Report: DJ-Roboter

4. Januar 2018

Der erste DJ-Roboter der Welt?


Seit Anfang des Monats geistert ein Video eines DJ-Roboters durch das Netz. Das Video machte zumindest in einigen Medien eine sehr interessante Runde. Sehr interessant, da es in DJ-Kreisen bisher wenig Aufmerksamkeit erregte, doch aber Platz in einer kleinen News bei der Nachrichtenagentur Reuters fand. Verkehrte Welt.

Inhalt des Videos? Ein Roboter in einem Club in Prag, angekündigt als der erste DJ-Roboter der Welt, der sogar einen Namen trägt: DJ KUKA. DJ KUKA steht, oder besser gesagt stand, in dem Club Karlovy Lazne, der dem Augenschein der Facebook-Präsenz ein größerer Mainstream Club in der Tschechischen Republik zu sein scheint. 5 Floors soll der Club haben (da wird das Einrichten mit Robotern aber teuer). Schick eingerichtet und nicht weniger schick das Publikum, so der erste Eindruck des Clubs beim Blick auf die Bilder. Die interessieren natürlich nun aber wirklich nur weniger, denn der „erste und sehr einzigartige Roboter“, so die Aussage des Clubs, ist der Interessante für uns.

Einen Teaser gibt es auf der Facebook Page des Clubs, das Video aber, welches das Interesse weckt, findet man auf YouTube und es hat eine beachtliche Länge von über 15 Minuten – viel für Club-Filmerei. Der Nutzer „merlin717“ hat dieses Anfang des Monats veröffentlicht und das Video hat bereits über 40.000 Klicks.

15 Minuten lang kann man hier den DJ-Roboter agieren sehen und dabei scheint es auf den ersten Blick, als würde hier wirklich etwas passieren, als würde der Roboter hier tatsächlich „arbeiten“.

Franka Emika und DJ Yumi

So abwegig ist die Idee ja eigentlich auch gar nicht. Bereits im vergangenen Jahr gab es zwei Beispiel für Roboter, die DJ-Fähigkeiten besitzen. Sei es das Auflegen mit einem Controller oder sogar Scratchen. So zeigte Franke Emika auf der Messe in Hannover in 2016 ihren DJ-Roboter, der direkt vor Ort angelernt wurde auf einen Native Instruments Kontrol D2 mit einem Prozedere einfach wie MIDI-Learn und hier auch „performte“.

Klar, ohne bidirektionale Verbindung, oder besser gesagt, tri-direktionaler Verbindung zwischen Software, MIDI-Controller und Roboter nur eine sehr periphere Nutzung der Möglichkeiten der Software und es bleiben offene Frage wie: „Woher weiß der DJ-Roboter, wann er agieren muss? Breaks? Track-Ende? Korrekt gesetzte Loops? Die Idee ist natürlich nicht ausgereift, wie auch schon die Controller-Auswahl zeigt, denn der D2 kann natürlich als Controller genutzt werden, als vollständiger Mix-Controller aber taugt er nicht. Wie es aber häufig ist, es geht ja um die Idee dahinter.

Etwas spannender vielleicht der DJ-Roboter Yumi, gleichnamig wie der PKW von Ford und damit weiß man auch direkt, woher der Wind weht. Yumi ist ein Fertigungsroboter, der in der normalen Fahrzeugproduktion eingesetzt wird, nun ein wenig umprogrammiert, um neben einem lebendigem DJ (DJ Yoda) auf dem „Ford: Go Further Event“ in 2016 zu performen.

Viel mehr als Plattengeschrubbe allerdings war dem DJ-Roboter wohl nicht beizubringen, denn mehr passiert nicht, das wahre Können stammt von DJ Yoda selbst, der eigentlich den Großteil der sehr kurzen Show im Hintergrund liefert.
Nicht einmal die beiden grundlegenden Bewegungen beim Scratchen, Plattenbewegung und Crossfader-Bewegung beherrschte der Roboter. Also, die erste schon, die zweite halt nicht. Die erste sah dabei aber so dynamisch aus wie ein Boden-Wisch-Roboter, entschuldigt, wenn ich das so ausdrücke. Es ist aber auch nunmal ein Roboter.

