Interview: Carolina Eyck , Master of Theremin

Carolina Eyck

TobyFB:
Bei der Recherche bin unter anderem auf folgende Einspielung von dir gestoßen, Ennio Morricone – The Ecstasy of Gold – theremin & voice. An der Stelle hätte man ja eher mit dem Star Trek Thema von Alexander Courage rechnen können? Oder doch eher Ennio Morricone?

Carolina:
Die Melodie von The Ecstasy of Gold ist wie gemacht für das Theremin. Vielleicht eignet sie sich für das Theremin sogar besser als für die Stimme.

Star Trek ist der Klassiker. Dabei ist das Original gar nicht mit dem Theremin gespielt, auch wenn es oft mit dem Theremin assoziiert wird. Ich wollte lieber mal was Neues spielen.

TobyFB:
Neben deinem klassischen Repertoire findet man auch immer wieder Jazz Standards und Klassiker, wie Autumn Leave oder My Funny Valentine. Wie entscheidest du, ob ein Stück für dich und das Theremin geeignet ist?

Carolina:
Es muss mir gefallen. Ich schaue außerdem, ob die Melodie nicht zu große Sprünge hat – einige Tonfolgen eignen sich einfach besser für das Theremin als andere.

TobyFB:
Man sieht und hört in deinen Musik-Videos schon den Einsatz von Loopern und anderen Geräten. In der elektronischen Musik ist das ja gängige Praxis. Setzt du FX-Geräte eher als Ergänzung ein oder würdest du gerne auf sie verzichten können? Im Jazz auch, wie sehen das die Klassiker?

Carolina:
Verzichten auf gar keinen Fall – die Effektgeräte bringen zusätzliche Farben und Gestaltungsmöglichkeiten. Sie geben dem Theremin-Klang eine Tiefe und Vielfalt, die ansonsten nicht erreicht werden könnte. Ich hoffe, dass die „Klassiker“ das auch als Bereicherung sehen.

TobyFB:
In der elektronischen Musik kennen wir ja die Spezies „Einzelheinz“, der alles alleine macht. Wie wichtig sind dir Kollaborationen und der Austausch mit anderen Künstlern?

Carolina:
Der Austausch mit anderen Künstlern ist mir sehr wichtig, weil jeder musikalische Kontakt, jedes neue Instrument und auch jeder Musiker selbst – geprägt durch eine ganz individuelle künstlerische Biografie – eine ganz eigene Klangwelt mit sich bringt. Das bereichert mich sehr, ich bekomme dadurch viele neue Ideen und Inspirationen für das eigene Spiel.

Carolina Eyck

TobyFB:
Die vorherige Frage kam ja nicht ohne Bezug, ich hatte hier eine Zusammenarbeit mit Markus Leicht gefunden, Theremin and Synths with Carolina Eyck. Wie kam es dazu?

Carolina:
Wir haben uns bei einem Konzert kennengelernt und festgestellt, dass unsere Instrumente und Improvisationsstile gut zusammenpassen. Wir haben uns dann später mehrmals bei mir in Leipzig getroffen und verschiedenste Sachen ausprobiert, das hat viel Spaß gemacht.

TobyFB:
Was macht Carolina, wenn sie nicht Theremin spielt oder probt?

Carolina:
Sie bespricht mit ihrem Manager oder Freunden ihre Projekte und Konzertreisen. Das nimmt wirklich viel Zeit ein, zum Beispiel gerade so ein Projekt wie das neue Theremin Lehrbuch – eine unendliche Geschichte!

Ich schaue auch gerne einfach nur meinen Hasen beim Fressen und Spielen zu. Sehr wichtig sind mir schöne Begegnungen und tiefsinnige Gespräche mit Freunden.

Forum
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    wellenstrom

    Ja, die junge Dame trägt durchaus eine Menge dazu bei, das Theremin aus seinem Dornröschenschlaf der musikalischen Belanglosigkeit herauszukatapultieren. So allmählich findet das Instrument seinen eigenen Platz in E- und U-Musik, wird ernster genommen und verliert seinen Kuriositäten- und Nerdstatus. Frau Eyck hat da einen wirklich großen Verdienst daran.

