loudness Metering nach EBU R128, DDP-Export, Encoder Preview, True Peak Limiter für die Analyse und MP3/AAC-Vorhörfunktion im Summenregler mit, die früher ausschließlich in der (mit 2.899 Euro deutlich teureren) Profi-Rundfunkversion Sequoia zu finden waren. Weitere Pluspunkte: Der neue Plugin-Browser befeuert den Workflow, Automation von Spur-Parametern (wie Volume oder Panorama) als auch von VST-Effektparametern, können in Unterspuren der Audiospur dargestellt und gesteuert werden, bis zu 32 CPU-Kerne werden unterstützt, Funktionen wie Melodyne Essential, zPlane Algorithmus, ARA oder projektübergreifendes Copy & Paste sind vorhanden. Die Benutzeroberfläche allerdings ist besonders auf hochauflösenden Monitoren stellenweise etwas umständlich bedienbar, da sich Mixer & Co nicht frei skalieren lassen. Der MIDI-Editor wurde zwar überarbeitet, ist aber noch immer nicht ganz up to date. Der Preis für das Upgrade von X3 auf die Version X4 ist für das Gebotene schon etwas ambitioniert, kostet es doch fast so viel wie die X3-Version damals.

Samplitude Pro X5

Notation gibt’s auch

Die Neuerungen im Überblick

Bevor ich auf die wichtigsten Neuerungen der Version Pro X5 im Detail eingehe, hier mal ein kurzer Überblick, was sich gegenüber dem zwei Jahre alten Vorgänger getan hat. Neu in X5 sind:

  • Monitoring Section: Ermöglicht die Einrichtung mehrerer Abhörwege mit unterschiedlichen Effekten plus Talkback
  • ARA2-Unterstützung: Damit lässt sich z.B. Celemony Melodyne direkt einbinden
  • Tempotrack: Automatisierung von Takt- und Tempowechsel
  • MIDI Polyphonic Expression: MPE Controller wie das ROLI Seaboard werden nun unterstützt
  • 11 neue virtuelle Instrumente: Unter anderem mit Vertretern aus der Vita-Reihe und mit der Tiny Instruments Collection (Beides gibt es auch bei Acid Pro als Beigabe)
  • Convology XT Complete: Ein fettes Paket mit Impulsantworten (4,6 GB, 2965 Dateien)
  • Automation Shapes: Vordefinierte Kurven für die Automation
  • Wave Color: Macht Frequenzverläufe durch Einfärbung der Wellenform sichtbar

Erster Eindruck bis hierhin beim Überfliegen der Liste: Vieles davon haben andere DAWs schon länger im Angebot. So ist ein Tempotrack inzwischen fast schon Standard geworden, auch MPE wird mittlerweile vielfach unterstützt (Bitwig, Studio One, Cakewalk, Logic, Reaper, Tracktion Waveform, Cubase, MainStage, Garage Band) und den ARA 2-Support hat Logic beispielsweise schon seit 2018, Presonus Studio One seit der Version 4 oder das kostenlose Cakewalk by Bandlab, Reaper, Nuendo oder Cubase seit 2019.

Es ist natürlich schön, dass Samplitude da nachzieht, ein Alleinstellungsmerkmal verschafft man sich damit aber nicht, die großen Innovationen scheinen da zu fehlen. Aber schauen wir mal, wie sich die neuen Features im Detail schlagen – und natürlich auch, was das alles für den Praxisbetrieb von Samplitude Pro X5 bedeutet.

Samplitude Pro X5

Die Schaltfläche für das Monitoring

Die Monitoring Section

Kleiner Tadel zu Beginn: Das mit fast 1.100 Seiten starke deutschsprachige Manual schweigt sich zu dem Thema aus. Kommt da noch was? Wer etwas sucht, findet im Ansicht-Menü von Samplitude aber dann den Punkt „Monitoring“ (Shortcut Umschalt+M). Im sich daraufhin öffnenden Fenster (das sich vom Main-Window abkoppeln lässt) können sowohl das Signalrouting zu den Abhörmonitoren als auch die Kommunikation zwischen Regie und Aufnahmeraum (aka Talkback) eingestellt werden. Als Quelle eignen sich entweder die Busse oder der Stereo Master Kanal; die lassen sich „normal“ in Stereo, aber auch Mono, beide Kanäle auf rechts oder links oder Phasenverkehrt aufschalten. Als Ziel können – sofern es das Audiointerface gestattet – zwei Abhör-Paare gewählt werden. Die Pegel lassen sich dabei getrennt einstellen, zudem gibt es für jeden der beiden Ausgänge zwei Plugin-Slots, die sich ebenfalls individuell belegen lassen. So kann man zum Beispiel auch mal schnell beide Ausgänge auf ein Boxenpaar routen und einen X/Y-Vergleich von verschiedenen Plugins testen.

