33 Minuten, die die Musikwelt veränderten!
Master Of Reality ist ein halbes Jahrhundert alt. Und was Tony Iommi, Ozzy Osbourne, Geezer Butler und Bill Ward damals leisteten, war nichts weniger als ein musikalischer Schöpfungsakt. Nach dem Tod des Frontmannes und Black Sabbath Gründers Ozzy Osbourne (hier geht es zum AMAZONA-Nachruf) Grund genug, um noch einmal genauer auf eines der wichtigsten Werke von Black Sabbath und seine Entstehung zu schauen.
Inhaltsverzeichnis
Master of Reality – Black Sabbaths Meisterwerk
Black Sabbath – die erste und vielleicht wichtigste Metal-Band der Geschichte, hat einen in der heutigen Zeit nicht immer einfachen Stand. Der Vorwurf langweiliger Arrangements, blecherner Sounds oder langweiligen Riffings sind da so Sachen, die man da zu hören bekommt. Da muss man dann doch schmunzeln. Black Sabbath verliehen mit Master Of Reality einer damals von Millionen gefühlten Frustration und Ziellosigkeit Ausdruck.
Die Art, wie Iommi seine Riffs schrieb, und der Mut der Band, auf das träumerische Gefrickel der 70er zu verzichten und diesen monolithischen, rohen, ungestümen Sound in die Welt zu tragen, waren einer dieser musikhistorischen Paukenschläge, von denen es nicht viele gibt. Der Groove war alles. Die Härte, die Dunkelheit im Sound. Und trotzdem: Sweet Leaf, die Liebeserklärung an das Gras, und die ansonsten trostlosen Lyrics sprachen eine deutliche Sprache: Peace and Love war den Arbeiterjungs aus Birmingham – gelinde gesagt – scheißegal. 35 Minuten, die dem Stoner und unzähligen anderen Strömungen des Heavy Metals zur Geburt verhalfen. Grund genug, uns genauer anzusehen, wie dieses Album das Licht der Welt erblickte.
Master of Reality – Wut im Bauch
Wie zuvor erwähnt: Black Sabbath waren Vorreiter in der Art, wie puristisch und dunkel sie ihren Sound hielten. Woher dieser Mut zum Purismus rührte, sei dahingestellt. Ozzy, Bill, Tony und Geezer hatten allesamt zum größten Teil eine ähnliche Geschichte. Birmingham in den 70ern, das muss man sich in etwa so vorstellen: rauchende Fabrikschlote, überquellende Pubs, Slums und der Abbau von Industriearbeitsplätzen und der allmähliche Umbau von einer Industrie- zu einer Dienstleistungsstadt.
Für die Jugend, deren Eltern großteils vom heftigen Bombardement der Deutschen traumatisiert waren, bot sich nicht unbedingt ein rosiges Zukunftsbild. Alle vier Männer teilten dieses Gefühl der Beklemmung. Man arbeitete in Fabriken und hielt sich über Wasser. Dass sich das auf das Gefühl der Musik niederschlagen würde, sollte niemanden überraschen.

Black Sabbath: Tony Iommi (Gitarre), Geezer Butler (Bass), Bill Ward (Drums), Ozzy Osbourne (Gesang), Urheberangaben: Dom Slike, Alamy 2F9TEF1
Ozzy selbst war noch vor seiner Zeit als Rockstar ein schwieriger Charakter, der immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt geriet. Als junger Mann beging er mehrere Einbrüche, klaute unter anderem einen Fernseher, den er dann zu verhökern versuchte, stahl Kleidung und Werkzeug, wurde festgenommen und saß sechs Wochen im Winson-Green-Gefängnis ein, weil sein Vater sich weigerte, die Kaution für ihn zu bezahlen.
Tony Iommi, der sich immer wieder mit lokalen Gangs anlegte, sich als Türsteher versuchte und in einer Metallfabrik arbeitete, verlor die Fingerkuppen seines Mittel- und Ringfingers bei einem Arbeitsunfall und hätte aufgrund dessen beinahe das Klampfen an den Nagel gehängt. Bill Ward, dem gut und gerne nachgesagt wird, das Metal-Drumming erfunden zu haben, verschwand stockbesoffen teilweise vor Gigs aus dem Land und hatte eine schwierige Kindheit. Nur Geezer blieb mehr oder minder skandalfrei – ein Raubein, aber eins, das sich unter Kontrolle zu haben schien und die Band ein klein wenig zusammenhielt. Mehr zumindest als der Rest der Band.
