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Mikrofonaufnahmen: 9 Tipps für perfekte Mikrofonierung

27. April 2018

Damit Mikrofonaufnahmen gelingen

 

Hochwertige Aufnahmen von Gesang oder akustischen Instrumenten sind mit heutiger Technik auch bei kleinem Budget kein Problem mehr. Schon ab 100,- Euro gibt es bereits sehr gute Mikrofone und Vorverstärker. Doch selbstverständlich spielen neben einem guten Musiker noch andere Faktoren eine Rolle, um die perfekte Aufnahme „auf Band“ zu bekommen. In den folgenden Zeilen lesen Sie, was man für eine gelungene akustische Aufnahme alles beachten sollte.

Der Aufnahmeraum

Fangen wir mit dem wichtigsten Kriterium nach dem Musiker an. Der Raum, in dem aufgenommen wird, ist von essentieller Bedeutung für den späteren Klang einer Aufnahme. Zunächst spielen die Umgebungsgeräusche eine große Rolle. Nach Möglichkeit sollte ein „leiser“ Raum ohne Lüftergeräusche von Computern, Heizungen, Kühlschränken und vor allem ohne Außengeräusche von Autos und Flugzeugen ausgewählt werden.

Zweitens sollte der Raum gut klingen und dementsprechend akustisch ausstaffiert sein. Ist ein solcher Raum nicht vorhanden, so kann man mit akustischen Stellwänden oder anderen Provisorien (z.B. Matratzen, Polstern), um den Musiker eine akustische Zone schaffen, die sich für Aufnahmen eignet. Eine solche Zone sollte in einem akustisch nicht optimalen Raum relativ schalltot, d.h. ohne Raumhall angelegt werden. Vergessen Sie dabei nicht Boden und/oder Decke in diesem Bereich. Dies hat den Vorteil, dass man die Aufnahme später mit einem Hall-Plug-in in den gewünschten Raum setzen kann. Falls man aus Platzgründen den lärmenden Computer nicht in einen anderen Raum stellen kann, so sollte man diesen wenigstens mit Polstern gegen einen direkten Schall in Richtung Mikrofon abschirmen. Verdecken Sie dabei aber nicht die Lüfter des Rechners!

Wir bieten hierzu übrigens eine eigene Serie an, die sich nur um den Aufnahmeraum in einem Homerecording-Studio dreht:

Ergänzend hierzu, dürfte auch die Serie zum Aufbau eines Projektstudios sehr hilfreich sein:

Das Mikrofon

Bevor man an die Auswahl des richtigen Mikrofons geht, sollte zunächst ein gutes Mikrofonkabel und ein stabiler Mikrofonständer vorhanden sein. Gute Mikrofonkabel zeichnen sich durch eine gute und dichte Abschirmung sowie verlötete Stecker und einen großen Leiterquerschnitt aus. Von den Firmen Cordial und Klotz gibt es sehr gute Kabel ab 12,- Euro. Vovox- und Monster-Kabel sind sehr teuer und nur für High-End-Anwender interessant. Von billigen Kabeln sollte man Abstand nehmen und länger als 10 m sollte ein Mikrofonkabel in einem Studio nicht sein, denn jeder Meter Kabel erhöht den elektrischen Widerstand und somit das Rauschen.

Befestigen Sie das Kabel gut am Mikrofonständer mit den beiliegenden Klemmen, so dass es während der Aufnahme nicht dagegen schlägt und vermeiden sie Kabel-Stolperfallen.

