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Workshop: Doepfer Dark Energy plus 2. VCO & 2. LFO – Teil 3

5. Februar 2012

Einsteiger Workshop für Modular

Winterzeit, kalte Zeit. Man kann ohne schlechtes Gewissen zu Hause bleiben und ein Wochenende lang vor seinen geliebten Synthesizern sitzen. Darum gibt es nun noch mal einen Teil unseres Workshops zum Dark Energy mit Minicase-Erweiterung. Diesmal heißt das Motto: Praktisches meets Klangverbiegung.

Heutige Bestückung

In diesem Teil gibt es eine variable Konfiguration für das Minicase. Natürlich ist wieder ein A-110 Oszillator mit von der Partie. Wie wir in Teil 1 und Teil 2 des Workshops gesehen haben, gewinnt das Klangvolumen des Dark Energy durch einen zweiten Oszillator enorm. Eine weitere Klangquelle bleibt diesmal jedoch außen vor. Vielmehr wollen wir eine andere Schwäche des Dark Energy eliminieren, nämlich die nicht vorhandene zweite Hüllkurve. Bislang konnten wir keine Hüllkurve im Minicase unterbringen, da durch zwei VCOs bzw. einen VCO und einen Rauschgenerator sowie dem dazu benötigten Mixer einfach nicht mehr genügend Platz vorhanden war. Doch weil es diesmal bei einem VCO bleibt, können wir eine Hüllkurve unterbringen. Dafür haben wir die Standard-ADSR-Hüllkurve A-140 ausgewählt. Die Hüllkurve kann dank Bereichsumschaltung extrem schnelle oder auch extrem langsame Verläufe erzeugen und verfügt über zwei normale und einen invertierten Ausgang. Natürlich kann man auch ein anderes Hüllkurven-Modul nehmen, sofern es nicht breiter als 8  bzw. 10 TE (Teileinheiten) ist. Das CV-steuerbare Decay-Modul A-142 wäre denkbare Alternative.

Der Dark Energy erhält diesmal einen 2. VCO, eine zweite Hüllkurve und 2 Klangverbieger

Ansonsten füllen wir das Minicases mit Klangverbiegern. Alternativ haben wir drei verschiedene Module für diesen Workshop ausgesucht, aber natürlich kann man sich auch für ein anderes Modul entscheiden. Hiermit wird weiterer 8 TE Platz beansprucht. In den verbleibenden 6 TE setzen wir den dualen Ringmodulator A-114 ein. Und die restlichen 2 TE kann man mit einer Blindplatte schließen. Wer selbst dieses letzte Quäntchen Platz auch noch sinnvoll nutzen möchte, kann mit 2 TE-Modulen von Intellijel Designs z.B. ein Multiple oder Inverter einbauen.

Doppelt umhüllt

Mit einer zweiten Hüllkurve steigt das Potential eines Synthesizers fast ebenso wie durch einen zweiten Oszillator – ein Glück, dass wir nun Beides haben. Durch die zweite Hüllkurve sind nun unterschiedliche Verläufe für Filter und Lautstärke möglich, alternativ kann natürlich auch ein anderer Klangparameter mit der Hüllkurve gesteuert werden. Eine essentielle Anwendung sind unterschiedliche Decay-Zeiten für Volume und Filter-Cutoff. Während die Lautstärke langsam abklingt oder mit vollem Sustain hoch gehalten wird, lässt sich das Filter mit einem deutlich kürzerem bis perkussiven Decay modulieren. Das ist nicht nur für tief gefilterte Bässe, sondern auch für klassische Lead- und schnell getriggerte Sequencersounds praktisch. Ebenso für gefakte Chord-Sounds, wie sie bei Minimal gern verwendet werden. Mehr dazu im Abschnitt zum A-115.

CV und Gate von Dark Energy steuern VCO und Hüllkurve

Die Ansteuerung der zweiten Hüllkurve ist sehr einfach. Der Gate-Ausgang des Dark Energy wird zum Gate-Eingang des A-140 gepatcht. Parallel dazu steuert der CV-Ausgang des Dark Energy den Oszillator im Minicase über dessen CV1-Eingang. Der Ausgang der Hüllkurve kann nun wahlweise zu den Buchsen VCF F oder VCA A am Dark Energy verbunden werden, um entweder Filter oder VCA zu steuern. Das wäre erst einmal die Standardanwendung. Selbstverständlich sind auch Pulsbreite und Tonhöhe (VCO PW/F) oder ein Parameter an dem Klangverbieger, der sich im Minicase befindet, sinnvolle Modulationsziele.

Man hat nun die Wahl, ob man mit der internen Hüllkurve des Dark Energy Filter oder VCA steuern soll, während das Modul A-140 den anderen Parameter übernimmt. Da die Steuereingänge des Dark Energy keine Abschwächer besitzen, ist die Entscheidung recht einfach. Denn am Filter ist ein Abschwächer unablässig, während beim VCA die Steuerung über den vollen Bereich normal ist. Also schalten wir am Dark Energy-VCA den AM-Source-Schalter in die Mittelposition und verbinden den Ausgang des A-140 mit dem Eingang VCA A. Nun steuert die zweite Hüllkurve die Lautstärke. Da hier jetzt der volle Bereich durchfahren wird, ist der AM-Regler wirkungslos und kann auf Null gedreht werden.

