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Interview: Kai Lünnemann, von Michael Schenker bis Gospel

3. Januar 2010

Von Michael Schenker bis Gospel

Kai Lünnemann als Robbie Williams

Der gebürtige Osnabrücker Kai Lünnemann lebt auch heute noch dort, wo ich ihn im Jahre 2001 kennenlernte, als ich mit einer Top-40-Band durch den Nordwesten Deutschlands tingelte. Stichwort: Fleisch ist mein Gemüse.
Wir benötigten damals einen Aushilfsgitarristen, da unserer sich leider den Daumen gebrochen hatte. Neben der erfreulichen Tatsache, dass sich dieser daraufhin bei seinen Gesängen und Raps voll konzentrieren konnte, fiel auf, dass die musikalische Qualität durch den Gelegenheitsarbeiter keinesfalls abgenommen hatte. Er war alles andere als ein Notnagel.

Obwohl die Band damals aus jungen dynamischen und freundlichen Menschen bestand, war der heute 30-jährige doch noch um einiges jünger. Um so bemerkenswerter sein musikalisches Repertoire. Auch heute ist er wie damals auch noch DER Typ auf der Bühne, der die Mädels bekommt.

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Erst später bekam ich mit, dass er schon Klavier erlernt hatte, seit er fünf Jahre alt war und das auch bis zu einem Studium fortführte. Sein Nebeninstrument war dabei aber nicht etwa die Gitarre, sondern Schlagzeug. Seine bisher wohl erfolgreichste selbst initiierte Band war eine Robbie-Williams-Tribute-Show, die bundesweit unterwegs war, bei der ich das Vergnügen hatte, meinerseits einmal aushelfen zu dürfen.

Und natürlich war Kai hier nicht etwa der Gitarrist, sondern Robbie. Somit hatte sich seine Ausrucksmöglichkeit mittlerweile auch noch auf den Gesang erweitert. Seine Bewunderung für den britischen Entertainer gipfelte in dem selbst komponierten Song „Love And Hate“.

Mittlerweile haben sich seine Aufgabenbereiche in der Musik vielfältig ausgeweitet. Neben Hunderten Auftritten, die er bis heute als Gitarrist, Pianist, Schlagzeuger und Sänger absolviert hat, leitet er zwei Chöre, eine Bigband, bringt ein Musical als musikalischer Leiter zur Auftrittsreife und tritt mit der „Soul-Messe“ in die Fußstapfen von Komponisten, die die liturgische Musik im Laufe der Jahrhunderte bereichert haben.

Nicht zuletzt ist er jetzt einer unserer Kollegen auf AMAZONA.de und wird uns in der Gitarrenzone mit seiner kompetenten und umfassenden Sichtweise verschiedenste Arbeitsutensilien eines Musikers nahe bringen.

Ein guter Grund, diesen Multiinstrumentalisten einmal näher zu be- und durchleuchten und ihn meinerseits der geneigten Leserschaft unseres Magazins näher zu bringen.

Andreas: 
Hallo Kai! Erst einmal vielen Dank, dass du die Zeit gefunden hast, mit mir dieses Interview zu machen. Ich weiß ja, dass du ein vielbeschäftigter Mann bist. Darum gleich meine erste Frage: Wie war dein Tag? Was hast du heute gemacht?

Kai: 
Heute war einer der schönen sonnigen FERIEN-Tage, so dass ich nicht wie sonst üblich in der Musikschule als Dozent tätig sein durfte, sondern fast den ganzen Tag relaxen konnte. Am Abend war dann noch zwei Stunden Chorprobe mit einem der drei Chöre, die ich unter anderem zur Zeit leite.

Andreas: 
Was für Chöre sind das?

Kai:
Im Grunde Gospelchöre, wobei zwei intensiver zu einer Kirchengemeinde gehören und also auch regelmäßig in Gottesdiensten etc. auftreten. Mit einem der Chöre habe ich hier in Osnabrück Ende letzten Jahres ein großes Projekt auf die Beine gestellt: Die Soul-Messe. Das sind 12 von mir komponierte liturgrische Songs mit moderner, gospeliger, souliger, jazziger Musik. Das war eine große Sache mit tollen Leuten und fantastischen Gastmusikern. Nähere Infos gibt es auf der eigenen Homepage.

Mit diesem Projekt sind wir nach wie vor „unterwegs“ und immer auf der Suche nach interessierten Gemeinden und Veranstaltern.

Kai als Lukather-Klon

Andreas: 
Du spielst ja neben Gitarre, für die du Autor bei AMAZONA.de bist, auch Piano und Schlagzeug. Wann und wie bist du ans Klavier gekommen? Bist du immer dabei geblieben? Gab es Zeiten ohne Klavier? Viele Kinder hören irgendwann damit auf. Was meinst du, was hat dich bewogen dabeizubleiben?

