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Test: Antelope Audio Discrete 8 Pro, Audiointerface

Professionelles DSP-Audiointerface mit Thunderbolt/USB

2. Mai 2022
antelope audio discrete 8 test

Antelope Audio Discrete 8 Pro, Audiointerface

Es war in den 1990er-Jahren, als mein erster Kontakt mit ProTools und der TDM-Hardware stattfand. Effekte innerhalb eines Computers in Echtzeit zu generieren, war damals aufgrund der im Vergleich zu heute lächerlich schwachbrünstigen Prozessoren nahezu unmöglich. Ich erinnere mich an die ersten Gehversuche mit Samplitude auf dem PC und Cubase VST auf dem Mac. Digidesign hingegen verfolgten einen anderen Ansatz und nutzten DSP-Karten zum Berechnen der Effekte. Ein komplettes ProTools System mit DSP-Karten, I/O-Karte und Interface kostete damals ein Vermögen und war den großen Studios vorbehalten. Im Jahr 2022 ist das anders: DSP-Effekte müssen aufgrund der extrem leistungsfähigen Prozessoren nicht zwingend sein, nativ lassen sich Plug-ins heutzutage sehr gut berechnen und einsetzen. Dennoch haben sich Anbieter wie Universal Audio, Avid und Antelope Audio diese Nische erfolgreich erhalten und bieten eine Vielzahl exklusiver Produkte an. Warum das Antelope Audio Discrete 8 Pro Synergy Core Audiointerface einen genaueren Blick wert ist, erfahrt ihr hier.

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Der Hersteller Antelope Audio

Antelope Audio wurde von Igor Levin als Nachfolger von Aardvark („Erdferkel“) gegründet, einer Firma, die vor allem für ihre hochwertigen AD/DA-Wandler mit einer sehr stabilen Clock bekannt wurde. Die Nachfrage nach einer externen Master Wordclock zur Stabilisierung von Digitalgeräten nahm sprunghaft zu und so fokussierten sich Aardvark wie auch der Nachfolger Antelope Audio zunächst auf die Konstruktion von Geräten zur Generierung einer extrem stabilen Wordclock.

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Im Jahr 2011 stellte Antelope Audio dann das erste Audiointerface vor. 2015 folgten die ersten FPGA-basierten Effekte für das Orion Interface. Mit Synergy Core stellte Antelope Audio 2019 eine Technologie vor, die auf FPGA und DSPs-basiert Effekte berechnet.

Das hier getestete Antelope Audio Discrete 8 Pro gehört zur Reihe der Synergy Core-Produkte. Antelope Audio verschreibt sich weiterhin der Produktion hochwertiger Interfaces und Master Clock Produkte. Hinzugekommen sind außerdem Modeling-Mikrofone wie das Axino.

Antelope Audio Discrete 8 Pro Synergy Core

Das Antelope Audio Discrete 8  Synergy Core Audiointerface ist gleich in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Zum einen wäre Synergy Core, die FPGA und DSP-Plattform, zu nennen, auf der alle Effekte berechnet werden. Das riesige Arsenal an verfügbaren Effekten umfasst digitale Emulationen bekannter und unbekannter Geräte wie EQs, Kompressoren, Effektgeräte, Gitarrenverstärker, Bandmaschinen, Lautsprecherboxen und mehr. Zum anderen wären der diskrete Aufbau aller Vorverstärker und die ultrastabile 64 Bit Clock zu nennen.

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Digital regelbare Mic-Gains.

Doch damit nicht genug: 26 Eingänge und 32 Ausgänge, USB 2.0 und Thunderbolt 3 Schnittstelle, ADAT Optical I/O, Real-time Effekte und eine virtuelle Patchbay sind die weiteren Eckdaten des Discrete 8 Pro. Die AD/DA-Wandler bieten eine Dynamik von bis zu 130 dB, die Mikrofonvorverstärker bis zu 65 dB Gain, womit auch der Anschluss von Mikrofonen mit sehr geringem Ausgangspegel, zum Beispiel passiven Bändchenmikrofonen, möglich wird.

