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Green Box: Yamaha AN200 VA-Synth Groovebox

21. Juni 2001

Der Yamaha AN1X als Groovebox

„Die Macht ist stark in Eurer Familie“

Der Yamaha DX200 (siehe Test) hat einen Zwillingsbruder mit dem bezeichnenden Namen Yamaha AN200. Die Namensähnlichkeit zum Yamaha AN1x rührt nicht von ungefähr, denn der AN200 besitzt die selbe VA-Synthesze (virtuell analog) wie die Keyboardversion AN1X, die der Nachbildung analoger Sounds dient. Wie auch der DX200 gehört der AN200 zur neuen Produktgattung der „Loopfactory“-Serie.

„Haben Sie noch nie vom Rasenden Falken gehört?“

Bis auf die Klangerzeugung sind der AN200 und der DX200 nahezu identisch aufgebaut. Für diejenigen, die den DX200-Test noch nicht gelesen haben (schämt Euch) folgt eine ausführliche Beschreibung der wichtigsten Leistungsmerkmale des neuen Yamaha-Synthesizers. Wem die ähnlichkeit zum DX200-Test auffällt; ich gebe es ja zu, ich habe beim DX-Test kräftig geklaut. Im Grunde genommen kombiniert der AN 200 einen 5-stimmigen Analog-Synthesizer mit einem Drumcomputer und einem Pattern-Sequenzer. Die Kreuzung aus Pattern-Sequenzer und Klangerzeugung besetzt eine nicht gerade kleine Nische am Markt, wobei gerade Yamaha hier mit Geräten wie dem RM1x oder dem SU-700 sehr stark vertreten ist.

„Wer ist sie, sie ist wunderschön?“

Der AN200 ist silbern! Aber was noch? Bestehend aus einem Plastikgehäuse etwa von der Größe zwei nebeneinander liegender DVDs (man muß ja zeitgemäße Vergleiche finden) ist der AN 200 ein Leichtgewicht von gerade mal 1,5 kg. Neben den obligatorischen Doppel-Mono-Klinken-Outputs (ich hätte mir hier noch zwei zusätzliche gewünscht) gibt es einen Kopfhörer-Anschluß, einen Eingang für das mitgelieferte Netzteil sowie das (leider) um den Thru-Port verminderte MIDI-Duo. Die Frontplatte ist mit 18 Reglern (inklusive einem Endlos-Dial und einem Lautstärke-Poti) und 21 Tastern bestückt, weiterhin gibt es 14 gummierte Funktionstaster und eine ebenfalls aus gummierten Tastern bestehende 1-Oktaven-Tastatur, auf der man zwar absolut nicht spielen aber prima Notenschritte eingeben kann. Die Taster sind alle orange beleuchtet und informieren so schnell über den Betriebszustand, ebenso die 21 LEDs. Weiterhin gibt es ein vierstelliges Display nebst 9 Zustandsanzeigen. Zumindest bei den Reglern hat Yamaha weitgehend auf eine Doppelbelegung verzichtet, was eine intuitive Bedienung ungemein erleichtert.

„Furcht wird die lokalen Sternensysteme gefügig machen“

Neben einer übersichtlichen und informativen Anleitung, die etwas zu modern geschrieben ist (für DJs und „Producer“) befindet sich auch eine CD-ROM im Lieferumfang des AN 200. Auf dieser ist ein kostenloser Editor für Mac und PC enthalten, der eine komplette Programmierung des Gerätes und den Zugriff auf über die Hardware nicht erreichbare Parameter ermöglicht. Weiterhin gibt es einen grafischen Editor für die Free-EG-Funktion (siehe unten) und – wirklich sehr genial – den AN200 Step Sequencer zum schnellen und übersichtlichen Erzeugen toller Sequencen. Die Lösung mit einem zusätzlichen Editorprogramm verdient auf jeden Fall ein großes Lob, da so der AN 200 wirklich bis ins Detail ausgenutzt werden kann, das Gerät alleine aber übersichtlich und bedienbar bleibt.

„Das ist kein Mond!“

Obwohl der AN auf den ersten Blick wieder wie ein mit Reglern überfrachteter Synthesizer wirkt, läßt er sich erstaunlich gut bedienen. Wer schon mit dem DX200 gearbeitet hat, findet sich hier direkt zurecht. Schauen wir uns die Bedienoberfläche des AN 200 mal näher an: Grob eingeteilt gibt es vier Abschnitte: Die Hauptgruppe mit dem Display und den Tastern zum Einstellen der Betriebszustände, die Sequenzersteuerung, die „Tastatur“ zur Eingabe von Notenschritten und weiteren Funktionen sowie der Klangparameterabschnitt zur Echtzeitsteuerung und änderung des Sounds. Den letzten Abschnitt, sicherlich der interessanteste des AN 200, werde ich im folgenden genauer beleuchten.

