Test: Xvive GA-3, GA-4, GA-5, Micro Amp und Audiointerface

29. Januar 2019

Micro-Amps zum Micro-Preis

Xvive Micro Amp

Xvive Micro Amp

Xvive Audio ist eine Firma, die zweifelsohne die Zeichen der Zeit erkannt hat. Wenn man ein bisschen im Katalog stöbert, fällt auf, dass man sich hier vor allem auf „Wireless Systems“ und Micro Amps spezialisiert hat. Außerdem fällt auf, dass im Laufe der letzten Jahre eine gar nicht mal so kleine Sparte an Micro-Pedalen aufgebaut wurde. Was haben die Produkte von Xvive allesamt gemeinsam? Zeitgemäße und verlässliche „Wireless“-Lösungen erfreuen sich in jüngster Zeit genauso großer Beliebtheit wie Micro Pedale – beides hat also in der letzten Zeit einen gehörigen Hype erfahren. Auch wenn die Minipedale von Xvive eher als durchwachsen wahrgenommen wurden – der U2 – Gitarrensender wiederum hat gefallen, weil er rauscharm, verlässlich und unkompliziert ist. Hier ist der Spieler und Musiker im Mittelpunkt der Firmenphilosophie, praktikable Lösungen gehen vor Tüftler-Wahnsinn.

Beim vorliegenden Produkt wurde zweifelsohne eine Frage gestellt, mit der die meisten „kleineren“ Interfaces konzipiert werden: Wie kann man die Übungsroutine für Musiker möglichst einfach und problemlos unterstützen, wo liegt die goldene Mitte zwischen praktikablem Handling, gutem Sound und kleinem Preis? Drei Micro Amps sollen diese Frage beantworten: Der GA-3 für Classic Rock Sound, der GA-4 für Metal-Sound und der GA-5, ein Headphone-Amp-Delay. Schauen wir uns mal an, ob der Xvive Micro Amp mit dieser enorm preisgünstigen Lösung und in seinen Ausführungen überzeugen kann.

Xvive GA-3, GA-4, GA-5 – Facts and Features

Vom Aufbau sind alle drei Modelle gleich: handlich, batteriebetrieben und ultra-leicht. Klar: Das Plastikgehäuse steht nicht unbedingt für hochgradige Verarbeitung, aber hier muss man sich die Preisklasse vergegenwärtigen, in der man sich bewegt: An die 20,- Euro kostet ein Xvive Micro Amp. Trotzdem will man hier ein sich geschlossenes Produkt präsentieren, das möglichst einfach zu bedienen ist. Ein 1/4 Guitar Plug, 3,5 mm Kopfhörer-Output, ein 3,5 mm Aux-Input und ein Standby/FX/On-Switch sowie das die 40 g Gesamtgewicht sind allen drei Micro Amps gemein. Auch gemein haben die Micro Amps drei an der Oberseite angebracht Rädchen, die anstelle der normalen Potis verschiedene Parameter bedienen – wir werden uns anschauen, welche jeweils. Ein Lade-USB-Port rundet das Ganze ab.

Das klingt jetzt erstmal nicht sonderlich berauschend, hat aber absolut seine Daseinsberechtigung. Man stelle sich folgendes Szenario vor: Man befindet sich auf dem Weg zu einem Gig, sitzt im Zug und möchte die eine oder andere problematische Passage noch mal ein halbes Stündchen üben, ohne gleich den Laptop aufklappen zu müssen und die DAW zu starten. Die Idee hinter den Xvive Micro Amp ist eben genau die: problemloses Üben ohne Umstand als unmittelbare Erweiterung des Instruments – keine Installationen, keine ständigen Updates, einfach nur reinstecken und off you go!

Insofern ist der AUX-Jack natürlich auch praktisch. Hier kann problemlos das Handy oder der MP3-Player angeschlossen werden, der entsprechende Track abgespielt und parallel dazu gejammt oder geübt werden – hat also alles seinen Sinn und Zweck. Schauen wir uns mal an, was genau die einzelnen GA-Modelle mit sich bringen.

GA-3 Classic Rock

Neben den regulären Features bedienen die Rädchen auf der Oberseite beim Xvive Micro Amp folgende Parameter:

  • Gain ist für das Ausmaß der Amp-Zerre zuständig. Grundlegend erinnert der Sound des GA-3 an klassische Marshall Gefilde, mit etwas Fantasie ein ruppiger JM 800 Sound, der im maximalen Anschlag satt und crunchy daherkommt.
  • Tone regelt die Klangfarbe des Classic Rock, wobei diese grundsätzlich eher dunkel als hell ausfällt.
  • Volume ermöglicht es, die Lautstärke des GA-3 entsprechend einzustellen und so z. B. den Mix im Verhältnis zum laufenden Audio-Track zu justieren.

GA-4 Metal

Wie der Name vermuten lässt, ist die Idee hinter dem GA-4 die, Spielern des Djent- oder Modern-Metal beispielsweise einen handlichen, portablen Kopfhörer-Amp zu geben. Echte Soundvielfalt bieten die GA-Modelle also nicht – jedes Modell ist einem „Sound“ oder „Genre“ zuzuschreiben. Doch die Rädchen bedienen genau wie beim Xvive Micro Amp GA-3 GainTone sowie Volume. 

