DJ Workshop: NI Traktor DJ Software, Effekte Basics

Die wichtigsten Traktor-Effekte im Detail



Delay

Das Delay ist die Mutter aller Effekte und wird sowohl im Studio als auch als Unterstützung bei Übergängen exzessiv genutzt, zumindest von mir. Ein Slot ist deswegen bei mir immer für ein Delay im Single-Mode reserviert. Hauptsächlich nutze ich es als Echo Out aka Echo Freeze, der wahrscheinlich elegantesten Art aus absolut jedem Track an jeder gewünschten Stelle mit Anstand herauszukommen.
Die einstellbaren Parameter sind „Feedback“ (wie oft wiederholt das Delay) und „Rate“ (in welchem Abständen erfolgen die Wiederholungen. Da Delays Audio durch Wiederholung „stapeln“, besteht die große Gefahr, dass der Sound nicht nur matschig wird, sondern vor allem sehr, sehr laut. An dieser Stelle kommt der dritte Regler (im Single-Mode) ins Spiel: „Filter“ sorgt dafür, dass das Effektsignal mit jeder Wiederholung weniger Bässe und Höhen enthält. Eine interessante Option ist der Button „SPR“. Das steht für „spread“ und verteilt das Delay abwechselnd nach rechts und links im Stereobild, er erzeugt also ein Ping-Pong-Delay. Tontechnisch hilft das, den Sound etwas weniger matschig zu machen, musikalisch haucht es selbst dem langweiligsten Hi-Hat-Pattern so etwas wie Leben ein. (Die Wahrscheinlichkeit, dass das der Track, den du gerade spielst, sowieso schon macht, ist allerdings ziemlich groß. )

Wie wichtig Delays sind, kann man daran merken, dass es in Traktor gleich vier davon gibt. Neben der Standardversion könnt ihr noch zwischen „Delay T3“, „Ramp Delay“ und „Tape Delay“ wählen. Die mit „T3“ beschrifteten Effekte stammen noch aus der alten Traktor-3-Version. Das T3-Delay ist so laut und heftig, dass es sich hervorragend eignet, um es als einfachen Sampler zu benutzen, der einen Takt aufnimmt und wiederholt.
Die anderen beiden sind etwas für diejenigen, denen die perfekt beatsynchronisierten Delays zu vorhersehbar und statisch agieren. „Tape Delay“ simuliert genau das, was der Name aussagt, nämlich das alte analoge, mittels einer kurzen Endlosschleife eines Tonbands erzeugten Dub Echo. Inklusive Bandsättigung, dumpfem Sound und nicht perfekt einstellbarer Echolängen. Perfekt, wenn es eben nicht perfekt klingen soll. Ebenfalls unperfekt und gerade deswegen so interessant: das Ramp-Delay, das nicht mit starren, sondern variablen Rates arbeitet, was ein wenig wie ein ansteigender Frequenz-Sweep klingt.
(Oder wie ein Stolpern des Beats. Richie Hawtin lässt grüßen.)

 Wie ich oben schon geschrieben habe, nutze ich das Delay als Tool, um Übergänge smoother klingen zu lassen. Das funktioniert mittels eines Tricks sogar bei größeren Temposprüngen. Durch geschicktes Wechseln des Tempomasters kann man einen Delay-unterstützten Cut machen, bei dem die Wiederholungsrate des Echos sich an den nächsten Track anpasst und damit eine Klammer zwischen den beiden Tracks bildet, die auch größere BPM-Sprünge gut kaschiert. Der Trick ist dabei, nicht nur auf den neuen Track zu cutten, sondern den alten zu stoppen, so dass der neue Track zum Tempomaster wird, an den sich die Delay-Rate anpasst. Ich hab da mal was vorbereitet:

Reverb

Mit dem Reverb („Hall“ oder „Raum“) stehe ich seit Jahren auf Kriegsfuß. Ich weiß genau, wie es funktioniert und warum es nützlich sein kann, aber irgendwie lasse ich es dann doch immer sein. Grundsätzlich tut ein Reverb mehr oder weniger dasselbe wie das Delay. Es simuliert Reflexionen des Schalls. Beim Reverb oder Hall ist die reflektierende Fläche aber wesentlich näher beim Hörer, weswegen die Reflexionen nicht als eigenständige Toninformationen wahrgenommen werden, sondern als Raumklanganteil des Signals. Unser Ohr weiß genau, dass das Verhältnis von Direktschall zu Reflexion sich in Richtung Reflexion verschiebt, je weiter man von der Tonquelle weg ist. Das bedeutet, ein Signal mit viel Hall klingt weiter entfernt. Und da ist auch der größte Nutzen beim Mixen: Man kann mittels Reverb einen Track nach hinten schicken und ihm damit die Hauptrolle im Mix nehmen, wenn man auch die Lautstärke zurücknimmt, während man den Hallanteil hochfährt. Tut man das nicht, kann das Reverb das gute alte Rein-Raus-Spiel des Techno unterstützen. Je mehr Delay und Hall einen Breakdown verzieren, desto größer der mögliche Kontrast zum trockenen Drop, desto größer die Freude auf dem Floor. Hat sich ungefähr zig Schrillionen Mal in Produktionen wie DJ-Sets bewährt, wird auch deinem Floor funktionieren. Versprochen!

Gater

Der Gater ist einer meiner Lieblingseffekte. Ein Gate lässt das Tonsignal erst ab einem bestimmten Schwellwert durch. Bei Traktor passiert das natürlich beatsynchron, so dass man mit dem Gate wunderbare Stottereffekte erzeugen kann. Das kann man manchen, weil man Stottereffekte gut findet, funktioniert aber genauso gut, um Übergänge aufgeräumter klingen zu lassen, denn immer wenn das Gate „zumacht“, ist kein Signal da, das sich mit einem anderen zu Audiomatsch addieren könnte. Da das Gate auch ein abgehacktes Rauschen produziert, dessen Rate von den eingestellten Parametern abhängt, kann man es prima für eine Art Scratch-Effekt nutzen, wie man dieses Video schön zeigt. Ein weiteres Beispiel gibt es weiter unten bei den Effektketten.

Im zweiten Teil werden noch mehr Effekte im Detail vorgestellt werden. Außerdem geht es um die Erstellung von Effektketten.

Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Ich gebe zu kein DJ zu sein, aber immer wieder stelle ich fest dass es Mischpulte gibt die immer größer und komplizierter werden. Dann gibt es welche die sehr einfach sind und Drehregler anstatt Schieberegler besitzen und Schweine teuer sind. Trotzdem frage ich mich warum ein DJ zum zusammen mischen und ineinander blenden von fertiger Musik so eine hochkomplexe Kiste benötigt?

    • Profilbild
      DJ Ronny  

      Hi amazonaman, weil ein DJ mehr können sollte, als zwei Titel in einander zu spielen. Selbst zu meiner ersten offiziellen Disco 09/1973 habe ich Schallplatten abgebremst, angeschuppst, rückwärts gedreht. Ich glaube da gab es den Begriff scratching noch nicht. So hat sich das entwickelt und DJ Mixer, Konsolen und Player haben sich hier nach den Bedürfnissen der Djay’s entwickelt.

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