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25. Oktober 2019

Lesertest: ROLI Lightpad Block M, MPE Controller

ROLI Lightpad Block M

So heisst einer der kleinsten Controller für Musiker von der Firma ROLI. Ein Quadrat, 9×9 cm, 2 cm dick. Oben mit einer gummiähnlichen Schicht mit Noppen überzogen, die vier Seiten haben je 2 mal 6-Pin Kontaktleisten und dazwischen bei 2 Seiten einen Taster, bei der dritten Seite einen USC C Anschluss und die letzte trägt an der Stelle den Aufruck BLOCKS.

Die USB C Buchse ist Ladebuchse und Verbindung zum Rechner gleichzeitig. Die Verbindung funktioniert allerdings auch über BlueTooth, wenn wenigstens die Versionsnummer 4 erfüllt ist. Das geht mit Mac, Windows und iOS ohne Probleme, ein kleines bisschen auch mit Android, genau gesagt mit Google Pixel. Aber da scheint nicht alles reibungslos zu laufen, deswegen sollten wir fairerweise Android wieder streichen.

Geliefert wird das Produkt in einer stylischen Box, darin sind ausser dem Controller eine kurze Anleitung, die unvermeidlichen Aufkleber und einige Seriennummern für Programme, die optional genutzt werden können. Dazu gehört Tracktion/Waveform, sowie Ableton Live Light, sowie eine 3-Monate Lizenz von Max. 

Damit ich gleich loslegen kann, muss ich für den Rechner den Equator Player und für mein iTouch Noise runterladen. Für den Computer gibt es seit einigen Monaten noch den Studio Player, der erlaubt den direkten Zugriff auf alle mir verfügbaren Produkte, ohne eine DAW starten zu müssen. Dazu gehören ausser Equator auch Strobe2 und Cypher2 von fxPansion, die inzwischen auch zu ROLI gehören. Oder umgekehrt, das ist nicht klar zu ersehen. Alle drei Versionen sind die „Player“ Ausgaben der jeweiligen Programme. Ist für alle, die nicht programmieren, auch völlig ok. Der Aufpreis zum Vollprogramm liegt bei der Hälfte des Preises für BLOCKS User.

Lightpad Block M ist die Weiterentwicklung des BLOCKS ohne M, den genauen Unterschied kenne ich nicht, weiss aber, dass die Oberfläche des Controllers verbessert wurde. Zu den BLOCKS gehört ausserdem Seaboard und einige Controller BLOCKS.

Bild 1: Die verschiedenen Controller, oben 61 Tasten darunter 49 (Rise), ganz unten das Seaboard Block mit magnetisch angedockten Lightpads (2x), sowie darüber 3 x Control BLOCKS (© ROLI Ltd. 2019)

In diesem Zusammenhang kein Controller im MIDI-musikalischen Sinn, sondern sie steuern bestimmte Parameter in den BLOCKS. Ich kann mehrere Blocks durch Andocken zusammenfügen, das geschieht über die oben erwähnten DNA Kontaktleisten. Die Verbindung erfolgt magnetisch. Ja, falls ihr mal ein paar Münzen oder die Schlüssel im dunklen Rucksack sucht, Lightpad reinwerfen, schütteln, rausholen, sie hängen dann alle dran.

ROLI steht für 5D Controller, dieses Feature gilt auch für die grösseren Seaboards, es gibt welche mit 49, 61 und sogar 88 Tasten. 5D bedeutet, sie gehören zu den MPE Controllern, denn ausser Anschlag werden horizontale und vertikale Rutschbewegungen auf dem BLOCK registriert und umgesetzt, ausserdem ist der Aftertouch polyphon und die Loslassgeschwindigkeit wird ebenfalls registriert. Die 5 Ds heissen Strike, Glide, Swipe, Press und Lift. Jede dieser Bewegungen kann einen eigenen Parameter steuern. Besonders herausragend finde ich die Möglichkeit mit dem tonausösenden Finger direkt ein Vibrato zu steuern und zwar in Tempo UND Intensität und dabei kann ich mit Aftertoch noch gleichzeitig die Cutoff steuern. Eine Selbstverständlichkeit für einen Saitenspieler, ein feuchter Traum für einen Tastendrücker. Naja, für viele, einige können sich über direkte Modulationsmöglichkeiten überhaupt nicht begeistern. Ich gehöre nicht dazu.

