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Test: Roland MC-808 Groovebox mit Motorfadern

14. Februar 2007

Erste Groovebox mit Motorfadern

Ein Überblick zur Roland MC-808

Rolands GrooveBox MC-808 ist derzeit für einen besonders günstigen Preis von knapp über 800 Euro erhältlich. Die 128 stimmige Tonerzeugung ist die von Roland bekannte und auch in Geräten wie Juno-D eingesetzte Samplebasierende 4-Strang Synthese. Der Samplevorrat der MC-808 ist jedoch speziell für Dance und R&B Stilistiken optimiert und beinhaltet neben zahlreichen Drums auch die Wellenformen verschiedener analoger Synthesizer-Klassiker und natürlich massig Breaks, Scratches und Hits.

Die Tonerzeugung kann mit bis zu sechs Effekten versehen werden, darunter ein Kompressor, zwei Roland-typische MFX-Prozessoren, ein SRV 3030 Hall und ein dreibandiger Mastering-Kompressor für die Summe. Der Pattern-Sequenzer verfügt über 16 Parts, die mit den 16 Step-Tastern der MC-808 programmiert werden können. Ab Werk befinden sich 256 Pattern von mehr oder weniger bekannten Producern an Bord. Bis ins Detail kann die MC-808 über einen Computer-Editor bedient werden. Am Gerät selber sind nur die nötigsten Funktionen zugänglich. Dafür bietet das User-Interface ein Novum im Bereich der Synthesizer an: berührungsempfindlche Motorfader! Genau dieser Bereich ist bei der MC-808 auch am interessantesten, denn die Bedienung über die Motorfader ist wirklich gelungen.

Die vier LED-beleuchteten Reihen über den Fadern zeigen die Werte an, die gerade verändert werden. Vor jeder Reihe ist zum schnellen Zugriff ein Taster positioniert. Für die ersten beiden Reihen Level und Pan kann man zwischen Part 1-8 und Part 9-16 umschalten. Die zweiten beiden Reihen sind für den momentan angewählten Part zuständig und verändern einige Klang- und Effektparameter. Schöner wäre hier gewesen, wenn man anstatt vier Reihen noch mehr eingebaut hätte, um an noch mehr Parameter der Klänge zu kommen, denn so ist man schon etwas eingeschränkt und die Editierung am PC per Maus lädt nicht unbedingt zum Experimentieren in Echtzeit ein. Um den Vorteil von Motorfadern noch mal zu untertreichen: Beim Ändern eines Klanges oder Pattern springen die Fader automatisch in die richtige Position und durch die Berührungsempfindlichekeit wird schon beim Berühren der Wert im Display angezeigt. Sehr schön! Dafür ist es aber umso interessanter, die Fader im Live-Betrieb einzusetzten und Patterns oder Songs damit zu arrangieren.

Schicke Tasche im Lieferumfang enthalten

Der Klang der Roland MC-808

Wie jedes Roland Gerät klingt auch die MC-808 Roland-typisch clean. Für manche Styles fast zu clean, obwohl die Grundsamples teilweise schon viel „Dreck“ mitbringen. Die Patterns sind allesamt professionell gemischt, soweit dies mit der MC-808 möglich ist, denn sie bietet leider keine EQs und Kompressoren pro Part an. Dennoch sind bestimmt 50% der Patterns durchaus überzeugend programmiert, während die andere Hälfte für meinen Geschmack etwas ‚wie-gewollt-und-nicht-gekonnt‘ klingt.

Die Drumsamples sind durchweg druckvoll. Die meisten Synth-Klänge können jedoch klanglich nicht mit VA-Synths mithalten, da es ihnen durch die Multisamples oft an Druck fehlt. Die Bässe kommen da schon druckvoller. Die Natur-Klänge sind jedoch durch die Bank sehr gut einsetzbar, auch wenn die Qualität natürlich nicht an ein Fantom heranreicht. Die Effekte sind durchweg professionell, vor allem der Hall kann wirklich überzeugen, sodenn man ihn über den Rechner korrekt einstellt. Wer eigene Samples einbinden möchte, kann das jederzeit tun, ist jedoch auf Einzelsamples beschränkt da es keine Möglichkeit gibt, selbst erstellte oder importierte Multisamples zu benutzen, was ich sehr schade finde. Die Samples können in die Klangerzeugung eingebunden werden.