In der Talkback-Abteilung schließlich lässt sich als Eingang zum Beispiel der Mikro-In des Interfaces auswählen und auf ein weiteres Boxenpaar routen. Wohl dem, der bei der Anschaffung seines Audiointerfaces auf eine entsprechende Zahl von Ein- und Ausgängen geachtet hat, denn mit einem 2×2 oder 4×4 Interface lässt sich das neue Feature kaum oder nur eingeschränkt nutzen.

Samplitude Pro X5

Der Mixer ist jetzt auch skalierbar

ARA2 (Audio Random Access 2)

Mit ARA 2 verbessert Magix weiter den Datenaustausch zwischen Samplitude und ARA-fähigen Plugins wie etwa Melodyne. Mit ARA 2 – das erstmals auf der NAMM 2018 vorgestellt worden war – muss zum Beispiel Melodyne nicht mehr als Plugin auf einer Spur eingesetzt werden, stattdessen können Audio-Events hier direkt geöffnet werden. Simultanes Editing mehrerer Spuren ist dabei ebenso möglich wie saubere Übergänge zwischen Clips ohne Crossfades. Und schließlich wird mit ARA 2 das Umschalten zwischen Objekten und das Vorhören verbessert. Wie schon weiter oben gesagt: Eine gute Sache, die bei den meisten anderen DAWs inzwischen aber schon länger zu finden ist: ARA 2 gehört mittlerweile dazu wie der VST3-Support.

Samplitude Pro X5

Die neue Tempospur

Die Tempospur

Ebenfalls ein alter Bekannter bei anderen DAWs ist die Tempospur, die nun auch in Samplitude Einzug gehalten hat. Bisher wurden Tempoänderungen und Taktwechsel über Tempomarker in der Markerleiste oder über die Markerschaltfläche vorgenommen, was auf die Dauer – besonders bei größeren Projekten – etwas unübersichtlich ist.

Mit der Tempospur können die im Projekt durchgeführten Tempo- bzw. Taktänderungen nun in einer eigenen Spur angezeigt werden, die Tempospur ist also die grafische Darstellung der alten Tempo-Map eines Projektes als Automationskurve. Änderungen in der Tempo-Map erscheinen postwendend in der Tempospur (die sich über einen Schalter auch deaktivieren lässt) und umgekehrt. Letztere erleichtert das Setzen von BPM-, Takt- und Rasterpositionsmarkern; praktischerweise lassen sich hier auch schnell und einfach (per gedrückter ALT-Taste) auch sanfte Übergänge zwischen zwei Tempomarkern erzeugen.

Etwas umständlich finde ich jedoch, dass ich bei Audio-Objekten, die von der Tempospur mit berücksichtigt werden sollen, jeweils noch ein Häkchen bei „Musikalische Tempoanpassung nutzen“ setzen muss. Zwar kann ich da ganze Gruppen von Objekten oder gleich alle auswählen und versuchen, die Änderung auf alle anzuwenden, doch funktioniert das eben nicht bei allen (z.B. nicht bei geloopten Dateien), auch müssen dann MIDI- und andere Spuren aussortiert werden. Macht man das also nicht von Beginn an, könnte das zu einer mühsamen Frickelei ausarten.

Samplitude Pro X5

WaveColor – es ist alles so schön bunt hier

Automation Shapes, MPE und WaveColor

In den Automationskurven lassen sich jetzt auch vorgefertigte Abschnitte (Linear, Log, Exponentiell, Cosinus, Sinus) einfügen, indem man die rechte Maustaste über einem Punkt auf der Kurve betätigt. Wer im Freihandzeichnen also nicht so versiert ist oder nicht dutzende Punkte setzen will, wird das sicherlich begrüßen, da es dem Workflow gut tut und gut funktioniert.