GA-5 Delay

Wer sein Delay-Timing üben möchte, kann dies mit dem Xvive Micro Amp GA-5 tun. Was der Sound grundsätzlich so hergibt, werden wir noch im Praxisteil genauer nachvollziehen. De facto ist es aber so, dass hier eine maximale Delay-Zeit von 600 ms vorliegt und die Rädchen folgende Einstellungen abdecken:

Xvive

  • Echo lässt einen die Effektstärke der Repeats einstellen.
  • Feedback ermöglicht es, die Stärke des Feedbacks der Delay-Repeats einzupendeln – sprich, wie „noisey“ der Delay-Effekt anmutet.
  • Time lässt einen die Delay-Zeiten einstellen.

Grundsätzlich steht natürlich die Frage im Raum, welche Chips und welche Elektronik genau zum Einsatz kommen. Leider sind die Informationen hierzu im Netz dürftig und da ein Aufschrauben nicht zur Debatte steht, verliert sich diese Spur. Da der Xvive Micro Amp jedoch beispielsweise im Rahmen von Reisen zum Einsatz kommen dürfte, ist unter anderem die Haltbarkeit der Batterie von Interesse. Nach einer Stunde jedenfalls zeigen die GA-Modelle keinerlei Schwächeerscheinungen und im Netz kursieren Angaben zu stabilen Zeiten von bis zu 4, 5 Stunden.

Zusammenfassend also lässt sich sagen, dass die enorm preisgünstige Aufmachung und das grundlegende Prinzip der GA-Reihe vor allem für Schüler geeignet sein dürfte oder für Leute, die wie gesagt ein unkompliziertes, schnelles und spontanes Üben ermöglicht haben wollen, während das Baby nebenan schläft oder der Zug noch eine Weile unterwegs ist. Ob der Sound annehmbar ist und trotz kleinem Preis hierfür in Frage kommt, testen wir jetzt im Praxisteil.

Xvive Micro Amp GA-3, GA-4, GA-5, in der Praxis

Aufgenommen wurden die Soundbeispiele der GA-Modelle über den Direct-In eines Focusrites. Wir gehen die einzelnen Micro-Amps der Reihe nach durch, ohne dass Nachbearbeitungen innerhalb der DAWs oder Spielereien am Sound zum Einsatz kommen. Wir beginnen mit dem GA-3.

GA-3 Classic Rock

Wir beginnen mit dem Gain voll aufgedreht und dem Tone ebenfalls. Auch weil man sich mit großen Erwartungen hier zurückhielt, überrascht das Klangbild positiv. Für einen Headphone-Verstärker im Preisbereich von 20,- Euro klingt der Zerr-Sound organisch, warm und verhältnismäßig mächtig. Erster Eindruck: Preis-Leistung-Verhältnis ist über alle Zweifel erhaben!

Und auch mit dem Gain auf 50 % und einem aktiven Singlecoil-Splitter macht der Sound eine gute Figur. Transparent, warm und trotzdem mit Schmackes. Volume ist bei beiden Beispielen voll aufgedreht. Die Handhabe mit den kleinen Rädchen ist nicht optimal, aber zu verschmerzen.

GA-4 Metal

Kommen wir nun zum GA-4. Hier ist man leider näher am Boss Metal Zone als an Mesa Boogie, aber wie gesagt, für die Preisklasse soll und will das nicht überraschen. Für Übungszwecke eignet sich das Klangbild allemal. Eher ärgerlich ist die Tatsache, dass beim vorliegenden Modell eine Störung vorzuliegen scheint und sich ein tiefes Knarzen immer wieder bemerkbar macht. Dieses Klacken ließ sich auch nach mehreren Versuchen nicht eliminieren. Aber positiv trotz allem: Dass der GA-4, wie auch der GA-3 mehr oder minder fast rauschfrei sind. Insofern muss man sich nicht mit ständiger Rauschkulisse rumschlagen, wenn man übt – was sich für so einen niedrigen Preis ebenfalls nicht von selbst versteht.

GA-5 Delay

Kommen wir zur einzigen vorliegenden Effektklasse in Form des GA-5: Das Delay. Robuster, rauscharmer Sound war bislang bei den Vorgängern gegeben. Anders ist das hier nicht – das Delay erfüllt seinen Zweck, hat sogar eine gewisse analoge Wärme für sich. Was man sich hätte sparen können: Das Feedback-Rädchen – bringt nicht viel, mehr Sinn hätte vielleicht ein kleines Modulations-Rädchen gemacht. Geht man über die Hälfte des Feedback-Rädchens jedenfalls hinaus, eskaliert das Ganze allzu schnell. Trotzdem: Sphärische Klänge und Timing-Übungen lassen sich mit dem GA-5 problemlos durchführen.

Fazit

Insgesamt lässt sich bei allen Dreien die gleiche Bewertung vergeben. Denn fest steht – wer 20,- Euro auf den Tisch legt, darf da bei einem Audiointerface nicht allzu viel verlangen. Trotzdem gelingt hier Xvive ein toller kleiner Wurf: Die GA-Modelle klingen genauso gut wie viele verwandte Modelle, die das Doppelte oder Dreifache kosten. Ein echter Preis-Leistungs-Knaller, der zusätzlich aufgrund seiner unkomplizierten Handhabe durchaus Kultstatus erreichen könnte.

Plus

  • tolles Preis-Leistungs-Verhältnis
  • unkomplizierte Handhabe
  • warmer Sound
  • robust und leicht transportierbar

Minus

  • erwartungsgemäß mittelmäßiger, dumpfer Klang
  • technische Mängel beim GA-4

Preis

  • Ladenpreis: 15,90 Euro
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