Die interne Hüllkurve ist jetzt nur noch für das Filter zuständig (XFM-Source-Schalter auf ADSR) und kann in Modulationstiefe und Werten nach Gusto eingestellt werden. Soll ein anderer Parameter anstelle des Filters gesteuert werden, kann man a) über den ENV-Ausgang die interne Hüllkurve dorthin patchen oder b) die interne auf den VCA schalten und die zweite Hüllkurve für diesen Parameter nehmen.

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Tipp: Wer auf den Ringmodulator verzichten kann, könnte sich den dualen Abschwächer A-183-1 statt dessen einbauen. Somit hätte man für beide Hüllkurven die Möglichkeit, die Modulationstiefen zu allen Zielen zu justieren, und auch der Audioeingang des Dark Energy kann darüber dosiert werden.

Dreifach verbogen

Obwohl wir aus dem Dark Energy mit unserer Minicase-Erweiterung einen vollständigen Synthesizer gemacht haben, besitzt das System einen Schwachpunkt. Da der interne VCO nicht separat abgegriffen werden kann, lässt er sich nur mit dem internen Filter, aber nicht mit einem Modul im Minicase bearbeiten. Ein anderes Filter in diesem System einzusetzen ist also kaum sinnvoll, da man damit nur den externen VCO bearbeiten kann, während der Dark Energy bis auf den VCA nahezu beschäftigungslos wäre.

Trotzdem setzen wir diesmal auch klangformende Module ein. Der Gedanke dahinter ist folgender: Mit dem Modul kann zwar nur der 2. VCO bearbeitet werden, jedoch machen wir seine Schwingungsform flexibel und führen sie mit dem Dark Energy-VCO zusammen. So bekommen wir ein lebendiges bis aggressives Signal, das wir mit dem Filter des Dark Energy formen können.

Der Bit-Crusher wird vom 2. VCO gefüttert und vom DE-LFO moduliert

A-189-1 VC Bit Modifier

Der Bit Modifier, auch Crusher genannt, ist ein digitaler Effekt, der ein Signal in Samplerate und Bit-Auflösung manipulieren kann. Wir bekommen hier also eine völlig neue Klangfarbe in unser analoges System. Das Modul bietet 16 verschiedene Modi, die das Signal herunterbrechen. Mit den beiden Parametern BC (Bit Crushing) und SR (Sample Rate) wird der Klang eingestellt. Je tiefer die Parameter sind, desto kaputter wird der Sound. Dabei muss man auf den Abgleich der beiden Werte achten. Lässt man SR auf Maximum, hat BC nur geringe Auswirkung. Erst mit abgesenkter SR entsteht der typische LoFi-Sound. Sehr drastisch wird die Klangveränderung, wenn man Sinus oder Dreieck in das Modul schickt. Bei extremen Einstellungen kann das Signal sogar seine Tonalität verlieren. Deswegen ist es gut, wenn der Dark Energy-VCO hier als „Stütze“ eingesetzt wird. Das Modul besitzt auch Delay-Modi für kurzzeitige Verzögerungen, mit denen man sehr drahtige Sounds erzeugen kann. Die Parameter BC und SR sind CV-steuerbar, allerdings eigenen sich in erster Linie langsame Modulationen vom LFO oder Pitchwheel>CV4 dafür.

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Der mitunter sehr aggressive Klang, der aus dem A-189-1 kommt, sollte mit dem Dark Energy-Filter gezähmt werden. Wird das Filter mit kurzem Decay und niedrigem Sustain gesteuert, können durchsetzungsfähige, perkussive Sounds erzeugt werden, für die man noch nicht mal die Resonanz bemühen muss. Über den regelbaren Eingang des A-189-1 kann der Pegel an den DE-Audioeingang angepasst werden.

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A-115 Audio Divider

Das A-115 ist eine Kombination aus Klangerzeuger und Mischer und eignet sich somit hervorragend für unser beengtes Minisystem. Ein Audio Divider teilt ein eingehendes Signal oktavweise herunter. Ein typischer Einsatz für diese Technik ist der klassische Suboszillator. Das vom Divider erzeugte Signal ist immer eine Rechteckschwingung, egal was man reinschickt. Das Modul A-115 erzeugt gleich vier Oktavteilungen, was bei normaler Anwendung bis in den Subaudiobereich reichen würde. Aber man muss nur „anders herum“ denken. Man stellt den 2. VCO auf eine sehr hohe Oktavlage. Sinnvoll ist es, dass der Sound, den der mittlere Regler F/4 ausgibt, der Tonhöhe des Dark Energy-VCO entspricht. Dann hat man mit den restlichen vier Reglern zwei Oktaven unter und über dem Signal zur Verfügung. Man kann also einen klassischen Suboszillator mimen oder auch ein höher gestimmtes Signal hinzumischen. Mischt man drei oder vier Lagen miteinander, kann es jedoch zu seltsamen Effekten kommen, so dass das Signal sich im Klang und Kraft verändert. Man muss etwas probieren, was man wirklich für seinen Sound braucht und welcher Regler zu bleiben kann.

