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Kurzweil K250 & Fairlight CMI in „Kir Royal“ (Synthesizer in Filmen)

Wenn Konstantin in die edlen Tasten haut

26. November 2022
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Kurzweil K250 & Fairlight CMI in „Kir Royal“ 1986

Unsere kleine Rubrik „Synthesizer in Filmen“ führt uns in der Regel in ferne Länder oder auch in den Weltraum und selbst in die Zukunft. Diesmal geht es an einen nicht minder exotischen Ort: München-Giesing. Passenderweise wurde das Fundstück von einem Münchner Redakteur gesichtet: Tyrell.

Es ist wieder mal Zeit für eine kleine Zeitreise, denn logischerweise findet man Vintage-Schätze in der Epoche, aus der sie stammen, am leichtesten. Die TV-Serie „Kir Royal“ von 1986 spielt in der Münchener Schickeria zu ihrer Blütezeit. Erdacht und umgesetzt wurde der 6-Teiler von Regisseur Helmut Dietl und Autor Patrick Süskind. Die Satire ist recht zeitgeistig, allerdings aus heutiger Sicht auch nicht allzu bissig. Dafür hatte man die damalige TV-Prominenz, die diesem Milieu durchaus nahestand, zusammengetrommelt. So war die Serie mit Mario Adorf, Senta Berger, Dieter Hildebrandt, Udo Kier, Diether Krebs u.v.a. hochkarätig besetzt.
Die Musik stammt von Konstantin Wecker, der in der letzten Episode nicht nur einen Cameo-Auftritt hatte, sondern indirekt damit auch für die Fundstücke dieses Artikels „verantwortlich“ ist.

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Die Szene aus „Kir Royal: Karriere“ mit Konstantin Wecker und Senta Berger – Quelle: DVD

Kurzweil K250 als Klavierersatz

In der Episode „Karriere“ gibt es einen kurzen Ausflug in ein Tonstudio, in dem Senta Berger ein Demotape aufnehmen will. Als Studiomusiker sitzt Konstantin Wecker am Keyboard, das passend zum Thema natürlich kein x-beliebiges Gerät ist. Es handelt sich um den ebenso teuren wie legendären Kurzweil K250. Dieses Sample-basierte Keyboard wurde von Ray Kurzweil nach einer Anregung von Stevie Wonder entwickelt. Das Konzept war wegweisend und wurde zum Vorbild der wenige Jahre später folgenden Rompler und Workstations. Der Kurzweil K250 ist inzwischen eine echte Rarität und nur selten auf dem Gebrauchtmarkt zu ergattern. Daher ist unsere Vintage-Story (die ihr unter diesem Link nachlesen könnt) auch nicht ganz so umfangreich, wie es dieser Klassiker eigentlich verdient hätte.

kurzweil k250 keyboard

Übrigens bekommt man den Kurzweil K250 in der Szene nicht zu hören. Wenn man genau hinschaut, sieht man, dass die Audioausgänge des Keyboards nicht verkabelt sind. Der Song wurde, wie es beim Film üblich ist, vorab und offenbar mit einem echten Flügel aufgenommen. Irgendwie kann man sich Konstantin Wecker auch schwerlich mit einem Synthesizer vorstellen. Und das, obwohl hinter ihm ein noch größerer Klassiker steht: ein Fairlight CMI IIx. Es wäre ein echtes Schmankerl gewesen, wenn er sich in der Szene umgedreht und damit ein Solo hingelegt hätte! Doch leider dient dieser Vintage-Sampler hier nur als Dekoration und der Monitor ist noch nicht einmal eingeschaltet. Dafür haben wir aber eine sehr ausführliche Vintage-Story zum CMI IIx, die ihr unter diesem Link findet.

Da stellt sich doch die Frage, wo die Aufnahmen stattfanden und ob das Equipment vielleicht sogar aus dem Besitz von Konstantin Wecker stammte. Über sein Büro/Archiv erhielten wir dazu freundlicherweise Auskunft. Das Studio war keine Filmkulisse, sondern das real existierende Tonstudio im „Kaffee Giesing“ und die Instrumente gehörten zum Studioinventar. Das „Kaffee Giesing“ galt als Kult-Kneipe und war vor allem in den 80er- und Anfang der 90er-Jahre gleichermaßen Treffpunkt und Bühne für Musiker und Künstler.
Das man das Tonstudio dann für die Dreharbeiten nutzte, war naheliegend und vielleicht auch nicht ganz uneigennützig. Laut alten Berichten war das „Kaffee Giesing“ nicht unbedingt profitabel und wurde unter anderem durch Weckers Tourneen querfinanziert. Da kam die zusätzliche Miete als Film-Set sicherlich recht.
Das Tonstudio wurde nach Weckers Ausstieg aus dem „Kaffee Giesing“ geschlossen und die Lokalität selbst musste 2012 dichtmachen. Heute ist unter der Adresse eine Pizzeria zu finden und in dem einstigen Szene-Viertel finden sich keine Clubs oder Musikertreffs mehr.

