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My 10 Favorites, AMAZONA.de-Autor Gerhardt Kusche

2. Oktober 2021

AMAZONA.de-Autor Gerhardt Kusche: 10 Alben, die mich geprägt haben

Gerhardt Kusche 2021

Als ich im zarten Alter von sechs Jahren im Großraum Hannover wohnte und mit dem Klavierunterricht begann, ahnte ich nicht, welche weitreichenden Konsequenzen sich daraus für mein weiteres Leben ergeben sollten. Schon früh entdeckte ich meine Liebe für Audiotechnik. Kein Plattenspieler oder Tonbandgerät mit Mikrofon war vor mir sicher.
Mein Vater hatte mit Tangerine Dream, Jean-Michel Jarre und Pink Floyd einige frühe Inspirationen in seinem Plattenregal auf Lager. Ob mich das beeinflusst hat?

Einige Jahre später ging ich gerne in das kleine Musikgeschäft vor Ort und spielte mich durch die vorhandenen Hohner und Casio Keyboards. Außerdem nahm ich gerne die bunten, vielversprechenden Prospekte mit und studierte diese stundenlang zu Hause. Die Einstiegsdroge als Weihnachtsgeschenk hieß dann schließlich Casio PT-30, es sollten noch einige Tischhupen folgen.

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Als ich vierzehn Jahre alt war, kaufte ich mir vom angesparten Geld meinen ersten „richtigen“ Synthesizer – gebraucht. Einen Roland SH-1000 und einen TEAC 144 Vierspur-Kassettenrekorder. Dazu gab es einen Casio SK-1 als ersten Sampler. Tja, und danach war alles zu spät.
Jedes Jahr musste mein Vater mit mir nach Frankfurt zur Musikmesse fahren. Es war neben Weihnachten und Geburtstag für mich der wichtigste Tag im Jahr. Voller Aufregung und Vorfreude ging es den ganzen Tag von Stand zu Stand. Abends dann mit vielen Eindrücken, Katalogen und Aufklebern vollgestopft zurück nach Hause und von neuen Geräten träumen …

Meine computergestützte „Produktionskarriere“ startete dagegen 1987 auf der Hannover Messe. Auf der Messe hatte ich am Stand von Steinberg die Gelegenheit, ein Musikstück mit einem Yamaha Keyboard, Atari ST und Steinberg 24 zu produzieren. Das fertige Produkt wurde mir als Andenken auf Kassette überspielt, ich war von der Technik begeistert. In der Zeit spielte ich bereits in einer Band. Wir waren zwei Nerds mit Synthesizern und ein Schlagzeuger. Das war Ende der 80er zwar durchaus chartkompatibel, aber in einer Kleinstadt doch eher exotisch, zwischen all den Rock- und Coverbands. Wir sind nur in der Schulaula aufgetreten und hatten dennoch eine kleine, eingeschworene Fangemeinde.

Relativ früh war mein Berufswunsch klar, ich wollte Toningenieur werden. Ich merkte schnell, dass ich Musik analytisch wahrnehme und ständig analysiere, mit welchen Instrumenten, Sounds oder Techniken ein Musikstück produziert wird. Die Technik steht bei mir meistens vor dem künstlerischen Schaffen selbst. Ich wählte den Studiengang Medientechnik – ein breiter Rundumschlag an Themenfeldern war dort geboten, wovon ich heute noch profitiere. Parallel dazu begann ich mir die Produktion am Rechner anzueignen .
Mit meinem besten Kumpel hatte ich zum Ende des Studiums hin einige Single-Veröffentlichungen im Dancebereich. Der Traum vom Produzentenjob war nah! Eine Zeit lang arbeitete ich für einen Münchener Musikverlag als Produzent und Komponist mit anderen Produzenten und Sänger*innen zusammen. Dabei lernte ich, warum das Musikbusiness „Haifischbecken“ genannt wird. Es ist zum Zähneausbeißen schwer, in der Branche Fuß zu fassen.

