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18. Oktober 2019

Backup Alternativen zu Time Machines – Survival Kit für Mac.

Dieser Text gilt natürlich mit Einschränkungen auch für andere Betriebssysteme, die Programme heissen dann anders und haben oft nicht den gleichen Funktionsumfang. So was wie TimeMachine suche ich für Win schon lange, finde es aber nicht. Was durchaus auch an mir liegen könnte.

WAS BRAUCHE ICH?

  • Einen Mac ;)
  • Zwei externe Festplatten
  • Zeit

Berichte über verunglückte OS Updates füllen die Blogs weltweit, wobei sich die Fehler unter Herstellern (Apple), Dritten (Hersteller der Peripherie und deren Treibern) und dem User gut aufteilen. Egal, wer Schuld hat, das spielt beim GAU erstmal keine Rolle, denn nur das Ergebnis zählt: ich kann schlicht nicht mehr (richtig) arbeiten.

Hat ein Update irgendwelche Kollateralschäden zur Folge, habe ich mehrere Optionen. Die erste wäre ein Backup zurück zu spielen, dabei ist es egal, womit das gemacht wurde. TimeMachine finde ich eine gute Lösung, aber auch CarbonCopyCloner hat seine Vorteile (SuperDuper schein ähnlich zu sein, habe ich aber noch nie verwendet. Beide zwischen 30 und 40 €, Demoversionen verfügbar). Oft ist auch eine gemischte Lösung optimal.

Bild 1: Neues Image erstellen

TimeMachine erzeugt selbständig!! Backups jede Stunde, natürlich inkrementell (nur Verändertes wird nach dem ersten, kompletten Backup neu gesichert), sonst wäre der Spaß schnell vorbei und die Platte voll. Ich muss nichts starten, der einzige Job für mich ist schlicht die Festplatte anzuschliessen und wenn möglich auch dort immer angeschlossen zu lassen.

Wenn ich eine externe Platte zum ersten mal anschließe, fragt mich das OS, ob die Platte für TimeMachine genutzt werden soll. Sage ich ja, wird sie entsprechend formatiert, falls sie es noch nicht ist. Aber dabei werden eventuell bereits vorhandene Dateien gelöscht. Sage ich nein, notiert der Computer das in seinen Voreinstellungen und fragt mich nie mehr. Für alle, denen diese Antwort nicht genügt: Auf der Rootebene der Festplatte liegt dann eine unsichtbare Datei namens .com.apple.timemachine.donotpresent. Als Faustregel nehme ich selbst die externe Festplatte mindestens in der 1,5-fachen Größe der zu sichernden Platte(n). Dann habe ich die Chance, bei Wiederherstellung auf mehr als eine ältere Version zuzugreifen.

Bild 2: Image erstellen von diesem Ordner/Volume

Ist die Platte groß genug, könnte ich mir die 2. obengenannte Externe sparen und hier zusätzlich ein bootfähiges OS installieren. Das würde ich aber nur bei großer Leere im Geldbeutel überhaupt überlegen. Denn die 2. Externe hat noch andere Aufgaben. Eine 2 TB USB Festplatte mit 2,5“ kostet Ende 2019 um die 70€, eine 5 TB etwa 120 €.

Jetzt zur zweiten Platte. Für mich selbst genauso wichtig wie die Backupplatte. Ich selbst habe meine 2 TB 3-fach partitioniert. Zwei kleine 100 GB Partitionen mit älteren Betriebssystemen installiert, momentan 10.6.8 und 10.10.5. Warum so alte Betriebssysteme? Damit kann ich Bekannten auch mal helfen, wenn deren 10 Jahre alter Rechner nicht mehr hochfährt. Jeder Intel Mac (seit 2005/2006) kommt damit noch zurecht. Neuere, aus diesem Jahrzehnt nicht mehr. Das Mittelalter bootet noch von 10.10 (Yosemite). Für die anderen habe ich auf der größten Partition 10.13 installiert. Mein betagter Quad Core der ersten Stunde kann nicht mehr als High Sierra. Die neuesten Rechner booten auch davon nicht mehr. Da würde ich dementsprechend anpassen.

Bild 3: Ziel des Images und Optionen für Verschlüsselung (ratsam)

Also auf den zwei kleinen Partitionen installiere ich die alten Systeme, wahlweise natürlich auch ein ganz neues, beispielsweise eine Beta. Damit kann ich dann meine Versuche machen, ohne ein läuffähiges System zu gefährden. Geht alles, ziehe ich um auf die interne Bootplatte. Booten mit einem neueren System von einer Festplatte ist nicht allzu prickelnd. Habe ich einen Hunderter übrig, kaufe ich eine SSD mit 1 TB. Und ja, es gibt auch noch andere Hersteller als Samsung, die genauso gut sein können.

