Interview: Guy Fletcher, Roxy Music, Dire Straits

17. März 2018

Von Roxy Music bis Dire Straits

Guy Fletcher

Photo by Ben Peter Catchpole

Als Musiker, als Keyboarder, Arrangeur und Musical Director ist Guy Fletcher, auf der Bühne und im Studio mit vielen weltbekannten Künstlern aufgetreten. Cockney Rebel, Tina Turner, Randy Newman, Dire Straits, Mick Jagger, Roxy Musik, Jimmy Nail, Vicente Amigo und natürlich Mark Knopfler. Als Toningenieur, beginnend in den frühen 70ern mit seinem ersten Heimstudio bis hin zum aktuellen Aufnahmestudio, die British Grove Studios von Mark Knopfler war Guy schon immer mit den besten Aufnahmegeräten und Techniken vertraut, sei es analog oder digital. Er produzierte das letzte Dire Straits Studioalbum, die Soloprojekte von Mark Knopfler, verschiedene Bands und Solokünstler wie Bill Wyman und Vicente Amigo. AMAZONA.de traf den vielseitigen Künstler zum Interview über seine Liebe zu Synthesizern, seine Erfolge mit Roxy Music und Dire Straits und seine aktuellen Projekte.

Norbert:
Wie bist du zur Musik gekommen? Ab wann hast du dich für Musik interessiert?

Guy Fletcher:
Meine Familie war immer musikalisch, ich hatte gar keine andere Wahl! Meine Mutter war Sängerin, Dad ein Gitarrist, mein Onkel ein Trompeter und die drei hatten eine Gruppe namens „Cameos“. Mein Onkel wurde ein erfolgreicher Songwriter und Vorsitzender der Firma Paul Reed Smith Guitars in Großbritannien. Mein Vater hat die Airsound -Technologie entwickelt, die jetzt von der Firma meines Bruders „Orbitsound“ verwendet wird. Sie haben ein atemberaubendes neues Audio-Produkt namens Dock.

Norbert:
Welche Art von Musik hat dich am meisten inspiriert und geprägt?

Guy Fletcher:
Populäre Musik ab dem Jahr 1967. Dazu gehören natürlich die Beatles, David Bowie, Led Zeppelin, Steely Dan. Später habe ich mich mit Musik aus den frühen Jahrzehnten des amerikanischen Blues, Country und Folk beschäftigt. Je mehr du über Musik lernst, desto mehr wirst du lernen. Das hört nie auf.

Norbert:
Wann hast du angefangen, dich für Synthesizer zu interessieren?

Guy Fletcher:
Sobald ich sie zum ersten Mal sah. Elektronik und Musik, was könnte besser sein?

Norbert:
Kannst du dich noch an deinen ersten Synthesizer erinnern?

Guy Fletcher:
Ja, es war ein Korg 900, monophon. Sehr gefragt heutzutage, wie bei den meisten frühen Geräten. Ich habe die Leadstimme in einer Rockband gesungen und dazu diesen Synthesizer gespielt.

Norbert:
Wie hat das mit Bryan Ferry und Roxy Music angefangen?

Guy Fletcher:
Ich arbeitete mit einem Ingenieur, der oft in Phil Manzaneras Studio in Chertsey, UK arbeitete. Er erwähnte meinen Namen, als Bryan 1982 nach einem Keyboarder für die Avalon Tour suchte. Ich ging zu ihm und spielte vor. Bryan hat auch aufgenommen, was ich gespielt habe (auf einem Roland Jupiter-8) und einige Teile davon auf seinem „Boys and Girls Album“ benutzt.

1983, Roxy Music The Hight Road

Norbert:
Warst du zu dieser Zeit nur als Tour-Keyboarder mit der Band unterwegs? Oder warst du auch an den Studioproduktionen beteiligt?

Guy Fletcher:
Nein, ich war nur auf der Tour involviert, obwohl ich später mit Bryan und Rhet Davies (Produzent) ins Studio gegangen bin, um mehr Sessions zu machen.

