2. Oktober 2019

Mein erstes Mal…mit dem Behringer K-2 Synthesizer

Vorwort der Redaktion: 
Den ofiziellen AMATONA.de-Test von Thilo Goldschmitz, findet ihr HIER KLICKEN.

Dass der Behringer K-2 ein möglichst exakter Nachbau des legendären Korg MS-20 sein soll, dürfte den meisten an dieser Stelle bereits bekannt sein. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Ich habe leider nie einen echten Ms-20 besessen und mir auch keinen der bisher erschienenen Nachfolger (Ms-20 Mini /Ms-20 Kit) ausprobiert oder erworben. Vor Jahren begegnete ich der Mini-Version von Korg bei einem Musikalienhändler und war bereits nach wenigen Sekunden von der Haptik so abgestoßen, dass ich nicht einmal einen Soundtest machen wollte.

Aus diesem Grund bin ich ebenfalls kein Fan der Volca-Reihe oder einiger Boutique-Synthies. Mögen noch so viele von ihnen auf Studenten-Schreibtische passen. Ich persönlich brauche – trotz filigraner Finger – richtige Encoder mit Abständen zueinander, bei denen ich mich wohlfühle.

Der Behringer K-2 wird diesem Anspruch aus meiner Sicht gerecht. Bis auf den Low-Cut Encoder der ESP-Sektion (zu leichtgängig) haben alle Knöpfe einen angenehm schweren Drehwiderstand, vergleichbar mit dem Neutron (den ich ebenfalls besitze).

Der Behringer K-2 war bei mir ein seltener Spontankauf (bzw. Preorder). Ich war also nicht einer derjenigen, die bereits seit Leak XY auf die Veröffentlichung gewartet haben. Ich stieß per Zufall auf das von Behringer veröffentlichte erste Video mit Soundbeispielen (siehe Link). Bereits nach wenigen Momenten hatte mich der Klang überzeugt. Und zwar so dermaßen, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Synthesizer preorderte.

Besonders spannend war der Umstand, so gut wie nichts über den K-2 zu wissen. Abgesehen von einem weiteren inoffiziellen Soundbeispiel fanden sich keinerlei Erfahrungen in den einschlägigen Foren. Ich war also wirklich einer der ersten weltweit, die diesen Synthesizer in die Finger bekamen. Ich muss zugeben: das fühlte sich gut an!

Beim Unboxing fiel mir auf, das im Vergleich zum Neutron nur zwei anstatt sechs Patchkabel beilagen. Beim Einbinden in mein Setup suchte ich ebenfalls vergeblich nach einer Software, die wie beim Neutron Zugriff auf versteckte Funktionen bietet. Bis heute gibt es im Download-Bereich nur ein paar Bilderchen und die Quick-Start-Anleitung. Schade – so ein paar zusätzliche Schraub-Möglichkeiten hätten mir gefallen. Und einen USB-Anschluss hat er ja auch (wohl bislang ausschließlich für Midi).

Nun zum Wesentlichen: dem Sound des Behringer K-2

In Sachen Synthese würde ich mich als Fortgeschrittener bezeichnen, der alle seine Sounds (für Deep House/Techno/Minimal) zu 95 % an Hardware selbst schraubt. Aber im Vergleich zu den Amazona-Tester-Legenden, deren Wissen mir zum Teil schon fast unheimlich ist ;-), bin ich definitiv nicht die hellste Kerze im Raum. Daher fühlte ich mich vom K-2-Patchfeld auch durchaus erschlagen.

Zuallererst: ja, es bildet das Patchfeld des Ms-20 ziemlich unverfälscht ab. Trotzdem: Abgesehen von der ersten Reihe war für mich erstmal keinerlei sinnvoller Signalweg zu erkennen. Daher fand ich mich bereits nach einer Minute auf YouTube wieder, wo ich mir die Kanäle von Gattobus und AutomaticGainsay gönnte.

Deren MS-20 Tutorials waren für mich der beste Startpunkt, um mich an den K-2 heranzuwagen. Abgesehen von der nicht so prallen Bild-Qualität der Videos kann ich die Kanäle als Aufwärmtraining mit dem K-2 sehr empfehlen. Zumal direkt hörbar ist, ob man mit dem gleichen Patch wirklich zu einem ähnlichen Sound wie beim Original kommt.