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Kann mehr als im Video der Präsentation zu sehen – aber auch nicht viel mehr: DJ Yumi

Dabei zeigt ein weiteres Video, wie der Roboter „trainiert“ wird von DJ Yoda und hier zeigt der Roboter auch mehr Können. Start/Stop-Taste drücken ist dabei sicher noch einfach, den Tonarm am dünnen Hebel des Concorde-Systems greifen und auf die Platte legen, wirkt schon diffiziler.

Der Griff zum Tonarm sitzt – das Auflegen der Nadel sicher eine ehr feinfühlige Bewegung

Klar, kein Problem für einen Roboter, manchmal aber ja sogar ein Problem für echte DJs. Dafür gibt es ein paar Dance-Moves. Interessant natürlich die Umsetzung von „unserer Sprache“ und unseren Begrifflichkeiten und zugehörigen Daten wie Tempo in BPM und Rhyhtmus in die Sprache, die ein Roboter versteht – also zum Beispiel Millisekunden.

Es bleibt aber auch hier bei einer witzigen Idee, die eher Show-Zwecke hat, statt einer wahren Implementierung von notwendigen Handgriffen in Roboter-Fähigkeiten.

DJ KUKA

Zurück in die Tschechische Republik, zurück zu DJ KUKA. Dieser hampelt mit ein wenig Show-Effekt im Video zunächst ein wenig rum. Es gibt ein Intro, Nebel, Lichteffekte. Es folgt irgendeine Musik, Sängerinnen in Breaks und danach Gesäge-Main-Stream-Elektro. Mein Shazam weigert sich, die Tracks zu erkennen, es ist auch völlig egal. Aus dem Off ertönt „Welcome to the future“.

DJ KUKA – der weltweit erste DJ-Roboter?

Der Roboterarm wackelt derweil außerhalb des Taktes mal kurz, mal schnell herum und imitiert Tanz-Bewegungen. Ehrenvoll wirkend wie das Kopfnicken der Queen mit der Dynamik eines, naja, Roboters. Seht selbst.

Regelmäßig geht ein Griff in die links und rechts angebrachten CD-Regale. CDs werden geholt und wieder einsortiert. Dann wieder ein paar Dancemoves. Erneut CDs wechseln. Kurz mal den Arm zum Mixer bewegen. Gern wird auch kurz gescratcht. Erst rechts, dann sofort links. Wieder eine CD wegsortieren. Wo kommen die denn alle her? Und wird überhaupt von DJ KUKA der Eject-Button gedrückt? Irgendwie nicht. Wie auch, mit den doch recht groben „Scherenhänden“.
Ach es ist auch egal. Spätestens beim Scratchen hätte jedem auffallen müssen, dass das hier alles reine Show ist und absolut nichts passiert, außer dem Abspielen von vorher einprogrammierten Bewegungen – die leider nicht einmal auf das ebenso vorher vorbereitete und aufgenommene Set passen. Egal, jetzt kommt Axwell/Ingrosso – More than you know und es wird wieder fleißig an irgendwas geschraubt.

Und während der Single-Arm des DJ-Roboters mitten im Mix in der Luft ist und ruppig winkt, schicken die wenigen Nahaufnahmen uns als versierte DJs direkt zurück in die Steinzeit der Technik. 2017, die 1000er kommen zurück. Ich bin begeistert. Das formschön aufgebaute DJ-Setup von DJ KUKA besteht tatsächlich aus Pioneer CDJ-1000 (welche Baureihe genau, lässt sich nicht erkennen) und einem Pioneer DJM. Die Seitenansicht lässt die ungleich tiefe Rückseite erkennen, es müsste also ein DJM-500 oder DJM-600 sein. Wahnsinn. Hier treffen Welten aufeinander. Der „erste DJ-Roboter der Welt“ spielt auf Equipment von vor 10 Jahren. Die Ironie ist sicherlich voll erkennbar, nicht so ironisch allerdings ist die Erkenntnis, dass mehr als Stromkabel in den Geräten nicht zu finden sind. Klassiker, darüber sind schon einige DJs gestolpert. Werber auch.