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      arving

      Die Formulierung von der „musikalischen Belanglosigkeit“ halte ich für ein bischen gewagt, wenn man bedenkt, dass bereits Schostakowitsch das Instrument einsetzte. Es gibt sogar eine Oscarprämierte Filmmusik („Ich kämpfe um Dich“ von Hitchcock). Bin kein Experte, nurmal so als Anmerkung. Peace :-)

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        wellenstrom

        Ja, nee… alles richtig. Aber das Theremin fristet schon ein Nischendasein und gilt in der allgemeinen Wahrnehmung doch als freakiges Instrument, wird nach wie vor wenig verwendet und allzu viele Kompositionen, in denen das Instrument spezielle Berücksichtigung findet, gab/gibt es dafür immer noch nicht.
        In „Ich kämpfe um Dich“ wurde dieses Instrument ja gerade deswegen gewählt, weil es für die damaligen Hörgewohnheiten absolut freakig klang und es auch in diesem Sinne verwendet wurde. Zitat aus Wikipedia: „Prägnanter Kontrast ist der Einsatz des Theremins, das den Ängsten und Identitätskrisen der Protagonisten eine andersweltlich-entrückte Aura verleihe.“ Hitchcock war da übrigens sehr offen in dieser Hinsicht. Siehe Trautoniumeinsatz für „Die Vögel“.
        Auf YT siehst du z.B. Szenen darüber, wie das Theremin in alten Fernsehsendungen (bis in die 90er rein) mal auftaucht und auch da noch als Exot dargestellt wird.
        Wenn du mal die Stücke von Carolina Eyck hörst auf YT, Pop-Songs von Dorit Chrysler, dann sieht man schon, dass dieses Instrument durchaus Berechtigung hat, breiter aufgestellt zu sein – und organisch in diversen Arrangements unterzubringen ist. Das war mal anders.
        Bin da wahrlich auch kein Experte. Die o.g. Damen haben schon seit einiger Zeit mein Interesse an dem Instrument geweckt.
        Wie irrelevant das Theremin ja (leider) bis heute ist, sieht man auch gut daran, wie wenig Leute es professionell spielen und dass es kaum unterrichtet wird irgendwo.

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          arving

          So irrelevant scheint das Theremin aber doch nicht zu sein, denn Du kannst es beim MS (als „Theremini“ sogar „Topseller“, was auch immer das bedeutet) oder T jederzeit kaufen. Auch ein Doepfer Modul gibt es. Im Wikiartikel gibt es einen breiten Abschnitt zum Thema „Heutige Verwendung“. Irrelevant und pauschalisierend sind – für mich persönlich – Einstufungen, die mit „Allgemeiner Wahrnehmung“ begründet werden, Das würde dann z.B. auch für die Musik Stockhausens gelten. Aber ich verstehe natürlich was Du damit meinst und will hier auch beileibe keinen Nebenkriegsschauplatz eröffnen, Ich habe nur was gegen Pauschalkategorisierungen. Nochmal Peace :-))

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            wellenstrom

            Ja, nee, ich neige gerne mal zu Übertreibungen. So stößt man Diskussionen an.
            Ja, das Theremini…. denke auch darüber nach, mir das mal anzuschaffen. Ein Verkaufsschlager – aber auch, weil damit ein neues Image geschaffen wurde, eigentlich sogar ein neues, eigenständiges Instrument – Klangerzeugung eines Synthesizers, der über die Klangeigenschaften und Handling eines gewöhnlichen Theremins hinausgeht, (Retro)futuristische Optik. M.E. ein kleiner Geniestreich. Das kleine i macht da schon einen Unterschied für die Verbreitung. ;-)
            Wage aber zu behaupten, dass da die Geargier bei einigen Käufern größer ist, als dann die langfristige und ernsthaft betriebene Verwendung des Instruments. Der Anreiz, sich so’n Dingen für ’nen Tischhupenpreis zuzulegen, ist nun mal groß.
            Naja, das Werk eines Komponisten mit einem Instrument zu vergleichen ist schon schwierig.
            Stockhausen ist ja Nische geblieben und beschränkt sich im Prinzip auf experimentelle Musik. Aber wenn du den Vergleich anstrebst,jo, dann sieht man ja auch hier eine Erweiterung und Popularisierung – über seine Schüler – die dann ja auch Marken setzen konnten z.B. im Pop/Rock (siehe CAN – Irmin Schmidt oder Holger Czukay), elektronischen Pop und anderswo (Filmmusiken etc.)

