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Interview: Reinhold Heil, Teil 1


Von Nina Hagen bis Nena.

 

Es war ein bewölkter Tag im Januar 2013, als Selcuk Torun und ich uns nach Downtown LA wagten, um dort Reinhold Heil zu interviewen. Aktuell mag der Name Reinhold Heil nur noch wenigen etwas sagen, aber Reinhold, 54er Jahrgang, hat einen bewegten und abwechslungsreichen Lebensweg hinter sich wie kaum ein anderer.

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Als Produzent und Bandmitglied begleitete er in den 70ern und 80ern Bands wie Nina Hagen, Spliff, Cosa Rosa und schließlich Nena, die er gemeinsam mit seinem damaligen Bandkollegen Manfred Präker 1982 entdeckte.

Reinhold Heil mit der Nina Hagen Band 1979 (Foto mit freundlicher Genehmigung von Jim Rakete)

Reinhold Heil mit der Nina Hagen Band 1979 (Foto mit freundlicher Genehmigung von Jim Rakete)

Und plötzlich Ende der 90er der Bruch und Neuanfang als Filmkomponist, den es schließlich nach USA verschlug und der zum Haus- und Hof-Komponisten von Tom Tykwer wurde, u.a. für Filme seiner Kinoerfolge wie LOLA RENNT, DAS PARFÜM und zuletzt CLOUD ATLAS.

Spannend genug also, um sich viel Zeit zu nehmen und Reinhold Heil in Los Angeles zu besuchen. Anders als seine Kollegen, die zum Großteil im aufpolierten SANTA MONICA neben exklusiven Einkaufsboutiquen gastieren, hat sich Reinhold ein altes Fabrikgebäude in Downtown LA gemietet und zum kreativen Studio-Loft umgebaut.

Mitten im gefährlichsten Viertel der Stadt, wo unzählige „Homeless People“ unter Zeltplanen aus Plastiktüten leben und Bandenkriege an der Tagesordnung sind. Also jenem Teil der Stadt, vor dem Reiseführer eindringlich warnen. Dazu übrigens Reinhold: „Ja, aber im Ernst: Die Gentrifikation des Arts Districts ist seit Jahren im vollen Gange und die Homeless People haben doch mehr Angst vor uns als wir vor ihnen.“

Trotzdem war uns mulmig zu Mute, als wir nach einer gefühlten Abenteuerreise in einen anderen Kulturkreis schließlich unser Ziel erreichten. Umgeben von einer hohen Mauer fanden wir schließlich den Eingang zu Reinholds Gebäudekomplex, der von außen eher unscheinbar wirkte. Noch während wir darauf warteten, dass uns jemand Einlass gewährt, steuerte eine Gruppe „Schwarzer“ auf uns zu. Ich weiß, dafür gibt es politisch korrektere Bezeichnungen, aber an jenem Ort in jenem Viertel denkst du keine Sekunde über politisch korrekte Bezeichnungen nach, wenn außer Dir und dieser Gang kein Mensch weit und breit zu sehen ist. Da laufen zahlreiche Szenen einschlägiger Spielfilme ab und man sieht sich schon als Schlagzeile in einem Boulevard-Blatt enden.

Mit federndem Hüften und ausladenden Bewegungen blieb die Gang schließlich vor uns stehen – und wie aus dem Klischee-Textbuch-für-schwarze-Gangs „Jo, was geht Mann?“ läuten sie just an der selben Pforte wie wir. Glück gehabt – keine Gang – eine Band, HipHop vermutlich. Wieder eine Lektion gelernt, wieder einen Schubladen entleert und ersatzlos gestrichen.

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    Marius Seifferth AHU

    Was!? Und dann hört es einfach auf Seite 5 auf!? Was!? Bis nächsten Samstag warten!? Oh man, oh man… Danke für den bisherigen ersten teil, bin auf den zweiten schon gespannt wie ein Flitzebogen!

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    Henrik Fisch

    *stöhn* Eine Woche warten, bis man weiß, wie es weiter geht? Das ist ja wie beim einem Cliffhaner bei »Raumschiff Voyager«. Auf jeden Fall vielen herzlichen Dank für das Interview … ich meine … ein Viertel meiner Jugendhelden (ich -> totaler »Spliff«-Fan; ich -> nix »Nina Hagen«). Whoa! Danke Peter! :-)

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    mhagen1 ••

    Endlich! Mein Keyboard-Hero der 80er im Interview! Suuuper! Hoffentlich kommt noch mehr über SPLIFF! Die RADIO SHOW höre ich heute noch regelmäßig! Genial produziert, super Sound, tolle Mix-Tricks (We are producers – turning all the knobs that move the music scene). Das Mini-Frisbee aus dem Spliff-Konzert von 1983 hängt heute noch an der Wand in meinem Homestudio. Ein bisschen pubertäre Schwärmerei sei mir auch im fortgeschrittenen Alter erlaubt :-)

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      Hans-Peter Wagner

      Haha, das Schwärmen sei Dir erlaubt und ich schwärm gern noch mit. Spliff begleitet mich nach wie vor und Songs wie Radio, Rosalie, Blech, Dejavu…. hör ich mir noch immer gern an.

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      Henrik Fisch

      In dem Zusammenhang möchte ich gerne auch auf Herwig Mitteregger hinweisen … die Lieder von Ihm – »Deja Vu«, »Glaspalast«, »Kalt wie’n Stein«, »Rudi«, überhaupt die ganze »Kein Mut, kein Mädchen«, alleine schon dieser Albumtitel – haben wirklich meine Jugend geprägt. Wohnt er nicht sogar in Hamburg?

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      moogist

      Eine Frage beschäftigt: Wenn Peter und Selcuk im Januar 2013 Reinhold Heil besucht und interviewt haben, warum erscheint das Interview erst jetzt – knapp ein Jahr später? Manche Aussagen könnten nun nicht mehr ganz aktuell sein…

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        Tyrell RED

        Wir haben in LA 6 Filmkomponisten interviewt und nach und nach die Interviews im Laufe des Jahres „abgefeiert“. Das Material mit Reinhold war dabei am umfangreichsten, deshalb der später VÖ. :-)

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    micromoog AHU

    Ja der Reinhold war der Held meiner Jugend. Kann mich noch gut an das letzte Spliff-konzert der „Schwarz auf Weiss“-Tour im Dezember 1984 in Freiburg erinnern. Mit Curt Cress an den Drums.
    Man war das genial! Leider war die damalige Stadthalle nur 1/4 gefüllt und das Ende von Spliff vorprogrammiert…wirklich schade!

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    Murano

    Reinhold Heil ist für mich einer der fähigsten Produzenten überhaupt. Am interessantesten finde ich Cosa Rosa. Dass es „Traumstation“ bis heute nicht als CD gibt ist eigentlich ein Skandal – das Miteinander von analoger und FM-Synthese plus die Voices von Rosa Precht sind der Hammer!Auch „Kein Zufall“ und „Cosa Rosa“ sind starke Alben.

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    Balduin

    Kult pur … Manomann und was waren wir damals noch jung …
    Hab mal eben die alte Keyboards (09.85) rausgekramt: Interview mit Cosa Rosa, Reinhold Heil …

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