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Blue Box: E-MU Systems Emulator EIII Sampler

13. Juni 2007

Analoger Kultsampler

Gleich vorab möchten wir auf einen weiteren BLUE BOX Report hinweisen, indem der E-Mu Emulator III seinem rein digitalen Nachfolger EIII XP bzw EIIIXS gegenübergestellt wird. Diesen spannenden Vergleich mit Soundbeispielen findet Ihr HIER.

E-MU EIII – Ein Vintage-Sampler?

Wieso, werden sich viele Leser fragen, fällt der E-Mu EIII nicht durch das oben genannte Raster? Schließlich gibt es den Emulator III auch heute noch in leicht abgewandelter Form als ESI Produktserie zu haben.

Die Antwort ist ganz einfach: Der E-Mu EIII arbeitet mit einer hybriden Klangerzeugung, die unter anderem auf analoge Filter zurückgreift. Anders als seine Nachfolger EIIIXS, EIIIXP, ESI 32 etc. sind die Filter nicht Folge mathematischer Berechnungen der internen CPU, sondern ANALOG. (Das wirkt sich natürlich entscheidend auf den Klangcharakter aus, dazu später mehr).

Ganz nebenbei sei erwähnt, dass es nur sehr wenige Sampler gibt, die mit Analogfiltern arbeiten. Dazu gehört die 2000er Serie von Sequential Circuits, der EMAX I (ebenfalls von EMU) sowie der Korg DSS-1 und Ensoniq Mirage. Trotz anders lautender Gerüchte sind die Emu-Nachfolger ab EMAX II mit digitalen Filtern ausgestattet. Wer es noch nicht weiß: AKAIs komplette „S“-Serie, alle Yamaha Sampler, sowie alle Ensoniq Sampler ab der EPS Reihe sind ebenfalls rein digital.

Der EMU III ist erstmals 1988 vorgestellt worden und erfüllt somit alle oben genannten Kriterien. Legen wir also los:

Geschichte

Sampling war 1988 DAS THEMA in der Musikszene. Kein Pop-Song, der nicht mit Orchester-Hits oder Fairlight-Chören aufwartete. Die Zwei-Klassen-Gesellschaft hatte sich in Musiker-Kreisen breit gemacht. Da gab es jene, die sich für 6-stellige Beträge Fairlight- und Synclavier-Workstations leisten konnten und jene, die gerade mal froh waren, dass Ensoniq mit dem Mirage die 4.000 DM Schallgrenze unterschritten hat (Sampling-Zeit 4 sec. bei 30 kHz).

Der Anspruch nach einem professionellen (16bit) , preisgünstigen und leicht zu bedienenden Produkt wurde aber bis dato nicht erfüllt.

Der Emulator III war EMUs Versuch, diese Lücke zu seinen Gunsten zu schließen. Nach dem gigantischen Erfolg des technisch betagten Emulator II (8bit / 17,6 sec Sampling-Zeit bei 30 kHz) aus dem Jahre 1984 sollte der Emulator III ein würdiger und ebenso erfolgreicher Nachfolger werden.

(Ich nehme es gleich vorweg, ein würdiger Nachfolger war er zwar, nicht aber erfolgreich. Ein Jahr später erschien der AKAI S1000 und schrieb als erfolgreichster 16bit Sampler Geschichte.)

Technische Facts

Doch zurück zum Emulator III. Der empfohlene Verkaufspreis betrug in Deutschland DM 25.000,– plus weitere DM 4.000 für eine Speichererweiterung von 4 MB auf 8 MB. In der Klasse der 16bit Sampler war dieses Preis-/Leistungsverhältnis bislang unschlagbar – ebenso die 16-stimmige Polyphonie des EIII.

Der Clou: Der Emulator III verstand sich als Workstation – nicht als reiner Klangerzeuger. Zwar hatten Softwareprodukte von Steinberg und C-Lab den Hardware-Sequencer-Markt gehörig durcheinander gewirbelt, doch war der Wunsch nach einem leicht zu bedienendem und umfangreichen Hardware-Sequencer noch immer verbreitet.

Der E-Mu EIII beinhaltete einen 16-Spur Sequence, der sich umfangreich editieren ließ und darüber hinaus auch noch als SMPTE-Master oder -Slave eingesetzt werden konnte. Der EIII konnte dadurch unproblematisch zur Vertonung von Filmen eingesetzt werden.

Auch die Speicherverwaltung über eine interne Festplatte (40MB) sowie einen von außen zugänglichen SCSI-Bus stellte zu jener Zeit etwas besonderes dar und rief bei Studiomusikern feuchte Hände hervor, angesichts von soviel Luxus.

