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Interview: Carolina Eyck , Master of Theremin

26. Mai 2018

Die unsichtbaren Saiten des Theremins

Interview Carolina Eyck

Vorwort des Autors

Als wir Carolina Eyck um das Interview baten, hatten wir die tagesaktuellen Ereignisse um den Echo noch weit vor uns. Demzufolge drehte sich das Gespräch auch nicht um den Beef. Carolina Eyck kann man als Ausnahmeerscheinung bezeichnen, sie ist zu Recht mit dem Echo Klassik ausgezeichnet worden und ist die Virtuosin auf dem Theremin. Die Sparte Klassik greift jedoch für Carolinas Art und Weise des Musizierens zu kurz. Hier haben wir eine junge Künstlerin an den unsichtbaren Saiten des Theremins, die einen Bogen von Klassik, zeitgenössischer Musik und Filmmusik spannt.

Carolina ist sehr aktiv auf YouTube, veröffentlich eigene Werke, gibt Kurse für angehende Theremin Spieler. Und ist gern gesehene und gehörte Solistin mit unzähligen Auftritten u.a. im Leipziger Gewandhaus und diversen anderen Häusern dieser Welt. Ihre Musik ist im Film „Die Erfindung der Liebe zu hören“.

Kurzum, Carolina ist vielbeschäftigt, reist viel und oft und hat sich nun im Rahmen des Musikmesse Space Festivals zu einem Interview eingefunden.

Wer die letzten Interviews mit Kebu, Lloyd Cole & Weinglas verfolgt hat, kann sich nun auf ein launiges und kurzweiliges Interview freuen.

TobyFB:
Hallo Carolina, vielen Dank für das Interview auf AMAZONA.de. Damit das für unsere Leser verständlicher wird, warum wir dich interviewen, würde ich dich kurz vorstellen.

Dein Background ist ein sehr musikalischer, mit sieben Jahren das Theremin bei Lydia Kavina erlernt, der Großnichte von Leon Theremin, als „Nebeninstrumente“ Viola und Bratsche. Du bist neben Dorit Chrysler eine der wenigen Virtuosinnen auf dem Theremin. Hast diverse Auszeichnungen und Preise gewonnen. Einen ECHO in der Kategorie Klassik. Gibst regelmäßig und weltweit Theremin Kurse, hast einen eigenen sehr erfolgreichen YouTube Channel und bist Buchautorin.

Musikalisch kann man dich als Grenzgängerin bezeichnen, du spielst sowohl innerhalb klassischer Orchestrierung, machst Jazz, auf deinem YouTube Channel auch Interpretationen von Popsongs und Filmmusiken.

Carolina Eyck

TobyFB:
Wie kamst du mit sieben Jahren darauf, dich näher mit dem Theremin zu befassen? Soweit ich weiß, ist dein Vater ja selber Musiker, war es dir also in die Wiege gelegt?

Carolina:
Meine Eltern sind selbst Musiker bzw. Künstler und machen elektronische Musik. Als ich sieben Jahre alt war, haben sie das Theremin in einem Konzert gesehen, fanden es spannend und kauften sich eins. Ich durfte es dann auch mal probieren. Ich lernte zu diesem Zeitpunkt bereits Geige, aber mit einfachen Bewegungen in der Luft Töne zu erzeugen, war da schon etwas Faszinierendes.

TobyFB:
Dennoch, die Wahl des Theremins Anfang der neunziger Jahre ist dennoch etwas ungewöhnlich. Der Zeitgeist hatte eher Synthesizer oder E-Gitarre auf dem Plan. Gab es so etwas wie ein Erlebnis?

Carolina:
Ich habe Lydia Kavina in einem Konzert in Hamburg gesehen und da war ich natürlich sehr beeindruckt. Da ich elektronische Klänge von zuhause sowieso schon kannte, war mir das Theremin aber auch gleich sehr vertraut.

TobyFB:
Und wie kam es zum Unterricht bei Lydia Kavina?

Carolina:
Mein Vater hat sie einfach gefragt. Da sie vom Erfinder selbst noch gelernt hatte, war sie eine der wenigen oder vielleicht sogar die Einzige, die Unterricht gab. Von Zeit zu Zeit traf ich sie dann in Berlin und Hamburg.

