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Interview: Ralf Hildenbeutel, from Techno to Score


Von Sven Väth bis Filmmusik

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Es war irgendwann 1994, Techno erlebte gerade seine Blütezeit und die Loveparade war als politische Demo angemeldet worden unter dem Motto „Friede, Freude, Eierkuchen“. Der Techno-Hype spaltete die Nation. War Techno Musik? Und mitten drin Sven Väth und Ralf Hildenbeutel, die sich um solche Fragen nicht scheren, ihr Ding machen und die Techno-Szene damit nachhaltig beeinflussen. Ich verantwortete zu dieser Zeit das Marketing für den Musik-Media-Verlag und hatte die Event-Tour MIX ON THE ROAD entworfen, um mit Nachwuchskünstlern jeder Musikrichtung Demos in professionellen Studios weltweit von namhaften Produzenten aufmöbeln zu lassen. Meine Reisen führten mich von Los Angeles, New York bis nach London, von Rock, Pop bis HipHop … bis sich einer der Gewinner nichts sehnlicher wünschte, als nach Offenbach reisen zu wollen. Ich weiß noch, dass ich damals erst dachte, ich hätte mich verhört. Wir hatten Budget, geplant war Sydney – und der junge Kerl kam aus Berlin. „Offenbach?  Das Offenbach bei Frankfurt?“ Er nickte „… aber nur, wenn wir EYE Q Records und Ralf Hildenbeutel bekommen können!“

Das war das erste Mal, dass ich über Ralfs Namen stolperte. Wie sich herausstellte, war Ralf die musikalische Ergänzung zum hippen Techno DJ Sven Väth und produzierte mit ihm gemeinsam seine Studioalben. Google war noch nicht erfunden und die anderen Suchmaschinen spuckten keine Infos aus. Ein befreundeter Techno-Produzent besorgte mir dann schließlich den Kontakt und ein Telefonat später hatte ich Ralf direkt am Telefon und bekam prompt seine Zusage.

Der Gewinner war im siebten Himmel und ich erlebte eine beeindruckende Session inmitten von analogen Synthesizern und Drumcomputern, die mich zutiefst beeindruckt hat. Ich dachte all die Jahre noch oft an diese Session und seit der Zeit gehören einige von Ralfs Alben zu meinen Lieblings-CDs für die einsame Insel. Doch erst, als ich vor einigen Wochen eine Pressemeldung las, in der Ralf namentlich erwähnt wurde, entschloss ich mich, diesen Ausnahmemusiker erneut zu besuchen, diesmal für ein ausführliches Interview in AMAZONA.de.

Eine E-Mail, ein Anruf, ein unkomplizierter Künstler … und alles war wie früher. Hier die Quintessenz aus unserem spannenden und aufschlussreichem Gespräch.

Peter:
Hallo Ralf, als wir uns in den 90ern kennengelernt hatten, warst du noch voll auf damit beschäftigt, für das damalige Kultlabel EYE Q RECORDS und für SVEN VÄTH zu komponieren. Seitdem hat sich viel geändert – doch erst einmal interessiert uns, wie alles begann … also lange bevor du SVEN kennengelernt hast.

Ralf:
Also, mit neun Jahren fing ich erst mal an, Klavier zu lernen. Ich hatte das Glück, eine sehr breitgefächerte Ausbildung zu haben, also nicht nur die rein klassische Klavierschiene, sondern auch Hörbildung, Komposition und moderne Musik. Da ich mich schon früh für diverse Musikstile interessierte, ich war z.B. in jungen Jahren schon totaler Jazz–Fan, kam mir das sehr gelegen. Später dann, mit ca. 14 Jahren, kam das Interesse an elektronischer Musik hinzu. Als ich endlich mein erstes Keyboard hatte, ging es direkt los mit dem Experimentieren, Soundtüfteln, Tape-to-Tape Aufnahmen mit dem Kassettenrecorder für „Mehrspuraufnahmen“ usw. Das hat zwar irgendwann mehr gerauscht als nach Musik geklungen, aber war egal, Hauptsache alles machen. Ebenso fing ich an, in Bands zu spielen, wobei ich da viel vom amerikanischen und englischen Synthrock-Sound der 80er beeinflusst war.