Dass nun auch MPE unterstützt wird (MPE = MIDI Polyphonic Expression), gehört mittlerweile zum guten Ton. MPE, das gleichzeitig mehrere (Modulations-) Änderungen pro Note ermöglicht – etwa durch horizontale und vertikale Fingerbewegungen auf einer Taste –  gibt es zwar schon seit 2018, ist bis heute aber immer noch eher ein Nischenprodukt und die Zahl der Controller (Roli Seaboard, Continuum Fingerboard, LinnStrument) überschaubar geblieben. Ob sich MPE in Zukunft weiter durchsetzen wird, bleibt abzuwarten – trotzdem schön, dass es nun auch bei Samplitude dabei ist.

Das neue Feature Wavecolor ist begrifflich irreführend. Denn hier werden nicht einfach nur die Hüllkurven der besseren Übersicht halber nett eingefärbt, sondern Klangcharakter und Tonhöhen über unterschiedliche Farbverläufe und Sättigungsstufen visualisiert. Die Farbe steht dabei für die durchschnittliche Tonhöhe (tiefe Töne sind rot, mittlere grün, hohe blau), die Sättigung für den Geräuschanteil – je weniger gesättigt, desto mehr Geräuschanteile sind vorhanden.

Laut Magix soll man so „unerwünschte Störgeräusche und andere Anomalien bereits vor dem Abhören“ ausfindig machen können. Das mit der Tonhöhe ist auch gut erkenn- und durchschaubar (auch wenn mir der Sinn des Ganzen nicht so ganz klar ist), bei den „Störgeräuschen“ bleiben aber Fragen offen. Zwar kann man da weiter spezialisieren (z.B. Umschalten auf Schwarz/Weiß, nur Tonhöhe oder Noise Factor oder zwischen hoher Frequenz- bzw. Zeitauflösung wählen), doch was es heißt, dass beispielsweise eine Bassdrum zwischen oliv und schwarz schwankt, war für mich nicht wirklich ersichtlich und auch nicht weiter hilfreich. Fällt für mich eher in die Kategorie Spielerei.

Samplitude Pro X5

Faltungshall, der fürs ganze Leben reicht: Convology XT Complete

Convology XT Complete und neue Instrumente

Das Convology XT Complete-Paket von Impulse Record aus Nashville ist ein Faltungshall-Plugin, das erst einmal mit seinen schieren Umfang erschlägt: 2.965 Files auf 5,35 GB ist schon eine Ansage. Mit dabei sind Vintage-Klassiker aus den 80er und 90er Jahren wie Lexicon, EMT und viele andere, unterteilt in Kategorien wie 80-90s DSP1, Echo Space, Springs Boingy, Vintage Amps oder Vintage German DSP, aber auch modernere Geräte, die allesamt dann auch zusätzlich als Abbildung in der (etwas schlichten, aber übersichtlichen) GUI zu sehen sind. Das Besondere daran ist aber nicht nur die Menge, sondern auch die Bandbreite an Parametern, an denen da geschraubt werden kann. Der aktuelle Einzelpreis für Convology XT Complete liegt bei 349,- US Dollar, eine durchaus lohnenswerte Beigabe also, zumindest für die, die so etwas auch nutzen. Eine kleinere Version (Convology XT, etwa 190 MB groß) gibt es übrigens als kostenlosen Download auf der Website von Impulse Record.

Samplitude Pro X5

Die Vintage Cornets klingen gar nicht mal so übel

Die Zahl an Instrumenten ist bei Samplitude Pro X5 ansprechend. Neben den Samplern Independence (mit einer 12 GB Library bzw. einer 70 GB Library in der Suite) und Vita, einigen  Synthies (Revolta, Robota, DN-e1, Analog Synth 2) sowie dem Sample Player Vita 2 finden sich da auch einiges an elektrischen und akustischen Instrumenten, wobei die Auswahl mir da schon bei Acid Pro (das auf dieselben bzw. ähnliche Instrumente setzt) etwas willkürlich erscheint.