Forum
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    Wellenstrom  AHU

    Ja, die junge Dame trägt durchaus eine Menge dazu bei, das Theremin aus seinem Dornröschenschlaf der musikalischen Belanglosigkeit herauszukatapultieren. So allmählich findet das Instrument seinen eigenen Platz in E- und U-Musik, wird ernster genommen und verliert seinen Kuriositäten- und Nerdstatus. Frau Eyck hat da einen wirklich großen Verdienst daran.

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      ArvinG  

      Die Formulierung von der „musikalischen Belanglosigkeit“ halte ich für ein bischen gewagt, wenn man bedenkt, dass bereits Schostakowitsch das Instrument einsetzte. Es gibt sogar eine Oscarprämierte Filmmusik („Ich kämpfe um Dich“ von Hitchcock). Bin kein Experte, nurmal so als Anmerkung. Peace :-)

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        Wellenstrom  AHU

        Ja, nee… alles richtig. Aber das Theremin fristet schon ein Nischendasein und gilt in der allgemeinen Wahrnehmung doch als freakiges Instrument, wird nach wie vor wenig verwendet und allzu viele Kompositionen, in denen das Instrument spezielle Berücksichtigung findet, gab/gibt es dafür immer noch nicht.
        In „Ich kämpfe um Dich“ wurde dieses Instrument ja gerade deswegen gewählt, weil es für die damaligen Hörgewohnheiten absolut freakig klang und es auch in diesem Sinne verwendet wurde. Zitat aus Wikipedia: „Prägnanter Kontrast ist der Einsatz des Theremins, das den Ängsten und Identitätskrisen der Protagonisten eine andersweltlich-entrückte Aura verleihe.“ Hitchcock war da übrigens sehr offen in dieser Hinsicht. Siehe Trautoniumeinsatz für „Die Vögel“.
        Auf YT siehst du z.B. Szenen darüber, wie das Theremin in alten Fernsehsendungen (bis in die 90er rein) mal auftaucht und auch da noch als Exot dargestellt wird.
        Wenn du mal die Stücke von Carolina Eyck hörst auf YT, Pop-Songs von Dorit Chrysler, dann sieht man schon, dass dieses Instrument durchaus Berechtigung hat, breiter aufgestellt zu sein – und organisch in diversen Arrangements unterzubringen ist. Das war mal anders.
        Bin da wahrlich auch kein Experte. Die o.g. Damen haben schon seit einiger Zeit mein Interesse an dem Instrument geweckt.
        Wie irrelevant das Theremin ja (leider) bis heute ist, sieht man auch gut daran, wie wenig Leute es professionell spielen und dass es kaum unterrichtet wird irgendwo.

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          ArvinG  

          So irrelevant scheint das Theremin aber doch nicht zu sein, denn Du kannst es beim MS (als „Theremini“ sogar „Topseller“, was auch immer das bedeutet) oder T jederzeit kaufen. Auch ein Doepfer Modul gibt es. Im Wikiartikel gibt es einen breiten Abschnitt zum Thema „Heutige Verwendung“. Irrelevant und pauschalisierend sind – für mich persönlich – Einstufungen, die mit „Allgemeiner Wahrnehmung“ begründet werden, Das würde dann z.B. auch für die Musik Stockhausens gelten. Aber ich verstehe natürlich was Du damit meinst und will hier auch beileibe keinen Nebenkriegsschauplatz eröffnen, Ich habe nur was gegen Pauschalkategorisierungen. Nochmal Peace :-))

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            Wellenstrom  AHU

