Test: Allen & Heath ZED-10 FX, Kleinmischpult

17. Juni 2018

Groß in der Leistung, kompakt im Format

Allen & Heath ZED-10 FX

„Klein, aber oho“, ist mein erster Gedanke beim Allen & Heath ZED-10 FX Kleinmischpult. Der kleinste Spross der umfangreichen ZED Mischpult-Serie hat es faustdick hinter den Ohren. Nicht nur eine ausgewachsene Effektsektion, wie am Zusatz „FX“ unschwer zu erkennen, oder ein USB-Interface, das übrigens alle Mischpulte der Allen & Heath ZED-Serie haben, wartet auf den glücklichen Besitzer, in diesem Fall Tester. Also aufgepasst und ruhig einmal weiterlesen. Die kleine Kiste hat noch allerhand mehr in petto, was die Arbeit mit dem ZED-10FX aus der großen ZED-Familie recht angenehm macht.

Allen & Heath ZED-10 FX

Was ein kompaktes Kleinmischpult sozusagen in seiner Kernkompetenz ausmacht, dürfte bekannt sein. Wenden wir uns daher zunächst einer echten Besonderheit des ZED-10 FX zu. Das Mischpult hat, wie übrigens sein Bruder ZED-10 (ohne Effektsektion) auch, zwei Class A FET Klinkeneingänge. Sie sind hochohmig ausgelegt und eignen sich deshalb für den direkten Anschluss von Instrumenten mit Tonabnehmern. Natürlich können dort auch normale Linesignale eingespeist werden, doch die Eingänge sind speziell für Tonabnehmersignale wie von E-Gitarren oder E-Bässen gedacht. Die besondere Art des FETs (Feld Effekt Transistor) emuliert dabei einen Schaltkreis, der in typischen Röhrenverstärkern anzutreffen ist. Mit dem Ergebnis einer weichen, harmonischen Verzerrung – wenn das gewünscht ist. Es geht aber auch ultraclean. Reicht die Vorverstärkung für schwache Pickups nicht aus oder wird mehr „Brett“ benötigt, kann pro Kanal ein weiterer Schub von 26 dB gegeben werden. Dazu gibt es auf der Kopfseite zwei versenkte Schalter, die mit einem spitzen Gegenstand, beispielsweise einer Kulispitze, gedrückt werden. Das ZED-10 FX verfügt über ein eingebautes Netzteil und wiegt dennoch nur etwas mehr als 3 kg.

Insgesamt gesehen hat das ZED-10 FX sechs Kanalzüge. Viermal mono, zweimal stereo. Die Monokanäle sind mit XLR-Eingängen für Mikrofone und Klinkenbuchsen bestückt. Die Kanalzüge M3 und M4 bieten statt der normalen Line in Buchse die eben beschriebenen hochohmigen Eingänge für Instrumente mit Tonabnehmern, erkennbar an den Bezeichnungen Guitar Hi Z. Alle Mikroeingänge können global mit Phantomspeisung versorgt werden. Das freut die Besitzer von Kondensatormikrofonen.

Allen & Heath ZED-10 FX

Gehen wir einen Monokanalzug (M1) durch: Unter den zwei Eingangsbuchsen sitzt der Gain-Regler. Der Vorverstärker des ZED-10 FX erlaubt eine Einstellung von +10 dB bis zu +60 dB im Mikrofoneingang. Die Klinkenbuchse (auch symmetrisch möglich) ist von -10 dB bis +40 dB regelbar. Für diejenigen, die mit diesen Angaben nichts anfangen können: Das ist ein ordentlicher Verstärkungsfaktor, der auch bei großen Konsolen anzutreffen ist. Im Eingangsbereich wird die Signalqualität des gesamten Pults bestimmt. Rauscht es bereits an dieser Stelle, kann nirgendwo im gesamten Signalfluss Abhilfe geschaffen werden. Glücklicherweise legt A&H (Allen & Heath) Wert auf rauscharme Vorverstärker, die auf denen der MixWizard-Serie basieren. Das Highpass-Filter eliminiert störende Frequenzen unter 100 Hz, die zum Beispiel auf der Bühne als Trittschall auftreten oder durch tieffrequente Handgeräusche, wenn ein Sänger mit den Fingern auf dem Mikro trommelt. Die Klangregelung ist dreibandig ausgelegt. Der Höhenregler greift bei 12 kHz und ermöglicht Anhebung oder Absenkung bis zu 15 dB. Das Mittenband ist von 120 Hz bis 4000 Hz frei wählbar und auch bis 15 dB nach oben oder unten zu beeinflussen. Bei 80 Hz greift das ebenfalls um bis zu 15 dB einstellbare Basspoti.

