AMAZONA.de

Test: Koma Komplex, Analog Hardwaresequencer


Modularer Mega-Sequencer für CV und MIDI

Koma Komplex ist das bislang ambitionierteste Projekt des Berliner Herstellers. Ein vierfacher Analogsequencer, der nicht nur Modularsystemisten mit Logistik und Versifikation beeindrucken will.

koma komplex_300

„Sich eine Sequenz zusammendrehen“ ist ein geflügeltes Wort, von „zusammenschieben“ spricht man eher nicht. Das liegt wohl daran, dass normalerweise Drehregler das vorherrschende Element an Analogsequencern sind. Schieberegler hingegen findet man eher selten. Der alte ARP Sequencer ist dann das oft zitierte Beispiel (Macbeth hatte mal einen Klon davon in Planung – verworfen) und vereinzelte Eurorackmodule bieten eine schiebbare Alternative zum omnipräsenten Drehmoment. Und nun also auch Koma Komplex.

Hardware

Koma Komplex besitzt ein relativ flaches, nicht pultförmiges Gehäuse von guter Größe. Die Oberfläche ist optimal ausgenutzt, wirkt aber nicht überladen. Wer ein bisschen Erfahrung mit Sequencern hat, wird sich mit den Grundfunktionen schnell zurechtfinden.

Im Mittelpunkt stehen natürlich die vier Reihen mit besagten Schiebereglern. Darüber liegend fallen die zahlreichen Buchsen auf. Alle Anschlüsse, inklusive MIDI und für das externe Netzteil, liegen auf der Oberseite, nichts wurde auf die Rückseite verbannt.

Ein Sequencer

Die Ausstattung von Koma Komplex wirkt zunächst recht überschaubar. Eine Sequencer-Einheit besteht aus 16 Schiebereglern, 16 Tasten und sechs Drehreglern. Die Funktion der Schieberegler ist klar, hiermit werden die Werte der Sequenz eingestellt, entweder Noten oder CV- bzw. MIDI-Werte zum Steuern von Parametern. Die Regler laufen gut, sind nicht zu leichtgängig, was das Einstellen eines bestimmten Wertes begünstigt. Wie bei allen Fadern gibt es ein bisschen seitliches Spiel, was aber wirklich geringfügig ausfällt. Die Schiebregler haben keine Kappen, besitzen dafür aber eine integrierte LED, die bei laufenden Sequencer die jeweils aktuellen Steps anzeigt, sprich Lauflicht.

Zu jeder Sequencer-Einheit gehören sechs Regler. Speed steuert die Geschwindigkeit, während mit Division die Auflösung im Verhältnis zur Clock eingestellt wird. Division ist der einzige Regler mit einer leichtgängigen Rasterung. Mit Seq-Length kann die Länge der Sequenz von 1 bis 16 Steps definiert werden. Gate-Length regelt die Dauer des Gate-Impulses. Es gibt fünf Play Modes: vorwärts, rückwärts, zweimal Pendel und Zufall. Mit Glide die Portamento-Dauer bei den dafür aktivierten Steps geregelt.

Bei diesen Funktionen arbeiten die vier Sequencer-Einheiten grundsätzlich eigenständig und unabhängig voneinander.

koma komplex knobs

1 2 3 4 5 6 7 >

  1. Profilbild
    Son of MooG AHU

    Wow! war mein erster Eindruck. Rein optisch ist es ein ziemlich beeindruckendes Teil. Leider hat man aber auch hier keine Rack-Tauglichkeit mitgegeben, was zumindest der Zielgruppe der Modularisten aufstößt. Vom Konzept her entspricht es so ziemlich meiner Arbeitsweise, auch wenn’s bei mir weitaus bescheidener zugeht. Aber ich verwende eben auch z.B. einen Arpeggiator, der einen Step-Sequencer transponiert und einen weiteren für CV-Sachen, welche per Ratcheting Controller etc. etc.

  2. Profilbild
    Joghurt AHU

    Schön hat ein Produkt von Koma bei euch zum Test Einzug gehalten. Ich habe den Komlex seit einiger Zeit und er ist phantastisch. Die fehlende Rack-Tauglichkeit ist aus meiner Sicht überhaupt kein Problem. Ich nutze ihn mehr als Instument vor mir, ich kann schieben, drehen, drücken, stöpseln, alles was das Herz begehrt. In ein Rack eingebaut ginge für mich etwas verloren.

    Sequenzer sind eine meiner Leidenschaften, und der Komplex steht dabei ganz weit vorne. Er ist berechenbar und unberechenbar zugleich.

  3. Profilbild
    TZTH •••

    Ist da eigentlich was dran, dass die hardware sequencer „tighter“ sind das triggern aus der DAW?
    @Jim: Hast Du das mal verglichen bzw beobachten können?

    • Profilbild
      A.Vogel AHU

      Ich denke das ist eine Überlieferung aus der Zeit, als der tighte Atari ST allmählich von vermeintlich leistungsstarken Windows95-PCs abgelöst wurde, deren Pseudo-Multitasking sich in grauenhaften Geschwindigkeitsschwankungen niedergeschlagen hat.
      Ich hab seit etlichen Jahren keine unsauber laufenden DAWs mehr erlebt; da sind die Programmhäppchen, die die Clock generieren grundsätzlich genauso stabil wie die ICs, die in den HW-Sequencern den Takt angeben. Aber letztendlich hängt es immer an der CPU, ggf. noch an den I/Os und am RAM; den Rechner bis an die Grenze zu fahren bringt immer eine gewisse Instabilität mit sich.

