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Interview: Boris Blank, Yello Mastermind, Teil 1


Klang-Architekt einstürzender Neubauten

My YELLO-HISTORY

Es war irgendwann Ende 1984, ich war gerade 21 geworden und hatte (sehr spät) damit begonnen, mit Synthesizern zu experimentieren, da brachte mir ein Freund eine LP mit, auf deren Cover ein Gorilla gezeichnet war („You Gotta Say Yes To Another Excess“). Die Gruppe nannte sich YELLO. Wikipedia gab’s noch nicht – und so sind wir einfach mal davon ausgegangen, dass es sich um Amerikaner oder Engländer handeln müssen. Der Sound war … wie beschreibt man das am besten? … anders, neu, frech, laut – und vor allem elektronisch. Nichts klang damals auch nur annähernd so wie Yello – und schon gar nicht aus dem elektronischen Musikbereich. Ich war sofort Feuer und Flamme – und Textzeilen wie:

One two three
A little fool I want to be
Two three four
You can give me more
Five six seven
I don’t want to wait for heaven
Nine ten eleven
Going back to seven
Seven eight nine
Kann denn das noch sein?

konnten wir auswendig rezitieren. Und schon damals war uns bewusst, dass Bands, die solche Textzeilen  von sich geben, einfach nur Spaß haben müssen, bei dem, was sie da tun.

In der musikalischen Szene, in der ich mich damals umtrieb, war innerhalb kürzester Zeit YELLO in aller Munde, galt als so etwas wie der Underground-Geheimtipp. Erst mit dem Folgealbum STELLA änderte sich dieser Status und YELLO gelangen die ersten Chart-Erfolge. Mit den ersten Music-Clips wurde uns auch bewusst, dass YELLO ein Schweizer Duett war, bestehend aus dem Elektronikmusiker Boris Blank und dem Sänger Dieter Meier. Die Clips produzierten die beiden Multitalente damals noch selbst – und auch in der Bildsprache blieben sich die Beiden treu und arrangierten freche, unkonventionelle Videos, die nur wenig gemeinsam hatten mit dem, was man damals so von MTV her kannte.

Und auch wenn YELLO mit den Jahren weniger kantig und weniger experimentell wurde, so begleitete mich die Musik der Formation mein Leben lang. Vor allem faszinierten mich aber auch die Geschichten um den legendären Gerätepark von Boris Blank, der mit seinem Equipment Klanggebilde schaffte, die mich nachhaltig beeindruckt hatten. Für meinen  CASIO FZ-1 hatte ich mir die besten Sounds aus YELLO Scheiben gesampelt, um wenigstens einige der faszinierenden Bassklänge oder Percussion-Sounds in meiner eigenen Musik verwenden zu können.

Inmitten des größten Hypes um die Reanimation analoger Klangerzeuger, wo die Frage „digital oder analog“ hier im Forum fast schon einen Glaubenskrieg auslöst, erfuhr ich davon, dass Boris Blank, eben mein persönlicher Hardware-Guru, sich von all seinen Gerätschaften entledigt hatte und komplett auf Software und Plug-ins umgestiegen war.  Schock!?

Von da ab stand fest: AMAZONA.de sollte sein Interview bekommen mit Boris Blank – und gedacht und geplant … ein halbes Jahr später war alles arrangiert und ich bestieg den Flieger nach Zürich.

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    Coin AHU

    Es ist immer wieder interessant von Leuten zu
    hören/lesen, die etwas anpacken und es dann läuft.
    Wahrscheinlich leben wir, was Erfolg im (Musik)business angeht
    in einer schwierigen Zeit, aber solche Artikel geben
    auch irgendwo im innersten Hoffnung.
    Hoffnung das es irgendwann bei einem selbst doch auch mal läuft.
    Danke für den schönen Artikel. Ich freue mich auf die Fortsetzung.

