Test: Analogue Solutions EKG, Sequencer

23. Juli 2017

Ein groovendes Elektro-Kardio-Gramm

Man könnte meinen, dass es bereits genügend Sequencer für Modularsysteme gibt, denn etwa 50 Module und Zusatzkomponenten werden derzeit rund um den Globus angeboten. Doch während die meisten Sequencer auf das traditionelle, gleichwohl bewährte Konzept mit Drehreglern setzen, bietet Analogue Solutions EKG leuchtende Fader für die Sequenzeingabe.

Melodien mit Fadern werden schon seit dem ARP Sequencer von einer kleinen, aber festen Fan-Gemeinde genüsslich zurechtgeschoben. Alle paar Jahre taucht das Konzept zwischen den ganzen Drehregler-Sequencern immer mal wieder auf, wie etwa mit dem Doepfer Regelwerk oder jüngst dem Koma Komplex. Fader zur Tonhöhe- bzw. Werteeingabe haben den Vorteil der besseren optischen Darstellung, man kann die Sequenz regelrecht sehen. Mit dieser Sicht geht auch oft eine andere Arbeitsweise einher. Der Nachteil ist der größere Platzbedarf. Wo ein Fader hinpasst, bekommt man zwei oder gar drei Drehregler unter. Neben der Geschmacksfrage steht hier auch die Ökonomie im Raum, im wahrsten Sinne des Wortes.

Konzept

Analogue Solutions EKG gehört zur Medic Modules-Serie, die mit schneeweißer Frontplatte und rot/schwarzer Beschriftung klinischen Charme versprühen. Auch die Namen sind dem medizinischen Bereich entnommen. Passend zu dem Oszillator Cranial Saw und dem Filter Defibrillator gibt es mit Elektro-Kardio-Gramm einen recht einfach strukturierter Sequencer. Er besitzt acht Fader, ergo laufen seine Sequenzen über maximal acht Schritte. Da das allein natürlich etwas zu eintönig wäre, gibt es zu jedem Fader einen Drehschalter, mit dem der betreffende Step in einen von acht Modi versetzt werden kann. Ein ähnliches Konzept hatte Analogue Solutions bereits bei der mit Fadern ausgestatteten Sliders-Sonderediton des Oberkorn umgesetzt.

Mit Ausgängen für CV und Gate sowie drei Steuereingängen, einem Range-Schalter und einem manuellen Step-Taster ist die gesamte Funktionalität des Moduls bereits abgedeckt.

Ab ins Rack

Mit einer Breite von 38 Teileinheiten nimmt Analogue Solutions EKG beinahe die Hälfte eines regulären Modulrahmens ein. Die beträgt beim gängigen 19“-Format nämlich 84 Teileinheiten pro Einbauzeile. Bei der Breite und Aufteilung der EKG-Frontplatte muss man aber klar sagen, dass sich das Modul wirklich bequem bedienen lässt. Einzig der Schalter für die Range ist zwischen zwei Buchsen bzw. dann gesteckten Kabeln etwas ungünstig gewählt.


Mit nur 25 Millimetern ist das Modul sehr flach und lässt sich somit auch in Skiff-Rahmen oder ähnlich platzsparende Gehäuse einsetzen. Bei Einbau fällt unser Blick auf die grafisch „designte“ Platine, die dann jedoch zum Glück im Dunkel des Systems verschwindet.

Vorsicht ist beim Anschluss an den Systembus geboten. Im Widerspruch zur allgemein verbreiteten, aber nirgends festgeschriebenen Sitte, dass die farbige Ader des Flachbandkabels zum Systembus stets nach untern zeigt, ist sie beim Analogue Solutions EKG oben. Schließt man das Modul an, wie man es sonst gewohnt ist, kann das zu Schäden führen. Analogue Solutions hat zwar einen Warnhinweis am EKG-Karton angebracht, jedoch auf der Unterseite, wo ich ihn mehr zufällig entdeckt habe. So etwas kann leicht ins Auge gehen.

Funktionsweise

Mit den Fadern werden ganz simpel die Werte eingestellt. Dabei kann mit einem Schalter die Range global umgeschaltet werden. Im kleineren Bereich beträgt der Umfang rund zwei Oktaven, somit eignet sich diese Position besser für Notenwerte, die hier genauer anvisiert werden können. Der andere Modus geht über den vollen Bereich, was sich etwa für die Modulation von Filtern anbietet oder wenn die Tonhöhe keine große Rolle spielt.
Der momentan aktuelle Step wird mit einer im Fader integrierten LED angezeigt, die angenehm unaufdringlich in der Helligkeit sind.