Und auch hierzu gibt es zwei interessante Artikel, zu Kabel-Knowhow, die euch bei der Wahl des richtigen Kabels weiterhelfen:

In großen Studios stehen oft verschiedene Mikrofone mit unterschiedlichen Frequenzgängen und Richtcharakteristika zur Verfügung. Die bezahlbaren Studio-Klassiker sind hier meist Neumann TLM-103, AKG C414 und Audio Technica AT4050. Sie liegen zischen 650,- und 1000,- Euro pro Stück und zeichnen sich durch sehr geringes Eigenrauschen und gleichbleibend hohe Qualität aus. Für sehr gute Homerecording-Aufnahmen sind aber auch schon weitaus günstigere Mikrofone absolut ausreichend. Wir können hier zum Beispiel dem AKG C214 für rund 250,- Euro eine absolute Empfehlung aussprechen

Ein echter Studioallrounder, das AKG C214

Eines ist jedenfalls sicher:  Equipment im Studio kommt und geht, aber in der Regel bleibt einem ein liebgewonnenes Mikrofon fast ein Leben lang und wird höchstens durch ein zweites oder sogar drittes Mikrofon ergänzt. Sehen Sie daher die Anschaffung eines Mikrofons wirklich als langfristige Investition an, Sie werden es nicht bereuen.

In den günstigen Einstiegskategorien für Studiomikrofonen ist die Auswahl übrigens groß, sehen und hören Sie sich deshalb unbedingt auch Mikrofone der Firmen Røde, AKG und Audio Technica an. Höherwertige Mikrofone der Firmen Neumann und Brauner kosten mehrere tausend Euro und sind nur für hochprofessionelle Studios interessant. Aber auch bei weniger bekannten Marken aus Fernost sind teilweise wirklich gute Mikrofone zu finden. Da es aber mittlerweile zu viele Hersteller und Produkte dieser Art gibt, fällt es schwer, hier die Spreu vom Weizen zu trennen. Eines kann man aber grundsätzlich feststellen: In der Regel scheiden billige Großmembran-Mikrofone unter 100,- Euro aufgrund des zu hohen Eigenrauschens und Bauteiltoleranzen für wirklich hochwertige Aufnahmen aus.

Wenn Ihr Budget knapp ist, suchen Sie sich ein 1 Zoll Großmembran-Kondensator-Mikrofon mit möglichst neutralem Frequenzgang aus. So sind Sie flexibler und können später mit dem Equalizer die gewünschten Frequenzen anheben und absenken. Die günstigen Mikrofone haben in der Regel eine Nierencharakteristik, die teureren Modelle verfügen über eine Doppelmembran, mit der sich zwischen Niere, Kugel und Acht umschalten lässt. So verwenden Sie die Niere für Einzelaufnahmen und die Kugel für die Aufnahme einer Gruppe von Musikern mit nur einem Mikrofon. Möchten Sie mehrere Musiker mit mehreren Mikrofonen aufnehmen, so spendieren Sie jedem Musiker ein Mikrofon mit Nierencharakteristik, denn dadurch wird das Übersprechen vom Nachbarmusiker verringert. Die Acht wird dann eingesetzt, wenn sich z.B. zwei Sänger gegenüberstehen und gleichzeitig in dasselbe Mikrofon singen.

Der Vorverstärker

Ein guter Vorverstärker zeichnet sich durch Rauscharmut, Verzerrungsarmut und einen linearen Frequenzgang aus. Besonders bei leisen Instrumenten spielen das Eigenrauschen des Mikrofons, der Querschnitt und die Länge des Kabels sowie das Eigenrauschen des Vorverstärkers eine große Rolle.

Für Profis empfehlen wir PreAmps ab 500,- Euro, z.B. von TL-Audio, SPL, Focusrite. Erstklassige Leistung fürs Geld bietet zum Beispiel der Rupert Neve Designs Portico 5017 für ca. 1.100,- Euro.

Rupert Neve Designs Portico 5017

Für den Bereich von 120,- bis 500,- Euro wäre zum Beispiel der Presonus TubePre V2 zu empfehlen, der für diesen Preis sehr gut klingt und einiges an Features bietet. Aber auch der von uns bereits getestete Presonus Bluetube DP V2 leistet im Studio sehr gute Arbeit und verstärkt nicht nur ihr Mikrofon, sondern dank seiner Stereo-Fähigkeit gerne auch Synthesizer und Drumcomputer.