 

Rückseitig befinden sich 18 (ja, achtzehn!) Audioausgänge – zwei Stereo- sowie 16 Einzelausgänge. Hinzu kommen 2 Audioeingänge, zwei Pedaleingänge, das Midi-Trio, SMPTE In/Out, SCSI, sowie eine RS422 Schnittstelle zur Verbindung mit einem Computer..

Die Einzelausgänge lassen sich übrigens nur SOLO verwenden – also eine Stimme pro Einzelausgang. Dafür werden abgegriffene Einzelausgänge auf Wunsch aus der Stereosumme genommen. Für einen sinnvollen Einsatz empfehle ich allerdings einen Submixer mit Subgruppen.

Look und Haptik

Wer schon einmal vor einem Emulator III gesessen hat, wird folgendem Zitat von meinem Freund Anselm Rössler zustimmen: „Man fühlt sich wie Captain Kirk in der Kommandozentrale“.

Die physische Präsenz des E-Mu EIII ist gewaltig. Seine bullig, schräg geneigte Kunststoffoberfläche mit den kleinen schwarzen Buttons und das – für damalige Verhältnisse – große, beleuchtete Display lassen einen in Ehrfurcht erstarren. Alle Menüpunkte sind auf die Gehäuseoberfläche gedruckt – die Bedienung ist ein Kinderspiel.

Die 61 Tasten umfassende Kunststoff-Klaviatur verfügt über Aftertouch und gehört zu den besten ihrer Art.

Der EIII ist extrem stabil und … schwer. Wer mal – meistens zu zweit – einen EIII im Case auf die Bühne gebracht hat, der weiß, wovon ich spreche.

Klangerzeugung

Der EIII unterscheidet grundsätzlich zwischen der „digitalen Samplebearbeitung“ sowie zwischen der „analogen Nachbearbeitung der Presets“.

In der Samplebearbeitungsebene finden wir alle heute üblichen Parameter wie Truncate, Looping, Crossfades und viele digitale Effekte, die aber direkt auf die Samples gerechnet werden und sich später nicht dynamisch steuern lassen. Eine Time-Stretch-Funktion fehlt dem EIII allerdings. Hoch interessant hingegen ist das Undo-Feature. Bei jeder Bearbeitung wird automatisch ein Back-Up auf der HD erzeugt – damals ein absolutes Novum. Jeder digitale Bearbeitungsschritt ließ sich somit unproblematisch wieder zurücksetzen.

Innerhalb der „Preset-Ebene“ werden dann die Samples auf der Tastatur verteilt, geschichtet und vor allem analog nachbearbeitet.

Der E-Mu EIII bedient sich der subtraktiven Klangerzeugung. Pro Stimme können bis zu zwei Samples (zur Erzeugung echter Stereosounds) abgespielt werden. Zwei Hüllkurven, LFO, ein 24 dB Filter mit Resonanz sowie ein sehr umfassendes Routing an Modulationsmöglichkeiten können im analogen Block in Echtzeit genutzt werden.

Bis auf die analoge Klangerzeugung also nicht viel Unterschied zu seinen digitalen Nachfolgern. Ganz im Gegenteil und manch einer wird sich fragen: „Wozu einen EIII kaufen, das kann heute doch jeder Hardware- und Software-Sampler … und darüber hinaus noch viel mehr!

Deshalb kommen wir nun zum…

Sound

Der Emulator III ist ein analoges Sound-Monster! Wir haben folgenden Test dank Format-Kompatibilität mit einem EIIIXP sowie einem EMU E5000 Ultra durchgeführt:

Aus der Emu-eigenen Library haben wir in alle drei Probanden ein Multisample eines Jupiter-8 Solosounds geladen. Alle Parameter wurden danach auf die gleichen Grundeinstellungen gesetzt. Zunächst fiel schon einmal auf, dass der EIII am Audioausgang fast doppelt so laut war wie seine digitalen Kollegen. Pegelte man alle 3 Geräte auf die gleiche Lautstärke ein, so waren das Rauschverhalten beim EIIIXP, aber vor allem beim E5000 Ultra DEUTLICH lauter. (Man soll eben nie Prospekten trauen.)

Danach ging’s ans Eingemachte. Cut Off zu, Resonanz auf, Hüllkurven verändert, mit Modulationen gespielt, etc…. und das immer an allen drei Geräten – soweit möglich – identisch.