Und siehe da! Die Sounds klangen wirklich sehr ähnlich  (abzüglich der bekannten Youtube-Soundqualität). Das Ding machte von Anfang an Spaß. Sowohl die Kombination der beiden Low/Highpassfilter, als auch die Modulationsgeschichten. Aus meiner Sicht viele schöne Sweetspots. Ich war so begeistert, dass ich sofort ein Video produzierte (siehe Link unten), in dem ich ein paar Standard-Sounds schraubte (Kick, Hihat, Snare, Bässe).

Dazu gehörte natürlich auch der Test mit der hohen Resonanz auf dem Highpassfilter, um das Low-End auszuprobieren. Aus meiner Sicht belohnend! Im Vergleich zum Neutron oder anderen Synthies spürt man allerdings deutlich, dass sich der K-2 doch eher im Mittenbereich wohlfühlt und bei mir (wie geplant) eher für leads eingesetzt werden wird. Aber hier und da mal ein Bässchen – läuft.

Am meisten begeisterte mich die Wahlmöglichkeit zwischen den beiden Filtergenerationen, zwischen denen man per Kippschalter wechseln kann. Grob gesagt: Filter 1 (1.Generation Ms-20) dreckig, schmutzig, rauschend, manchmal im Bass pfundiger und Filter 2 (2.Generation), der mir im Charakter eher samtiger, sauberer, cremiger erscheint.

Es ist dadurch fast schon so, als hätte man per Kippschalter zwei verschiedene Synthies in einer Box – so groß fühlten sich die Unterschiede zuweilen an (in meinem Video habe ich damit ordentlich rumgespielt).

Hä? Das darf doch nicht wahr sein

Nun kommen wir nach meinem Lobgesang zu den dunklen Seiten der Macht. Die nennt sich ESP. Der External Signal Processor. Den auszuprobieren stand als Letztes auf meiner Liste. Ich sage nur: Daft Punk. Egal wo Du auf You-Tube Patchbeispiele für Daft Punk Sounds auf dem MS-20 suchst. Sie alle nutzen den External Signal Processor. So auch beim Patchfeld des K-2. Alles vorhanden. So patchte ich fröhlich die Kabel von Phones (out) zu Signal in (ESP) und weiter.

Über den Digitakt schnell eine Sequenz erstellt, damit den K-2 getriggert (Midi cc geht leider nicht, wäre ja der Hammer gewesen mit dem Elektron-Sequenzer) und siehe da: Nichts. Kein Ton.

Nach weiteren ähnlichen Patch-Versuchen und dem Abgleich mit anderen YouTube Tutorials stand nun fest: entweder der ESP ist nur bei meinem Gerät schrott, oder genau diese Patch-Situation ist zuviel für den K-2. Und damit meine ich nicht ein unwichtiges Tausendstel des Geräts. Ich meine DEN ESP. Denn nicht nur Daft Punk haben den genutzt…

Somit ist zumindest für mein Gerät ein wesentlicher Bestandteil des K-2 nicht nutzbar. Da musste ich echt schlucken. Ich hatte seit dem Neutron echt hohe Erwartungen an die Fertigungsqualität Behringers (im Vergleich zu den niedrigen Qualitätsansprüchen bei alten Behringer-Geräten, die ich auch noch kenne).

Nun wurde mein Early-Bird-Bonus zum Fluch. Ich suchte vergeblich in Foren, die das Thema ESP und K-2 behandelten. Natürlich gab es nichts dazu. Nun heißt es für mich noch ein paar Tage abwarten und entscheiden, ob ich das Gerät austauschen lasse. Aber wenn, dann möchte ich den K-2 austauschen lassen und auf keinen Fall zurückgeben. Und besonders freue ich mich bereits darauf, dem K-2 das Mojo meines Analog Heat angedeihen zu lassen – das wird definitiv der Hammer!

Der Behringer K-2 on YouTube

Hier noch zwei YouTube-Videos die ich empfehlen kann:

Fazit
Mich hat der Behringer K-2 sehr begeistert. Vor allem die umschaltbaren Filtergenerationen flashen mich immer wieder. Die äußere Verarbeitungsqualität und Wertigkeit lässt bei mir nur wenig zu wünschen übrig (ein einziger labbriger Poti)

Plus

  • Preis, Sound und Haptik: Top!