            Ja, nee, ich neige gerne mal zu Übertreibungen. So stößt man Diskussionen an.
            Ja, das Theremini…. denke auch darüber nach, mir das mal anzuschaffen. Ein Verkaufsschlager – aber auch, weil damit ein neues Image geschaffen wurde, eigentlich sogar ein neues, eigenständiges Instrument – Klangerzeugung eines Synthesizers, der über die Klangeigenschaften und Handling eines gewöhnlichen Theremins hinausgeht, (Retro)futuristische Optik. M.E. ein kleiner Geniestreich. Das kleine i macht da schon einen Unterschied für die Verbreitung. ;-)
            Wage aber zu behaupten, dass da die Geargier bei einigen Käufern größer ist, als dann die langfristige und ernsthaft betriebene Verwendung des Instruments. Der Anreiz, sich so’n Dingen für ’nen Tischhupenpreis zuzulegen, ist nun mal groß.
            Naja, das Werk eines Komponisten mit einem Instrument zu vergleichen ist schon schwierig.
            Stockhausen ist ja Nische geblieben und beschränkt sich im Prinzip auf experimentelle Musik. Aber wenn du den Vergleich anstrebst,jo, dann sieht man ja auch hier eine Erweiterung und Popularisierung – über seine Schüler – die dann ja auch Marken setzen konnten z.B. im Pop/Rock (siehe CAN – Irmin Schmidt oder Holger Czukay), elektronischen Pop und anderswo (Filmmusiken etc.)

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              ArvinG  

              Interessante Diskussion und Dein Kommentar in allen Ehren, nur -offtopic- ob Stockhausen als einer der bedeutensten Komponisten des 20. Jahrhunderts (Zitat Wiki) jetzt „Nische“ ist, sei einmal dahingestellt. Nochmal: ich denke, ich weiß was Du damit meinst, nur betritt man mit derlei vorschnellen Kategorisierungen imho schnell ziemlich dünnes Eis. Peace zum dritten :-)))

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                Wellenstrom  AHU

                Natürlich ist Stockhausen in vielerlei Hinsicht Nische. Der Einfluss eines Komponisten hat doch nichts bis wenig zu tun mit dem Grad der allgemeinen Bekanntheit. Sein Werk wird nicht annähernd in dem Maße aufgeführt, wie die Werke der Klassiker, sind allgemein weniger bekannt und auch kommerziell nicht in dem Maße erfolgreich.
                Das ist nicht abwertend gemeint – insofern stehe ich da nicht mal auf – wie auch immer beschaffenem Eis – Stockhausen ist so wenig populär als Komponist wie – in diesem Fall (mit dem Vergleich kamst du – nicht ich) das Theremin als Instrument in seiner Verwendung der Aufführung und Komposition.
                Und das Theremini (das kein Theremin ist, sondern ein Ableger, der leichter zu bedienen ist und einige andere Merkmale aufweist) als Verkaufsschlager beim MusicStore als Beleg für seine Relevanz anzuführen, ist auch zu kurz gesprungen. Das ist schonmal ein Weg, der sich da bahnen kann. Mehr erstmal noch nicht. Sehe das Dingen noch selten auf der Bühne oder eingesetzt in bekannten Studioaufnahmen. Auch Tischhupen von Casio verkaufen sich tausendfach…. dennoch haben sie keine Relevanz in Komposition und Aufführung im öffentlichen Raum. Mit Musikerinnen wie Eyck oder Chrysler tut sich da aber mittlerweile etwas, weil sie sich eben gezielt außerhalb dieser NISCHE bewegen.

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                  ArvinG  

                  Mir scheint, wir reden hier aneinander vorbei. Du führst Kriterien wie Bekanntheitsgrad, Anzahl der Aufführungen und kommerzieller Erfolg an und leitest daraus „Nische“ ab. Für sich genommen erscheint das auf den ersten Blick sogar nicht unplausibel. Nur sagt das aber über die Bedeutung, die Stockhausen als Komponist hat und die unbestritten sein dürfte, nichts aus. Allein seine grundlegenden Untersuchungen im Bereich neuer Komposition, z.B. seinen Aufsatz „WIe die Zeit vergeht“ galten/gelten als bahnbrechend. Ebenso seine Arbeit im Studio für elektronische Musik des WDR, anfangs zusammen mit Herbert Eimert, und später als dessen Leiter. Ich bin auch kein Experte für neue Musik, aber das ist eben das, was ich mit „dünnem Eis“ meinte.

                  P.S. Als „Beleg“ war das Theremini auch gar nicht gemeint, lediglich als Hinweis.