Neu mit dabei sind jetzt zum Beispiel eine Holzklarinette, Vintage Lead Trumpets und Cornets, Cello, Jazz Guitar, Handchimes, Bells und Glass, Bongos, Congas, Shaker, Taiko, Vintage Mid und Low Brass, die Tiny Instruments Collection. Das mag man als Ergänzung zu den schon vorhandenen Instrumenten wie diverse Pianos, Upright Bass oder das Vita Orchestral Ensemble sehen, doch klaffen da immer noch gewaltige Lücken im Instrumentarium. Einige klingen durchaus nicht schlecht (wie etwa die Pianos oder die Vintage Bläser), andere eher so „na ja“ – ein komplettes Orchesterensemble, das gerade einmal 250 MB groß ist, klingt dann halt auch nach 250 MB.

Irgendwo versteckt in einem Pop/Elektrotrack ist das durchaus brauchbar, aber für eine klassisch orchestrale  Nummer muss man sich dann schon woanders umschauen. Was mir gefällt: Ich bekomme hier nicht das komplette Paket ungefragt aufgedrückt, sondern kann selber entscheiden, was ich mir davon nachträglich herunterladen und installieren möchte. Weniger gut: Das Programm merkt nicht, wenn schon etwas vorhanden ist, sondern installiert das dann eben noch einmal.

Fazit

Samplitude hat in den letzten Jahren recht gut zugelegt und hat besonders im (Audio)objektbasierten Bearbeiten und Mastering seine Stärken; in der Praxis gab es auch keine Probleme, Latenz, MIDI-Timing, Audioqualität: alles ok. Die Version Pro X5 ist in meinen Augen aber eher ein großes Major Update denn ein echter Versionssprung. Tempotrack, ARA2-und MPE-Support, WaveColor oder Automation Shapes – das ist ja alles ganz nett, rechtfertigt in meinen Augen aber noch keine neue Version und liefert mir da – bis auf die Monitoring Section vielleicht – auch keine Alleinstellungsmerkmal.

Dass jetzt auch das Faltungshall-Monster Convology XT Complete mit dabei ist, ist sicherlich für die, die so etwas benötigen, eine feine Sache. Die meisten würden sich aber wohl noch mehr über Annehmlichkeiten wie eine Akkordspur oder ein moderneres und übersichtlicheres GUI freuen.

Aber die Wahl der DAW ist ja nun auch eine Art Glaubens- und Gewöhnungssache (wie Cola oder Pepsi, McDonalds oder Burger King) und natürlich nicht zuletzt eine Frage der persönlichen Anforderungen und Einsatzziele. Ich als Studio One Nutzer fand Samplitude hier und da etwas sperrig im Workflow (und vermisste auch das ein oder andere Feature), aber das mag auch jeder anders empfinden, vor allem, wenn er länger dabei ist.

Der ursprünglich – in meinen Augen – zu hoch angesetzte Preis von 399,- Euro (bzw. 599,- Euro für die Suite) wurde inzwischen richtigerweise nach unten korrigiert (299,- bzw. 456,- Euro), zudem gibt es eine 30-tägige Testversion.

Samplitude ist auf dem richtigen Weg, hätte in der Version 5 gerne noch mehr liefern dürfen. Insgesamt gibt es dafür dann – trotz einiger Mankos – noch ein knappes „gut“.

Plus

  • recht umfangreiches Gesamtpaket
  • lief im Test stabil
  • jetzt mit ARA2- und MPE-Support sowie Tempotrack
  • Convology XT Complete mit dabei
  • stark beim Objektbasierten Arbeiten
  • komfortable Monitoring Section
  • Instrumente klingen zum Teil recht ordentlich…

Minus

  • GUI noch immer etwas unübersichtlich, umständlich und altbacken
  • eher ein Major Update als ein Versionssprung
  • …manche Instrumente aber wiederum etwas dünn

Preis

  • Samplitude Pro X5: 299,- Euro
  • Samplitude Pro X5 Suite: 456,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    vssmnn  AHU

    Das GUI ist wirklich grässlich.
    Kann mich noch an die älteren Samplitude 5/6 Versionen erinnen, bevor man sich entschied, dieses seltsame Frickel-Design einzusetzen
    Das war besser, schlichter und zeitloser , als das aktuelle, bei welchem man sich immer an die 2000-er Design-Fails erinnern muss, oder so, wie wenn man sich Mode aus den 80-ern antun muss.
    Haut endlich den GUI-Designer raus oder schickt ihn in Rente.