Minus

  • (Bei meinem Gerät) Nicht patchfähiges ESP und nicht vorhandene Software: Flop!
Forum
  1. Profilbild
    Emmbot  AHU

    Sehr schön Corno,

    der erste Test zum K-2 den ich lese. Sehr informativ und gut geschrieben. Respekt.

    Umschaltebare Filter sind schon ne feine Sache. TOP. Das mit dem ESP ist schade. Ich hoffe, dass du ein Gerät erhälst bei dem alles läuft.

  2. Profilbild
    Hectorpascal  AHU

    Das Video mit Rob Papen zeigt deutlich die Unterschiede zum Original.
    Während der K2 teilweise steppt und britzelt wie ein digitaler, hat der originale MS20 weite Sweetspots und Regelbereiche mit verblüffend smoothen Übergängen sowie tollen Envelopes. Besonders die Resonanz erschöpft sich beim K2 in einem guten Viertel des verträglichen Regelwegs im Vergleich zum original MS20. Das ist leider ein Key-Feature für MS20-Sound und da hat Behringer anscheinend nicht gut gearbeitet. Ob man da DIY-mäßig was machen kann?
    Ansonsten würde ich einen Behringer Neutron vorziehen oder eben 1000€ für einen echten gebrauchten opfern.
    Der Korg Mini war schon mal hier und auch schnell wieder weg. Das war auch kein echter MS20 wie ich den im Kopf gespeichert habe. In dem Fall verstehe ich die Puristen unter den Vintage-Liebhabern, wenn auch nicht immer. ;)

    • Profilbild
      Corno

      Habe mir eben auch das Video von Rob Papen angesehen (und nochmal mit meinem K-2 soundtechnisch verglichen!).
      Meinem Gehör nach gibt es auch wirklich deutlichst hörbare Unterschiede. Das Original klingt weicher, runder und in meinem Ohren beim Resonieren (sagt man das so? ;-)) musikalischer. Der K-2 klingt heller, klarer, fokussierter, frischer, so als würde eine gewisse Klangpatina fehlen. Mir persönlich gefällt der reife, ‚müde‘ Sound des Originals (in Bezug auf das Rob Papen Video) besser. Beim Mixing kann ich mir jedoch vorstellen, dass der K-2 ein bisschen leichter ‚unterzubringen‘ ist im Zusammenspiel mit anderen Synths.

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    bluebell  

    Der MS-10 war mein erster Synth. Ich hab dazu in den Ferien gejobbt. Ich habe ihn schon irgendwie geliebt, zumal man mit LFO-gesteuerter Pulsweite des Rechtecks recht breite Sounds hinbekam, obwohl er nur einen einzigen VCO hatte. Damit hatte sich das Thema Sägezahn quasi erledigt, wollte man nicht nach Billigst-Tischhupe oder NDW klingen. Der MS-20 hatte zwei VCOs, aber war mit seinen 1200,- DM nicht erschwinglich für mich.

    Bei aller Liebe musste man bei der Qualität Abstriche machen. Nicht bei der Stimmstabilität oder der Verarbeitung, aber bei Knackigkeit und Durchsetzungsfähigkeit sowie bei der Prägnanz des Filters (war m.W. nur 12 dB/Oktave). Die Selbstresonanz war dagegen prima und gut steuerbar. Auch bei minimaler Attack-Time war der hüllkurvengesteuerte VCF einfach nur lahmarschig, und ein Bass-Sound neigte immer zum Mulmen.

    Ich konnte mir damals für einen Gig einen Minimoog leihen, und das war dann eine echte Offenbarung. Hätte ich damals das Geld für einen Moog gehabt, hätte ich jeden Korg in der Ecke stehen lassen.

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    Green Dino  AHU

    Das Desktopformat und beide Filter-Revisionen zu haben ist schon ne tolle Sache, eine sehr tolle Sache….muss ich dann aber mal im Laden testen.
    Den MS20 Mini fand ich beim Testen eigentlich ganz gut, hatte ihn aber dann doch nicht gekauft.

    Btw, im K2 sind doch sehr bestimmt Potentiometer und keine Encoder verbaut ;)

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    Thomas Columbo  

    Auch von mir vielen Dank für den Bericht.

    Mal ne neue Behringer Variante: Ein Klon der auf den ersten Blick überhaupt nicht aussieht wie ein Klon.