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Kabel werden erfahrungsgemäß überbewertet

Was eigentlich gibt aber DJ KUKA, dem DJ-Roboter, seinen Namen? Nun, der Name des DJ-Roboters stammt vom gleichnamigen Hersteller. KUKA, gegründet in Augsburg wohlgemerkt, ist ein derweil weltweit agierendes Unternehmen, eines der führenden Unternehmen im Bereich Roboter-Technologie und intelligenter Automatisierung mit Kunden speziell aus der Produktionsbranche wie zum Beispiel Automobilhersteller.

Und was bleibt am Ende übrig? Eigentlich nicht viel. Eine Werbeidee eines Clubs, ob man die nun witzig findet oder nicht, und ein Hersteller für Roboter-Technik, der ein weiteres Mal eines seiner Modelle für den coolen Effekt und Werbezweck in einem Genre platziert, in dem ein DJ-Roboter wohl auch auf längere Sicht erst einmal nicht gegen seine menschliche Konkurrenz bestehen werden kann.

Intelligente Software hingegen könnte da schon eine günstige Alternative zum DJ sein. Hier gibt es regelmäßig Vorstöße, wie ganz aktuell das Programm „Music 4 Vote“. Angekündigt als „der erste vollautomatische DJ“, softwarebasiert und nicht als DJ-Roboter, können Gäste hier die Playlist per App auf dem Smartphone bestimmen. „Ein DJ wird hierfür nicht mehr benötigt“, so wirbt der Hersteller. Klasse, die Party möchte ich sehen. Alle hängen wie die Zombies im „blaugrauen Smartphone-Gewitter“ (Marcus Wiebusch hat’s gesagt) im Club. Ständiger Wechsel zwischen Playlist-App und Tinder, man will ja bloß keinen schlechten Track hören und auch besser niemanden ansprechen. Kein Check, kein Kennenlernen. Dafür aber volle Kontrolle mit Blick auf den blauen Bildschirm. Bis der Akku leer ist. Die Zukunft wird interessant.

Fazit

Fazit: Seid beruhigt. Die Robotik ist schon sehr weit, aber wir sind noch weiter!

Forum
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    4finger  

    Da wird ja mehr geboten als bei einer EDM-Show. Nein im Ernst, der Untergang der wahren DJ-Kultur und Blabla undsoweiter…

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      Bolle  RED

      Ey..bei einer EDM Show wird immerhin noch mit ausgebreiteten Armen gehüpft, viel viel theatralisch geklatscht und die Fäuste in die Höhe gerissen. Das ist schon eine…ähm…Leistung.

      Ne mal im Ernst. Ich hab vor ein paar Jahren mal auf einem Festival auf der Techno Stage gespielt, wo auf der Main DJ Antoine (persönlich echt ein entspannter, humorvoller Zeitgenosse) und andere Acts der EDM Ecke gespielt haben. Ich nenne jetzt keinen speziellen Namen, der Sound war grauenhaft, aber alter…durchgehend so Springen…das muss man dem einen Act lassen, Respekt, das mit der Leistung oben ist gar nicht so falsch ausgedrückt. Sound war trotzdem bitter :)

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    pikar

    Solange der Herr Roboter-DJ nicht fähig ist die Wirkung und die Stimmung der gewählten Musik zu beurteilen besteht für uns DJ keine Gefahr :-) Also so etwa die nächsten 50 Jahre!