Gerhardt Kusche 1989

Ich ging auf Nummer sicher und wollte erstmal „richtig“ arbeiten. Die ersten Jahre im Berufsleben verbrachte ich in der Filmtonbranche, genauer, im Bereich Audio Postproduction. Dabei habe ich dann viel vom Alltag eines Filmtoningenieurs erlebt und mir wurde klar, dass ich mich mehr für die Studiotechnik, als für die Bedienung derselben interessiere.

Parallel zum ersten Job gründete ich mit zwei Musikkollegen eine Agentur für Audio-Branding. Wir entwarfen Sound-Logos für Unternehmen und Musik für Imagefilme oder auch ganz banale Warteschleifenmusik für die Arztpraxis. Als wir nach und nach Familienzuwachs bekamen, waren zwei Jobs nicht mehr machbar und wir ließen die Agentur auslaufen. Stichwort: Sicherheit.

Die Konsequenz: Seit vielen Jahren arbeite ich hauptberuflich beim Bayerischen Rundfunk und plane als Projektingenieur Hörfunk-, Fernseh- und Hörspielstudios im In- und Ausland. Ich bin der Faszination der Studiotechnik treu geblieben.

Seit 2005 schreibe ich für AMAZONA.de in unregelmäßigen Abständen Testberichte, für Studio und Keys.

Ja, und wie haben mich Musikalben geprägt? Das Album zum ersten Kuss? Das Album zum ersten Liebeskummer? Das Album zur Geburt des ersten Kindes? Wie jeder Musikfan kann auch ich mich nicht auf zehn Alben festlegen. Ich habe mir daraufhin lange überlegt, welche Alben meinen eigenen musikalischen, kompositorischen Werdegang mit beeinflusst haben. Und daraus entspringt überwiegend die folgende, chronologische Auswahl:

New Order – Substance (1987)

– How does it Feel? –

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Jeder kennt es – jeder erkennt sofort das Bassdrum-Intro von Blue Monday, der Über-Single von New Order. Damals die längste Single der Welt, sie wurde im Radio selten ausgespielt.

Die Begeisterung für elektronische Musik und der Sound von New Order hat mich dank dieser Single im Griff, bis heute. Die Entwicklung vom düsteren Sound von Joy Division (die ich erst später kennenlernte) hin zum Indiepop. Die markanten Bassriffs, die Mischung aus Drum-Computer, Sequencer und Gitarre sowie die stetige Melancholie in den Songs haben mich schon früh inspiriert selbst Musik zu produzieren.

Ein weiterer Song, der hoch und runter, lief war „True Faith“, mit einem zu seinerzeit künstlerisch bemerkenswerten Videoclip.

Substance war eine der ersten Vinyls, die ich mir selbst gekauft hatte und wurde später durch die Doppel-CD ersetzt. Dieses Album habe ich rauf und runter gehört und versucht mit den eigenen Instrumenten den Sound nachzuahmen.

Meine Technik zu der Zeit: Roland SH-1000, Roland TB-303, Boss DR-220E, Casio CZ-1000,  Casio SK-1 und Teac 144. Damals zusammengespart und bei den Omas zusammengebettelt. Meine Eltern sind mit mir weite Strecken mit dem Auto gefahren, um die Geräte gebraucht und billig von irgendwo abzuholen.

Front 242 – Front by Front (1988)

– Maschinenmusik –

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„Lock the Target, Bait the Line, Spread the Net and Catch the Man“ schallte es aus dem Nachbarkinderzimmer. Meine ältere Schwester war für mich als damals 15-/16-Jähriger ein musikalischer Wegweiser. Bei uns zu Hause dröhnten neben The Cure und Sisters of Mercy eben auch die Anfänge der Electronic Body Music (EBM) durchs Haus. Letzterer Musikstil lies mich besonders hellhörig werden. Dieser mir bis dahin unbekannte Sound hatte mich gefesselt. Diese Wucht und dieser maschinenhafte Klang war neu, einzigartig und sehr tanzbar, was wir an Wochenenden nachts in gut sortierten Gothic-/Waveschuppen in Norddeutschland bald erfahren konnten.