Schon alleine der Einsatz der Filterhüllkurve mit zunehmendem Cut-Off (ohne jegliche Resonanz), ließ uns verblüfft aufhorchen. Während bei den digitalen Samplern mehr oder weniger der Eindruck entstand: „Da dreht jemand die Höhen weg“, entwickelte der EIII einen ganz eigenen Klangcharakter. Richtig extrem ist der Unterschied nach Einsatz der Resonanz geworden. E5000 und EIIIXP zwitscherten eindeutig „digital und steril“, während der EIII die volle Lebendigkeit eines „echten“ analogen Filters zur Geltung brachte.

Ob Sie es glauben oder nicht – der Unterschied zwischen Analog und Digital war hier nicht etwa nur von eingefleischten Synthie-Freaks zu hören, sondern auch von Laien sofort erkennbar. Nun gehören die Filter der Ultra-Serie sicher zu den besten „Digital-Filtern“ die auf dem Markt sind. Sicher sind sie auch vielseitiger einsetzbar als der reine 24 dB Tiefpass-Filter des EIII, aber in der Königskategorie schlägt der EIII seine digitalen Geschwister um Längen!!!

Da sich mit Hilfe des Audioeingangs praktisch jedes Signal durch den internen Filter jagen lässt und auch die kompletten EIII CD-Roms nach wie vor verwendbar sind, steht dem EIII ein umfangreiches Klangmaterial zur Verfügung, das nur danach schreit, den heutigen Stilrichtungen angepasst zu werden.

Gebrauchtmarkttip

Ich möchte an dieser Stelle nicht verschweigen, dass der EIII auch gerne einige Macken hat. Sie sollten beim Kauf am Gebrauchtmarkt vor allem darauf achten, dass alle Stimmen funktionieren und alle Druckknöpfe einwandfrei arbeiten. Auch das Display neigt gerne zu Ermüdungserscheinungen.

Meistens gibt es aber nichts, was sich nicht irgendwie beheben lässt.

Meinen Emulator III habe ich zur Generalüberholung zu PMS-Electronics geschickt, der ehemaligen EMU-Vertragswerkstatt. Das hat zwar letztendlich 300,– gekostet, dafür kam das Gerät aber zurück wie NEU. Auch andere EMU Geräte hatte ich immer wieder mal bei PMS und kann die Jungs wirklich nur sehr loben!!!

Kaufen Sie wenn möglich einen EIII, der bereits 8MB RAM enthält und nicht 4MB. Die Speichererweiterungen sind nämlich nicht mehr zu bekommen. Auch lässt sich die interne Platte auf bis zu 100MB aufrüsten (schwer zu bekommen) – also besser, Sie ergattern gleich ein Exemplar mit einer 100MB HD Platte, anstatt mit der ursprünglichen 40MB Platte. Darüber hinaus auf externe SCSI-Platten oder CD-ROM Laufwerke achten. Der EIII mag nicht jede Platte oder jedes Laufwerk. Also besser, Sie kaufen ein funktionierendes System, bevor sie später nach kompatiblem Zubehör suchen.

Die seltene Emulator III Rackversion

Und noch etwas: Es gab vom E-Mu EIII auch eine Rackversion (sehr selten zu bekommen), diese hat aber nicht das geringste zu tun mit den Emu Racks E-Mu EIII XP. Der EIII XP ist quasi die digitale Version des EIII und arbeitet nicht mehr mit der analogen Klangerzeugung. Das original Rack lief einfach unter dem Namen EIII RACK und hatte identisch die selbe Klangerzeugung auf schätzungsweise 5 HE!!!! Dieses Rack war GRAU (genau wie die Keyboardversion) und nicht schwarz wie die späteren XP Versionen!!

Das EIII Rack ist aber wirklich eine absolute Rarität und ist mir auf eBay auch erst ein einziges Mal begegnet. Da wurde es dann für 996,– Euro verkauft.

Der Emulator III auf YouTube

Danksagung:

Unser Dank gilt artelec music für die Bereitstellung der neuen E-Mu EIII Bilder :-)

Fazit

Der Emulator III ist vor allem als Workstation auch heute noch eine hochinteressante Maschine. In Kombination mit einem Synthesizer wie z.B. dem Virus besitzt man ein autarkes Produktionsstudio, das im Handling, im Klang und auch in der Vielseitigkeit so mancher Computer-gestützten Lösung Konkurrenz machen kann.