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    AMAZONA Archiv

    Müsste der nicht konsequenterweise eigentlich im „Robot Restaurant“ in Tokyo auflegen?? :D

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    ctrotzkowski  

    In der IHK Koblenz vor ein paar Jahren, beim Tag der offenen Tür („Nacht der Technik“), gab es eine wirklich sehr ansehnliche von Azibus programmierte Fertigungs-Roboter DJ Show. Die war taktsynchron beim Tanzen, mit witziger Theatralik a la „Nummer 5 lebt“, und mit ihren Scherenhänden bedienten sie auch damals schon den Eject Knopf des CD-Spielers „eigenhändig“.
    => Ein wirklich nettes Robo-Kasperle Theater zum schmunzeln, aber eben nicht mehr.
    Vor so etwas muß nun wirklich keiner Angst haben.

    Und dass die Club-Groupies in Zukunft einen orangenen Kuka Arm anschmachten anstatt den DJ, ist auch nicht zu erwarten.

    Womit Ihr aber rechnen müßt:
    Dass zukünftige Clubs schlicht und einfach wissen werden, welche Besucher gerade anwesend sind (aus Facebook, Gesichtserkennung, Handy Bewegungsprofil…), welchen Musikgeschmack sie überwiegend haben (pers. Spotify Playlisthistory, Facebook Kommentare, Amazon Downloads, Google-Historie….), welche Playlist für die Anwesenden automatisch generiert werden sollte (s.a. Vorschlägslisten der Streaming Provider), welche Trends in welchen Bevölkerungskreisen gerade im Anflug sind (IBM Watson, Google Deep-Learning…)…

    Der zukünftige DJ Hero trägt kein Blechkleid und wackelt mit albernen Stahl-Tentakeln im Takt – er ist vernetzt, mit Euch und dem, was Ihr teilt… und schon heute möglich.

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      DJ Ronny  

      Da bin ich ganz deiner Meinung. Ich gehe noch einen Schritt weiter. Wenn die Welt bleibt wie sie ist und sich alles so weiter entwickelt, werden nur noch berühmten Djay’s überall auftreten, als Hologramm. Der Djay wie wir ihn heute kennen wird nicht mehr verwendet (gebraucht schließe ich hier absichtlich aus). Alles übernimmt eine Software. Schaut euch z.B. VDJ 8.2 an. Titelvorschläge aus dem Netz. Titelvorschläge vom Puplikum über Ask the DJ. Das nur noch verfeinern, das die Software Harmonie und Bpm Genre und Beliebtheit gut auswertet und abspielt. Fertig ist der DJ, der die meisten, die sich heute DJ nennen an die Wand spielt. Jede Kneipe wird sich diese Software kaufen, braucht keinen DJ mehr. Ich will damit nicht Schwarz malen, aber so wird es sich entwickeln.
      Solche Ungetüme an Roboter braucht es nicht.

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        Danny Who  AHU

        Funktioniert nur da, wo es keinen Personenkult gibt. In der anonymen Großraumdisse mit homogenstem Musikgeschmack.

        Aber gerade die großen Namen ziehen doch die Leute in den Untergrund-Club fürs Live-Erlebnis einer Performance. Für Ricardo Villalobos per Stream kann ich mir seit 10 Jahren Youtube einschalten. Wird also kein Club so annoncieren und durchziehen. Und solche Leute sind doch eben wegen ihrer individuellen Kapriolen und Geschmäcker auch angesagt.

        Wer was zum Thema der Aura des Moments in der Kunst wissen will, muss nur das steinalte Manifest von Walter Benjamin – „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ lesen.

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          AMAZONA Archiv

          Danke für den Buchtipp! Gibt es sogar im Backpacker-freundlichem Kindle-Format :)

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    Coin  AHU

    Hatte hier geschrieben was ein DJ macht,
    aber der Kommentar wurde gelöscht.
    Schade, dann halt nicht…

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