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Kai:
(lacht) Ich gehöre auch zu denen, die irgendwann, genau gesagt mit zwölf, mal aufgehört haben, angefangen habe ich bereits mit fünf Jahren, mit zwölf ein kleiner musikalischer Tiefpunkt, bis ich dann mit ca. fünfzehn in die Big Band der Schule einstieg, und damit sollte sich mein Leben nachhaltig verändern. Dort lernte ich den Gitarristen gut kennen, der rockte die Riffs von Megadeth bei den Proben runter, und ich war mir sofort sicher: „DAS WILL ICH AUCH“. So bekam ich meine erste Gitarre (’ne Samick Flying-V, die hier immer noch rumsteht), Unterricht bei seinem Lehrer und nur ein paar Wochen später meine erste Band an der Schule zusammen. Seitdem habe ich eigentlich mein Leben immer mehr der Musik gewidmet, bis es nach unzähligen Bands und eben Ausflügen an die anderen Instrumente der Rockmusik, also Bass, Drums, Vocals, Keys etc. zu dem geworden ist, was es heute ist.

Dass ich zum Multiinstrumentalisten wurde, lag wohl auch daran, dass ich ständig einspringen musste, wenn mal wer anders nicht da war. Aber sicher auch, weil mich Musik einfach in ihrer Gesamtheit fasziniert und schon immer auch gepackt hat. Gitarren-Riffs und Schlagzeug-Grooves kann man nicht einfach trennen, da gehört was zusammen, und dem bin ich immer nachgeeifert.

In der Tat war es mein Vater, der entschieden hat, dass es gut für mich wäre, Klavier zu lernen, und lange Zeit habe ich das weder eingesehen noch in irgendeiner Weise unterstützt, eher boykottiert. Heute bin ich ihm dafür aber dann doch recht dankbar. Ach und meine Klavierlehrerin hat irgendwann mal zu ihm gesagt, dass ich ohnehin nie ein „Pianist oder Musiker“ werden würde. Dafür wäre ich sicher nicht talentiert genug. DAS war immer eine mördermäßige Motivation für mich – der wollte ich’s immer beweisen

Andreas:
Damit wäre dann auch schon meine nächste Frage abgehakt, nämlich, wie du zur Gitarre gekommen bist. Also lasse ich die mal aus.
Welche Gitarristen haben dich beeinflusst? Welche Musik bevorzugst du?

Kai Lünnemann als Drummer mit der Michael Schenker band

Kai:
Mein Leitwolf war von Anfang an und sehr lange Zeit John Petrucci von Dream Theater. Und dann kam erst mal eine ganz Zeit nichts mehr. Etliche Jahre habe ich im stillen Kämmerlein versucht, ihre Musik zu begreifen, die Songs versucht mitzuspielen und ihn angehimmelt aus der ersten Reihe bei weit über 10 Konzerten. Sogar mein Tattoo auf dem rechten Oberarm habe ich dem Logo der „Images and Words“-CD gewidmet.

Ansonsten waren da noch Paul Gilbert, natürlich  – sehr eindringlich – Steve Lukather, der besonders heute für mich einen großen Einfluss hat, nicht zuletzt auch wegen seines unglaublichen Gesangs. Steve Morse, Yngwie, David Gilmore, Gary Moore, Eric Clapton … ach … die ganzen Großen eben … und natürlich ZAkk Wylde und Eddy Van Halen. Meine erste „RICHTIGE“ Gitarre ist eine original Music Man Van Halen. Die werde ich sicher mein Lebtag nicht mehr verkaufen. Dafür habe ich mich bei meinen Eltern tief verschuldet, aber es hat sich gelohnt. Mittlerweile ist sie auch abbezahlt.

Andreas:
Wann hast du den Entschluss gefasst Profimusiker zu werden, oder wodurch ergab sich das? Immerhin hast du ja auch Musik studiert.

Kai:
Stimmt. Ich habe hier an der Universität in Osnabrück 14 Semester studiert, auch recht erfolgreich mit einem hervorragendem Notendurchschnitt – aber dann kam eines Tages der Tag der Entscheidung. Es stand die letzte Prüfung namens Staatsexamen an.

Gleichzeitig aber erhielt ich durch meinen stetig steigenden Bekanntheitsgrad in der Osnabrücker Musikszene immer bessere Job-Angebote, und gerade in dem Moment boten sich unzählige tolle Angebote wie ein fester Job mit beträchtlicher Schülerzahl an einer gut laufenden Musikschule, an der ich heute noch tätig bin, eine sehr gut gebuchte TOP40-Band mit ca. 100 Terminen pro Jahr, bei denen ich 7 Jahre gespielt habe und diverse Anfragen von Chören, die mich als Leiter haben wollten und Bands und Studio-Projekte, bei denen ich aushelfen konnte. Da ergaben sich so unzählige Möglichkeiten, direkt ins Business einzusteigen, dass ich einfach nicht mehr nein sagen konnte.

„Studium kann ich ja denn später noch irgendwann mal zu Ende machen“ war mein Credo.

Aber wenn man erstmal den Fuß in der Tür hat und Jahr für Jahr merkt, dass die Jobs besser werden und man immer einen Schritt weiterkommt und inzwischen sogar gut davon leben kann … Dann bleibt man da wohl besser am Ball. Und es ist wirklich ein Segen, mein Hobby zum Traumberuf gemacht haben zu können. Die Ausbildung an der Uni habe ich ja trotzdem bekommen und genossen.

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