Da selbst mit der kleinen Range sich Noten nur bedingt genau einstellen lassen, empfiehlt es sich, einen Quantizer hinter den CV-Ausgang zu schalten. Das lohnt sich vor allem, wenn man EKG live einsetzen möchte.

Soll eine Sequenz von Hand präzise eingestellt werden, lässt man die externe Clock, die EKG benötigt, zunächst aus. Mit dem Step-Taster kann man sich dann Schritt für Schritt durch die Sequenz arbeiten und so in aller Ruhe die Notenwerte mit den Fadern so gut wie möglich justieren.

Mit den Drehschaltern kann für jeden Step einer von acht Modi gewählt werden, die zur besseren Übersichtlichkeit auch auf der Frontplatte aufgedruckt sind.
In Mode 1 (Off) ist der Step abgeschaltet. Genauer gesagt wird Step zwar gespielt, jedoch kein Gate-Signal ausgegeben. Der mit dem Fader eingestellte Wert liegt aber trotzdem am CV-Ausgang an.

Mode 2 ist sozusagen die Standardstellung. Hier wird der Step normal gespielt. Bei den Modi 3, 4 und 5 wird der betreffende Step zwei, drei oder vier Mal hintereinander getriggert, also eine Repeat-Funktion, was die Sequenz um entsprechend viele Schritte verlängert.
Will man die Sequenz gegebenenfalls dann wieder auf ein gerades Maß zurückbringen, kann man mit Mode 6 (Skip) einen Step überspringen und mit Mode 8 (Reset) die Sequenz an einem beliebigen Punkt vorzeitig beenden. Dieser Reset kann auch über den gleichnamigen Eingang mit einem externen Trigger-Signal ausgelöst werden.

Bleibt noch Mode 7. Hiermit kann ein Umkehrpunkt festgelegt werden. Ab dem betreffenden Step läuft die Sequenz rückwärts bis zum Anfang und beginnt dann erneut. Das Analogue Solutions EKG pendelt dann. Der erste und letzte Step werden jeweils wiederholt, so dass man „richtige“ Sequenzlängen erhält, die sich nicht im Bezug auf die Clock oder eine synchron laufende Sequenz verschieben. Im Maximalfall erreicht man also eine Länge von 16 Steps, sofern man die Repeat-Schritte außen vor lässt.

Mit diesen acht Modi lässt sich auf einfache, aber effektive Weise recht viel aus den acht Steps herausholen. Bei einigen Anwendungen könnte die Reihenfolge der Funktionen an den Drehschaltern anders angelegt sein, doch eine perfekte Lösung dafür gibt es wohl nicht. Mit ein wenig Einarbeitung navigiert man hier zügig und zielsicher.

Antrieb

Analogue Solutions EKG benötigt ein externes Clock-Signal, um loslaufen zu können. Dieses Signal sorgt neben dem Tempo gleichzeitig auch für Start und Stop. Ein entsprechend fähiger Master-Sequencer oder Clock-Generator muss also im System vorhanden sein.

Auf mich wirken Sequencer ohne eigene Clock, Start und Stop immer unkomplett. Natürlich ist ein Teil eines Modularsystems stets auf die Interaktion mit anderen Modulen ausgelegt, doch gerade für kleine Systeme oder Einsteiger wird hier eine Hürde aufgestellt, die nicht unbedingt sein müsste.


Ein LFO reicht technisch gesehen auch aus, jedoch läuft EKG dann permanent. Hierbei kann man den Sequencer jedoch zum Modulator umfunktionieren. Schaltet man einen Slew Limiter hinter den CV-Ausgang lassen sich mit den Fadern weiche Verläufe erzielen, die sich durch die freie Einstellbarkeit der Fader von normalen, periodischen LFOs unterscheiden.

Neben dem bereits erwähnten Reset-Eingang gibt es noch den Eingang Tempo ½. Liegt hier ein konstante Spannung, also kein Trigger, von 5 Volt an, läuft EKG im halben Tempo. Fällt die Spannung unter 5 Volt, läuft EKG wieder mit dem normalen Clock-Tempo. Bei rhythmisiertem Einsatz, optimalerweise mit Werten von einem anderen Sequencer, kann hierüber die Melodie gezielt aufgebrochen werden.

Klang

Analoge Sequencer lassen sich oft auch als Klangquellen verwenden. Hierfür schickt man anstelle eines normalen Clock-Signals das Rechteck eines VCOs in den Sequencer. Der läuft nun natürlich im Audiobereich. Mit den Fadern des EKG kann nun eine eigene Schwingungsform erzeugt werden. Das ist nicht mit additiver Synthese oder den Zugriegel einer Orgel zu verwechseln, vielmehr kann man acht sequenzierte Werte innerhalb einer Amplitude bestimmen. Wenn man fleißig die Fader hoch und runter schiebt, klingt es manchmal nach PWM, mitunter auch wie ein modulierter Formant. Die Mode-Drehschalter wirken sich hierbei natürlich auch aus, allerdings führt das meist zu einer Verfremdung der Tonhöhe. Auf alle Fälle macht das Spaß und ist ein netter Nebeneffekt des Moduls.