Neben Front 242 gesellten sich auch Frontline Assembly, Skinny Puppy und viele andere dazu und öffneten mir das Tor in eine neue Musikwelt. Dieser vielschichtige Einsatz von Synthesizern, Drum-Computer und vor allem Samples hatte mich lange Zeit im Griff und ich versuchte mich an ähnlichen Tracks im eigenen kleinen Heimstudio. Das Denken in Sequenzen und Patterns wurde mir dadurch offenbart. Außerdem rannte ich fortan schwarz gekleidet und mit schwarz gefärbten Haaren durch die Lande, sehr zum Entsetzen meiner Eltern.

Sonntagabends lauschte ich gebannt der dreistündigen Sendung „Grenzwellen“ mit der hypnotisch ruhigen Stimme von Ecki Stieg auf Radio ffn, das war Pflichtprogramm. Unzählige Tapes habe ich mitgeschnitten und danach wochenlang die Plattenläden nach neuem Futter durchsucht. Dies gestaltete sich oft schwierig, wenn man in einer kleinen Kurstadt erwachsen wird. Das Angebot in den wenigen Plattenläden war entsprechend dürftig.

Meine Technik in der Zeit: Roland D-20, Casio FZ-1, Korg DS-8, Yamaha DX-100, Yamaha RX-5

The Orb – U.F.Orb (1992)

– Lost in Space –

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Nachdem wir irgendwann endlich Kabelfernsehen und damit auch MTV zu Hause hatten, sah ich eines nachts nach der Disko ein Video von The Orb. Die teilweise obskure Mischung aus Ambient, Dance, Reggae und allen möglichen Soundcollagen war einzigartig und macht den besonderen Sound aus. Was waren das für Typen, die da alles durch den Mixer drehten? Auf jeden Fall war Dr. Alex Patterson mein neuer Held. Lange Tracks, die sich langsam aufbauen und verschiedenen Spannungsbögen folgen. Und immer wieder überraschende Momente in Form von Breaks, Samples oder einsetzenden Grooves, so dass sehr organische Musik entsteht. Dieses fantastische Album regte mein Kopfkino ziemlich an und es war schwer rauszufinden: Wie machen die das? Musik, die auch heutzutage noch aktuell klingt.

Meine Technik in der Zeit: keine – alles verkauft.

Blumfeld – Ich-Maschine (1992)

– Ein Lied Mehr –

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Ich habe immer auch schon Rockmusik gerne gehört, bei aller Liebe zur elektronischen Musik.

Diese Band und dieses Album öffnete mir das Tor zur Hamburger Schule – danke dafür! Die Musik war nicht neu, dafür aber die Texte! Diese Art auf Deutsch zu singen und in den Texten immer Interpretationsspielraum zu lassen, das liebe ich bis heute.

Das Album Ich-Maschine zählt zweifelsohne zu den Alben, die ich in meinem Leben am häufigsten gehört habe. Kein Wunder, als Student bei stundenlangen Zugfahrten, mit dem Walkman bewaffnet, zwischen dem Studienort und der Heimat pendelnd, hatte ich sehr viel Zeit zum Musikhören. Die Texte und Stimmungen der Songs lassen immer neue Facetten zu, so dass ich heute manche Texte  ganz anders interpretiere als damals.

Es folgten natürlich weitere Hamburger Bands wie Kante und Tocotronic. Diese haben in meinen Playlists immer einen festen Platz.

Einstürzende Neubauten – Tabula Rasa (1993)

– Lärm, Chaos und Generalmobilmachung! –

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Auch die Neubauten spielen mit den Worten deutscher Sprache und vor allem mit ungewöhnlichen Instrumenten. Die Texte ließen mich früher oft rätseln und sorgten für viel Diskussionsstoff mit gleichgesinnten Freunden. Was fühlt und erlebt ein Blixa Bargeld so, wenn er diese Texte schreibt? Wie kommt diese Stimmung in der Band zustande, um Musik so zu transportieren? Solche Fragen habe ich mir gestellt. Die Wucht, aber auf die Fragilität und verstörende Elemente, die der Musik zugrunde liegt, habe ich stets bewundert. Wie machen die das? Songs, aufwändig wie Hörspiele zu arrangieren und produzieren. Ganze Klangcollagen zu entwerfen und in die Musik einzuflechten, eigene Instrumente kreieren. Und das Ganze auch Live so zu performen.