Jetzt stimmt die Vorbereitung, jetzt noch feintunen. Auf der größten Partition erzeuge ich einen Ordner namens Install. Kann auch Clara heissen, oder Erwin ;). Darin einen Ordner für die verschiedenen macOS .dmg. Das sind Imagedateien, von denen ich jederzeit eine Installation starten kann. Ich habe alle seit 10.2, davor war OSX nicht ernst zu nehmen. Wer, wie fast jeder, diese Dateien nicht sammelt, findet, sofern er jedes Update auch einmal runtergeladen hat, diese in „Käufe“. Den Punkt finde ich im AppStore. Käufe wird bei Apple jeder Download aus dem AppStore genannt, auch die, die nichts kosten. Apple ist nicht sonderlich daran interessiert, ältere Betriebssysteme einfach auffinden zu lassen. Muss man wissen, das muss mich aber nicht am Suchen hindern.

Ein wichtiger Punkt noch: habe ich 10.x installiert, kann ich 10.x-1 nicht installieren. Das verhindert der Hersteller. Auch dafür sind zwei ältere Partitionen sinnvoll, also boote ich vom ältest möglichen System und installiere von dort aus. Das geht dann natürlich. Vorwärts immer, rückwärts nimmer.

Habe ich meine macOS‘ gefunden, lege ich sie in den Install-Ordner. Das gleiche gilt für meine Programminstallationen, sowie bei Musikern für die PlugIns und Soundbibliotheken. Am besten gleich mit zugehörigem Passwort bzw. Freischaltcode, falls notwendig. Vieles davon finde ich auch im AppStore, falls ich sie da einmal runtergeladen habe. Ich bevorzuge trotzdem die lokale Speicherung, dann ist die Downloadrate wurscht und das ökologische Gewissen beruhigt. Nicht vergessen sollte ich auch Druckertreiber oder Treiber für so lästigen Kram wie Dongles. Dabei aber, wenn möglich, gleich danach aktualisieren. Denn diese Kopier-Verhüterli sind bei bestimmten Dingen ziemlich humorlos.

Bild 4 Mitwachsendes Image – eine Alternative

Eine sinnvolle Nutzung dieser Images ist auch mit einem Stick möglich. Denn ich kann mit Hilfe eines kleinen Programms (Diskmaker X) jederzeit einen bootfähigen Stick erstellen. Link am Ende. Ich habe sogar mal ein komplettes macOS auf einem Stick installiert, das ist aber eine Methode, die funktioniert, aber vor allem zum Einschlafen.

Tritt der GAU ein, hole ich die Externe, schliesse an, schalte ein und halte dabei die Alt-Taste gedrückt. Nach einiger Zeit erscheinen alle bootfähigen Volumes in einer Reihe. Jetzt ist es hilfreich, wenn ich davor die Festplatten/ Partitionen sinnvoll benannt habe. Macintosh HD ist immer der erste Name, den ich ändere. Interne, Mein Schatz, oder was auch immer. Alles ist besser als dieser Default Name. Wer schon mal in einem kleinen Mac Netzwerk gearbeitet hat, weiss, wovon ich spreche. Sehe ich sieben mal Macintosh HD, weiss ich nicht, auf welcher Platte ich gerade Dateien lösche.

Ok, ich fahre mit den Pfeiltasten oder der Maus (wenn sie zu dem Zeitpunkt geht) zur gewünschten Platte und drücke Return, fertig. Diese Startvolumewahl ist im Gegensatz zu der in den Systemeinstellungen temporär, beim nächsten Start wird also wieder das alte Startvolume benutzt. An dieser Stelle sind oft auch die Notpartitionen, die seit einigen Jahren automatisch angelegt werden, anwählbar. Sie heissen oft ähnlich wie das dazu gehörende Startvolume, das OS wird mit angezeigt. Damit lässt sich eine Festplatte manchmal reparieren. Denn das Festplattendienstporamm ist da anwählbar. Darin enthalten ist „Erste Hilfe“, das das eigentliche Startvolume zu reparieren versucht.

Aber meine beschriebene Lösung geht weiter, denn ich habe damit ein vollwertiges macOS am Start. Mit allen liebgewonnenen Zusatzprogrammen, auch Reparatur- oder Backupprogrammen, die ich natürlich davor auch installiert haben muss.

Als zusätzliche Maßnahme erzeuge ich noch ein Image vom frisch installierten Rechner mit den wichtigsten Zusatzprogrammen. Das erfordert ein bisschen Planung. Denn es geht nur nach der Installation, denn dann ist die Installation noch unangetastet, nicht mit eventuell alten Treibern versaut, und noch keine Daten drauf. Darauf greife ich gerne zurück, wenn der Rechner mal wieder beim Arbeiten abschnarcht und ich mich frage, wer denn diesen merkwürdigen, drehenden, bunten Ball designt hat. Ich kann SAT 1 nicht leiden und diesen Ball auch nicht.