Fazit

Analogue Solutions EKG ist ein sehr gradliniger Sequencer. Ohne ausufernde Features arbeitet es sich schnell und zielbewusst mit dem Modul. Dafür dass es dabei nicht eintönig wird, sorgen die acht Modi, die pro Step gewählt und auch während des Spielens intuitiv variiert werden können. Man muss sich jedoch darüber im Klaren sein, dass EKG nur ein Zweitgerät ist, das einen Master-Sequencer bzw. eine externe Master-Clock benötigt, um überhaupt eingesetzt werden zu können.

Auch spezielle Funktionen, wie sie in jüngster Zeit angesagt sind, etwa Shuffle und Ratcheting, sucht man hier ebenso vergeblich wie komplexe Logikkontrollen oder Steuerfunktionen. Doch für unkompliziertes Jammen mit den Step-Modi und dem „optischen“ Sequenzen über Fadern ist Analogue Solutions EKG eine schöne Alternative zu Sequencern mit Drehreglern bzw. anderen Konzepten.

Plus

  • 8 Modi pro Step verfügbar
  • dank großem Panel bequem zu bedienen
  • kann auch als Oszillator verwendet werden

Minus

  • läuft nur mit externem Clock-Generator
  • farbige Ader am Bus-Kabel oben > VORSICHT beim Einbau !

Preis

  • Ladenpreis: 309,- Euro
Klangbeispiele
Forum
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    Son of MooG  AHU

    Da meine Sequencer alle vom Akai RhythmWolf getaktet werden, habe ich mit den erwähnten Einschränkungen kein Problem. Dadurch wird ja auch sein recht günstiger Preis ermöglicht. Die einfache Struktur mit Mode-Select pro Step ist eine geniale Art, Bewegung in Sequenzen zu bringen. Wie beim Arpeggiator des Juno-6 ist seine Simplizität sein Vorteil. Man kann ihn ja noch mit Ratcheting-Controller etc. nachrüsten ( mit Branches holte ich den Zufall ins Spiel…)

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      TobyB  RED

      Hej,

      was ich an diesem Sequencer vermisse, was aber dem Konzept geschuldet ist, die Fähigkeit Sequencen zu transponieren, was für mich der Grund war, den Oberkorn hier her zu stellen. Zwar grenzt EKG so vom Eurokorn ab. Ich erachte das Transponieren jedoch als wichtig.

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        Son of MooG  AHU

        Transponieren ist mir auch wichtig, aber dafür gibt’s ja Quantizer wie Doepfers A-156, der ja gleich zwei Sequencer ansteuern kann. Auf diese Art kann ich meinen Pittsburgh 8-Step Sequencer gleich mitversorgen, wenn der mal nicht für Modulationen verwendet wird. Dazu gibt’s noch ein A-160 Clock Divider und A-160-5 Ratchting Controller sowie ein A-180-2 Multiple und ich habe immer noch Platz für zwei weitere Module, während der Eurokorn ein ganzes 84HP-Case füllt. Ein Vorteil dieses Systems ist, dass es über die Zeit gewachsen ist, wodurch ich jede Komponente besser kennen lernen konnte…

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          swellkoerper  AHU 1

          Der Pittsburgh ist auch mein liebster, wegen der Add- und Hold Eingänge. Schön simpel, aber mit mit einem zweiten Sequenzer und ein paar Clock-Tools nach Belieben endlos komplex..

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          TobyB  RED

          Hallo Son,

          das stimmt natürlich :-) Der Vergleich mit Eurokorn und Oberkorn hinkt natürlich, da letztere ganz andere Funktionalitäten mitbringen. Ich habe auch noch nicht alle Tricks des Oberkorn verinnerlicht. Der Vorteil deines Setups ist erstmal der modulare Aufbau. Ich bin dann da doch eher der hier noch ein Synth und dort noch einen Sequencertyp. :-)

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            Son of MooG  AHU

            Zu den erwähnten Modulen kommt noch ein MFB-Step64, der über MIDI den Synth-Lite 2 antreibt und über CV/Gate weitere Synths/Module, sowie ein Mother-32 und ein MicroBrute, alle slaved zum RhythmWolf, der manchmal auch vom Tascam DP-32 getaktet wird. Obwohl ich selten alle zusammen rattern lasse, habe ich gerne alle zur Verfügung, und alle können von einem Keyboard aus transponiert werden. Hat sich über die Jahre aufgebaut…

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