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Green Box: Kurzweil K250, K250 RMX, K1000, K1200


Stevie Wonder und Mr. Kurzweil

Vorwort der Redaktion

Es gibt manche Klassiker unter den Vintage-Samplern, die bekommen wir einfach nicht in die Redaktion. Einer davon ist die ASR-Serie von Ensoniq, ein anderer die ehrwürdige Kurzweil K250 von 1984. Als bei unserem alten Freund Michael Thorpe ein voll aufgerüstetes Kurzweil K250 RMX im Shop auftauchte, bat ich ihn um ein kurzes Portrait und einige Aufnahmen von der Rack-Variante. Für einen umfangreichen Report fehlte ihm leider die Zeit – und so bitte ich unsere Leser, diesen Beitrag eher als eine Zusammenstellung von Fakten zu sehen, als um einen unserer sonst üblichen Vintage-Reportagen.

Ergänzt habe ich Michael Bericht noch um einen Absatz zur Kurzweil K1000 und Kurzweil K1200 Serie, da diese die unmittelbaren Nachfolger des K250 waren und klanglich auch viel Ähnlichkeit aufweisen.

Wir freuen wir uns natürlich, wenn der ein oder andere Leser noch zusätzliche Informationen preisgeben kann, am besten als Kommentar oder, sollte es ausführlicher werden, sehr gerne als Leserbeitrag.

Vielen Dank schon mal im voraus,
Euer Peter Grandl

Seitenansicht 2 K250RMX

Weltweit erblickte 1984 der erste „ROMPLER“ aka Sample-Player das Licht der Welt. Der Kurzweil K250 der Firma „Kurzweil Music Systems“ war das erste elektronische Musikinstrument, welches seine gesampelte Sounds benutzte, die in eine integrierte Schaltung implementiert wurde und berühmt wurde unter der Bezeichnung „ROM“ (read-only memory) und erstmalig ohne ein Laufwerk, wie z.B. Floppy Drive auskam.

Akustische Klänge, wie z.B. Bläser, Perkussion, Streicher und Holzblasinstrumente waren on board sowie auch Klänge, welche durch die Benutzung von Wellenformen von Oszillatoren generiert wurden. In erster Linie wurde das Gerät für professionelle Musiker gedacht und durch den genialen Erfinder Raymond Kurzweil ins Leben gerufen.

Raymond Kurzweil war zu diesem Zeitpunkt bereits Inhaber und Geschäftsführer der beiden Firmen:

  • Kurzweil Music Systems
  • Kurzweil Educational Systems

Mitte der 1970er erfand Raymond Kurzweil die erste Lesemaschine für blinde Menschen, welches „Multi-Fonts“ verarbeiten konnte und diese bestand unter anderem aus dem ersten CCD-Flachbettscanner und Text-to-Speech Sprachsynthesizer. Im Jahre 1976 hörte Stevie Wonder von diesem Gerät durch eine sehr bekannte US-Show (The Today Show) und wurde der erste offizielle Benutzer dieser Erfindung.

Dies war der Beginn einer langjährigen Zusammenarbeit und Freundschaft zwischen Raymond Kurzweil und Stevie Wonder. 1982 bekam Raymond Kurzweil eine Einladung, das Studio von Stevie Wonder in Los Angeles, Kalifornien zu besuchen. Stevie fragte nach der Möglichkeit, ein Gerät zu entwickeln, welches in der Lage sein sollte, Naturinstrumente, insbesondere einen akustischen Flügel perfekt reproduzieren zu können.

Für die Entwicklung des Kurzweil K250 wurden schließlich weitere Berühmtheiten konsultiert, die alle Einfluss auf die Entstehung des ersten „ROMPLERS“ hatten, wie z.B.:

  • Lyle Mays (amerikanischer Jazz-Pianist)
  • Alan R. Pearlman (der Gründer von ARP Instruments Inc.)
  • Robert A. Moog (der Erfinder des Moog Synthesizers)

Raymond Kurzweil wurde durch diese Herausforderung inspiriert und gründete kurz darauf die „Kurzweil Music Systems“ mit Steve Wonder als musikalischen Berater.

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    psv-ddv ••••

    Klasse, toller Bericht über ein sehr interessantes Instrument! Für solche Leckerbissen schaue ich jeden Morgen auf Amazona nach was hier so los ist.
    Fehlen ja wirklich lediglich der Erfahrungsbericht und ein Paar Klangbeispiele zum vollen Report. Vielleicht meldet sich ja noch ein User. Ich weiss z.B. dass Bernd Michael Land, „Aliens Project“ zwei K250 hatte. Vielleicht fragt Ihr den mal.
    Was Eure famous user Liste angeht, so könntet Ihr noch den Keyboarder von Talk Talk, Tim Friese-Greene ergänzen, der den K250 live und gut hörbar im Studio auf den Alben „It’s My Life“ und „The Color of Spring“ als Hauptinstrument eingesetzt hat. Bei Tory Amos bin ich mir hingegen nicht so sicher ob das korrekt ist und Pat Metheny war/ist definitiv ein hardcore Synclavier user der ersten Stunde. Da hat höchstens Lyle Mays den Kurzweil benutzt bevor er auch auf das Synclavier umgestiegen ist.