Auch wenn ich nicht sagen würde, dass ich versucht habe aus dem Sound etwas zu adaptieren, glaube ich, von der Art und dem Mixing der Produktionen viel gelernt zu haben. Tabula Rasa und weitere Alben von EN zählen zu meinen wichtigsten Wegbegleitern in den 90er-Jahren.

Thorsten Fenslau – The Dream (1994)

– Der Schock –

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08. November 1993 – Ich sitze in Frankfurt am Main in einem Flugzeug, auf den Start wartend und lese zufällig die FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung). In einem kleinen Artikel wird berichtet, dass der aus Darmstadt stammende Produzent und DJ Thorsten Fenslau bei einem Autounfall einige Tage vorher ums Leben gekommen war. Ich war schockiert und fand es verstörend, dass ich ausgerechnet am Tag dieser Meldung die Zeitung in der Hand halte. In unserer hiesigen Kleinstadtzeitung hätte ich den Artikel nicht zu lesen bekommen. Es war zu der Zeit, als es noch kein Internet, Pushmeldungen und keine Smartphones gab. Es war für mich wie Schicksal, davon zu erfahren. Ich hätte ansonsten vermutlich erst sehr viel später die traurige Nachricht mitbekommen. Das hat mich sehr bewegt.

Äh, Thorsten wer? – werden sich einige fragen.

Mich haben schon immer die Köpfe im Studio bei Dancemusik und Techno mehr interessiert, als die Performer auf der Bühne. Thorsten Fenslau war einer der kreativen Köpfe der frühen Frankfurter Dance- und Technoszene und Resident DJ im damals berühmten Club Dorian Gray.

Jeder kennt Culture Beats „Mr. Vain“ – jeder kennt somit die Arbeit von Thorsten Fenslau.

Mich hatte die Produktionstätigkeit von Thorsten allerdings schon Jahre davor fasziniert. Ebenso wie die von Sven Väth, Ralph Hildenbeutel oder Michael Münzing und Luca Anzilotti (Snap! / 16 Bit) und Co. Projekte wie Out of the Ordinary („The Dream“) oder LDC waren frühe Wegbereiter hin zum Sound of Frankfurt. Ich habe stundenlang dieser Musik gelauscht und versucht im heimischen Studio ähnliches nachzubauen.

Thorstens Fenslaus Produktionen hatten immer eine sehr eigene Handschrift und eine gewisse Schwere, ja dunkle Seite. Er war für mich seinerzeit ein großes musikalisches Vorbild, vor allem vor dem kommerziellen Erfolg von Culture Beat. Mit Culture Beat setzte er sich selbst die kommerzielle Krone auf, bevor er viel zu früh aus dem Leben verschwand.

1994 kommt posthum die 2-CD Compilation „The Dream“ auf den Markt, eine gute Dokumentation seines Schaffens.

Meine Technik zu der Zeit: Atari ST mit Emagic Notator, Quasimidi Quasar, Casio FZ-1, Yamaha CS-1x und Alexis Midiverb.

Massive Attack – Protection (1994)

– Die Entschleunigung –

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In den 90ern habe ich Techno lieben gelernt und auch den Sound der Roland TB-303. Viele Jahre zuvor hatte ich eine eigene 303 für 150,- DM in meinem Anfänger-Kellerstudio auf der elterlichen Tischtennisplatte stehen. Aber so richtig konnte ich damit nichts anfangen. Ich konnte sie nicht einmal zu meinem Boss Drumcomputer synchronisieren.