„Raus aus dem Hyperraum, rein in einen Meteoritenhagel…“

Die Klangerzeugung des AN200 basiert auf der allseits bekannten und beliebten subtraktiven Synthese. Generiert werden die Klänge von zwei Oszillatoren, die sich mit einem Regler in ihrem Mischungsverhältnis einstellen lassen. Als Standardwellenformen sind Sägezahn (Auf- und Absteigend – sehr schön), Pulse, Dreieck und Sinus verfügbar. Zusätzlich gibt es noch eine Mix-Wellenform, die Pulse und Sägezahn enthält, sowie eine Multi-Saw-Welle, die direkt mehrere Sägezähne erzeugt. Ein Noise-Regler darf natürlich auch nicht fehlen. Leider erzeugt der AN200 im Gegensatz zum DX200 nur ein weißes Rauschen – schade. Dafür gibt«s als Entschädigung einen FM-Depth-Regler, der eine Frequenzmodulation einblendet. Das ermöglicht sehr abgefahrene Klänge. Eine Variation-Wellenform ist erst anwählbar, wenn Oszillator-Sync eingeschaltet wird (etwas umständlich). Dafür ist die Sync-Funktion gut gelöst: Entweder stellt Oszillator 1 Master und Slave gleichzeitig zur Verfügung (wobei der Slave-Oszillator in der Tonhöhe eingestellt werden kann) oder Oszillator 1 synct sich brav zu Oszillator 2. Was mir generell unverständlich ist: Wieso gibt es keine Möglichkeit, Pitch und Detune für die Oszillatoren am Gerät selber einzustellen? Hier hilft nur der Umweg über die mitgelieferte Software.

„Die Macht ist stark bei diesem da!“

Weiter geht«s in den wohl interessantesten Baustein eines subtraktiven Synthesizers: das Filter. Der AN200 besitzt ein resonanzfähiges Multimodefilter mit Tief-, Hoch- und Bandpass sowie einem Bandsperren-Typ. Der Tiefpass arbeitet wahlweise mit 12, 18 oder 24dB Absenkung pro Oktave. Das Filter klingt wie auch schon beim DX200 leider nicht aggressive genug. Für das Filter und die Lautstärke stehen jeweils eine ADSR-Hüllkurve zur Verfügung. Ein LFO mit wählbaren Wellenformen kann gleichzeitig verschieden Ziele wie Lautstärke, Filter oder Tonhöhe modulieren. Ein Portamentoregler ermöglicht Glide-Effekte, wobei wahlweise zwischen polyphoner oder monophoner Klangerzeugung umgeschaltet werden kann. Für einen wuchtigeren Sound gibt es einen Unisono-Modus, der aber natürlich die 5-fache Polyphonie der AN-Abteilung entsprechend reduziert und eigentlich nur für monophone Sounds brauchbar ist. Abschließend können die erzeugten Klänge noch mit Effekten angereichert werden, wobei ein dedizierter Distortion-Effekt-Taster (leider) nur ein- oder ausgeschaltet werden kann und ausschließlich für die AN-Abteilung zuständig ist. Wenigstens lässt sich die Intensität der Verzerrung regeln. Geheimtipp: Die Editorsoftware ermöglicht einen gezielten Zugriff auf die Distortion-Parameter. Die „normale“ Effektsektion stellt Standards wie Delay, Flanger, Phaser oder Reverb zur Verfügung und wirkt auf die komplette Klangerzeugung. Insgesamt gibt es 13 verschiedene Effekt-Typen.

„Lass Dich von Deinen Gefühlen leiten“

Eine sehr interessante Funktion ist das Scene-Morphing. Pro Sound können zwei Variationen gespeichert werden, die sich in Echtzeit mittels eines Reglers ineinander überblenden lassen, wobei sich hier wirklich die Parameterwerte ändern und dadurch sehr interessante Zwischenstufen entstehen können. Das ermöglicht gerade im Livebetrieb sehr interessante Klangverläufe. Diese Funktion arbeitet bei den analogen Sounds des AN200 weicher als beim DX200, der eher harte Morphing-übergänge erzeugt.

„Ich kann mir eine ganze Menge vorstellen. – Die kriegst Du!“

Neben der AN-Sektion beinhaltet der AN 200 noch einen 32-stimmigen Sample-Player, der hauptsächlich Drum- und Effektsounds sowie einige Bässe wiedergibt (insgesamt 120 Sounds). Diese Samples können zumindest gefiltert und mit den internen Effekten versehen werden (leider nicht mit dem Distortion). Die Drumsounds setzen sich hauptsächlich aus elektronischen Schlagzeugklängen zusammen und eignen sich gut für den Einsatz in moderneren Musikstilen. Die Qualität und der Druck entsprechen in etwa den Sounds des Yamaha RM1x, also durchaus brauchbar.