Bild 2: Lightpad von der Seite mit 2x DNA Connector und Schalter

Ein Lightpad sieht ein bisschen aus wie ein Drumpad, lässt sich auch so einsetzen, aber für meine Begriffe nicht besonders gut. Das direkte Triggern ist mir zu ungenau, allerdings das Abrufen eines Patterns mit gleichzeitiger Modifikation der Spielweise ist ein eindeutiger Pluspunkt. Das Ideal stellt für mich immer noch die R8 dar und das sage ich, obwohl ich nicht zu denen gehöre, die Roland für den Erfinder des (musikalischen) Rads halten, aber das war damals perfekt gelungen.

Unter dem Noppengummibelag befinden sich 225 LEDs, die zu unterschiedlichen Mustern und Farben umgeschaltet werden können. Dazu ist u.a. der zweite, noch nicht erklärte seitliche Taster da. Bei Noise, auf dessen Bedienung ich hier nicht näher eingehe, ändert die Wahl der Spur oder der gewählten Funktion automatisch das Layout.

Bild 3: Drei der möglichen Pad-Layouts, hier Screenfotos vom iPad: 4×4, 5×5 und Fadermatrix mit Mute

Erster Druck: ein einzelnes Pad, am sinnvollsten als X/Y Controller einzusetzen.

Zweiter Druck: Vier Felder mit je 7×7 LEDs – gut für einfaches Triggern von Drumgrooves. Die treffe ich auch, wenn der Tag zwar gleich lang, aber unterschiedlich breit ist (Udo L).

Dritter Druck: 4×4 quadratische Felder aus je 9 LEDs, auch dieser Modus ist am besten bei Drums zu gebrauchen.

Vierter Druck: 5×5 Felder mit je 9 LEDs, das verwende ich zum Spielen von melodischen Sounds. 

Die Matrix bildet eigentlich 5 Bünde und 5 Saiten einer Gitarre ab. Der Lauf über eine Skala läuft also genau so ab wie auf einem Gitarrenhals. Gitarristen sind daher eindeutig im Vorteil, alle anderen müssen es lernen. Der Unterschied zur Gitarre: das darüberliegende Feld erzeugt grundsätzlich die Quarte zum darunterliegenden Ton, bei der Gitarre stimmt das zwischen G und H Saite nicht. Es leuchten meist nicht alle Felder der Matrix. Nur die, die zu der ausgewählten Tonart passen. Die schwarzen Felder dazwischen kann ich natürlich trotzdem spielen. Erst wenn ich dem Controller über die Software sage, er solle nur die passenden Töne anzeigen, leuchten alle, „falsche“ Töne sind ausgeblendet und gehen nicht mehr, dafür aber 10 Töne mehr als davor. Zur besseren Orientierung haben Grundton und die Oktaven darüber die gleiche Farbe.

Bild 4: Dashboard – Seaboard + Lightpad angemeldet. Letzteres selektiert und darunter im Edit Mode einstellbar. Die vier Schieberegler sind hier mit den Controllern 71, 74, 16 und 17 belegt. Es ist darunter der volle Wertebereich eingestellt. Die interne Auflösung der „Fader“ ist deutlich höher als deren Darstellung mit lediglich 15 Steps.

Für weitere Jobs lassen sich per Software noch drei oder vier Schieberegler abbilden, dann hätte ich eine Faderbox und ausserdem die oben schon erwähnte X/Y Pad Steuerung.

Roli Lightpad M

Lightpad M bringt bei mir genau wie das Seaboard völlig neue Ergebnisse beim Spiel. Nicht immer bessere, aber immer andere. Momentan ist meine Minimalkonfiguration auf dem Schreibtisch die beiden BLOCKS, sowie ein 25-Tasten Keyboard mit Velocity und ohne Aftertouch, ein KORG K25. Versuche ich die gleiche Linie auf den drei Controllern, ergeben sich völlig unterschiedliche Ergebnisse. Sehr oft klingt das konventionelle Keyboard exakter, aber lebloser. Das Lightpad bringt bei monofonen Linien die besten Ergebnisse, vor allem, wenn die Sounds auf die Controller abgestimmt sind. Polyphone Einspielungen sind auf Seaboard und dem K25 besser aufgehoben. Ich kann auf dem Lightpad natürlich mehrstimmig spielen, das ist aber deutlich umständlicher als bei den „Tasten“. Der Vorteil bei Lightpad vs. Seaboard ist bei mir, dass das Pad eine grössere Bandbreite an Dynamik anbietet und Dinge wie Ghostnotes sehr gut eingebunden werden können. Bei einer rhythmischen Linie kann ich kurz auch auf benachbarte „Tasten“ kommen, die im Gegensatz zur Tastatur nicht nur einen Halbton, sondern auch eine Quarte entfernt sein können. Bei beiden ROLIs kommen schon mal ungenaue Ergebnisse beim Spiel raus, das könnte ich bemängeln, ich nehme es lieber als charakteristische Bereicherung. Hörbar in meinen Audiobeispielen, die ich nicht editiert habe.