Der Divider wird als Suboszillator und Erzeuger simpler Chords eingesetzt

Hier können wir auf einen Trick aus unserem ersten Workshopteil zurückgreifen. Mit dem Divider stellen wir eine oktavreine Mixtur aus zwei, eventuell drei Lagen her. Den Dark Energy-VCO (Rechteck) stellen wir jedoch auf einen passenden Intervall dazu ein, z.B. Quinte oder Septime. Durch dieses Intervall wird das zuvor phasenstarre Signal aufgelockert und ein, wenn auch sehr simpler, Akkord kommt zustande. Auch hier bringen wir wieder das Filter ins Spiel, um den rohen Klang in Form zu bringen.

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A-136 Distortion Waveshaper

Die Bezeichnung Distortion (Verzerrung) ist beim A-136 zwar zutreffend, aber etwas irreführend. Hier wird kein Heavy Metal-Sound erzeugt, sondern eine eingehende Schwingungsform verzerrt. Waveshaper trifft eher das, was man sich darunter vorstellt. Am besten verwendet man Dreieck oder Sinus, bei Sägezahn und Rechteck ist das Ergebnis weniger gravierend. Intern wird das Signal dreigeteilt, und mit fünf Reglern lässt sich der positive und negative Anteil separat verbiegen. Dank zweier CV-Eingänge kann der Vorgang moduliert werden, und ähnlich wie beim Bitcrusher eignen sich auch hier langsamere Bewegungen.

Der Waveshaper bearbeitet den Sinus des 2. VCO und wird mit dem DE-VCO zusammen durchs DE-Filter geschickt

Wie bei der normalen (analogen) Pulsbreitenmodulation lässt sich die Schwingungsform bis ins akustische Aus treiben. Deshalb empfiehlt es sich, den Dark Energy-VCO stets zur Dopplung herzunehmen. Moduliert man dessen Pulsbreite und parallel dazu die Parameter am A-136, entsteht ein sehr lebendiger und voller Sound. Eine alternative Anwendung wäre, den 2. VCO erst zum Dark Energy zu patchen, beide VCOs zu filtern und den Dark Energy-Ausgang in den Waveshaper zu schicken. Speziell bei hoher Resonanz wirkt sich die Verzerrung hörbar aus, allerdings können u.U. Nebengeräusche in Signalpausen bleiben, da der Waveshaper erst nach dem VCA sitzt.

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A-114 Dual Ring Modulator

Sofern man nicht den A-183-1 Attenuator eingebaut hat, bietet sich der duale Ringmodulator als Ergänzung unseres Systems an, wobei wir nur eine der beiden Sektionen verwenden. Ein Ringmodulator wird immer von zwei Signalen gespeist und gibt deren Summe und Differenz aus. Anhängig vom Stimmungsverhältnis der beiden Signalquellen klingt das Ergebnis von metallisch bis krank. Da ist wieder die Schwachstelle des Systems, dass der Dark Energy-VCO nicht abgegriffen werden kann. Deswegen nehmen wir den 2. VCO und den LFO2 des Dark Energy, der einen Ausgang auf der Frontseite besitzt. Den LFO kann man bis in Audiobereich treiben, jedoch nicht chromatisch spielen. Die Ergebnisse sind also überwiegend schräg.

Der Ringmodulator wird vom 2.VCO und dem DE-LFO gespeist

Betreibt man den LFO mit Rechteck im Subaudiobereich, entsteht ein netter rhythmisierter Effekt. Im Audiobereich sollte man eher Dreieck verwenden und versuchen, eine Frequenz einzustellen, bei der zumindest ein Teil der Töne der gespielten Melodie harmonisch bleibt. Forscht man mit der LFO-Frequenz ein bisschen herum, kommt man zu Einstellungen, die an Sample&Hold erinnern oder scheinbar eine neue Notenfolge erzeugen. Verwendet man bei VCO und LFO Rechteck, erzielt man bei passendem Verhältnis einen digitalen Sound, der an den SID-Klang erinnert.

Fazit

Es ist viel möglich mit unserer kleinen Kombination aus dem im Grunde sehr einfachen Dark Energy und dem Minicase. Ob klassischer 3-VCO-Synth (Teil 1), Geräuschgenerator (Teil 2) oder wie hier als Analog/Digital-Kombi – mit erweitertem Klangspektrum macht der Dark Energy mehr als doppelt soviel Spaß. Der Einstieg in die modulare Welt ist mit so einem überschaubaren System viel leichter als bei einem Fullsize-Rahmen. Und macht mit der Zeit vielleicht auch Appetit auf noch ein paar Module mehr – und noch ein paar – und noch ein paar…

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