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      pmm AHU

      Bin ganz Deiner Meinung Toby, YELLO sind tiptop. Klasse Interview, freue mich auf Teil 2 und vor allem auf das Konzert im November. ,)

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        TobyB RED

        Hallo Peter,

        ich denke da kannst dich auf ein Ereignis freuen. Ich habe Dieter Meier mit zwei Gitarristen schon im Mousonturm zu FFM erlebt. Anlässlich der TOUCH VÖ. Das war grosses Kino. Bostich unplugged funktioniert. Auch die Tracks mit Heidi Happy in Form von Visuals. Und bei den Interviewpassagen mit Werner Reinke hab ich köstlich gelacht. Und Boris Blank Solo Electrified ist einfach wie ein langer akustischer Hörfilm. Was ich an Yello mag, ist das Genre übergreifende Repertoire und eine überzeugende Wahl von Gastkünstlern, Shirley Bassey, Till Brönner, Heidi Happy. Und auch den Mut sich von anderen remixen zu lassen, Hands on Yello.

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    gaffer AHU

    Boris ist super. Ich weiss, ich ecke damit bei vielen hier im Forum an, aber ein Blank ist meilenweit z.B. vor der sog. Berliner Schule oder dem Sohn dieses Schiwago Filmmusikers. Eine Ausnahme ist für mich Schulze, gehört musikalisch oft auch zu den von mir weniger geliebten, aber der hat’s drauf. Produziert Ideal und hat ungewöhliche Kooperationen.

    Fröse hatte eine musikalische Ausbildung, wäre aber von Ralph Records niemals genommen worden. Hier Humor (Blank), da (überflüssige) Ernsthaftigkeit.

    Dass Blank Moroder nennt, finde ich auch bemerkenswert. Der Typ wird meiner bescheidenen Meinung nach grob unterschätzt. Er spielte eine Riesenrolle Ende der 70er und Anfang 80er. Genauso wie sein damaliger Kumpel Faltermeyer. Kraftwerk, brauchen wir nicht drüber reden.

    Yello hat zwar vielleicht keinen grossen Erfolg mehr, aber sowohl optisch als auch akustisch sind sie immer noch ein Highlight. Höre ich deren neue Aufnahmen auf dem Kopfhörer, bin ich immer noch komplett platt. Blank weiss ganz genau, wo der Hase läuft, da kann er noch so sehr mit seinem Dilletantismus kokketieren.

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      TobyB RED

      Hallo Gaffer,

      ich denke das hängt mit der Rolle Moroders zusammen, er hat nun nachdem er seine Münchner Zeit beendete, in Hollywood vorrangig als Produzent auf sich aufmerksam gemacht und weniger als Künstler. Yello haben ja eher mit Kollaborationen und Konzeptkunst „brilliert“ . Zum anderen ist Moroder eigentlich schon im „Ruhestand“ und erst seit den Electronic Beats und RB Music Academy 2013 in Wien im „Unruhestand. Für mich sind beide Antipoden. Yello eher Club, später Rave und Moroder erst Subkultur und dann Disco. Moroder gab der Disco den Sequenzerlauf und Yello Breitwandhörbilder. Wobei werkkritisch betrachtet vermisse ich an Moroder die Entwicklung. Bei Yello gehts in hingegen immer vorwärts. Selbst beim Blank Solo Electrified habe nicht den Eindruck, dass so bei Yello gehört zu haben. Generell sind Blank/Meier Meister des Absurden. Im positiven Sinne. Sowohl bei Texten als auch Sounds und Performance.

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    Kyotonic AHU

    Neben Being Boiled war Domngo damals der Kracher auf der Tanzfläche. Ich hätte mir mehr Domingo von Yello gewünscht aber das ausscheiden von Carlos Perón hat den Industrial-Sound rausgenommen. Trotzdem ist der Sound von Boris geil.

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    Wellenstrom ••••

    Boris Blank – ein gutes Beispiel dafür, dass die Fähigkeiten zur Klangkonstruktion oftmals wichtiger sind als musiktheoretisches Gedöns, Kompositionslehre und großartige Spieltechnik am Instrument. Es reicht oftmals, einfach die Antennen auszufahren, der Intuition zu folgen und in den Klangkosmos einzutauchen.
    @ gaffer
    ich glaube, Moroder ist nie unterschätzt worden. Hat Millionenseller gehabt, den Oscar für ’nen guten Soundtrack eingeheimst, konnte im Prinzip mit wirklich interessanten Musikern arbeiten (Blondie „Call me“, Japan „Life in Tokyo“, Album mit Phil Oakey usw.) , seine Produktionen mit Donna Summer haben viele andere Musiker inspiriert. Flops hat er allerdings auch einige produziert…. manchmal berechtigt, manchmal unberechtigt.