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              arving

              Interessante Diskussion und Dein Kommentar in allen Ehren, nur -offtopic- ob Stockhausen als einer der bedeutensten Komponisten des 20. Jahrhunderts (Zitat Wiki) jetzt „Nische“ ist, sei einmal dahingestellt. Nochmal: ich denke, ich weiß was Du damit meinst, nur betritt man mit derlei vorschnellen Kategorisierungen imho schnell ziemlich dünnes Eis. Peace zum dritten :-)))

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                wellenstrom

                Natürlich ist Stockhausen in vielerlei Hinsicht Nische. Der Einfluss eines Komponisten hat doch nichts bis wenig zu tun mit dem Grad der allgemeinen Bekanntheit. Sein Werk wird nicht annähernd in dem Maße aufgeführt, wie die Werke der Klassiker, sind allgemein weniger bekannt und auch kommerziell nicht in dem Maße erfolgreich.
                Das ist nicht abwertend gemeint – insofern stehe ich da nicht mal auf – wie auch immer beschaffenem Eis – Stockhausen ist so wenig populär als Komponist wie – in diesem Fall (mit dem Vergleich kamst du – nicht ich) das Theremin als Instrument in seiner Verwendung der Aufführung und Komposition.
                Und das Theremini (das kein Theremin ist, sondern ein Ableger, der leichter zu bedienen ist und einige andere Merkmale aufweist) als Verkaufsschlager beim MusicStore als Beleg für seine Relevanz anzuführen, ist auch zu kurz gesprungen. Das ist schonmal ein Weg, der sich da bahnen kann. Mehr erstmal noch nicht. Sehe das Dingen noch selten auf der Bühne oder eingesetzt in bekannten Studioaufnahmen. Auch Tischhupen von Casio verkaufen sich tausendfach…. dennoch haben sie keine Relevanz in Komposition und Aufführung im öffentlichen Raum. Mit Musikerinnen wie Eyck oder Chrysler tut sich da aber mittlerweile etwas, weil sie sich eben gezielt außerhalb dieser NISCHE bewegen.

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                  arving

                  Mir scheint, wir reden hier aneinander vorbei. Du führst Kriterien wie Bekanntheitsgrad, Anzahl der Aufführungen und kommerzieller Erfolg an und leitest daraus „Nische“ ab. Für sich genommen erscheint das auf den ersten Blick sogar nicht unplausibel. Nur sagt das aber über die Bedeutung, die Stockhausen als Komponist hat und die unbestritten sein dürfte, nichts aus. Allein seine grundlegenden Untersuchungen im Bereich neuer Komposition, z.B. seinen Aufsatz „WIe die Zeit vergeht“ galten/gelten als bahnbrechend. Ebenso seine Arbeit im Studio für elektronische Musik des WDR, anfangs zusammen mit Herbert Eimert, und später als dessen Leiter. Ich bin auch kein Experte für neue Musik, aber das ist eben das, was ich mit „dünnem Eis“ meinte.

                  P.S. Als „Beleg“ war das Theremini auch gar nicht gemeint, lediglich als Hinweis.

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                    wellenstrom

                    Die Bedeutung von Stockhausen bestreitet doch niemand. Und ich mit Sicherheit schomma gar nicht, weil ich mich z.B. durchaus daran orientiere, was seine Schüler und Rezipienten, die dann auch kreativ werden sollten, später umsetzten.
                    Anfangs schrieb ich ja, dass der Vergleich von Komponist und Instrument hinkt. Die Einzige Parallele, die ich in dem Vergleich sah, ist, dass sich BEIDE(s) außerhalb des MAINSTREAMS bewegt(en). Stockhausen ist nie Mainstream geworden, das Theremin auch nie. Vielleicht können wir uns darauf einigen.
                    Aus Stockhausens Wirken hingegen ist einiges später in den Mainstream gewandert und hat größere Bekanntheit erreicht, so wie aus dem Nischeninstrument Theremin die Ideen erwuchsen, die später zum populären Synthesizer wurden. Siehe R. Moogs Entwicklungen und Biographie.