Doch bevor Bill Ward sich endgültig von der Band verabschiedete und Ozzy aufgrund seiner Drogenprobleme aus der Band gekickt wurde, entstanden eine Handvoll wegweisender Alben. Als die Band für Masters of Reality zu schreiben begann, war sie schon eine feste Bank für diese Art von Sound. Doch etwas an der Master of Reality war dieses Mal anders – die Band stand an einem besonderen Punkt.
Selbstfindung
Was war dieser Punkt? Und warum schauen wir uns ausgerechnet die Masters of Reality an? Nun, nachdem Black Sabbath den schwierigen Weg bis zum Debüt gemeistert hatten, passierte etwas, das sich in dieser Art in der Zukunft mehr oder minder noch ein paar Mal wiederholen sollte: Während die Kritiker das Werk zerrissen, fand das Publikum Gefallen an der Musik. Das selbstbetitelte Debüt stieg bisweilen auf den achten Platz der UK-Charts auf.
So würde das also öfter laufen: Die Musikpresse belächelte einen, doch irgendwie traf man trotzdem einen Nerv. Irgendwas an der kompromisslosen Art, wie Black Sabbath ihren Sound angingen, sorgte dafür, dass die Masse darauf ansprang – und das von der ersten Minute. „Paranoid“ annektierte die Pole-Position und ist bis heute einer der bekanntesten Rocksongs aller Zeiten.
Dass das Debüt ein Album mit Schwächen ist, sei dahingestellt. Master of Reality jedoch markiert den Punkt, an dem sich diese Band wirklich fand und die vielleicht, das sehen viele Fans so, besten Songs ihrer langjährigen Karriere produzierte.
Eine Formel also, die auf dem Debüt bisweilen hervorragend aufgegangen war, wurde bewusst weitergeführt. Was heißt das konkret? Dass es im Hinblick aufs Aufnahmeprozedere, -studio und -ablauf keine großen Änderungen zum Debüt gab. Produzent Rodger Bain und Mixer Tom Allom kamen erneut ins Spiel, und während die Aufnahmen des Debüts eine planlose, irre Angelegenheit waren, versuchte man dieses Mal, fokussierter an die Sache heranzugehen.
Erstes Plus: Zeit. Die Band hatte bedeutend mehr davon. Als Zweites muss man sich vor Augen führen: Black Sabbath in den frühen Siebzigern – das waren bis dato nicht die Black Sabbath der späten 70er. Die Eskalation des Alkohol- und Drogenkonsums bahnte sich an, war aber während der Aufnahmen der Masters of Reality noch im Rahmen. Das waren einfach ein paar Jungs, die des Öfteren einen über den Durst tranken. Die noch keine Ahnung davon hatten, wie sich ein Kater jenseits der dreißig anfühlte.
Studio und Equipment
Aufgenommen wurde Master of Reality in London in den Island Studios. Und von Anfang an war klar: Man wollte weitergehen als zuvor, sich ausprobieren und erforschen, was alles möglich war. Das fing damit an, dass Tony Iommi seine Gitarre um drei Halbtöne tiefer stimmte für Children of the Grave und Into The Void. Der Grund dafür mag pragmatischer sein, als es viele wahrhaben wollen: Tony litt immer noch unter seiner Verletzung aus den Tagen in der Fabrik, und die tiefere Stimmung ermöglichte ein vergleichsweise schmerzloses Greifen der Saiten.
Sein Equipment belief sich auf einen Laney-100-Watt-Verstärker und eine 65er Gibson SG Special. Geezer selbst war in seinem Sound vor allem anfangs ein wenig anspruchslos. Erst später arbeitete er mit Laney 4 x 12 Cabinets und Laney 100-Watt-Topteilen sowie einem Dan Armstrong Bass. Sein Markenzeichen, die charakteristische Zerre des Basses, war in der damaligen Zeit völlig ungewohnt. Das trauten sich die wenigen, doch die Band setzte sich gegen die Meinung vieler Studioleute durch und hatte in Rodger und Tom zwei Männer gefunden, die verstanden, dass ein isoliertes Betrachten der einzelnen Parts kontraproduktiv war: Hier musste die Band im Gesamtkontext betrachtet werden, anhand dessen, was sie gemeinsam erzeugte.