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      0gravity

      Blanks Klänge sind „Ganz großes Kino“. Sowohl im übertragenen als auch im wörtlichen Sinne.
      In meiner Erinnerung war schon „You Gotta Say Yes To Another Excess“ ein großer kommerzieller Erfolg. Die Videos zu den Songs „I Love You“ und „Lost Again“ liefen bei MTV rauf und runter.

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    iggy_pop AHU

    Hat’s ja doch noch geklappt.
    Schön zu lesen, ich bin gespannt auf den zweiten Teil.
    Rote Fabrik nicht bekannt? „Züri brännt!“ zu Beginn der 1980er Jahre? Rechtsfreier Raum? Anarchie? Der Alptraum (nicht nur) des Zürcher Bürgertums.

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    Kyotonic AHU

    Je spießiger und leiser das Umfeld, um so mehr konturiert sich das Kreative im Kopf. :) Was Boris und andere Klangdesigner wie Persing ausmachen, ist es den Sound zu erfassen und zu wissen wenn er im Hirn klingelt. Es gibt Presets an verschiedenen Synthis, denen ich nie Beachtung geschenkt habe, nur weil ich nie „die eine“ richtige Taste gedrückt habe. Genau deswegen ist es auch scheißegal womit du Sounds machst. Du musst nur das Geschaffene erkennen und weiterentwickeln können. Deswegen gibt es „Genres“, die im Prinzip nichts anderes sind wie Kochrezepte. Wenn ein Künstler es schafft genreübergreifend seinen Stil zu entwickeln, dann heisst er z.B. Yello. Natürlich war das damals eine besondere Zeit und die Ohren waren noch nicht so verdorben wie heute. Wenn ich Boris wäre, dann würde ich alle alten Samples löschen und in eine Wagenburg ziehen, nur um zu schauen was die neue/jetzige Perspektive ist. :D

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    AQ AHU

    Der Boris Blank ist für Klangtüftler schon eine grosse Inspiration. Zur Zeit der Roten Fabrick in Zürich war ich der Meinung, dass da nur die linksextremen Spinner sind. Viel zu spät habe ich realisiert, dass ich damit falsch gelegen habe und so auch auf die Möglichkeit verzichtet hatte ein paar coole und innovative Typen kennen zu lernen…
    Heute gehöre ich zu denen die Wein von Dieter Meier trinken (den macht er selber in Argentinien – einfach mal googeln). Boris Blank dagegen ist seit vielen Jahren ein Begleiter auf all meinen Abspielgeräten. Für alle die noch etwas Kleingeld übrig haben, wäre übrigens der Fairlight CMI III von Boris käuflich zu erwerben. Hier der Link dazu:
    https://www.ricardo.ch/kaufen/musik-und-musikinstrumente/studioequipment/recording/fairlight-cmi-iii-von-yello-boris-blank/v/an823124294/

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    psv-ddv •••

    Top!! Danke für das wunderbare Interview, Peter.
    Journalismus hin oder her, so kann das nur Jemand führen der mit echter Leidenschaft dabei ist.
    Ich freue mich riesig auf den zweiten Teil!

  12. Profilbild
    Kosh ••••

    als riesiger yello-fan habe ich mich sehr über das interview gefreut und freue mich auch auf die fortsetzung(en). aber „klang-architekt einstürzender neubauten“? ernsthaft? die einzige überschrift, die mir so spontan einfällt, die noch unpassender wäre, wäre „steck deinen kopf in ein schwein“…

    • Profilbild
      iggy_pop AHU

      Unter „Klang-Architekt einstürzender Neubauten“ hätte ich ein Interview mit Alex Hacke oder FM Einheit erwartet — der Zusammenhang zwischen Boris Blank und Blixa Bargeld will mir (außer den Initialen) nicht unbedingt einleuchten.

  13. Profilbild
    Yogie Smith

    Die Anfänge von YELLO bzw TRANCEONIC kenne ich aber ein wenig anders Herr Peter Grandl sie sollten mal ein wenig besser recherchieren.

    Sie sollten mal von
    „Carlos Perón Elektroshaman: Entrevista biográfica de Sven Fechner“
    lesen damit Sie die Anfänge von Yello auch richtig wieder geben.