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                      Ashatur  AHU

                      Ich muss der Welle recht geben. Jeder Mensch der TV schaut ist durchaus mit dem Klang des Theremin vertraut, dank alter Sy/ Fi und Gruselstreifen Aber da kommen wir zu dem Punkt denn kaum einer wird das Theremin wirklich als Instrument kennen. Und das liegt wohl am Mainstream der dieses Instrument eher als Kuriosität handelt das mal ein Welt der Wunder Bericht wert ist als dieses für Virtuosen geschaffene Instrument richtig zu ehren. Daher kann der Begriff belanglos schon richtig gewählt sein.

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          TobyB  RED

          Hallo Welle,

          Carolina gibt auch Unterricht, wahlweise auch per Skype :-) Ich komm mit meinen Theremini auch so klar, Fis und Gis klappen schon ganz gut und was will man mehr für einen gediegenen HighEngergy Sound ;-)

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            wellenstrom

            Jo, hab mal ’nen Thereminitrack von Dir zu hören gekriegt. Klingt gut.
            Ja, das Theremini ist ja dank der „Rasterungsmöglichkeiten“ mit Skalen für Laien auch supergut. Wäre mit dem Theremin schon schwieriger, die Sprünge so sauber hinzukriegen.

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              TobyB  RED

              Hallo Welle,

              ich würde es mit dem Theremin wohl nicht so hinbekommen, mit dem Etherwave Theremini ist das schon was anderes. Was nicht heisst das es einfach ist. Ich tue mich mit allem ausser Fis Moll und Gis Moll schwer. Derzeit erwische ich mich immer wieder das Theremini als CV Lieferant zu nutzen. Oder als USB Controller. Kann man mal machen. Wobei ich in diesem Zusammhang auf das Subharmonicon warte, dass in Verbindung mit dem Etherwave könnte spassig werden.

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    Sven Blau  

    Ihr Vater ist übrigens Jan Bilk, seineszeichens Hälfte von Servi Electronics, einer der DDR-Elektroniker-Bands. Auch heute noch aktiv, u.a. auch mit seiner Tochter Carolina.

    Alles sehr nette und liebe Menschen! :)

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      TobyB  RED

      Hallo Wasserblau,

      ich weiß, ich habe bei Zeiss Jena im Planetarien Bau gelernt und mich am Zeiss Großplenarium in Berlin am Thälmann Park ausgestobt. Jan Bilk hatte 1989 für die erste Lasershow die Musik gemacht. Ich hab noch im Regal die Servi Scheibe „Rückkehr aus Ithaka“, welche ich im Gegensatz zu anderen Elektroniker aus der DDR weniger belanglos halte. Ohne den anderen abzuwerten, die da noch gab.

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      TobyB  RED

      Hallo Son of Moog,

      stimmt und mit einem klassischen Orchester noch weniger ;-) und mit FX Sounds kommst nicht mehr weit. Aber virtuose Spieler/innen gibt es nicht viel.

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    Ralph Schloter  

    Danke für das schöne Interview! Ich habe auch mal einen kleinen Workshop bei Carolina gemacht. Seitdem bin ich ihr noch einen „Erfahrungsbericht“ über das Theremini, das ich mir daraufhin gekauft hatte, schuldig. Leider steht es meist nur rum – es ist trotz der Einstellmöglichkeit verschiedener Skalen mit Rasterung schwer zu spielen. Ein eigenständiges Instrument halt.

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    roseblood11  

    Viel getan für die Anerkennung des Theremin hat die viel zu früh verstorbene Barbara Buchholz. Schade, dass sie nicht mal erwähnt wurde.

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