Tritt das zu oft auf, boote ich von der Externen, formatiere die Interne und spiele das Image zurück. Je besser ich das Image vorbereitet habe, desto weniger Zeit benötigt der Restore. Also habe ich meine DAWs mit PlugIns, sowie die wichtigsten zusätzlichen Programme bereits installiert, BEVOR ich das Image erstelle. Wenn der Rechner gleich blieb und der Name der internen Festplatte auch, laufen auch schon die einen oder anderen Software Autorisierungen, denn die checken öfter mal die eingebaute Hardware. Aber es ist keine Garantie. Bei meinen DAWs sind etwa 100 GB Content dabei, der sollte mit in das Image, denn das braucht die längste Zeit bei der Neuinstallation.

Macht euch nichts vor, so eine Aktion braucht einen Nachmittag, aber so unzickig wie danach habt ihr euren Rechner schon lange nicht mehr erlebt. Booten läuft in 15 Sekunden und nicht in 2 Minuten, sogar das Ausschalten geht schneller.

Die Massnahme ist auch sinnvoll, um zu checken, warum irgendetwas nicht mehr geht. Ich installiere temporär auf einer Externen und schon weiss ich, ob der Rechner oder die alte Installation das Problem hat. Ersteres ist nicht so gut, das zweite sehr viel besser. Das dauert auch nicht viel länger als die Fehlersuche, besonders wenn ich Hilfe im Internet angefragt habe und die hoffentlich sinnvollen Lösungsansätze erst abwarten muss.

Fazit
Den schnellsten Restore erreiche ich mit einem Image einer Basisinstallation, was allerdings den Nachteil hat, nicht immer ganz aktuell zu sein. Denn ich erstelle nicht jede Woche eines. Die Daten selbst sind für mich am besten mit TimeMachine gesichert. Denn damit kann ich selektiv runter bis zur einzelnen Datei restoren. Wer ganz auf Nummer Sicher gehen will, nimmt noch ein kostenloses Zusatzprogramm wie SmartBackup oder FreeFileSync, das automatisch alle wichtigen Daten in der Cloud sichert. Aber dann bitte davor verschlüsseln z.B. mit Boxcryptor. Denn Cloud und unverschlüsselt sind zwei Begriffe, die nicht im gleichen Satz vorkommen dürfen. Ich mache seit sehr langer Zeit beruflich den Computerflüsterer und ein fehlendes Backup belegt Platz 1-5 der Hitliste der größten Fehler, die man mit einem Rechner machen kann. Ihr kennt bestimmt die lustigen T-Shirts mit dem Aufdruck: No Backup, No Mercy!
Stressfreies Schaffen, Tai (gaffer, hier im Forum)
Forum
  1. Profilbild
    TobyB  RED

    Hallo Gaffer,

    hast du gut gemacht! Ich setze auch auch Carbon Copy Cloner. Das Programm ist sein Geld wert. Grade wenn man grosse Datenmengen beherrschen will. Time Maschine ist auch okay, zieht aber dann und wann Leistung aus dem Mac. Cloudbackup sind schon in verschlüsselter Form sinnvoll, allerdings ersetzen sie für mich nicht ein redundantes Lan Backup.

  2. Profilbild
    anselm  

    Ich kann ChronoSync von EconTechnologies empfehlen. Das kann man bei Bedarf so einrichten, daß sofort bei Anschluß einer Backup-Festplatte der Sicherungsvorgang automatisch startet. Generell bietet es viele Möglichkeiten, Backups genau auf die persönlichen Wünsche abzustimmen.
    CS wird seit Jahren gepflegt, dh. es gibt regelmäßig Updates und die sind immer kostenlos.
    Die 50 USD ist es absolut wert.

    Ansonsten gibt es noch Data Backup von Prosoft (21 EURO, 30 Tage Test kostenlos) und Retrospect Backup (119 EURO).

  3. Profilbild
    mdesign  

    superduper ist ein gutes und verlässliches tool. macht eine bootbare kopie des ganzen rechners auf eine festplatte. die kann man sicher verwahren. oder sogar auf reisen mitnehmen und den laptop zuhause lassen – auf jedem anderen mac (zB bei freunden) hat man dann den kompletten eigenen mac dabei.

    • Profilbild
      gaffer  AHU

      Ja, und was für alle bootfähigen Backups gilt: zickt der Rechner mal oder auch ein Programm darin, boote ich von einem zweiten Laufwerk und weiss gleich, wo ich den Fehler suchen muss. Auch zum (evtl. zu) schnellen Umstieg auf die neueste OS Version ist es ein gutes Werkzeug. Dort kann ich dann gefahrlos testen, ob die Hauptpartition den Umstieg auch machen soll.

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