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      Bernd-Michael Land

      Stimmt, ich hatte viele Jahre ein Kurzweil K-250 System samt großem Expander in meinem Studio im Einsatz. Es gab ja zwei Ausführungen des Expanders, einmal die Rack-Version und die Ausführung wie das Keyboard, jedoch ohne Tastatur. So richtig interessant wird der K-250 erst mit einem Mac und dem Sample-Editorprogramm, die dann alle via SCSI verbunden wurden. Waren schon tolle Maschinen, extrem hochwertig verarbeitet und, für die damaligen Verhältnisse, einzigartig gutem Sound.

      Hier hab ich noch ein olles Bildchen gefunden:
      http://ali.....50-system/

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    Wellenstrom AHU

    Sehr musikalischer Grundsound, den die Kurzweil Geräte haben, ohne Frage. Damit ließ/lässt sich Großes anstellen.

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    costello RED

    Das kann sich in Zeiten von Ivory und Alicia’s Keys niemand mehr vorstellen, was das Kurzweil 250 damals Mitte der 80er für einen Eindruck gemacht hat. Man dachte wirklich, da steht ein Steinway-Flügel auf der Bühne.
    Vorher gab es ja nur die elektrischen Yamaha und Kawai-Flügel, die einen ganz anderen (drahtigen und immer verstimmten) Klangcharakter hatten. Ich schätze den Kurzweil-Pianosound bis heute. Und mindestens auf der Bühne braucht man auch nicht x Dynamikabstufungen.

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    iggy_pop AHU

    Mein Traumgerät um 1987/88 herum — ich glaubte damals ernsthaft, damit könne man so ziemlich alles machen.
    .
    Einen K250 würde ich auch heute nicht vom Keyboardständer schubsen, wenn auch mehr aus nostalgischen und weniger aus klanglichen Gründen. Ist halt irgendwie ein bißchen wie ein Mellotron oder ein 360 Systems Digital Keyboard — man muß die Limitierungen mögen und zu Stärken machen.
    .
    Stevie Wonder *war* blind? Ist er es denn mittlerweile nicht mehr?
    .
    Paul Shaffer und Vangelis stehen doppelt in der Liste, dafür fehlt Enya. Kraftwerk sollen den 250 angeblich ebenfalls benutzt haben, dafür fehlt es aber an stichhaltigen Beweisen (sieht man von den kratzigen Streichern auf „Electric Café“ einmal ab).

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      Dirk Matten RED

      Kraftwerk hatten nie einen Kurzweil K250, haben auch nie einen eingesetzt. Ich bin der Beweis, sollte genügen.

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      psv-ddv ••••

      Wie Herr Matten schon schrieb, die Roboterpossi hat zwar kurzweilige Musik gemacht, den gleichnamigen Sampler aber nicht eingesetzt. Die „Electric Café“ Streicher kamen vom Synclavier.

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        iggy_pop AHU

        Und wieder ist ein Mythos zerstört und durch Fakten ersetzt.
        .
        Der Weg zur wahrhaftigen Erkenntnis ist ein steiniger und schmerzhafter.

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          psv-ddv ••••

          Mist; Und ich war immer der Meinung, daß die Erkenntnis höchstselbst steinig und schmerzhaft ist.
          Vielleicht bist Du ja schon lange angekommen,
          …oder ich bin noch auf dem Weg ;)
          Der K250 ist wirklich ’ne super Kiste. Klingt schön eigen und rau.

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      Tyrell RED

      Er verkauft immer noch Vintage-Gear über einen eBay-Shop. Da ist mir der K250 RMX und er als Anbieter ins Auge gestochen

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        dilux AHU

        ach schade, ich dachte schon es gäbe einen touched by sound nachfolger. so etwas fehlt meines erachtens nach hier in deutschland, ein ambitionierter vintage gear shop, aber das bleibt wohl zu ebay-zeiten ein wunschtraum…

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    Synclavier

    Vielen Dank für die ausführliche Story über die alten Kurzweil-Instrumente. Ich habe da selbst mit den ganzen Bezeichnungen der Expander nicht wirklich durchgesehen. Zum Klang der Geräte muss ich sicher nichts mehr sagen – immer noch unglaublich schön. Aber einen K250 oder selbst K1000/K1200 würde ich trotzdem nicht umbedingt besitzen wollen. ;-)
    Jetzt in diesem Augenblick steht 20 cm neben mir ein Kurzweil PC3X der mich immer noch sehr zufriedenstellt. ;-)

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      costello RED

      Für mich ist der PC3X auch so etwas wie die Summe der Kurzweil-Tugenden. Alle Expandererweiterungen (von Orchestra bis Vintage Keys) an Bord, hervorragende Effekte. Den 128 MB-Sample Flashspeicher der K-Nachfolgeserie vermisse ich nicht wirklich. Und ein Kronos als Alternative lockt mich schon gar nicht.

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    gaffer AHU

    „Aber einen K250 oder selbst K1000/K1200 würde ich trotzdem nicht umbedingt besitzen wollen. ;-)“

    Kann ich mich anschliessen, wobei der K250 noch was hat, die K1000/1200 waren damals schon keine guten Angebote. Hätte Kurzweil mit K2000/2500 nicht ein paar wegweisende Instrumente nachgelegt, würde heute kein Mensch mehr davon reden

  9. Profilbild
    fritz808

    ich durfte seinerzeit den k250 in einem befreundeten studio nutzen. das war damals schon ein unglaubliches erlebnis. kaum zu glauben, dass das schöne teil (wahrlich mehr als ein instrument) heute nur noch 1.000€ wert sein soll.

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