  2. Profilbild
    Ichweißnicht

    Samplitude hat im Grunde einen guten Ansatz, aber seit der „Pro X“ Reihe ist das Teil ein Flickenteppich, was nie zuende gedacht wird. Es folgt neue Verson auf neue Version, für die ein Bestandskundejedes Mal aufs neue zahlen muss, ohne das bei alten Versionen grundsätzliche Fehler entfernt wurden, so dass man quasi gezwungen wird eine neue Version wieder für 200 € (upgrade) zu erwerben. User-Mails werden ignoriert und auch Forenbeiträge die sich kritisch mit der Performance auseinandersetzen, werden ignoriert. Nach Pro x 3 habe ich aufgehört diesen Wahn mitzumachen. Ich hatte die Version 4 nochmal kurz getestet (als sie neu heraus kam) und das Ding hatte einen Absturz nach dem nächsten. Und die CPU Performance hatte sich zwar verbessert, lag aber nach wie vor deutlich hinter der Konkurrenz. Bis Pro X 3 war dieser „Bug“ ja sogar so übel, dass man auf einem moderen PC kaum VST Instrumente einbinden konnte, ohne das Samplitude einen Kern komplett auslastete und nichts mehr ging. Aber na ja…auf dem Markt gibt es mitlerweile deutliche bessere DAW´s, die auch deutlich bessere Upgrades liefern und das auch zu deutlich besseren Preisen. Dies ein kleiner Erfahrungsbericht. Wer es kaufen will….bitte ausführlich testen…und zwar mit allen VST und VSTi die man immer wieder benötigt und das auch über so viele Spuren wie eure Projekte normalerweise groß sind.

    • Profilbild
      ctrotzkowski  

      Ich mache so ca. alle 5 Jahre ein Update und bin aktuell auch auf X5, hatte aber auch in Großprojekten nie mit Performance-Problemen zu kämpfen. Auch laufen alle meine VSTs (NI Komplete, EastWest Play, VSL, Halion, Tyrell :-D ) auf meinem i7-Laptop ohne Knackser und Probleme. Ok, eine Ausnahme ist NI MassiveX – aber der läuft unter anderen DAW bzw. dem schlanken Cantabile-Host auch keinen Deut besser….
      Was absolut richtig beoachtet ist, sind seit Version 11 die recht sparsamen Feature Upgrades – man hat den Eindruck, hier eher für noch mehr zugekaufte kleine Dreingaben zu bezahlen, als für substanzielle Dinge. Updates macht man eher um im Support zu bleiben, als daß man ein neues Feature entdeckt.
      Was mir aber auch in den letzten Kooperationen mit Heavy-Usern von z.B. Cubase aufgefallen ist: So manche Fragestellung, insbesondere bei größeren Projekten, hat bei den Kollegen zu aufwändigen „Umbauaktionen“ im Projekt geführt, die ich mit Samplitude in einem Bruchteil der Zeit erledigt hätte….
      Am Ende ist entscheidend, welche DAW am besten zu welchem Workflow paßt. Da hat mich die Konkurrenz bisher auch nicht „abwerben“ können.

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        Ichweißnicht

        Ja seltsam. Das Problem mit Sam Pro X 1 bis 3 war ja, dass es nur bedingt multicorefähig war. Somit wurden die Instrumente nicht auf die diversen Cores verteiltund ja, ein paar instanzen von Massive als Beispiel, und Sam war ausgelastet. Somit waren zumeist nie mehr als 10 Spuren möglich, wenn dann noch Effekte hinzukamen. Und das war schon sehr „armseelig“ :D. Ich bin dann zu Reaper gewechselt, und dort war performance bislang nie ein Problem. Selsbt solche CPU Schlucker wie Serum und Avenger laufen dort ohne Probleme, gleiches gilt auch für die Produkte von Izotope wie Ozone und Neutron, welche ja SAm mehr oder weniger gar nicht mochte und auch die Updatepolitik ist dort eine reine Update-Politik und keine verkappte wie bei Magix.
        Aber Du hast absolut recht…entscheidend ist absolut ob eine DAW zu einem passt und den Workflow zulässt, den man haben möchte. Aus dem Grund auch von mir keine pauschale „Nicht-Empfehlung“ sondern. dass man vor dem Kauf die DAW komplett testet, ob seine Hauptplugs laufen, dass es keine Abstürze gibt, dass man, wenn man 100 Spuren mit VST benötigt, auch 100 Spuren anlegen kann und nicht nur 10 usw. Wenn das alles passt, dann ist Sam eine gute DAW.