Das war eine damals nicht so leicht zu kommunizierende Botschaft, da es in den Köpfen der Rock- und Psychedelic-Produzenten dieser Zeit gängiger Kanon war, jedes Instrument als seinen eigenen Kosmos zu sehen. Wenn man Iommis Riff isoliert hörte, klangen die Dinger teilweise furztrocken, bisweilen langweilig. Durch den Groove des Schlagzeugers jedoch entfaltete das Ganze seine spezifische Wirkung. Vielen Tontechnikern war das nicht bewusst – da wurden Zerren und EQ von Amp und Gitarre stundenlang mit Tony diskutiert, der eigentlich nur die Kraft, die im Proberaum entfaltet wurde, möglichst puristisch einfangen wollte. Rodger Bain verstand das – und erklärte es auch Tom Allom.
Für die thematische Untermauerung von Master of Reality hielt ein tief sitzender, quälender Skeptizismus her, der sich so ziemlich auf alles richtete, was die Bandmitglieder umgab: Gesellschaft, Kirche, Arbeit und die Regierung. Die Jungs waren Anfang oder Mitte 20 und noch immer auf der Suche nach ihrem Platz in der Welt. Dass die Jungs keine Antworten auf ihre quälenden Fragen fanden, bezeugt der extreme Drogenkonsum, der sich bald nach der Veröffentlichung von Masters of Reality dieser Band bemächtigte.
Auch der Titel der Platte sollte zum Ausdruck bringen, dass diese vier britischen Jungs damit beschäftigt waren, ihr Verhältnis zu der Welt und zur Wirklichkeit zu klären. Das wurde dann eine etwas komplizierte Angelegenheit – denn Masters of Reality verkaufte in den Staaten zweieinhalb Millionen Exemplare und zog eine vierzehn Monate umfassende Tour nach sich. In England spielte die Band 1972 im Anschluss an die Veröffentlichung über zwanzig Konzerte, die allesamt ausverkauft waren. Und die Zuhörer wählten das Album vor ein paar Jahren im Rahmen einer Umfrage von Loudersound.com zum besten Black-Sabbath-Album.
Gibt also zum Abschluss nur eine einzige Frage zu klären – wer ist die Person, die im Intro vom Sweet Leaf sich die Seele aus dem Leib hustet, ehe das Groove-Brett einsetzt?
“Tony Iommi! He’d just sucked on a big joint. We had the tapes rolling. It was the perfect way to begin the record.” – Bill Ward. Na, dann hätten wir das auch geklärt. In diesem Sinne…
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Ich muss da immer schmunzeln, wenn Black Sabbath als erste Metal Band genannt wird! Das ist journalistischer Fake shit! Blue Cher mit etwa summertime Blues liegt da zeitlich ein paar Jahre früher.
Ist mir im Grunde auch egal, wer war zuerst! Für mich und meine Clique hat Black Sabbath einen neuen Sound geschaffen der unsere Feten enorm bereichert hat!
@hejasa Du meinst Blue Cheer, oder?
Vergleicht man Black Sabbath und Blue Cheer so wird man feststellen, dass Blue Cheer so gar nichts von Heavy Metal hat. Zu Beginn noch nicht einmal von Hardrock. Die typischen Elemente fehlen komplett und sie schweben irgendwo zwischen Blues Rock und Rock im Stile der 60er. Erst später geht es dann in eine härtere und Richtung mit Riff-betonten Strukturen und den anderen typischen Elementen von Metal. Da gab es Black Sabbath aber längst. Auf den Alben ist zudem auch keine einheitliche Richtung zu hören.
Nebenbei: Fast alle großen Genre-Bezeichnungen stammen von Radio-DJs und Musikjournalisten und nicht von den Bands selbst.
Unterm Strich ist es aber auch egal.
@Markus Galla Apropos Genres:
Manche Leute regen sich regelrecht auf, wenn Steely Dan als Yacht Rock bezeichnet wird.
Ich selbst finde die Bezeichnung gar nicht so untreffend. Hochglanzpoliert und Easy Listening gleichzeitig.
@bluebell Ich glaube das hat damit zu tun, das der Begriff „Yacht Rock“ relativ neu ist und auf eine online Videoserie aus dem Jahr 2005 zurück geht. Keine Ahnung warum sich dieser abwertende Begriff durchsetzen konnte. Steely Dan, Eagles, Little River Band und andere sind mir seit Jahrzehnten unter dem Genre „West Coast“ bekannt. Und werden es auch bleiben.😉
@MadMac „Yacht Rock“ sagt aber eben schon exakt im Namen, worum es geht, und was man bekommt…wärend „West Coast“ laut Wikipedia „eine Zusammenfassung verschiedener Musikrichtungen“ ist, und damit trifft man eben nicht präzise diesen glatten AOR-Sound.
