Workshop: Gitarre spielen wie Jimi Hendrix (mit Video)

27. Oktober 2020

Guitar Heroes - how to play like Hendrix

Workshop: Gitarre spielen wie Jimi Hendrix (mit Video)

Workshop: Gitarre spielen wie Jimi Hendrix (mit Video) © by flickr

Am 18.09.2020 jährte sich der Todestag von Jimi Hendrix zum 50. Mal – Grund genug, in der 3. Folge unserer Workshop-Reihe „Guitar Heroes“ an ihn zu erinnern. Wie immer gibt es drei Licks bzw. Riffs zum Nachspielen – natürlich in Notation/Tabulatur und mit Videodemonstration.

Jimi Hendrix – der Junge aus Seattle

James Marshall „Jimi“ Hendrix wurde am 27.11.1942 als John Allen Hendrix in Seattle geboren. Nach diversen Krisen innerhalb der Familie und der Scheidung seiner Eltern im Jahre 1951 wuchs Jimi bei seinem Vater auf. Die erste Gitarre kaufte ihm sein Vater im Sommer 1957 – es war eine gebrauchte akustische Gitarre, auf der der junge Jimi als Linkshänder die Saiten „verkehrt herum“ aufzog, um darauf spielen zu können. Kurz darauf stieg Hendrix in seine erste Band ein. Nachdem er seine erste elektrische Gitarre geschenkt bekommen hatte, spielte Jimi schon in der nächsten Band, den „Rocking Kings“. Seine schulischen Leistungen gingen fortan den Bach herunter – Hendrix musste die High School 1959 wegen schlechter Noten verlassen. Beim Militärdienst wurde er wegen schlechter Führung nach nur 13 Monaten rausgeworfen. Immerhin lernte Jimi während dieser Zeit den Bassisten Billy Cox kennen, mit dem er die Band „The King Kasuals“ gründete.

Voodoo Chile als Sideman

Mittlerweile in New York lebend, verdiente sich Jimi seine Brötchen als Sideman für verschiedene Künstler, u. a. für  Little Richard, Ike & Tina Turner, The Supremes, The Isley Brothers, King Curtis und Jackie Wilson. Die erste Band, bei der er als Frontmann und Sänger fungierte, war die 1965 gegründete Formation „Jimmy James and the Blue Flames“.

Im Jahre 1966 wird der noch recht unbekannte Jimi Hendrix bei einem Auftritt im New Yorker Szene-Club „Cafe Wha?“ vom britischen Bassisten Chas Chandler entdeckt – dieser hatte gerade die Band „The Animals“ verlassen und war interessiert daran, neue Künstler zu fördern und zu produzieren. Chandler überredete Hendrix, mit ihm nach London zu gehen, um dort an dessen Karriere zu arbeiten.

Die Jimi Hendrix Experience

In London angekommen, begab sich Chandler auf die Suche nach geeigneten Musikern für Hendrix‘ neue Band. Die Wahl fiel auf den Schlagzeuger Mitch Mitchell und den Gitarristen Noel Redding, der fortan Bass spielen sollte. Mit diesen beiden Musikern gründete Jimi Hendrix im September 1966 die „Jimi Hendrix Experience“ und spielte einige Gigs – hauptsächlich als Support von bekannteren Bands. Die erste Single mit den Songs „Hey Joe“ und „Stone Free“ wurde im September/Oktober 1966 aufgenommen und noch im Dezember veröffentlicht.

Besagte Single erreichte Platz 4 der UK-Charts und ebnete damit den Weg für das nachfolgende Album „Are You Experienced“. Dieses Album, auf dem bereits einige legendäre Hendrix-Klassiker enthalten sind, belegte den 2. Platz der UK-Charts. Jimi Hendrix hatte es geschafft – er mutierte zum Gitarrenidol und Popstar gleichermaßen.

Workshop: Gitarre spielen wie Jimi Hendrix (mit Video)

Jimi Hendrix – der Sound, die Gitarren, die Anfänge

Die Rückkehr in seine Heimat erschien als logischer Schritt, denn dort hatte man von ihm über den „Umweg“ England zwar gehört – live war er aber dort seit seinem Weggang nicht mehr aufgetreten. Am 18. Juni 1967 spielte die „Jimi Hendrix Experience“ schließlich in Kalifornien auf dem „Monterey Pop Festival“. Dieser Auftritt steigerte Hendrix‘ Popularität in den USA ungemein und wurde unter anderem dadurch bekannt, dass Jimi am Ende des Songs „Wild Thing“ seine Gitarre mit Benzin übergoss und anzündete. Zahlreiche weitere Auftritte folgten, bis die Band im August 1967 zurück nach England flog, um dort das nächste Album aufzunehmen. Im Oktober 1967 wurde „Axis: Bold as love“ veröffentlicht und die Band begab sich infolgedessen Anfang 1968 auf eine ausgedehnte Tour durch die USA. Parallel dazu nahm das Trio die Arbeit an einem weiteren Album auf. Mitte Oktober 1968 wurde das Doppelalbum „Electric Ladyland“ veröffentlicht und erreichte Platz 1 der Billboard 200. Dieses Album gilt bis heute als Meilenstein der psychedelischen Rockmusik.