Der interne Sequencer ist nicht nur voll editierbar, sondern lässt sich auch zu „Gott und der Welt“ synchronisieren. Dazu kommt ein ausgefeilter Arpeggiator, der sich ebenfalls über MIDI takten lässt. Beide verfügen außerdem über ein unschlagbares Timing (der SP1200 lässt grüßen). Zieht man dazu noch die vielfältigen Modulationsmöglichkeiten in Betracht – SOWIE DEN HEUTIGEN GEBRAUCHTMARKTPREIS von ca. 1.300,– Euro (Achtung: 8MB Version), ist der EMU III nach wie vor DER Geheimtipp.

Preis

  • EMU EIII Keyboard Neupreis 1987: 24.000 DM (mit 4 MB)
  • EMU EIII Keyboard Speichererweiterung um weitere 4MB: 4.000,--DM
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  • Gebrauchtmarktpreis laut AMAZONA.de-Syntacheles-Liste Stand 11/2013
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  • E-MU Emulator III Keyboard 4MB Version ca. 1.000,-- Euro
  • E-MU Emulator III Keyboard 8MB Version ca. 1.300,-- Euro
  • E-MU Emulator III Keyboard 8MB Version Refurbished ca. 1.500,-- Euro
  • E-Mu EIII XP/XS: ca. 180,-- Euro
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Ein sehr fundierter Kommentar.
    Allerdings verdient das EIII Designe eine
    besondere Beachtung.
    Ein unnachahmliches Zeugniss einer vergangenen Indusriekultur.

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    AMAZONA Archiv

    The translation made it difficult to understand, but was able to get some meaning, very exciting, inherited emuiii w/o hd.

  3. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Der Emulator III ist für mich einer der besten Hardwaresampler, die je gebaut wurden.
    Aus diesem Grund habe ich mir wieder einen gekauft und warte grade auf das Paket aus USA.
    Alleine das Design ist eine echte Inspiration.
    Vor dieser Kiste sitzen und nicht kreativ sein, ist für mich unmöglich.
    Die Tastatur, das Gehäuse und die technoiden Geräusche beim Hochfahren sind für mich immer noch berauschend.
    Diese Seite ist für mich sehr hilfreich gewesen und ich würde gerne Kollegen kennenlernen, die ebenfalls mit dem EIII arbeiten.
    Gruß
    olaf Apholz

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    AMAZONA Archiv

    Seit Dez. 2006 zähle ich mich auch zu den stolzen EIII-Usern.

    Der Druck dieser Kiste schafft kein anderer Sampler, der EIII macht zwar viel Krach und kostet viel Zeit – das ist sie jedoch wert :-)

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    AMAZONA Archiv

    ja hab zwar nur einen emax 1 sampler, aber ist schon ein unterschied mit analogen filtern!!!also von der bedienung her sind die emu sachen super und kinderleicht zu bedienen!!!

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    Harald

    Nur zur Info die Rack-Version ist schwarz und nicht grau…das Rack ist ultratief, schwer einzubauen, steht immer über…trotzdem ideal für kleine Studios, SCSI verbraucht immer viel Platz, CD, Iomega ect., das bedienen des internen Sequencer macht nicht so viel Spass wie beim Keyboard, das Keyboard hat mehr Aura, der Lüfter nervt, die Sounds nicht.

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    Syncla

    Kann Peter nur zustimmen.

    Habe vor ein paar Jahren das Glück gehabt, ein E III Keyboard aus 2. Hand zu übernehmen. Mit OVP, allen Handbüchern, der deutschen Anleitung von TBS und CD-ROM. Hat den vollen RAM-Ausbau (8MB), hatte eine 105 MB- HD, die ich aber gegen eine 1GB Platte getauscht habe. Der Sound ist wirklich „Monsterhaft“, einfach gut. Nicht so sehr einmalig wie bei meinem E II, aber er hat einfach einen wahnsinnigen Druck! Ein Gerät, das man haben sollte und nie abgibt. Soundbeispiele werde ich noch nachreichen.

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    dilux  AHU

    der akai s950 besitzt auch analoge filter – müsste der peter als ehemaliger „akaianer“ doch eigentlich wissen? ;)

  9. Profilbild
    Der_Brechreiz  

    Ich hatte ihn auch…
    Alles was man reinsamplet bekommt einen „edelschimmer“ Klang.
    Das heißt warm und mit punch aber leider sehr anfällig …Die Stimmen sind leider Stück für Stück ausgestorben…
    Dann starb die Festplatte…
    Und anschließend der SCSI Anschluss
    RIP E III

  10. Profilbild
    siebener  

    „Wer es noch nicht weiß: AKAIs komplette „S“-Serie,……… rein digital.“

    Auch der S612, so, wie der klingt ?? „digitales Filter“ ????
    schwer zu glauben…….

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