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Report: Toa Mata Band – die Lego Bionicle Band

12. Januar 2019

Toa Mata Band - wir sind die Lego-Roboter

Toa Mata in Action

Ich weiß gar nicht mehr, wie ich auf dieses großartige Projekt gestoßen bin, es war auf jeden Fall Zufall. Vermutlich hatte ich mich vertippt, als ich auf YouTube anstatt „Everything Counts“ „Everything Sounds“ eingab. Was sich mir dann darbot, war zunächst verwirrend, aber umso mehr Neugierde weckend. Ich blieb also dran und konnte mit ansehen, wie jemand ein merkwürdiges Setup aus kleinen LEGO-Figuren, Eierkartons, Piezomikrofonen, Keyboards, einem Korg Kaossilator, Teile eines Xylophons und was weiß ich noch auf einem Tisch aufbaute, verkabelte und mit einer DAW verband.

So langsam schwante mir, wohin die Reise wohl hingehen könnte. Richtig, nach den ersten Takten Drumsounds, die durch diverse kleine LEGO-Figuren ausgelöst wurden, war sofort klar, dass es sich hier um eine sehr eigenwillige Interpretation von Depeche Modes „Everything Counts“ handelte. Meine Neugierde war nun vollends geweckt und dieses Werk ist bei weitem nicht das einzige, was man unter diesem YT-Kanal finden kann.

Der Mastermind dieses Projekts, der Toa Mata Band, ist Giuseppe Acito, der sich selbst als Interaktionsdesigner und Produzent bezeichnet. Eben dieses Projekt beansprucht für sich, die erste LEGO-Roboterband zu sein, was sehr wahrscheinlich auch zutrifft. Wie er sagt, basiert das alles auf dem Gedanken und seiner Faszination für Mechanik, LEGO und elektronische Musik. Die Grundlagen wurden bereits in Guiseppes Kindheit gelegt, in der er durch seine damals schon alten Tin Robots auf den Gedanken kam, diese als Band zum Leben erwecken zu können.

Live-Performance

Um das live zu realisieren, hätte er ganz einfach als Roboter verkleidet diverse alte Drumpads spielen müssen, wie es bereits zahlreiche Elektrobands vor ihm getan hatten. Wirklich neu wäre das ganz sicher nicht gewesen, also entschied er sich dafür, dass eine echte Roboterband seine Performance umsetzen sollte. So nannte er ab sofort diese völlig neue Art der Darbietung „mechantronic music“. Wie er selbst sagt, wird bei den meisten Live-Konzerten elektronischer Musik der Zuhörer im Unklaren gelassen, was eigentlich passiert, was wirklich live ist und was aus der Maschine kommt. Durch seine Roboter hat er somit die Gelegenheit, der Audienz  das komplette Geschehen vor Augen zu führen.

TMB Setup

Jedes „Bandmitglied“ besteht aus einem ausgeklügelten System dedizierter bionischer Bauteile wie Gummibändern, Motoren und Umlenkrollen aus dem Hause LEGO. In diesem Fall werden die Arme entsprechend angesprochen, um diverse berührungsempfindliche Keyboards, Drummachines, Synths, Smartphones und akustischen Gimmicks anzusprechen. Allerdings darf man diese Figuren nicht mit den programmierbaren Robotern aus dem Hause LEGO verwechseln. Die Toa Mata Band besteht eigentlich nur aus LEGO-Figuren der Bionicle-TOA-MATA-Serie, was die Sache meiner Ansicht nach noch spezieller hinsichtlich Giuseppes Kreativität macht. Diese Figuren haben lediglich bewegliche Arme, deren Position sie aus eigener Kraft nicht verändern können, aber aufgrund der Einfachheit bestens für Giuseppe als Perkussionisten geeignet sind. Um ihnen aber dennoch automatisiertes Roboterleben einzuhauchen, braucht es eben dieses abgestimmte Arrangement von Gummibändern, Rollen und Motoren für jede Figur, was man bei genauem Hinsehen in den Videos erkennen kann.

Mastermind Giuseppe Acito

Bis hierhin fand ich es bei aller Komplexität noch einigermaßen nachvollziehbar, kleine Maschinchen lösen durch simple Bewegungen irgendeinen Klang aus, aber wie wird es koordiniert, wie synchronisiert? Man erkennt Ableton Live auf dem Notebook, aber seit wann passen denn MIDI und LEGO zusammen? Jetzt kommt „Arduino Uno“ ins Spiel, ein Open-Source Microcontroller-Board, das quasi beliebige In- und Output-Signale verarbeiten kann, sprich die LEGO-Roboterarme durch einen MIDI-Sequencer ansprechen kann. Mehr an Produktionsgeheimnissen wird natürlich hier nicht verraten.

Toa Mata Band Episode 4

„Everything Sounds, Episode #3“ ist bereits das 3. Video von Guiseppe, die 1. Episode war zunächst als Heimprojekt gedacht, ging aber sehr schnell im Netz viral. Episode #2 ist „Deus Ex Machina“, in dem die Roboter diverse Elektrotitel ebenfalls live spielten, während Giuseppe dazu jammte. Während der letzten drei Jahre spielte die Toa Mata Band europaweit auf Elektrofestivals.

Der Mann hinter der Toa Mata Band, Giuseppe Acito, wurde in Taranto, Süditalien, geboren und entschloss sich 1990, nach Bologna zu ziehen, um eine musikalische Laufbahn einzuschlagen. Auf dem dortigen Conservatorio Giovanni Battista Martini belegte er Kurse für elektronische Musik und Komposition. 1992 nahm er außerdem in den Fonoprint Recording Studio an einem Sound Engineering-Kurs teil, den er 1995 abschloss. Seitdem ist er selbstständig als Sounddesigner und Produzent unter verschiedenen Projektnamen tätig. In den vergangenen 20 Jahren ist er sowohl live als im Studio aktiv und als Produzent für bekannte Künstler und große Soundschmieden in Italien tätig.

Forum
  1. Profilbild
    lightman  AHU

    Cool, ich mag solche elektromechanischen Sachen. Mein Held in dieser Disziplin ist Wouter van Veldhoven mit seinen Tonbändern und selbstspielenden Zithern, aber was Guiseppe hier aufzieht, ist echt gut gemacht, auch wenn seine Versionen diverser Klassiker teils recht eigenwillig arrangiert sind.

    • Profilbild
      m4ximumpow3r  

      Was auch ziemlich lustig ist, ist „THE ONE LOVE MACHINE BAND“: https://tinyurl.com/y6q7x8dl
      Der Typ ist echt der Hammer, habe seine „Band“ schonmal live gesehn und mich auch mit ihm Unterhalten, einfach mal der König der Nerds (im positiven Sinne).

  2. Profilbild
    Thereminchen  

    Die meisten Menschen haben es verlernt zu spielen.

    „Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“

    -> homo ludens

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