Test: AKG C214, Studiomikrofon

29. April 2018

Studioklassiker fürs Projektstudio

AKG C214

Viele namhafte Hersteller haben in der Vergangenheit reine Nierenversionen ihrer Topprodukte mit umschaltbaren Richtcharakteristiken auf den Markt gebracht,  um den Sound der Legenden auch einem größeren Kundenkreis erschwinglich zu machen.  Wenn man ein Mikrofon neben dem Neumann U87 als Inbegriff des Studiomikrofons bezeichnen darf, ist es sicher mit Recht das AKG C414, das sich seit 4 Jahrzehnten einen hervorragenden ruf als Universalmikrofon verdient hat. So war es eigentlich erstaunlich, dass AKG erst jetzt 2009 mit dem C214 anbietet, eine ähnliche, aber erschwingliche Alternative anbot.

Inzwischen hat sich aber auch das AKG C214 zum Klassiker unter den Projektstudios gemausert. Aber das Beste: Seit Einführung vor 9 Jahren, hat sich der Preis fast halbiert. Also Grund genug, dass AKG C214 nochmals in den Fokus Eurer Aufmerksamkeit zu rücken.

Geschichte

Die Erfolgsgeschichte der AKG C414 Familie geht bis ins Jahr 1962 zurück, als AKG im unverwechselbaren Look des AKG C414 das C12A herausbrachte. 1971 folgte dann das erste auch so genannte C414 in Transistortechnik. Seitdem wurde das AKG C414 ständig überarbeitet. Wenn man vom typischen 414 Sound spricht, sollte man wissen, dass es immer gleichzeitig verschiedene Versionen mit unterschiedlichen Kapseln und mit und ohne Übertrager gab. Eine der beiden Versionen zeichnete sich durch einen extrem neutralen Klang aus, die andere verfügte über eine bewusste Präsenzbetonung, um Soloinstrumenten zu mehr Durchsetzungsvermögen zu verhelfen. Allen Modellen gemeinsam ist eine 1“ Kapsel und die in fünf Stufen variable Richtcharakteristik. Aktuell heißen die Modelle C414 B-XLS und C414 B-XL II.  Dem Frequenzgang nach stand das B XL II für das C214 Pate.

Das Multitalent

Bei Großmembranmikrofonen denkt man häufig primär an Gesangsaufnahmen. Weit gefehlt beim C414 und C214. Wirft man einen Blick auf die technischen Daten, fallen sofort ein paar herausragende Qualitäten ins Auge: Das Eigenrauschen gehört mit zu dem geringsten, das auf dem Markt zu finden ist, und der maximale Schalldruck zum höchsten. 156dB sind ein Wert, der das Mikrofon für die lautesten Instrumente qualifiziert. Selbst eine Bassdrum oder Snare dürften dem Mikrofon nicht schaden, es sei denn, der Schlagzeuger trifft es mit einem Stick. Ein Neumann U87 macht  z.B. schon bei 127dB schlapp. Auf der anderen Seite ist das Rauschen so gering, dass es selbst bei leisesten Geräuschen oder Instrumenten unhörbar bleiben dürfte.  Diese Mikrofone sind daher auch im Jazz- unk Klassikbereich sehr beliebt. Die eigenständige Gehäuseform hat ebenfalls erheblichen Einfluss auf die Vielseitigkeit der AKG C414 Familie.

Mit für Großmembranmikrofonen typischen Gehäusen wie dem des Neumann U87 kommt man nicht an jede Schallquelle dicht genug ran. Bei der Aufnahme von Gitarrenboxen ist damit der Abstand von der Lautsprechermembran zur Mikrofonkapsel immer deutlich größer als z.B bei der Verwendung eines SM57. Der Abstand prägt zum einen den Sound, je dichter man an den Lautsprecher geht, umso direkter und kräftiger wird die Tieftonabbildung, und zum anderen ist er bei der gleichzeitigen Verwendung mehrerer Mikrofone wichtig, da unterschiedliche Abstände zu Laufzeitdifferenzen und somit zu Kammfiltereffekten führen. Dank seiner Gehäuseform kann man das AKG C214 z.B. prima in Kombination mit dynamischen Mikrofonen zum Abnehmen von Gitarrenboxen verwenden. Auf die Frage nach dem Lieblings-Overheadmikrofon wird man ohne Zögern von mindestens 9 von 10 Befragten ein AKG C414 genannt bekommen.

AKG C214

Trotz all diese Lobpreisungen als Schweizer Messer der Großmembranmikrofone soll nun aber nicht unter den Tisch gekehrt werden, welch gute Figur das C214 als Gesangsmikrofon macht. Jeder Sänger, den ich in den letzten Wochen das AKG C214 ausprobieren ließ, empfand seine eigene Stimme sofort als sehr natürlich und angenehm abgebildet. Man kann den Sound als offen und rund ohne jede Schärfe beschreiben. Auch bei extremen EQ- und Kompressoreinstellungen werden keine bis dahin verdeckten Verzerrungen hörbar. Dieses Urteil hat mich wenig überrascht. Kein anderes Mikrofon meiner Sammlung lieferte mir öfter trotz unterschiedlichster Stimmen und Musikstile ein überzeugendes Ergebnis als meine geliebten AKG C414. Bei allen anderen Mikrofonen, die ich besitze, stellte sich häufiger die Frage, ob das jeweilige Mikrofon zur Stimme des Sängers passt. Es gibt durchaus Mikros, die eher Männer- oder Frauenstimmen gerecht werden, oder welche, die weichen Stimmen erst die nötige Durchsetzungsfähigkeit verleihen, aber dafür bei anderen Stimmen unangenehm schrill klingen. Das AKG C214 verhält sich in Bezug auf derartige Vorlieben recht neutral.