Peter:
Nur als Keyboarder oder haben dich auch andere Instrumente gereizt?

Ralf:
In der Zeit wollte ich auch ein paar andere Instrumente ausprobieren und habe Gitarrenunterricht genommen und Schlagzeug gespielt. Ich spielte sogar ein paar Jahre als Schlagzeuger in einer Synth-Rock Band. Diese zusätzlichen Basics helfen mir oft bis heute.

Das Eine kam zum Anderen und neben den diversen Szenebands kamen die ersten Studiojobs als Keyboarder dazu, ich bin dann auf meinen ersten Verleger/Manager getroffen, kam durch ihn dazu, z.B. für „Badessalz“ zu produzieren und kleinere Jobs für Sony Music (waren damals noch in Frankfurt) zu machen, usw., usw.

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  1. Profilbild
    Kosh ••••

    danke für das interview :) väth war nie so mein fall, aber ralf hildenbeutel und stevie b-zet mochte ich schon immer sehr gern. über ein stevie b-zet interview würde ich mich auch sehr freuen :)

  2. Profilbild
    thehtech

    Ob Earth Nation, Cygnus X oder Barbarella. Ralf Hildenbeutel hat maßgeblich zu meiner musikalischen Selbstsozialisation beigetragen. Vielen Dank für das schöne Interview!

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    TobyB RED

    Sehr schönes Interview Peter und Ralf. Einen Korg MS2000r der über einem Matrix trohnt und im Hintergrund ein klavier sieht man nicht alle Tage!

  4. Profilbild
    8-VOICE AHU

    Danke für das gelungene Interview. Es würde mich freuen mehr Interviews von div. Produzenten zu lesen. Interessieren würden mich am meisten kommerzielle 90s Eurodance / Dancefloor Projekte wie 2unlimited, Magic Affair, Snap, Erotic und wie sie alle heissen….

  5. Profilbild
    Kyotonic AHU

    Techno Techno Techno Techno! Der Hildenbeutel war schon etwas anders als Sven Väth. Auch zu erkennen am wahnsinnigen Blick. Harlequin, Robot und der Ballet Dancer habe ich noch im Schrank. Damals habe ich die CD ungehört gekauft und war etwas vom Konzept überrascht. Etwas härter war mir damals lieber. Da müsste auch noch ein Video existieren wo Sven am Mischpult vom Ralf Tracks an und ausschaltet. Er ist halt mehr DJ und der Szenetyp. Lebt der eigentlich noch? ;) Zuletzt hatte ich mal ein Set von ihm mit Ritchie Hawtin in Berlin gesehen. Mann waren die beiden drauf. Meine Musik waren die EyeQ Veröffentlichungen nie so….. Important Rec. zu der Zeit eher. ACID will never die! https://www.youtube.com/watch?v=vBJ5SawQJnA&list=PLJIxXS2S45dbXmMrqCgTQcANGGzubXEnA&index=2

  6. Profilbild
    tomk •••

    Dem Gedankengang folgend: Wow … wer hat das den produziert – stand damals sehr oft Ralf Hildenbeutel. Meistens war es für meinen Geschmack zu kommerziell, tat aber dem gehörten Können keinen Abbruch.
    Interessant zu lesen!

  7. Profilbild
    Kyotonic AHU

    Was würde ich nochmal für diese Zeit mit Atari geben! :) Damals konnte man noch mit dem Aufzug in einen Kellerclub fahren und bekam vom Türsteher zwei komische Pillen in die Hand gedrückt. Der Rest ist Geschichte…. Der Unterschied zu Sven und dem Rest, er hat nie aufgehört so zu leben. Bei ihm ist das wie mit Lemmy. Zum Nachahmen nicht empfohlen. ;)

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