Allen & Heath ZED-10 FX

Der gelbe FX-Regler (post Level) steuert den Anteil des Signals, das zum eingebauten Effektprozessor geschickt wird. Mittels Aux (send) wird die Signalstärke an der Aux-out Buchse geregelt. Dieser Weg (pre Level) ist üblicherweise fürs Monitoring vorgesehen. Das Pan-Poti bestimmt die Position des Monosignals im Stereopanorama. Der Levelregler ist schließlich für den Pegel des Kanals im Gesamtmix zuständig. Alle Regler zeichnen sich durch angenehmen Drehwiderstand und stabile Achsen aus. Wo erforderlich, rasten sie in Mittelstellung spürbar ein. Das alles macht einen sehr guten Eindruck und unterstreicht die sprichwörtliche A&H-Qualität. FX-, Aux- und Levelpotis haben zur besseren Orientierung 0 dB Markierungen.

Durch Druck auf den Record-Schalter wird das Signal über den Record-Bus zu zwei Cinch-Ausgängen mit der Bezeichnung Record Out geroutet. Der kleine Schalter mit der Kopfhörerabbildung und der Bezeichnung Listen schickt das Signal zum Kopfhörerausgang und zum regelbaren Monitorausgang (Stereo-Cinch). Das Signal liegt hier nach der Klangregelung und wird bei Druck auf Listen (vor dem Levelregler) zur Pegelkontrolle auf der 12-stelligen Master LED-Kette angezeigt.

Die Stereo-Kanäle ST1 und ST2 haben eine zweifache Klangregelung ohne Mittenband und einen Gain-Bereich, der von kompletter Abschwächung bis zu +15 dB reicht. ST1 bietet neben den zwei Klinkeneingängen noch alternative Cinch-Buchsen. Effektweg, Auxweg und Levelregler sind identisch mit den Kanalzügen M1 bis M4. Nur der Panregler heißt hier Balance.

16 mal aufpolieren bitte

Der integrierte Effektprozessor hält 16 verschiedene Effekttypen in 24-Bit Stereo parat. Von Chorus, über Flanger – für Gitarristen besonders interessant – bis zu Delay und allen möglichen Hallräumen reicht das Angebot. Auch Kombinationen von Delay mit Hall sind zu finden. Die Editierbarkeit einiger Parameter ist in gewissem Rahmen individuell möglich. Auswahl und Bedienung der Effekte ist mittels zwei Tasten in Kombination mit einer LED-Kette einfach und übersichtlich. Das Delay bietet eine Tap-Funktion und kann damit prima an das Songmaterial angepasst werden. Natürlich darf auch der Master Effektregler nicht fehlen.

Große Freude für die Sängerinnen und Sänger unter den Lesern: Das Effektsignal kann auf den Auxweg gelegt werden. Werden dort Monitore angeschlossen, klingt’s auf der Bühne nicht ganz so trocken. Der Effektweg verfügt, wie alle übrigen Kanäle auch, über Recording- und Listen-Funktion.

Allen & Heath ZED-10 FX

Bitte ein Bit

Via USB-Interface kann das ZED-10 FX an einen Windows Rechner oder Mac angeschlossen werden. Es ist plug-and-play fähig, denn es nutzt computereigene Treiber. Die internen Wandler arbeiten mit einer Sampling Rate von 32, 44,1 oder 48 kHz. Wenn nichts anderes eingestellt wird, geht aus der USB-Buchse das Main-Mix Signal an den Rechner. Es kann aber auch das Aux- und FX-Signal oder der Record Bus an den Computer geschickt werden. Das USB-Eingangssignal kommt an den beiden regelbaren Playback-Buchsen und im Eingangsbereich des Stereokanals 2 an. An dieser Stelle durchläuft es den gesamten Kanalzug.

Tipp: Wird das Effektsignal über USB ausgegeben, kann der Mixer als High-End Effektgerät eingesetzt werden.