AKG C214

Bei allen Lobpreisungen, die gleichermaßen dem AKG C14 und seinen großen Bruder gelten, bleibt für mich nur ein einziger kleiner Wermutstropfen: leider ist der Lowcut des AKG C214 mit 160Hz überraschend hoch ausgelegt. Zur Kompensation des Nahbesprechungseffekts mag das zwar messtechnisch richtig sein, zur Unterdrückung von Trittschall ohne das Nutzsignal zu beeinträchtigen aber nicht.  Das C414 ist diesbezüglich mit drei schaltbaren Frequenzen wesentlich flexibler.

Ebenso eigen wie die Form des Gehäuses ist auch die zum Lieferumfang gehörende Mikrofonspinne. An der Funktion gibt es nichts zu tadeln. Das Einsetzen des Mikrofons geht schnell und sicher – und was leider nicht selbstverständlich ist, ohne das Mikrofon zu zerkratzen. Nur das Design vermag mich wenig zu begeistern. So ein Stück Plastik macht wenig her im Vergleich zur Augenweide des schlichten Industriedesigns der Aufhängung von Brauner Mikrofonen oder den mächtigen Spinnen von Neumann.

 

Fazit

Ich kann den Kauf eines AKG C214 jedem, der auf umschaltbare Richtcharakteristiken verzichten kann, ohne Einschränkungen empfehlen. Für nur unwesentlich mehr Geld als man für fernöstliche Billigmikrofone bezahlt, bekommt man hier die realistische Chance auf eine wertstabile Liebe fürs Leben. Dass C214 und C414 B-XLII nahezu gleich klingen, dürfte für alle, die nach dem Kauf des C214 Fans des AKG Sounds geworden sind und mit einem Stereopärchen liebäugeln, interessant sein, da mit der  Kombination C214/C414 auch MS Stereophonie möglich ist. Ich bin gespannt,  ob demnächst auch eine C214 Version mit weicherem Klang entsprechend dem C414 B-XLS erscheint. Da der große Bruder, daß C414 auch live ein sehr begehrtes Overheadmikrofon ist, habe ich diesen Test auch in die PA Zone eingeordnet.

Plus

  • Klang
  • Preis
  • Flexibilität

Preis

  • Ladenpreis: 274,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    zm33

    Hat nicht direkt etwas mit dem Artikel zu tun, ich sehe aber keine andere Möglichkeit einen Wunsch zu äußern.
    Ich würde es begrüßen, wenn ich einzelne Artikel in meinem User-Account speichern könnte um später wieder darauf zugreifen zu können. Also auf ein getestetes und für interessant befundenes Gerät, Workshopartikel etc.
    Ich bin einfach zu faul um eine andere Organisationsform zu finden, außerdem könnte ich auf allen Geräten jederzeit darauf zugreifen und nachlesen oder überhaupt, wenn ein Gerät benötigt wird, dann könnte ich dort nachlesen, ob mir da nicht schon einmal (bei euch) etwas aufgefallen wäre.
    Danke

    • Profilbild
      t.goldschmitz  RED

      Hallo zm33,
       
      ich handhabe das immer so (für alle möglichen Links):
      Wenn man im Browser links, direkt neben der Adresszeile klickt und hält (da wo meistens das Schlosssymbol ist) kann man den Link direkt auf den Desktop ziehen. Oder halt in einen Ordner für „interessantes“. Finde ich wesentlich sinnvoller, als ein Bookmark zu setzten, das man doch dann meistens wieder vergisst.
       
      Viele Grüße,
      T

  2. Profilbild
    Tonfänger

    Hallo Willi!

    Danke für den informativen Test des C214. Auf eines möchte ich hinweisen:

    Aufgrund der ausgeprägten Tieftonschwäche ist es kein Mikrofon für alle Einsatzgebiete, weshalb ich mich gegen einen Kauf entschieden habe.

    Laut Bedienungsanleitung (de.akg.com, PDF S. 12) setzt der Frequenzgang bereits bei 60 Hz zum Sinkflug an und fällt bei 30 Hz um ca. 9 dB ab, was beträchtlich ist.
    Angabe von AKG: Übertragungsbereich 20–20.000 Hz. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

    Für Gesangsaufnahmen ist dies natürlich ohne Bedeutung, für andere Einsatzbereiche wie Bass/Kontrabass- und Orgelaufnahmen o. ä. in vielen Fällen ein K.O.-Kriterium.

    Viele Grüße,

    Tonfänger

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