Jimi Hendrix The Experience Tabs & Tutorial

Für das Woodstock-Festival im Sommer 1969 stellte Jimi Hendrix eine neue Band zusammen. Mit dabei waren außer einem Rhythmusgitarristen und zwei Perkussionisten sein alter Freund Billy Cox am Bass sowie Ex-Experience Drummer Mitch Mitchell. Der Auftritt dieser Besetzung („Gypsy Sun & Rainbows“) sollte in die Geschichte eingehen – vor allem wegen Hendrix‘ Instrumentalversion der amerikanischen Nationalhymne „A star spangled banner“. In dieser Performance wechselt sich die Melodie der Hymne ab mit einem Feedback- und Soundgewitter, das an Bomber- und Maschinengewehrfeuer erinnerte. Damit kritisierte Hendrix offensichtlich die Rolle der USA im damals noch währenden Vietnamkrieg – später stritt er diese Interpretation allerdings ab.

Jimi Hendrix löste die Woodstock-Band nach zwei weiteren Auftritten auf und gründete zusammen mit Billy Cox (Bass) und Buddy Miles (Schlagzeug) die „Band of Gypsys“. Nach nur einem Monat formierte Hendrix mit Cox am Bass und wiederum Mitch Mitchell am Schlagzeug die „Jimi Hendrix Experience“ neu. Das Trio ging auf eine letzte USA- und Europa-Tournee – der Auftritt beim „Isle of Wight“-Festival am 30. August 1970 ist dabei besonders zu erwähnen. Das Konzert beim „Love and Peace“-Festival am 04. September 1970 auf der Ostseeinsel Fehmarn sollte Jim Hendrix letzter Auftritt werden. Er starb am 18. September in London.

 Wie spiele ich wie Jimi Hendrix? Die Licks.

Jimi Hendrix gilt als einer, wenn nicht DER einflussreichste Gitarrist aller Zeiten. Das moderne E-Gitarrenspiel, wie wir es kennen, wäre ohne Jimi Hendrix undenkbar. Um das zu verstehen, ist es wichtig, Hendrix im zeitlichen Kontext zu sehen. Denn als er auf der Bildfläche erschien, gab es einfach niemanden, der so spielte wie er –  diese Kombination aus virtuoser Spieltechnik, bis dahin ungehörten Sounds, griffigen Songs und extrovertierter Bühnen-Performance war in den Jahren einzigartig. Hendrix war der erste Rockgitarrist, der die damals noch weitverbreitete  Trennung zwischen Rhythmus- und Sologitarre aufhob und beides auf seine eigene Art zu einem Ganzen werden ließ – er schien das Instrument wie ein Orchester zu begreifen, mit unterschiedlichen Stimmen und Aufgaben – dies kombinierte er obendrein noch gekonnt mit seinem Gesang. In solistischer Hinsicht war Hendrix zu seiner Zeit schon recht virtuos unterwegs, jedoch nie plakativ oder übertrieben – ein starker Bezug zum Blues durchzieht all seine Soli. Bemerkenswert waren bzw. sind natürlich auch die Sounds von Jimi Hendrix – der Einsatz des Vibratohebels seiner Fender Stratocaster, die Kombination von Uni-Vibe, Fuzz-Face, Wah-Wah und Marshall Plexi-Amps haben ihre deutlichen Spuren im Rockgitarrenspiel der letzten 50 Jahre hinterlassen.

 

So spielst du das Purple Haze-Riff auf der Gitarre

Bei diesem Lick handelt es sich um das Intro-Riff von „Purple Haze“. Tonal benutzt Hendrix die E-moll Pentatonik – bemerkenswert hierbei die Verwendung von Leersaiten und sein kreativer Umgang mit der „Time“.

Jimi_Hendrix_Purple_Haze

So spielst du das Intro von Little Wing auf der Gitarre:

Dieses Beispiel ist stark angelehnt an Jimis Spiel im Intro von „Little Wing“. Es ist geprägt durch sein kreatives Akkordspiel, bei dem sich Basstöne, Akkorde und kurze Skalenläufe ergänzen und miteinander verschmelzen. Die Basstöne G und F im ersten Takt, werden mit dem Daumen gegriffen – ein typisches Merkmal von Hendrix‘ Spielweise.