Softwarepaket zur Roland MC-808

Edit Softwsre für die Roland MC-808

Es ist möglich mit der MC-808 seine Auftritte am Computer vorzubereiten. Die MC-808 wird mit einer Editor-Software (Mac OS X, Win XP/2000) ausgeliefert, so dass man z.B. Samples am Bildschirm editieren kann. Ein Patch-Editor zum Bearbeiten von Sounds und ein Part Editor zum Mischen von Parts und Verfeinern von Patterns sind ebenfalls vorhanden.

Sampling

Zum einen kann man Wav-Dateien über USB in den internen Speicher übertragen und diese dann wie die internen Samples verwenden. Der MC-808 Speicher ist vom Werk aus 4 MB klein und kann aber mit normalen DIMM Modul auf maximal 512+4 MB ausgebaut werden. Dazu sollte man aber auch gleich eine 1 GB große Compact-Flash Karte einberechnen, da nur dort die Samples dauerhaft gespeichert bleiben. Das Sampling an der MC-808 direkt erfolgt recht einfach, nachdem man sich das Handbuch zu Gemüte geführt hat. Dabei kann man auch gleich mit einem Divide-Modus arbeiten, der z.B. eine Loop gleich in mehrere Teile zerhackt und auf die PADs legt. Zudem kann man auch die eigene Tonerzeugung samplen. Dabei fällt im direkten Vergleich auf, dass ein wenig von der Klangqualiät beim Sampling auf der Strecke bleibt. Woran das genau liegt, vermag ich aber nicht festzustellen.

Praxis

Wirklich schade ist, dass man so wenig an der MC-808 selber editieren kann. So können die Effekte zwar an der 808 ausgewählt, jedoch nicht editiert werden. Dazu muss man wieder zur Maus greifen.
Das eigene Erstellen von Patterns geht recht zügig von statten. Man kann zwischen Echtzeitaufnahme, der Progammierung wie bei den alten TR-Drummachines und einer Step-Eingabe wählen. Alle drei Möglichkeiten sind praktikabel gelöst. Die Pads sind übrigens nicht anschlagdynamisch.

Die Roland MC-909 on YouTube

Fazit

Die Roland MC-808 tritt wie erwartet in die Fußstapfen der MC-303 und führt die Grooveboxen von Roland weiter. Der Grundcharakter einer Groovebox bleibt jedoch bestehen und vermittelt stets den Eindruck eines teuren Spielzeuges, da viele Funktionen und Bedienkomfort für professionelle Anwender auf der Strecke bleiben. Dafür meistert die MC-808 das Übrige mit Bravour und es macht einfach Spaß, mit ihr zu arbeiten und Vorproduktionen oder Demos zu erstellen. Nach einer relativ kurzen Einarbeitung hat man bereits alle Funktionen auf dem Kasten, um wirklich gute Patterns zu erstellen. Ein Lob also an die Entwickler, welche die Bedienung wirklich einfach gestalteten. EQs für jeden der 16 Parts wären sehr schön und könnten viel zu einem professionellen Klang beitragen. Schade ist auch, dass die PADs nicht anschlagdynamisch sind. Toll wäre auch, wenn man mit den Motorfadern mehr Parameter erreichen könnte.

Plus

  • Motorfader für angenehme Bedienung
  • 128 stimmige Tonerzeugung
  • Eigene Samples können benutzt werden
  • Gute Sampling-Funktion
  • Gute Sequenzer Programmierung

Minus

  • Großteil der Funktionen nur über Editor erreichbar
  • importiert keine Multisamples

Preis

  • 830,-€
Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    was schade (ärgerlich) ist, dass man nicht einfach pro Part über die darunterliegenden Pads Samples (Loops) triggern und per Fader die Lautstärke kontrollieren kann. Die Pads können jeweils nur für einen Part ausgewählt weden. Ich suche schon lange eine live einsetzbare Sampleschleuder. Roland liefert hier zwar interessante Geräte, "vergisst " aber immer eine brauchbare MIDI-Implementierung. So können beim SP-404 die einzelnen Samples nicht mal einen MIDI Kanal zugeordnet werden.

    • Profilbild
      Tinotik  

      gibt es für dich denn zur zeit gut/bessere ‚live einsetzbare Sampleschleuder‘ ? hat sich ja einiges getan auf’m markt ?!

  2. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Also, wenn man zufällig noch einen Rechner am Start hat für den Editor und zudem noch gute Sample Cd´s dann kann man mit den 128 Poly und der Effektpower wirklich einiges machen. Die internen Waves sind nur zum Teil wirklich VIP, aber es ist eben kein Virus. Trance ist nur beschränkt machbar, aber House und Tecstyle geht alle mahl. Finde ich….

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