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                    Wellenstrom  AHU

                    Die Bedeutung von Stockhausen bestreitet doch niemand. Und ich mit Sicherheit schomma gar nicht, weil ich mich z.B. durchaus daran orientiere, was seine Schüler und Rezipienten, die dann auch kreativ werden sollten, später umsetzten.
                    Anfangs schrieb ich ja, dass der Vergleich von Komponist und Instrument hinkt. Die Einzige Parallele, die ich in dem Vergleich sah, ist, dass sich BEIDE(s) außerhalb des MAINSTREAMS bewegt(en). Stockhausen ist nie Mainstream geworden, das Theremin auch nie. Vielleicht können wir uns darauf einigen.
                    Aus Stockhausens Wirken hingegen ist einiges später in den Mainstream gewandert und hat größere Bekanntheit erreicht, so wie aus dem Nischeninstrument Theremin die Ideen erwuchsen, die später zum populären Synthesizer wurden. Siehe R. Moogs Entwicklungen und Biographie.

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                      Ashatur  

                      Ich muss der Welle recht geben. Jeder Mensch der TV schaut ist durchaus mit dem Klang des Theremin vertraut, dank alter Sy/ Fi und Gruselstreifen Aber da kommen wir zu dem Punkt denn kaum einer wird das Theremin wirklich als Instrument kennen. Und das liegt wohl am Mainstream der dieses Instrument eher als Kuriosität handelt das mal ein Welt der Wunder Bericht wert ist als dieses für Virtuosen geschaffene Instrument richtig zu ehren. Daher kann der Begriff belanglos schon richtig gewählt sein.

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          TobyB  RED

          Hallo Welle,

          Carolina gibt auch Unterricht, wahlweise auch per Skype :-) Ich komm mit meinen Theremini auch so klar, Fis und Gis klappen schon ganz gut und was will man mehr für einen gediegenen HighEngergy Sound ;-)

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            Wellenstrom  AHU

            Jo, hab mal ’nen Thereminitrack von Dir zu hören gekriegt. Klingt gut.
            Ja, das Theremini ist ja dank der „Rasterungsmöglichkeiten“ mit Skalen für Laien auch supergut. Wäre mit dem Theremin schon schwieriger, die Sprünge so sauber hinzukriegen.

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              TobyB  RED

              Hallo Welle,

              ich würde es mit dem Theremin wohl nicht so hinbekommen, mit dem Etherwave Theremini ist das schon was anderes. Was nicht heisst das es einfach ist. Ich tue mich mit allem ausser Fis Moll und Gis Moll schwer. Derzeit erwische ich mich immer wieder das Theremini als CV Lieferant zu nutzen. Oder als USB Controller. Kann man mal machen. Wobei ich in diesem Zusammhang auf das Subharmonicon warte, dass in Verbindung mit dem Etherwave könnte spassig werden.

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    wasserblau

    Ihr Vater ist übrigens Jan Bilk, seineszeichens Hälfte von Servi Electronics, einer der DDR-Elektroniker-Bands. Auch heute noch aktiv, u.a. auch mit seiner Tochter Carolina.

    Alles sehr nette und liebe Menschen! :)

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      TobyB  RED

      Hallo Wasserblau,

      ich weiß, ich habe bei Zeiss Jena im Planetarien Bau gelernt und mich am Zeiss Großplenarium in Berlin am Thälmann Park ausgestobt. Jan Bilk hatte 1989 für die erste Lasershow die Musik gemacht. Ich hab noch im Regal die Servi Scheibe „Rückkehr aus Ithaka“, welche ich im Gegensatz zu anderen Elektroniker aus der DDR weniger belanglos halte. Ohne den anderen abzuwerten, die da noch gab.

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      TobyB  RED

      Hallo Son of Moog,

      stimmt und mit einem klassischen Orchester noch weniger ;-) und mit FX Sounds kommst nicht mehr weit. Aber virtuose Spieler/innen gibt es nicht viel.

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    Ralph Schloter  

    Danke für das schöne Interview! Ich habe auch mal einen kleinen Workshop bei Carolina gemacht. Seitdem bin ich ihr noch einen „Erfahrungsbericht“ über das Theremini, das ich mir daraufhin gekauft hatte, schuldig. Leider steht es meist nur rum – es ist trotz der Einstellmöglichkeit verschiedener Skalen mit Rasterung schwer zu spielen. Ein eigenständiges Instrument halt.

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    roseblood11  

    Viel getan für die Anerkennung des Theremin hat die viel zu früh verstorbene Barbara Buchholz. Schade, dass sie nicht mal erwähnt wurde.

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