Norbert:
Die Musik von Roxy Music war schon ziemlich Synthesizer gesteuert, aber es gab diesen – sagen wir mal – besonderen Sound, den man auch Jahre später bei den Bryan Ferry Soloproduktionen hören kann. Ich würde es „Dreamy“ nennen. Wer hat diesen Sound gestaltet? Wer ist der Erfinder dieses Sounds?

Guy Fletcher:
Ich kann dies leider nicht für mich in Anspruch nehmen. Ja, Bryan ist eine sehr „verträumte“ Person, er sprach oft über Emotionen und Klanglandschaften. Das Vermächtnis von Brian Eno erstreckte sich natürlich durch das ganze Projekt, aber Bryan Ferry war der Mann.

Norbert:
Irgendwann hast du Mark Knopfler getroffen und angefangen, in seiner Band zu spielen. Erzähl uns, wie es passiert ist.

Guy Fletcher

Photo by Ben Peter Catchpole

Guy Fletcher:
Mark habe ich damals durch unseren gemeinsamen Manager getroffen. Ich ging zu ihm nach Hause und traf ihn, als ich hörte, dass er jemanden brauchte, um ein Synclavier Digital-Musiksystem zu bedienen, das er gerade in den USA gekauft hatte und um mit der Arbeit an dem Film-Soundtrack „Cal“ zu beginnen. Das Synclavier Handbuch war größer als der Synth! Ich las es kurz und machte mich an die Arbeit. Es war wirklich nicht so schwierig. Die FM-Synthese war faszinierend und die Art und Weise, wie das Synclavier es tat, war viel einfacher zu manipulieren als das Yamaha DX-1-Art, mit dem ich zu dieser Zeit vertraut war.

Forum
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    Wellenstrom  AHU

    Jo, die spannendste und prägendste Zeit in Sachen Synthesizer bei Roxy Music war m.E. die frühe Phase mit Brian Eno am Start und seinem EMS VCS3 Synth. Denke, das hat viele Musiker inspiriert.

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      Wellenstrom  AHU

      Neben dem dandyhaften Sexappeal von Bryan Ferry natürlich. Haben damit durchaus mindestens die nächsten 10 Jahren musikalisch und stilikonenmäßig die Popmusik geprägt wie keine 2. Band zu ihrer Zeit (inkl. Bowie und T Rex und dem anderen Glamrockkram)

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    iggy_pop  AHU 1

    Ein Roland D-70 auf der „Brothers in Arms“? Das halte ich für eher unwahrscheinlich.
    .
    Sage doch mal jemand Guy, daß Kent Spong auch in England sitzt und *der* Mann für CS80-Reparaturen ist. Er, oder Keith Kniveton.

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    costello  RED

    Schönes Interview. Roxy Music ist absolut mein Fall, Dire Straits eher weniger. Auf Seite 3 werden aber Seller and Buyer verwechselt. So ergibt die Juppi-8-Anekdote keinen Sinn. ;-)

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      solartron   1

      eben auch gerade bemerkt.. ;)

      „Der Verkäufer war sicher überrascht, einen so prominenten Käufer erwischt zu haben, oder?“

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        costello  RED

        Ganz genau. Umgekehrt wird ein Schuh draus. „Der Käufer war sicher überrascht, einen so prominenten Verkäufer erwischt zu haben.“
        Ist in der englischen Version aber auch schon verdreht.

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          Tyrell  RED 1

          Habs in der deutschen version soeben geändert. Danke für den Hinweis. Englische muss Norbert morgen machen :-)

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    maga

    Ist der ehemalige Besitzer der Marke „JoeMeek“, Ted Fletcher, nicht
    dessen Vater ?
    Meinte es irgendwo mal gelesen zu haben….

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    maga

    p.s.
    Das Brothers in Arms Album höre ich heute noch immerwieder gern.
    Tolle Platte, tolle Synthssounds

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