Forum
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      p.ludl  RED

      Hi.
      Bei meinem Testmodell lag überhaupt nichts bei.
      Das Einbinden in meinen Rechner (Win XP) über USB funktionierte ohne Probleme mit den Windows eigenen Treibern.

      Grüße.
      Peter

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      Scriptura

      Hi nochmals, ein externen Treiber liegt keiner bei. Windows erkennt das Pult automatisch und schaltet den USB Audio Codec (interner Windows-Treiber) aktiv.

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    utopia3000  

    Hab mir den Mischpult für Livejams und als EQ/Keyboardmischer geholt. Der Klang ist gemessen am Preis richtig gut.
    Nutze selbst ne LXR Drum Machine (Mono 1,2 und stereo 1), ne MB33 (Mono 3) sowie nen MicroMonsta (Stereo 2) dran. Durch die gut zupackenden EQ, den guten Effekten sowie des Overdrives kann man damit stundenlang jammen.

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    Scriptura

    Hallo Herr Ludl, bin etwas verwirrt. Einerseits schreiben Sie USB-Interface mit guter Auflösung, andererseits Grundrauschen bei USB-Aufnahmen. Wissen Sie noch, wie stark das Rauschen war? Wie ist die Latenz? Könnte man es zu Homerecordingzwecke benützen?
    Vielen Dank mal vorab, macht weiter so mit eurem tollem Magazin!

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      Scriptura

      Vielen Dank für die schnelle Antwort! Ich denke, werde es mal testen und meinen Eindruck hier posten.

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      p.ludl  RED

      Hallo Scriptura.
      Das Pult ist auf jeden Fall für Recording Zwecke einsetzbar. Das beschriebene Rauschen macht sich bei Gitarren Direktanschluss und dem 26 dB Boost bemerkbar, was immerhin zur normalen Vorverstärkung nochmal ein beachtlicher Schub ist. Wie ich schreibe, sind es aber auch die Singlecoils in meiner Strat, die nicht frei von Einstreuungen sind. Für anständige Overdrive oder Distortion Sounds mit der Gitarre würde ich ohnehin einen POD oder etwas ähnliches vorschalten. Damit ist man wesentlich flexibler in der Soundgestaltung. Zudem braucht auch die Eingangsverstärkung nicht so hoch gefahren werden und das Problem ist gelöst. Verzerrte Sounds sind auch mit einem normalen Amp bei aufgerissenem Gain und vorgeschalteten Bodentreter nicht rauschfrei. Zur Latenz kann ich nichts mehr sagen. Der Test ist zu lange her. Mir ist aber nichts Negatives aufgefallen.
      Grüße und danke für die Frage.
      Peter Ludl

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      Scriptura

      Hi nochmals, inzwischen bin ich auch stolzer Besitzer des Pults. Kann mich den positiver Beschreibung nur anschließen.
      Zum Recording, bei den Windowsinternen Treibern rauscht es in der Tat bei Aufnahmen, das bei ASIO4All nicht mehr der Fall ist. Daher ist es auch zum Recorden uneigeschränkt zu empfehlen.
      Wem es interessiert, unter
      http://www.....038;riff=0
      habe ich meinem Frettless-Bass mit dem interem Delay des Pultes dazu aufgenommen.

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    Vati

    Hallo Peter,
    bauen die Hersteller solche Pulte in fast unveränderter Form nicht schon seit Jahrzehnten (außer USB Anschluß) ? Ich kann auch bei genaueren lesen, keine „faustdicken Ohren “ erkennen. Schön wäre ja mal eine Bluetooth oder WLAN-Direct, also Kabellose Verbindung anzubieten. Ein Sub Ausgang mit Frequenzeinstellung wäre auch nicht übel. Oder zumindest mal eine 3,5 mm Buchse mit Entzerrung für Tablet oder Smartphone Zuspielung. Effekt ohne Digitalanzeige , Fußschalteranbschluß gibt es wohl gar nicht ? Das im JAhr 2018. Kostet alles nicht mehr die Welt. Außer man frischt nur die Schaltpläne aus dem JAhre 2000 auf. Der Artikel ist gut geschrieben , gerade für Anfänger. Grüße Vati

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      Green Dino  

      Hmmja…eigentlich schon^^
      Die Preamps wurden halt jedesmal (noch) rauschärmer, die Eq´s noch britisher oder sonst wie was und dazu dann halt USB Audio Interfaces mit unterschiedlichen Möglichkeiten.

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