Jimi_Hendrix_Little_Wing

So spielst du Lead-Gitarre wie Jimi Hendrix

Hierbei handelt es sich um ein typisches Solo-Lick im Stil von Jimi Hendrix. Blues-Pentatonik, präzise Bendings und ein dramatisches Fingervibrato zeichnen dieses Beispiel aus.

Jimi_Hendrix_Lead

Jimi Hendrix Workshop – SOUND

Auf den ersten Blick erscheint das von Jimi Hendrix benutzte Equipment recht übersichtlich: Fender Stratocaster – Wah-Wah – Marshall Plexi. Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht! Natürlich spielte Hendrix überwiegend Fender Stratocaster-Modelle, die er als Linkshänder einfach umdrehte und die Saiten ebenso anders herum aufzog, um spielen zu können. Dasselbe tat er auch mit den anderen von ihm verwendeten Gitarren – dazu gehörten u. a. diverse Gibson Flying V-, SG- und Les Paul-Modelle. Auch Fender Jazzmaster- und Jaguar-Modelle gehörten zu seinen bevorzugten Instrumenten. An akustischen Gitarren spielte Hendrix Modelle von u. a. Martin, Epiphone und Zemaitis.

Beim Thema Verstärkung geht es ebenso vielseitig zu: neben dem klassischen Marshall Plexi Amp (natürlich als Full-Stack), spielte Hendrix Verstärker von Fender, Supro, Sound City, Vox und Sunn. Mit letztgenanntem Hersteller hatte Jimi sogar einen Endorsement-Deal.

Effekte spielen für den typischen „Hendrix-Sound“ eine entscheidende Rolle. Er benutzte diverse Fuzz-Pedale (u. a. Dallas Arbiter Fuzz Face), um seine Verstärker „heißer“ anzufahren und um so mehr Verzerrung zu erhalten. Das Fuzz-Pedal steuerte dann in der Regel ein sog. „Uni-Vibe“ Pedal an – Jimi favorisierte hierbei u. a. ein „Shin-Ei“ Uni-Vibe. Von dort aus ging es dann in den Verstärker. VOR dem Fuzz-Pedal befand sich allerdings noch einer der „Trademark“-Effekte von Jimi – das Wah-Wah! Hierbei verwendete Hendrix hauptsächlich Geräte der Marke VOX. Dieses Equipment hat Hendrix vor allem bei Live-Konzerten eingesetzt – im Studio konnte er seiner Experimentierfreude natürlich weitaus mehr frönen. Nicht nur deshalb würde eine komplette Auflistung des von ihm verwendeten Equipments das Format dieses Workshops sprengen – erfreulicherweise gibt es zahlreiche Websites und Foren, die sich damit beschäftigen.

Tutorial Jimi Hendrix – FAZIT

Über Jimi Hendrix wurde schon so viel geschrieben, dass ich mich hier eigentlich nur wiederholen kann. Er ist der Gitarrist, der dem modernen Rockgitarrenspiel den Weg gezeigt und geebnet hat. Der Einfluss seines Spiels, seiner Songs und seiner Persönlichkeit reicht bis in die heutige Zeit hinein und wird mit Sicherheit auch zukünftige Generationen von Musikern und Musikfans begeistern.

Forum
  1. Profilbild
    Fredi  

    Hallo Thorsten,

    bei Hendrix bin ich ja immer sofort dabei; danke daher für Deine Würdigung und natürlich die tollen Tipps zum Nachspielen!

    Die Einordnung von „Star Spangled Banner“ in Woodstock ist aber durchaus umstritten. Hendrix hat nicht _später abgestritten_, dass es eine Kritik am Vietnamkrieg war, sondern er hat es wahrscheinlich einfach nie so gesehen. Für ihn war es eher das Kunstwerk aus dem Augenblick heraus: dessen Interpretation definiert nicht er als Künstler, sondern überlässt sie dem Rezipienten.

    In der Talk-Show von Dick Cavett wurde er ja vom Moderator darauf angesprochen, dass er bestimmt viel Hasspost bekommen würde, wenn er eine solch unorthodoxe Version der Nationalhymne spielen würde.

    Darauf meinte Hendrix, dass er das gar nicht verstünde: „That’s not unorthodox. […] I thought it was beautiful. But there you go, you know?“

    Gruß
    Fredi

  2. Profilbild
    iltis30  

    Als ich Hendrix Musik kennen lernte, war ich glaube ich so 14 oder 15. Mich hat das gleich umgehauen, weil der Sound so fett, dynamisch und gleichzeitig aber irgendwie organisch war. So erkläre ich mir das heute. Beeindruckt jatte mich damals, als irgend jemand sagte: Hendrix begleitet mit dem Gesang nur die Gitarre. Ich weiss nicht mehr, wer das gesagt hatte. Aber ich finde bis heute: das stimmt.

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