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Ein Rack voller Schätze

Doch nicht nur die Keyboards im Aufnahmeraum wecken damals wie heute Begehrlichkeiten. Auch die sonstige Ausstattung des Studios konnte sich sehen lassen. Wohl aus Platzgründen wurde bei dieser Szene stets durch die Trennscheibe zwischen Aufnahme- und Regieraum gefilmt. Als es im Gegenschnitt einen Blick in den Regieraum des Studios gibt, fällt als allererstes natürlich das totschicke Hemd des Toningenieurs auf. Mehr 80er geht wohl kaum!

kir royal studio vintage gear

Das Tonstudio im „Kaffee Giesing“ – Quelle: DVD „Kir Royal“

Aber natürlich ist das gut bestückte Rack im Hintergrund der wahre Blickfang. Zwar verschwinden die Details in der Tiefenunschärfe, aber die Panele sind zumeist markant genug, um das Equipment zu identifizieren. Es ist wie ein kleines Who’s Who der damaligen High-End-Studioechnik:

• AMS DMX 15-80 – 15 Bit Digital Delay und Pitch Shifter
• Eventide H949 – Harmonizer / Pitch Shifter
• Eventide H910 – Harmonizer / Pitch Shifter
• Lexicon Super Prime Time – programmierbares Digital Delay
• nicht genau zu erkennendes 1 HE Gerät
• Lexicon Prime Time (Model 93) – Digital Delay
• wieder ein nicht zu erkennendes 1 HE Gerät
• Deltalab DL2 Acousticomputer – True Stereo Delay / Reverb
• Deltalab Delay DL-1 – Digital Delay
• Marshall Timemodulator – Analog Delay
• obere Kante der Dolby Noise Reduction Unit M16H

Bei der Identifizierung war uns Matthias Fuchs behilflich, dem das natürlich recht einfach fiel, da fast alle der aufgeführten Geräte in seinem Buch „Vintage FX“ enthalten sind. Und weil wir an dieser Stelle nicht auf dazu passenden Storys verweisen können, empfehlen wir Freunden der hochwertigen Outboard-Technik eben jenes Buch.

Außerdem noch ein Dankeschön an Alexander Kinsky (Büro/Archiv) für die Auskünfte und an Konstantin Wecker, der sich ebenfalls kurz Zeit nahm, obwohl er gerade auf Tour ist.

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Forum
  1. Profilbild
    Sven Rosswog RED

    Boa

    wie cool. So wie Konstantin Wecker präsentiert wird, hätte er auch Peter Baumann rein visuell in Tangerine Dream ersetzen können. ;-)

    Das war wirklich spannend zu lesen. Danke dafür.

    Es ist wirklich schade, dass aus der großen Zeit, als die ganze Rockelite in München war, nichts mehr übrig ist. Vielleicht sollte man echt mal noch ein Interview mit Reinhold Mack machen …..

  2. Profilbild
    Kazimoto AHU 1

    In einer Mercury Doku werden seine Münchener Jahre näher beäugt und ja, München war damals geil!
    Mit Freddy in der Küche koksen, wer war dabei? 😂

  3. Profilbild
    desmondo

    als Mitte der 60er Geborener bin ich wohl zu jung, um über die Szene damals viel zu wissen… ich kann nur sagen, daß ich Anfang der 80er Konstantin Wecker toll fand und gerne manche Stücke von ihm auf dem Klavier nachgespielt habe. Auch auf einem Konzert durfte ich ihn damals life mal erleben und das war großartig. An Kir Royal kann ich mich noch schwach erinnern. Über Synthis wußte ich damals noch garnichts. Auch wenn wir damals in unserer Schule Synthis und Übungsräume hatten und allerlei Instrumente da waren. Geld hatte ich sowieso fast keins und ich war einfach froh, in der Schule die Instrumente mitbenutzen zu dürfen. Aber geprägt wurde ich trotzdem von der Musik der Großen und hatte mein Ohr weit offen für jede Musikrichtung. Ich bin froh, in den 80ern und auch 90ern erwachsen geworden zu sein.

  4. Profilbild
    wunderkorg

    coole Idee fürn Artikel, das erinnert mich immer daran, dass man zur Pflege und Unterhaltung dieser vintage Effektgeräte eine masochistische Ader haben muß…das hält mich immer davon ab mir einen richtigen H949 oder 910er anzulegen , wie sind so eure Erfahrungen damit , nutzt ihr die noch im Studioalltag ?

  5. Profilbild
    ronv

    Hier ein Link zur entsprechenden Folge „Kir Royal E06 – Karriere“ auf youtube. Die Szene im Studio beginnt etwa bei 18 min und 50 s, das ist im Link schon eingestellt:

    https://youtu.be/3NqzKe-LmA4?t=1130

    Auch schön, dass man (nach einigen Minuten) im Hintergrund am Küchenschrank sehr präsent ein Kate-Bush-Cover sieht, während Konstantin Spaghetti zerbricht und Zwiebeln schneidet.

  6. Profilbild
    Kraut Control

    Wow, danke für den Artikel! Bin großer Fan von KW als auch der Serie und habe die DVD schon öfter an der Stelle angehalten. Im Kaffee Giesing war ich Anfang der 90er regelmäßig, jedoch nie hinten im Studio. KW hat auf seinen Alben seit den 70ern immer mal wieder Synths an prominenter Stelle im Einsatz, ein Polymoog wird sogar in den liner notes erwähnt, wenn ich mich recht erinnere.

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