Das war einige Jahre, bevor Acid als Musikstil nach Europa kam und die Preise der Maschine in die Höhe trieben. Da hatte ich meine schon längst weiterverkauft. Ja, ich habe es später natürlich bereut…

Niemals habe ich die TB-303 schöner gehört, als im Titelsong „Protection“ des 94er Albums von Massive Attack. Ein Flügel spielt zu langsamen HipHop Beats und einer Regenatmo – dazu die Vocals von Tracey Thorn und die treibende Line einer TB-303, Wahnsinn! Das können die doch nicht machen! – dachte ich damals. Doch. Solche Gänsehautmomente erlebe ich in der Musik selten. Und dieser Moment hat sich eingebrannt.

Zu „Protection“ wurde ein ausgesprochen kreativer Videoclip gedreht, der auch heute noch sehenswert ist.

Mit Massive Attack hat sich mein Musikgeschmack noch einmal gewaltig erweitert. Vor allem versuchte ich, die Anmutung der Songs nachzuempfinden. Trip Hop statt Techno war meine Devise. Die Songs wurden langsamer, die Beats schleppender. Die dunkle Stimmung der Songs entsprach so ganz meinem Geschmack.

Wie schon der Vorgänger „Blue Lines“ war „Protection“ wieder mal ein Türöffner in neue musikalische Dimensionen für mich und noch weit von dem entfernt, was an fantastischen Alben danach von Massive Attack kommen sollte. „Protection“ war für mich wie von einem anderen Stern: Dicht, atmosphärisch, düster und wohlklingend.

Und ich fange erst gar nicht von Portishead und Tricky an.

Ach so, und weil es grob in die Zeitspanne passt: Das zweite Gänsehaut-Riff einer TB-303 – außerhalb von Techno – ist für mich persönlich bis heute in Daft Punks Song „Da Funk“.

Underworld – Second Toughest in the Infants (1996)

 – Crazy, Crazy, Crazy! –

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Den Song „Born Slippy“ kennt fast jeder, Teil des Trainspotting Soundtracks und ein Meilenstein des Partytechnos. Eine Hymne. Underworld ist für mich jedoch sehr viel mehr.

Als ich den Song „Juanita“ zum ersten Mal hörte, war es um mich geschehen. Dieser Vocoder, diese Bassline, der treibende Aufbau des Tracks. Wie aus dem Lehrbuch, dachte ich mir.

Alben von Underworld sind immer eine Reise durch unterschiedliche Gefilde der elektronischen Musik. Vom Dancetrack rauf zum Drum&Bass Brett, runter zum Ambientsound mit Gitarre im Delay-Nebel und wieder zurück.

Karl Hyde und Rick Smith sind meine absoluten Helden. Underworld haben meine eigene Produktionsweise maßgeblich inspiriert und geprägt. Die zahlreichen Alben, die im Laufe der Jahre entstanden, tragen unverkennbar eine Handschrift. Besonders spannend finde ich die Vielschichtigkeit der Songs. Underworld legen sich nicht auf eine Richtung fest. Auf jedem Album finden sich Dancefloor Smash-Hits ebenso wie ruhige, atmosphärische Stücke. Großes (Kopf-) Kino!

Biosphere – Substrata (1997)

 – Nicht nur für kalte Wintertage –

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Der Norweger Geir Jensen ist Biosphere. Es gibt einige bekannte Dancetracks von ihm aus den 90ern, seine Ambienttracks sind jedoch sein besonderes Markenzeichen. Man hört den Tracks die langen und sehr kalten Winter und die langen dunklen Tage an der norwegischen Westküste an. Ich weiß, wovon ich spreche. In den letzten Jahren war ich familienbedingt häufig in Norwegen.

Es ist ein ganz bestimmtes Klangbild, das Biosphere formt. Loops und Klangkollagen werden mit Sprachfetzen zu einem dichten Ambientteppich gewebt. Substrata hat mich besonders in den Bann gezogen. Es klingt so düster, so bedrückend und gleichzeitig doch geordnet und harmonisch. Diese Stimmung erzeugt ganz viele Emotionen in mir.

Es ist für mich eines der zeitlosesten Alben in meiner Sammlung und beeindruckt mich noch heute. Das Album geht immer, auch bei Sonnenschein.