Bild 5:Meine Optionen bei der Anpassung der BLOCKS an die Spielweise sind vielfältig

Detail am Rande: Damit ich mehrere Seaboards zu einem grösseren kombinieren kann, fehlt jeweils das oberste C, es käme sonst ja doppelt vor. Das gilt auch für das in Kürze erscheinende LUMI.

Beide BLOCKS brauchen unbedingt Übung und Geduld, anfangs kann es passieren, dass einen das Gefühl überkommt: ich kann überhaupt nicht mehr spielen, denn das ist mindestens so heftig wie ein Umstieg vom Bundbass zum Fretless. Vor allem auf dem Seaboard musste ich einiges Geeiere aushalten, besonders bei Akkorden. Die Empfindlichkeit auf die Spielweise bezogen, kann ich einrichten, dazu ist auf dem Computer das Programm Dashboard zuständig, natürlich für alle Parameter. Das ist mir selbst oft eine Spur zu umständlich, ich nehme oft einfach die Voreinstellung. Sicher einer der Gründe, warum einige Linien auf dem Lightpad besser klingen. Dort passt meine Spielweise zum Ergebnis. Ich schlage direkt von oben aufs Pad, beim Seaboard geht das nicht so gut, vor allem wegen der anderen Handhaltung. Ein besser ausgebildeter Keyboarder kann darüber wahrscheinlich nur müde lächeln. 

Aber was auf jeden Fall zu beachten ist: die BLOCKS sollten auf einer festen Fläche stehen. Alleine die magnetische Verbindung, die auf dem Oberschenkel nur lausig funktioniert, erfordert es. Es gibt Hüllen von ROLI, die zwei oder drei dieser Controller auf einer Grundfläche zusammenhalten, ein bisschen vergleichbar mit einer iPad Hülle. Aber die habe ich nicht mal ausprobiert, das erscheint mir zu fragil. Ist vielleicht ein Fehler aber vielleicht habe ich auch  schlicht Geld gespart, denn günstig ist anders.

Bild 6: Hier die Vollversion von Equator. Die beiden Sample Oszillatoren und Oszillator 1 mit Sinus sind aktiv. Oszi 2, 3, sowie Noise sind deaktiviert. Darunter die Filter, EG und Controllereinstellungen, sowie der Effektblock.

Software

Ein wenig will ich noch auf die Software eingehen. Da gibt es eine Verwaltungssoftware für den Computer, Dashboard genannt, sowie Equator und für die iTouchs gibt es Noise. Dass Dashboard eine separate Software ist, gefällt mir nicht so gut, dafür gehen deren Möglichkeiten ziemlich weit. In erster Linie stelle ich die grundsätzlichen Parameter ein: MPE ein/aus. Dann die Kurven für die Empfindlichkeit für Strike, Swipe, Glide, Pressure und Lift. Bei einigen Layouts habe ich Zugriff auf die Art der Aktion, die ausgelöst wird, z.B. den Controller incl. dessen Bereich.

Dass bei Bild 4 bei 4 angezeigten Fadern 16 definierbar sind, deutet darauf hin, dass wahrscheinlich in Vierergruppen am seitlichen Taster umgeschaltet werden kann. Habe ich nicht probiert.

Noise und Equator sind nicht kompatibel. Es sind zwei unterschiedliche Programme. Habe ich etwas auf GarageBand iOS oder Cubasis mit den ROLIs eingespielt, muss ich die Audioaufnahme im Mac oder PC importieren, um sie weiter zu verwenden. Das ist nicht ideal. Noise ist Sequencer und Tonerzeugung. Der Sequencer ist ein nettes Ding, aber viel besser ist für iTouch-Musiker der Einsatz mit den beiden DAWs. Denn Noise bietet mir nur 4 Spuren, wobei die erste für Drums reserviert ist, die restlichen für die melodischen Instrumente. Aufgenommen wird in ein- bis achttaktigen Clips, maximal 12 pro Spur.