„Sandleute bewegen sich immer mit kleinen Schritten, um ihre wahre Stärke zu verbergen“

Der interne Sequenzer des AN 200 ähnelt vom Aufbau her den gängigen Step-Sequenzern: Bis zu 16 Schritte können live oder über die interne „Tastatur“ eingegeben werden. Die Step-Sequenz für die AN-Klangerzeugung kann mittels den acht sich über den Schritt-Tastern befindlichen Reglern beeinflußt werden. Um alle 16 Schritte zu erreichen, muß man mit zwei Anwahltastern zwischen Step 1-8 und Step 9-16 umschalten. Das ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, aber das menschliche Gehirn lernt bekanntlich ja (meistens) schnell. Mit den Reglern können dann bequem Tonhöhe, Gate Time und Anschlagdynamik pro Schritt eingestellt werden. Weiterhin gibt es noch drei Step-Sequenzen für den Rhythmus-Track, wobei hier die Regler zusätzlich zu den oben genannten Parametern auch zur Auswahl der Drumsounds dienen.

„Welche Nachricht? Die, die Du in Deinen rostigen Eingeweiden trägst“

Der AN 200 kann vier Step-Sequenzen gleichzeitig abspielen, welche man bei Yamaha als Pattern bezeichnet. 256 Preset-Pattern befinden sich an Bord, 128 User-Pattern lassen sich selber programmieren. Unterschiedliche Pattern können sequentiell zu einem Song angeordnet werden, von denen 10 Stück innerhalb des AN 200 Platz haben. Für die schnell Erstellung eines solchen Songs stehen unterschiedliche Insert- und Kopierfunktionen zur Verfügung. Meines Erachtens macht es aber mehr Spaß, im Patternmodus zu arbeiten, da man einfach flexibler den Ablauf der Pattern bestimmen kann. Eine intelligente Hilfe ist hierbei auch das Triggern vorher definierter Pattern über die interne Tastatur.

„Stell sofort alle Müllpressen auf der Inhaftierungsebene ab…“

Während der Wiedergabe können neben den Soundparametern noch viele Abspielparameter eines Pattern in Echtzeit verändert werden. Zum Beispiel läßt sich ein Pattern stummschalten oder mittels des Top-Tasters erneut rhythmisch einstarten. Die Retrigger-Funktion wiederholt einzelne Noten der AN-Sequenz und erzeugt so neue Variationen, während Reverse die Noten eines Patterns komplett durcheinanderwirbelt. Die Schrittlänge läßt sich global verkürzen oder verlängern. Tonhöhen-Transponierung ist in Echtzeit möglich und auch der Swing-Faktor eines Pattern kann geändert werden. Die Anwendung dieser „Tools“ macht richtig Spaß, innerhalb weniger Augenblicke hatte ich ein Preset-Pattern komplett modifiziert.

„X-Flügel in Angriffsposition“

Eine weitere Funktion wird der ein oder andere schon aus existierenden Yamaha-Gerätschaften kennen: die Free-EG, eine etwas merkwürdige Bezeichnung für eine sehr leistungstarke Funktion. Hinter ihr verbirgt sich eine Echtzeit-Automation von bis zu vier Parametern gleichzeitig. Wer aus Ermangelung an Händen gerne mehr als zwei Parameter gleichzeitig editieren möchte, sollte die Free-EG einsetzen, die eine kontinuierliche Parameteränderung für jedes Pattern speichert und so die Lebendigkeit der Klänge erhöht. Zusätzlich kann die Abspielreihenfolge der aufgenommenen Free-EG-Werte variiert werden. In diesem Zusammenhang ist die mitgelieferte Editorsoftware zu erwähnen, die eine komplett grafische Oberfläche für die Free-EG zur Verfügung stellt. Auf diese Weise lassen sich sehr schnell verschachtelte Verläufe erzielen.
„Es gibt immer zwei…einen Meister und einen Schüler“

Von der MIDI-Seite her ist der AN 200 sehr flexibel. Sei es als Master oder Slave in einem Live-Setup oder als reiner Klangerzeuger in einem Studioverbund. Alle Regler senden und empfangen MIDI-Controller-Daten. In Verbindung mit einem Groove-Sampler wie dem SU 700 läßt sich schon ein sehr aufwändiger Live-Act realisieren, der sowohl den Zuhörern als auch dem Musiker selbst Spaß macht.

Vor allem in Kombination mit seiner Schwester DX200 (oder ist es der Bruder?) gibt das Gespann einen starken Live-Act ab!!!

Der Yamaha AN200 on YouTube

Fazit

Eine coole Idee, den Yamaha AN1X mit Loops und Drumsounds zu versehen und als Groovebox auf den Markt zu bringen.

Die Programmierung ist etwas umständlich, aber der Sound ist toll.

Forum
  1. Profilbild
    el_dani

    „Im Grunde genommen kombiniert der AN 200 einen 5-stimmigen Analog-Synthesizer mit einem Drumcomputer und einem Pattern-Sequenzer.“

    der ist doch nicht analog! sondern vielleicht modelling, aber auf jeden Fall digital

  2. Profilbild
    Ben_R

    warum der Autor hier zwanghaft Star Wars Dialog einbringen muss der weder lustig ist noch zum Kontext passt ist mir schleierhaft , einfach nur peinlich

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