Meine Technik zu der Zeit: PC mit Emagic Logic, MIDI-Controller und VST-Plug-ins, E-MU Orbit 9090, Waldorf Microwave, Micro Q, Access Virus A, Roland JV-1080, Akai S-2000, E-MU ESI-32, Yamaha E-Piano

Røyksopp – The Understanding (2005)

– Feine Popmusik –

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Ja, ich höre auch manchmal Popmusik. Und wenn ich Popmusik höre, dann gerne Røyksopp.

Diese Formation fiel mir durch den Videoclip zu „Poor Leno“ zum Album Melody A.M. seinerzeit auf. Mit dem wunderbaren Gesang von Erlend Øye ist eine tolle melancholische Dancepop-Nummer entstanden. Aber vor allem das Album „The Understanding“ hat für mich einen Meilenstein gesetzt.

Sehr eingängige Melodien, tanzbare Tracks und viele Gastsänger*innen bilden ein abwechslungsreiches Schaffensbild der beiden Künstler. Vom epischen „Alpha Male“ bis zum Endzeitsong „What Else Is There?“

Røyksopp gefallen mir vor allem dadurch, dass sie teilweise sehr quietschfunkige Nummern genauso drauf haben wie zuckersüße Melancholie. Ich staunte immer wieder, mit welcher Kreativität hier ans Werk gegangen wird. Ich habe nach Erscheinen des Albums häufig versucht Elemente davon zu adaptieren und für die eigenen Tracks abzuschauen.

Meine Technik zu der Zeit: PC mit Ableton Live, MIDI-Controller und VST Plug-ins, Korg MS-20, Roland E-Piano

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Fazit

Geschafft! Für diese Auswahl musste ich viele Kompromisse eingehen, das war keine leichte Aufgabe.

Jetzt fragt sich manch einer vielleicht: Hat der Typ denn in den letzten Jahren nix Neues gehört? Doch, hat er. Nur finde ich zunehmend weniger Zeit für den Musikkonsum. Im Auto läuft heutzutage eher Bibi und Tina als meine Lieblingsmusik. Ich muss mir bewusst die Zeit nehmen, um immer wieder auch Neues zu entdecken. Da gilt für mich das Motto: Joggen ist das neue Tanzen! Wenn ich alleine mit Kopfhörern durch den Park laufe, dann ziehe ich mir Musik rein und bin glücklich.

Aber eines ist mir in der knappen Freizeit neben der Familie am Wichtigsten: Die Zeit im eigenen Studio verbringen – entweder um konkret Musik zu produzieren oder ganz einfach mit der ganzen wunderbaren Technik auf Klangreise zu gehen.

Inwiefern die oben genannten Alben mein eigenes Schaffen bislang beeinflusst haben, davon kann sich jeder der möchte ein eigenes Bild machen. Ich habe eine Playlist auf SoundCloud verlinkt.

 

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Forum
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    Chromengel  

    LDC – Die Schwarze Zone.
    Ein Bekannter von früher hatte mir netterweise die CD-Maxi-Single (hieß das so?) gebrannt.
    Somit hatte man eine Version in drei Teilen, die hintereinander fast 20 Minuten oder so lief.
    Muss ich mal wieder rauskramen…..

    • Profilbild
      Gerhardt Kusche  RED

      Genau, das war der Begriff. Die gab es in zwei Größen und mussten teilweise mit einem Adapter abgespielt werden.

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    moinho  

    Was mich an diesem „Zehn Platten“-Artikel besonders erfreut hat, ist die Equipment-Liste des Autors zu den jeweiligen Alben. Danke!

    • Profilbild
      Gerhardt Kusche  RED

      Danke, die Idee kam beim Schreiben des Artikels.. Ich dachte mir, die Equipment-Liste ist mindestens genauso interessant wie die Alben.