Gegenüber günstigen Mischpulten unter 1000,- Euro bietet jeder dieser PreAmps eine qualitative Verbesserung. Verfügt man schon über ein Mischpult à la Mackie Onyx o.ä., so muss man schon tiefer in die Tasche greifen, um eine Verbesserung zu erzielen. Gegenüber den PreAmps aktuellen Soundkarten ist ein PreAmp der 500-Euro-Klasse jedoch immer eine gute Wahl.

Für Schnäppchenjäger haben wir aber einen Tipp: Seit vielen Jahren hat ART mit dem ART MP einen monophonen Röhrenvorverstärker auf dem Markt, der zwar kaum Features bietet, aber für 49,- Euro pragmatisch und sauber das Nutzsignal verstärkt mit einer leichten Klangfärbung durch die integrierte Röhre.

Budget-Vorverstärker für nur 49,- Euro von ART

Die Wandler

Die Wandler in aktuellen Audio-Interfaces ab 300,- Euro sind in der Regel auch für professionelle Ansprüche ausreichend. Achten Sie auf einen Rauschabstand (S/N) von 100 dB(A) oder besser und nehmen Sie immer mit 24 Bit auf. Natürlich sollten Sie eine Übersteuerung des Wandlers stets vermeiden. Pegeln Sie den Wandler mit dem PreAmps auf ca. -18 dB bis -24 dB aus, so haben Sie nach oben hin genug Luft.

Als Einsteiger sollten Sie versuchen, die Aufnahme ohne Kompressoren oder Equalizer vor dem Wandler, also möglichst neutral, einzufangen. Denn hat man den Kompressor falsch eingestellt, so ist die ganze Aufnahme für die Katz gewesen, da man eine bereits aufgenommene Kompression nicht wieder entfernen kann.

Forum
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    kazike

    wollte nur bemerken, dass brauner mikrofone auch für euro 1000 zu bekommen sind, und dabei handelt es sich nicht um spitzenklasse, sondern um referenzklasse. stellenweise sah mein neumann (gleiche preisklasse) im vergleich recht blass, nein kreidebleich aus.

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    ArvinG  

    Bei der Abnahme der akustischen Gitarre (insbesondere wenn nicht nur Schrammel-Klampfe, sondern instrumental solo) würde ich noch Stereoverfahren nennen wie XY (am 12ten Bund) oder AB (Mikro 1 unterhalb des Steges leicht schräg auf die Decke Richtung Schallloch geneigt, Mikro 2 ebenfalls leicht schräg Richtung auf 12ten Bund zeigend) nennen. Mit Einzelmikrofonie direkt am Schallloch wird es schnell boomy, besonders bei Jumbos. Würde auch da unterhalb und zwischen Steg und Schallloch auf die Decke ausrichten. Bei Steelstrings Großmembraner, Nylonstring auch Kleinmembraner (wenn das Schoeps Stereoset nur nicht so teuer wäre, seufz…)

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      Tyrell  RED 2

      Das klingt schwer nach Fachmann. Ich gebs gleich mal in die Gitarren-Redaktion weiter. Vielleicht wär das ja ein Thema über das du gleich selbst für uns schreiben möchtest? :-)))

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        ArvinG  

        Nee, Fachmann würd‘ ich mich mich jetzt nicht direkt nennen, bin nur unverbesserlicher (Hobby-)Akustiker und Fan einschlägiger ECM Aufnahmen (Ralph Towner, Bill Connors z,B,) und hab irgendwann auch mal ein wenig herumprobiert mit Stereomikrofonie, daher mein Kommentar. Aber bei ECM kommen da noch mal paar Mikros (Zitat Towner: „A whole bunch of high end microphones“) mehr zum EInsatz. A propos: Testet Ihr mal das Neumann U67 Reissue ? Wäre gespannt auf Eure Meinung und Fazit dazu.

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    Wellenstrom  AHU

    ah cool, hatte vor meinem Art TPS 2 auch irgendwann mal den Art Tube…. klang gar nicht mal so übel… machte nur nicht sooo lange.

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