„West Coast“ ist also eine Oberbezeichnung, und „Yacht Rock“ das konkrete Genre.
@mort76 Auch interessant, auf Wikipedia im Diskussionsbereich zum Artikel Yacht Rock: […“Yacht rock“ gibt es nicht… ] […Sämtliche angeführte Musiktitel und ihre Interpreten sind bereits in anerkannten musikalischen Kategorien untergebracht. Diese Pseudo-Kategorie sollte in Klammern gesetzt und nur als Kuriosum erwähnt werden…]
Ich bin auch der Meinung, das sich ein maritimes Fortbewegungsmittel nicht als Ersatzkategorie für ein etabliertes Genre der Rockmusik eignet. Zumal es die Intension der genannten Webserie war, die Musik und ihre Musiker zu karikieren.
@MadMac Ich würde das mit Grunge vergleichen: Den Begriff gibts seit 60 Jahren, und eigentlich steht er eher für eine Attitüde und Klangästhetik, und nicht direkt für eine Musikrichtung.
Und so kann man dann sowohl die Musik von Neil Young mit Crazy Horse also auch die von Nirvana damit titulieren, und man weiß, was man kriegt, auch, wenns eigentlich grundverschiedene Stile sind.
Glatte, gelackte Musik mit einer eigenen Bezeichnung zu versehen, die nicht direkt für die Musikrichtung steht, ist da eigentlich AUCH logisch.
Und wenn sich eine Bezeichnung durchsetzt oder sie einfach kleben bleibt, ist das halt so. Es hat ja niemand die Autorität, etwas für andere Leute festzulegen.
@Markus Galla @markus
Ich zitiere Rockzirkus.de: Blue Cheer, wer die hört, hört „`die Anfänge des Heavy Metal in Reinform“. Bin also nicht ganz allein mit meiner Meinung, wäre mir aber auch egal, ich bestimme immer noch selbst, wie ich Musik definiere!
Aber was mich interessiert, du scheinst ja eine exakte Definition zu haben, was Heavy Metal
genau ist. Würde mich interessieren, damit ich nicht wieder dumme Kommentare zu Dingen abgebe, von denen ich keine Ahnung habe! Im Sinne von Iggy Pop: „Was weiß denn ich schon“.
@hejasa Die Jimi Hendrix Experience war noch vor Blue Cheer da, und da kann man genausogut sagen: sowas wie „Fire“ ist schon ziemlich nah dran am Metal, und danach kam ja beispielsweise noch „Voodoo Child“…
@hejasa da wird es aber nur wenige geben, die deiner Meinung sind.
ist aber natürlich OK.
für mich hatten sie schon viele Merkmale späterer Bands. sehr düster, tiefgestimmte Gitarren, kritische Texte,die Cover der Platten….
hat sich dann aber noch viel getan, in den 80s vor allem.
wurde dann deutlich schneller und härter.
Plötzlich ist Black Sabbath der Urknall des Metal, Grunge, Stoner usw.. Dazu die Berichterstattung als ob der Messias gegangen sei. Was haben sich die Medien damals über Ozzy lustig gemacht als Sharon und er die Familie der Öffentlichkeit Preis gab, jetzt gilt er als Erfinder des Reality TV. Bei mir hinterlässt das alles ein komisches Gefühl. War es reine Not? Ich meine Ozzy hat damals nichts auf die Kette bekommen und war vollkommen ferngesteuert. Sharon hatte Darmkrebs und drei Kinder an der Backe. Ich denke es war last exit Brooklyn und es ist irgendwie gut gegangen. Möge er jetzt mit Lemmy einen trinken, total besoffen und ohne jeden Pathos. Life is a bitch, er wusste es ganz bestimmt.