Bild 7: Drum Block Konfiguration, links Layout Optionen, rechts die verfügbaren Parameter.

In GarageBand oder Cubasis auf iOS wird Noise als AUv3 PlugIn eingebunden, die beste aller Optionen. Und zwar Drums und der melodische Rest als zwei unterschiedliche PlugIns. Da ist dann keine Begrenzung der Taktanzahl da und ich kann auch so viel Instrumente einsetzen, wie der Prozessor des Mobilgeräts hergibt.

Equator ist ein sehr ausdrucksstarkes Programm für die Mac und Win Computer. Bis zu 5 Oszillatoren + Noise können im Sounddesign zusammenspielen, die vielfältigen Echtzeitmodulationen tun ihr übriges, um ein gutes Ergebnis zu bekommen. Auch Strobe2 und Cypher2 setze ich gerne ein. Ich werde sie gemnächst auch zum Vollprogramm upgraden, bei Equator habe ich das bereits gemacht. Sie werden ohne Upgrade als Player Versionen angeboten. Bis dahin kann ich jedoch die Vollprogramme für 30 Minuten ohne Einschränkung ausprobieren, danach muss ich das Hostprogramm neu starten.

Es gibt auch immer mehr „fremde“ PlugIns, die auf die ROLIs eingestellt werden können. Die DAW muss fähig sein, jeden gespielten Ton auf fortlaufenden MIDI Kanälen zu empfangen und der Pitchbend-Bereich muss auf 48 Halbtöne eingestellt werden, damit ein horizontales Gleiten um einen Halbton die Tonhöhe auch um einen Halbton und nicht ein 16tel davon ändert. Fast alle Logic/GarageBand PlugIns erlauben das.

Ich habe vier Audio-Beispiele quick & dirty aufgenommen. Ohne Effekte, ausser denen, die im jeweiligen Patch programmiert sind. Es ist immer nur ein Patch aktiv. Die Strings habe ich duophon gespielt, die Glides eines Tons während der andere gehalten wird, sind hier hörbar. Auch einige Artefakte im Klang beim Double Bass und bei den Strings. Aber das getreue Abbild eines akustischen Instruments ist ohnehin das letzte, das mich interessiert, deshalb bitte die Namen nicht zu wörtlich nehmen. Aber ich denke, dass trotz meiner limitierten spielerischen Voraussetzungen die Ausdrucksmöglichkeiten dieser Kombi Equator/Lightpad gut zu hören sind.

Fazit
Beide BLOCKS waren für mich sehr gute Käufe, die mich musikalisch einen grossen Schritt weiter brachten. Auch kann ich jetzt im Zug oder Bus auf dem Lightpad spielen und die Tonerzeugung übernimmt die Kombi iPhone/GarageBand/Noise. Natürlich mit angeschlossenem Kopfhörer. Es genügt, dass ich optisch auffalle, das muss nicht auch noch akustisch der Fall sein. Das Portfolio von ROLI wird in Kürze durch LUMI erweitert, dockt auch mit magnetischen Konnektoren (DNA) auch an die Blocks an, hat aber herkömmliche Tasten, die bunt leuchten können. Naja, die tun ihr bestes, damit man sie erstmal nicht ernst nimmt. Der einzig grössere Kritikpunkt ist die fehlende Oktavumschaltung am Lightpad, die beim Seaboard einfach geht. Sie hat eigene Taster.

Plus

  • Ausdrucksstark
  • 5D (MPE) Parameter Strike, Swipe, Glide, Press, Lift
  • leicht erweiterbar
  • über Kabel und Bluetooth nutzbar
  • iOS, Mac, Windows

Minus

  • kein dedizierter Oktavwahlschalter
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    TBS

    Leider ist das Bild, das was als erster kommt nicht so passend. Das Roli Lumi ist ja noch ein Kickstarter Proj., ich hätte hier dann schon ein passendes Bild von einem Block genommen.

  2. Profilbild
    Healfix 1

    Sehr interessantes Teil. Da mir die Finger-Saite Schnittstelle immer lieber war, als die Finger-Taste Schnittstelle, wäre das wohl mal einen Versuch wert.
    Was mir noch nicht so ganz klar ist: wäre es angeraten, sich dann ein iPad anzuschaffen, oder komme ich auch mit einem PC klar?

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