    (Link gekürzt. Bitte nur Kurzlinks verwenden)

    • Profilbild
      AQ AHU

      Wenn Du die Version von Dieter Meier hörst, tönt es noch einmal anders. Na und? Hier ist die Geschichte von Boris Blank und das ist so voll OK. Die eigene Wahrnehmung ist das was zählt und die kann gar nicht be jedem gleich sein. Danke Peter – vielleicht kriegst Du ja mal eine „Audienz“ bei Dieter Meier (auf seinem Weingut in Argentinien ;-)

  14. Profilbild
    sEIGu

    Danke für das Interview.

    BB ist und bleibt für mich DER Atmosphärenkönig am Fairlight. Schade, dass er die Kiste dann auch in den Ruhestand geschoben hat.

  15. Profilbild
    mb-music

    Danke für das Interview! War sehr interessant zu lesen! Freue mich auch auf den zweiten Teil!
    Was hat Boris Blank da im Rack rechts im Bild? Kurzweil K2500R? Roland JV-2080? Was ist über dem Kurzweil K?
    Nur aus reiner Neugier gefragt. Nicht, dass ich mir dann genau diese Geräte kaufen möchte und mir sicher wäre, dass ich dann deswegen sofort genauso erfolgreich wäre. ^^;-) Geräte, die Ähnliches können, habe ich schon. Ja, dann eben die falschen – werdet ihr jetzt sagen. Nee, ich denke nicht, dass es daran liegt. ^^;-) Es liegt wohl daran, dass ich zu wenig selbst sample. ;-)))

    • Profilbild
      mb-music

      > Was ist über dem Kurzweil K?

      Ich denke, ich hab’s jetzt:

      Zwei Stück UREI / UNIVERSAL AUDIO LA-4 COMPRESSOR / LIMITER nebeneinander.

      Tja, so etwas habe ich tatsächlich nicht – zumindest nicht analog. ^^;-)

    • Profilbild
      mb-music

      > Kurzweil K2500R?

      Jetzt sehe ich auch, dass es ein K2000R V2 mit eingebauter Sample-Option ist. Kurzweil-Kenner mögen mich berichtigen, falls ich nicht ganz richtig damit liege.

  16. Profilbild
    Onkel Sigi RED

    Spannendes Interview, bin ja ein großer Bewunderer von „Yello“. Schon interessant, wie unverkrampft Boris Blank seine musikalische Karriere begonnen hat. Er hat einfach ausprobiert und nicht vorher irgendeine dämliche „Marktforschung“ betrieben, was der „Markt“ so hören will.

    Musikalische Grüße

    Onkel Sigi

    • Profilbild
      iggy_pop AHU

      Zu dem Zeitpunkt konnte man sowas auch noch machen, weil es noch Nischen zu besetzen gab, gerade, wenn man aus einer musikalisch doch eher exotischen Gegend kommt (Zürich war vor Yello nicht wirklich bekannt für seinen musikalischen Output).
      In Zeiten, wo jeder Eumel seine Knöpfchendrückerei irgendwo ins Internet stellen kann, wird es schon deutlich schwerer, sich Gehör zu verschaffen.
      In Zeiten, in denen Buchhalter den Kulturbetrieb übernommen haben, braucht man es eigentlich erst gar nicht mehr versuchen.

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        polyaural ••••

        Ich glaube, es ist zu jeder Zeit schwierig. Nur jedes mal anders schwierig. Meiner banalen Meinung nach hat es etwas mit Qualität zu tun, mit Einfallsreichtum, mit Ausdauer und mit wirklicher Kreativität. Der „Kulturbetrieb“ stand zu jeder beliebigen Zeit immer nur einigen wenigen Auserwählten offen. Alle anderen mussten sich immer ihren eigenen Kulturbetrieb schaffen. Und auch das „Gehör verschaffen“ war immer schwierig. Damals brauchte man einen „Plattenvertrag“ oder eine Eigenpresssung, und heute muss man sich in Soundcloud & Co. den Teich mit einer gefühlten Trilliarden Fehlzündungen teilen. Wie gesagt, schwer war und ist es immer. Selbst für die Boris Blanks unter den Homerecordern …

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