      • Profilbild
        Son of MooG AHU

        Das wäre doch mal ein interessanter Vergleichs-Test, mal die DAW, mal den HW-Sequencer als Master und dann in unterschiedlichen Situationen das Timing messen…

        • Profilbild
          TobyB RED

          Hallo Son of MooG,

          das ist erst mal ein komplexer Test. Da du das Timing nur indirekt messen kannst. Du müsstest erst mal für Hardware Sequencer und für DAW Hard und Software einen Benchmark herausarbeiten und dann gegen diesen das Timing messen. Es gibt bei Hardware Sequencer mehrere Wege die Zeit zu erzeugen, Jim sprach ja den AS Oberkorn an, dort werkelt ein LFO der das Zeitnormal erzeugt. Andere verbauen einen Schwingkreis und einen Zeitteiler oder einen DSP der die Zeit erzeugt. Und im Rechner werkelt dann Hard und Software zusammen. Das Thema ist recht komplex.

          • Profilbild
            psv-ddv ••

            Zumindest die Benchmark ist leicht festgelegt: 0,0ms jitter/delay.
            Aber nicht jede Hardware ist so tight.
            Hier gibt es eine gute Übersicht: http://inn.....itmus.html.
            Die beliebtesten Kisten eiern teilweise recht ordentlich. Es kommt also auch auf die Art des Eierns an. Gerade Rechnerbasierte DAWs haben das Problem, daß die CPU unheimlich viele Aufgaben nacheinander abarbeiten muss, die eigentlich gleichzeitig stattfinden sollen. Daher ist das Timing nach wie vor ein Problem. Messungen würden vermutlich für jeden Rechner unterschiedliche Ergebnisse bringen. Je nachdem was da so alles an Hard- und Software installiert ist. Interessant wären Messungen trotzdem finde ich…

            • Profilbild
              TobyB RED

              Hallo psv-ddv,

              ich hab lange nicht mehr bei Innerclock vorbeischaut. Aber wieder eine Menge gelernt. Natürlich muss das Eiern „rund“ sein. Sonst würd es ja nicht funktionieren ;-) Ich kenne Leute die am PC alles ausschalten, was nicht unmittelbar mit der DAW benötigt wird, damit meine Ich auch Prozesse, nur um das letzte Körnchen Performance zu gewinnen.

    • Profilbild
      der jim RED

      Hi – ich hab mal bei Koma diesbezüglich nachgefragt. Sie haben wohl Tests gemacht und werden die Ergebnisse demnächst auf ihrer Website in der ‚Komplex Knowledge Database‘ nachtragen.

  4. Profilbild
    lightman ••••

    Falls jemand einen Atari ST mit Notator für ’nen Test braucht, ich mach‘ immer noch mit dem Ding Musik, da könnte ich was beisteuern. Ansonsten benutze ich noch einen Yamaha QX5 Hardwaresequenzer, früher arbeitete ich ausschließlich mit einem Roland MC-50 MKII, der aber leider vor einiger Zeit in den Hardwarehimmel abgeritten ist. Der Atari ist Zentrum eines variablen Setups mit 20+ MIDI-Geräten (und ein bißchen CV), Timing ist super tight und Spaß macht die alte Kiste auch. Lang lebe Notator! :-)

    Zum Thema: Der Koma Komplex macht zumindest optisch seinem Namen alle Ehre, die Features hören sich auch mächtig an, damit könnte ich was anfangen, wäre da nicht der Preis. Das Gerät ist sicher sein Geld wert, soviel würde ich aber nicht ins Sequenzen stecken wollen, da hätte ich andere Prioritäten.

    • Profilbild
      Son of MooG AHU

      Und ich dachte schon, ich wäre ein Dinosaurier, weil ich bis 2009 noch mit einem 286er PC und Cakewalk DOS 5.0 gearbeitet habe. Ich gebe mich bescheiden geschlagen…

  5. Profilbild
    iggy_pop AHU

    „[…] Logistik und Versifikation beeindrucken will. […]“
    Häh?
    Sprich mal so, dass dumme Menschen ohne Abitur Dich verstehen können. Also Musiker.

    • Profilbild
      fran_ky

      Wer hier einen Kommentar posten kann, der kann sich auch im Internet informieren, was die o.g. Begriffe bedeuten und damit seinen Horizont erweitern. Was immer wünschenswert ist (für Menschen mit, und ohne Abitur)! Das Niveau wird schon oft genug zurückgeschraubt. Dies ist keinesfalls überheblich angemerkt.
      Danke für den informativen Artikel, Jim!!

      • Profilbild
        iggy_pop AHU

        Das ist nicht die Aufgabe eines Artikels — der sollte in erster Linie lesbar sein und inhaltlich richtig.
        Versifikation:
        http://www.....sifikation
        „Etwas in Versform gießen“. Macht hier wirklich Sinn.
        „Getretener Quark wird breit, nicht stark.“.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.

Über den Autor

Bewertung

Koma Elektronik Komplex

Bewertung: 6 Sterne Bewertung des Autors
Leserbewertung: 5
Jetzt anmelden und dieses Produkt bewerten.
Superbooth 2017 - alle News und Highlights

AMAZONA.de Charts

Aktion