Da muss ich als alter Mann, der diese Zeit hautnah mitbekommen hat, doch auch was zu sagen. Alle, die damals Musik hörten und dabei keine Schlagerfans waren, bekamen unter den massig vielen Releases auch Black Sabbath mit. Ich selbst habe mir die erste LP viele Male angehört. Im Gegensatz zu dir, Dimitri, hat sie mir besser gefallen, als spätere Alben. Insgesamt kam die Gruppe eher, ich will mal sagen, etwas einfach gestrickt rüber. Ein bisschen so, wie fünf, sechs Jahre später die Punkgruppen, die das Gefühl, das du hier bei Black Sabbath siehst, deutlich stärker rüberbrachten. Ich würde mal sagen Black Sabbath suchte im Rock einfach die etwas härteren Pfade, vielleicht auch weil es einfach deren Möglichkeit war, sich musikalisch auszudrücken. Dass diese Gruppe etwas Großes angestossen hat, mag für Fans dieser speziellen Genre-Spielart so sein, für viele andere war es einfach ziemlich simple Rockmusik. @Markus Galla: bezüglich Blue Cheer bin ich da eher bei @hejasa. Ich finde schon, dass die mit die erste Gruppe der harten Gangart waren, dass da auch starke Blueselemente wichtig waren, macht dem keinen Abbruch. Dazu gehören auch MC5 und vor allem die Stooges mit Iggy.
@Tai @Tai
danke für den Kommentar. Ich war 1967 14 Jahre alt, als ich über einen Freund auf Blue Cheer aufmerksam wurde. Sie stachen wie viele andere, ich z.B. Riesen Fan von Ten Years After noch bevor sie der breiten Masse durch Woodstock bekannt wurden aus dem Mainstream in den Radiosendern heraus. Ebenso wie Black Sabbath und viele andere, die in den Kommentaren genannt wurden. Der Unterschiede zu meinem Umfeld ist einfach, da spielt die Band mit Namen xyz ohne einen Zusatz wie, die machen Soul Pop, was immer das auch ist oder sein soll.
Kategorisierung machen für mich als Mathematiker natürlich Sinn, aber beim Beschreiben von Musik finde ich diese total fehl am Platz!
@hejasa Ich sehe schon, hat mit dem Alter zu tun. Ich bin nur ein Jahr älter. Genre war in iTunes immer die erste Spalte, die ich löschte. Dient jungen Gruppen, die noch nicht genau wissen, wo’s hingeht, als Anker. Später sehen fast alle ein: wir machen Rock n Roll.
Es gab in den Siebzigern eine Melange von Bands, die im Rock mit einer deutlich härteren Gangart unterwegs waren. Ja, Black Sabbath gehörte dazu, aber auch Uriah Heep, Deep Purple, Budgie, Magnum, Rainbow, Motörhead und natürlich Led Zeppelin, um nur einige zu nennen. Man konnte bei diesen Bands durchaus schon Elemente des späteren Heavy Metal erkennen. In dieser Zeit war auch schon Judas Priest unterwegs, die meiner Meinung nach das erste deutliche Wetterleuchten des späteren Heavy Metals waren. Natürlich waren Black Sabbath mit Ozzy als Sänger ein wichtiger Teil dieser Entwicklung. Ende der Siebziger betrat dann die New Wave of British Heavy Metal die Bühne. Damit konnte sich der Heavy Metal erstmals als eigenständiges Genre etablieren.
Black Sabbath haben einen verklärenden Kultstatus zugeschrieben bekommen, den sie – trotz guter Plattenverkäufe – zu ihrer Zeit nie hatten. Ihre erste LP war braver Durchschnitts-Bluesrock, so sehr sie sich mit ihrem Namen als harte, böse, dunkle Jungs präsentieren wollten.
Das zweite Album weist deutlich mehr Selbständigkeit auf – da gebe ich Dir recht, Dimitri. Aber es hat immer noch sehr viel Ähnlichkeit mit anderen heavy rock Bands der Zeit. Man vergleiche nur den Shuffle-Rock-Rhythmus von Children of the Grave mit dem viel energiegeladeneren Groove von Deep Purple’s Flight of the Rat, das schon 1970 erschien.
Die Children of the Grave lyrics sind auch ein Beispiel für das gewollte „posing“ als harte und düstere Band. Beim Titel denkt man, hier kommen Metal lyrics a la „Tod und Verderben“, aber es kommt bloß ein verspäteter Hippie-Song der Sorte „sie“ (die Generation, die sich nicht rumschubsen lässt) „fight the world until they’ve won and love comes flowing through, yeah.“ Es geht weiter im Text mit Anti-Atombomben love and peace. Das finde ich von Ringo bis heute super und richtig, aber schräg für eine Band, die angeblich die wundersame Geburt des Metal mit Abwendung vom Hippie-Zeitalter verkörpern soll.
Es folgten Etappen eines langen und quälenden Ozzy-Absturzes ins Bodenlose. Rest in peace.