    Korg hat da mit dem Mini MS allerdings schon ganze Arbeit geleistet, der versprüht optisch u n d akustisch den Retro-Kult-Flair, da ist das Behringer Teil aktuell eigentlich überflüssig (Klimawandel!!!) , obwohl, man sieht es ja nicht auf den ersten Blick, dass es ein MS Klon sein soll.

    Insoweit hat Uli marketingmäßig wieder mal alles richtig gemacht. Allerdings habe ich bis jetzt immer noch keinen Behringer Synth… Vieleicht ist das ja ein Fehler…

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      Ashatur  AHU

      Dann gehe doch am besten mal in das Fachgeschäft deines Vertrauens und teste mal einen B Synth dann weißte ob es für dich ein Fehler ist oder nicht keinen zu haben.
      Und zum Thema Klimawandel da lasse deinen Frust lieber an einen Saatguthersteller der mit M anfängt aus ;-)

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    Herr Mikrobi  

    Schöner Bericht. Zum ESP: was ist denn, wenn Du statt des Phones-out den Signal-out oder z.B. den Neutron in den ESP patchst?

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    heimannrudolf  

    Kann es sein, dass Du einfach nur ein falsches Kabel verwendest? Dein Phones Out ist ein Stereoausgang, der „ESP“-Input ist mono. Entweder kann der Input kein Stereosignal verarbeiten oder dein Phones Out lässt sich nicht mit einem Monokabel abgreifen. In einen Mono-Eingang sollte man m.E. auch nur ein Monosignal schicken (Klugscheissermodus, sorry!).

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      SynthUndMetal  

      Ja, das kommt mir bekannt vor. Ich habe da auch schon die Erfahrung gemacht, dass Stereostecker in Monobuchsen bei manchen Geräten nicht funzt. Vielleicht kann Corno das ja mal bei seinem Synth überprüfen und hier berichten.

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        Corno

        Erstmal vielen Dank für Eure Ratschläge!!! Gleich vorneweg: der ESP funktioniert momentan tatsächlich. Scheint wohl ein Wackelkontakt zu sein, anders kann ich es mir nicht erklären. Habe mit den Original-Kabeln (und Neutron-Kabeln) die Patches gemacht. Die sollten eindeutig mono sein. Und ja – habe natürlich auch Signal Out als Ersatz ausprobiert – ging bis gestern nicht. Jetzt läuft es momentan. Ich bin logischerweise davon ausgegangen, dass ein Patch vom MS-20 eins zu eins auf den K-2 übertragbar sein sollte. Ich werde den ESP weiterhin beobachten und fleißig patchen – sollte es noch weitere Überraschungen geben, werde ich Euch an dieser Stelle informieren! :-)

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    Ashatur  AHU

    Danke für den Bericht,

    Ich bin auch schon am liebäugeln denn der MS 20 stand schon immer auf meiner Wunschliste. Und der Mini von Korg ist mir einfach zu schlecht verarbeitet gerade die Patchpunkte und noisy ist er auch noch. Da wage ich sogar zu behaupten das Behringer es event. sogar besser gemacht hat.

    Ja die Filterresonance das ist wohl das größte Manko bei B. da müssen Sie wohl noch etwas feilen. Auch bei meinem MS 101 ist das letzte Viertel etwas strange.

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    Atarkid  AHU

    War schön zu lesen mit welcher Inbrunst Du an die Sache rangegangen bist :)…. Also ich hatte in den 90ern auch einen MS-20, der war praktisch wie aus dem Laden, Wahnsinn! (Kaufpreis 375 DM)… Und ich kann auch bestätigen dass die Regelwege des Behringers irgendwie nicht so richtig passen.
    Trotzdem muss ich sagen, dass ich den K-2 nicht schlecht finde. Formfakter wird immer interessanter bei zusehends kleineren Wohnungen ^^…
    Cool dass Du Spaß mit der Kiste hast! Halt uns mal auf dem Laufenden in Sachen ESP! Btw. meinen MS-20 hab ich für 700 DM wieder verkauft, muss man sich mal vorstellen *seufz*…

  10. Profilbild
    8 Bit Fighter  

    Es ist schade, dass PWM nicht möglich ist und eine Hüllkurve nur AR ist. Diese Erweiterungen wären mit wenig Aufwand realisierbar gewesen.

    • Profilbild
      Hectorpascal  AHU

      Yup, bei den Korg kannst du es nachträglich machen aber mir persönlich fehlt FM am meisten. Ein alter MS20 mit FM klingt göttlich!

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