  3. Profilbild
    Gero van Apen

    Danke für diese Einblicke! Habe erstaunliche Parallelen zu meiner musikalischen Vergangenheit entdeckt aber auch bislang Unbekanntes wie zB Røyksopp (genial!).
    Und ich schwöre: Auch mein erster Synth war der SH-1000! Habe ich noch immer, funktioniert aber leider nicht mehr. Damals mit dem Geld das ich zur Konfirmation bekommen habe gekauft. Muss 1982 gewesen sein… puh, wie die Zeit vergeht.
    Ich bin übrigens beim Hessischen Rundfunk tätig, damit sind wir quasi Kollegen ;-)

    • Profilbild
      Gerhardt Kusche  RED

      Hallo Kollege! Dann haben wir noch etwas gemeinsam: Meinen SH-1000 hatte ich auch vom Konfirmationsgeld gekauft und beim HR habe ich meine Diplomarbeit geschrieben :-)

  4. Profilbild
    Sven Rosswog  RED

    Sind ein paar nette Sachen dabei, die ich bei mir leider nicht unterbringen konnte. 10 sind nunmal 10 :-)

  5. Profilbild
    fanatic  AHU

    Das Equipment in Bezug zu setzen ist eine schöne Idee. Sympathisch geschrieben. New Order, Front242, The Orb, Massive Attack, Underworld, Røyksopp, Neubauten….mannomann, da ist ja was los. Daumen hoch

    • Profilbild
      Gerhardt Kusche  RED

      Vielen Dank! Einerseits bin ich froh über das breite Spektrum an Musik, das mir bis heute gefällt. Andererseits hat es die Auswahl unglaublich erschwert.

  6. Profilbild
    teofilo  

    Das schöne an dieser Serie sind immer auch die Querverweise, hier:
    Torsten Fenslau > Münzing/Ancelotti > 16 BIT (ein underrated Knaller) > Picnic at the Whitehouse (youtube Vorschlag;o) – ebenfalls ein (einmaliger) Knaller ala FGTH

    • Profilbild
      Gerhardt Kusche  RED

      Die Querverweise helfen uns Autoren noch ein paar Lieblinge mit reinzuschmuggeln :-)
      16 Bit stand auch in meiner engeren Auswahl.

  7. Profilbild
    Sensimood  

    Gute Albenauswahl in der ich mich ebenfalls zum grossen Teil wiederfinde. Ausserdem schöner Schwank aus der Jugend, sehr gut geschrieben.

  8. Profilbild
    Filterpad  AHU

    Endlich mal etwas elektronische Musik. Ich wartete schon sehnsüchtig darauf. Die anderen Artikel waren, meiner Ansicht nach, eher etwas Rock-orientiert. Aber was sieht man auf dem Bild: Einen Matriarch. Dann hofft man doch, dass Herr Kusche meine Leserstory (die zugegeben eher den ersten Eindruck des Gerätes schildert) in Augenschein nimmt, und vielleicht gerne seine Erfahrung teilt. Ich würde mich freuen. :)

    • Profilbild
      Gerhardt Kusche  RED

      Hallo Martin, danke für Dein Feedback. Ich habe meine Erfahrungen in die Kommentare Deines Artikels geschrieben!

  9. Profilbild
    lightman  AHU

    Korrekte Auswahl, gefällt mir sehr gut. Work Front Zweihundertzweiundvierzig, so geil, ist auch eine meiner Inspirationsquellen. Hab schon gar nicht mehr geglaubt, sowas hier zu sehen.

    Und dann Tabula Rasa! Das war schon ein harter Bruch damals, das Album führte sogar zu kaputten Freundschaften, da haben sich die Geister dran geschieden. Ich finde es in Teilen mutig, interessant, gut zu hören, teils tiefgehend, allerdings mit weniger rauher Energie, das hat nicht wenige Leute vergrault, ähnlich wie das beim Laibach-Album Kapital war.

    Guter Mann, der Gerdi. :)

    • Profilbild
      Gerhardt Kusche  RED

      Danke für Dein Feedback!
      Tatsächlich ist Tabula Rasa durchhörbarer als die Vorgänger. Mit den späteren Alben wurde ich nicht mehr so warm.
      Immer schön zu lesen, dass ich mit meinem Musikgeschmack nicht allein bin :-)

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