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          m-ex  

          << Ich bin dann zu Reaper gewechselt, ...>>
          Mal aus ganz privatem Interesse: Wie hoch war denn der „Umgewöhnungs-Frustrations-Faktor“?
          Wobei ich davon ausgehe, dass bei mir die Pause von guten 10 Jahren eine weit höhere Hürde darstellen dürfte.

          • Profilbild
            Ichweißnicht

            @m-ex….ich hatte da jetzt keinen „Frustfaktor“ :D. Durch die doch recht logischen Tastenbelegungen und dadruch, dass man alles auch einfach an die eigenen Bedürfnisse anpassen kann (übers Actionmenü), war die Umstellung sehr einfach. Die Umstellung bei mir erfolgte von Orion und Samplitude (beides in Nutzung ab 2007) auf Reaper in 2018. In Orion hatte ich seinerzeit die Songs erstellt und in Samplitude dann gemixt und gemastert. Was du halt nicht in Repaer hast sind VSTi´s…bis auf einen sehr einfachen Synth und nen zu vernachlässigen Sampler. Im Grunde beommste bei Cockos halt die reine DAW, aber mit super Performance in allen Bereichen. Dazu gibt es zwei Versionen gratis…also ohne Upgradekosten plus die Updates erfolgen zumeist über viele Jahre innerhalb einer Versionsnummer. Somit haste 4-5 Jahre sicher keine weiteren Kosten..und wenn dann wieder Kosten anfallen, dann kostet die neue Lizenz nur 59 €. Ach ja…und auch der support ist spitze. Hier wirst Du als Nutzer jederzeit gehört und die solltest Du Schwächen oder Bugs finden, werden diese schnellstens behoben…und werden nicht als MAJOR UPGRADE in einer neuen Version präsentiert. Toll war z.B. auch, dass Version 6 von Reaper solange hinausgezögert wurde, dass sie noch in Version 5 integriert wurde, damit alle Nutzer die nicht upgraden wollen, dieses noch zur Verfügung haben.

          • Profilbild
            Ichweißnicht

            Und danach gab es dann auch noch eine längere Testphase, damit auch alle kleinen Schwierigkeiten behoben werden konnten…wobei es von Anfang an gut lief. Und erst dann gabs die neue Version…ca. 4 Jahre nach der Vorgängerversion. Das ist alles sehr sehr kunden- und benutzerfreundlich.
            Ich meine, dass du das Programm 2-3 Monate kostenlos testen kannst. Also auch hier ein großes Entgegenkommen.
            Manko in Reaper…Midisektion ist ok…aber da wüde ich mir mehr wünschen. Alllerdings hat man die Möglichkeit auch hier das ganze anzupassen. Aber dafür fehlte mir bislang die Zeit.

            • Profilbild
              m-ex  

              Vielen lieben Dank für die ausführliche Antwort.
              Die fehlenden VSTis bzw. die reine DAW würde ich persönlich sogar als Vorteil ansehen. Eine umfangreiche Midisektion wird bei mir auch eher nicht benötigt.
              Sieht alles danach aus, dass ich mir das mal im Detail anschauen sollte.
              Nochmals vielen Dank

  3. Profilbild
    Vati  

    Auch dieses Update fällt wieder sehr mager aus. Wie übrigens schon das von X3 auf X4 im Jahr 2018. Die Highlights bei Samplitude sind weiterhin der „Objektmodus“, die hauseigenen Plugins und das Mischpult. Eine All in One Lösung für Audio. Alles dabei auch CD brennen, aber……..
    Das war schon vor 5 Jahrenn so. Ich warte weiterhin z.B. auf eine UHD Auflösung, frei skalierbar. Statt dessen gibt es immer noch Pixelgrafik und Text, grausam. Mischpult nach eigene Bedürfnissen gestalten. Eine „EBU128 Datei Berechnung“ , eine sinnvolle Peakanzeige bei der Wellendarstellung.
    Reaper ist schon eine Alternative allerdings ohne Objektmodus.
    Ja , auch diesmal bin ich enttäuscht und bleibe bei der Version X3. Der Upgradepreis von 199.-€ ist völlig daneben. Magix will wohl Stammkunden mit den ständig neuen Versionen „melken“. Ich kann mich dem Fazit vom Redakteur anschließen, würde aber keine zwei Sterne geben.

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