Noch einige Wort zum Thema „diskreter Schaltungsaufbau“: Von einem diskreten Schaltungsaufbau spricht man immer dann, wenn auf integrierte Schaltkreise vorwiegend verzichtet wird und stattdessen einzelne Widerstände, Transistoren und Kondensatoren zum Einsatz kommen. Eine Schaltung wird aber auch dann noch als diskret bezeichnet, wenn ICs mit geringer Integrationsdichte verwendet werden. Das ist in der heutigen Schaltungstechnik die Regel. Gemeint sind hiermit zum Beispiel Operationsverstärker, Gatter, Flip-Flops und so weiter.

Das Antelope Audio Discrete 8 Pro soll aus acht diskreten 6-Transistor-Vorverstärkern bestehen. Geringe Verzerrungen, geringes Rauschen und eine hohe Auflösung sollen die Folge sein.

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Der Hersteller weist zudem auf eine sehr geringe Latenz von <1 ms für das Echtzeit-Monitoring samt Effekten hin. 37 Effekte werden mitgeliefert.

Schauen wir uns die Anschlussseite einmal genauer an:

  • 8 Combo-Eingänge (XLR/Klinke), von den zwei als Instrumenteneingänge (Hi-Z) genutzt werden können
  • 8 DC-gekoppelte Ausgänge über D-Sub 25
  • L/R-Monitorausgang (Klinke)
  • 2 Reamping-Ausgänge (Klinke)
  • 2 ADAT-I/O für bis zu 16 Kanäle
  • S/PDIF-Ein- und Ausgang
  • 1 Wordclock-Eingang
  • 3 Wordclock-Ausgänge
  • 2 Kopfhörerausgänge (separat regelbar)
  • Fußschalteranschluss

Die Frontseite sieht schön aufgeräumt aus. Zwei Combobuchsen für die Kanäle 1 und 2, acht Gain-Regler, ein Display für die Pegelkontrolle mit drei Funktions-Buttons, ein großer Main-Regler, ein roter Talkback-Schalter für das integrierte Talkback-Mikrofon, zwei Regler für den Kopfhörerpegel sowie die zwei Kopfhörerausgänge.

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Integriertes Talkback-Mic

Noch einige Worte zu den Anschlüssen auf der Rückseite: Die Verwendung von D-Sub 25 für die Ausgänge ist nur konsequent. Das Interface ist für das professionelle Tonstudio gedacht. Das Verwenden von Multipin-Steckern gehört im Tonstudio zum Alltag. Oftmals werden zudem Summierer eingesetzt. Die weit verbreiteten Modelle von Dangerous Music bieten ebenfalls D-Sub 25 Ein- und Ausgänge an. Anstelle von S/PDIF mit Cinch hätte ich mir professionellere AES/EBU Buchsen mit XLR gewünscht. Diese hätten aber vermutlich auf der Rückseite keinen Platz mehr gehabt, denn Antelope Audio waren drei Wordclock-Ausgänge wichtiger. So bekommt man mit dem Antelope Audio Discrete 8 Pro auch gleich eine hochwertige Masterclock, die alle angeschlossenen Digitalgeräte im Gleichschritt taktet.

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Anschlüsse auf der Rückseite

Die Verarbeitung des Discrete 8 Pro ist einwandfrei und man merkt den professionellen Anspruch des Herstellers. Mich stört lediglich das externe Netzteil, das hinten im Rack irgendwie Platz finden muss.

Anstelle des integrierten Talkback-Mikrofons kann jeder der acht Mikrofoneingänge dem Talkback-Kanal zugeordnet werden. Über den Fußschalteranschluss lassen sich Talkback und DIM steuern.

Virtuelle Patchbay des Discrete 8 Pro

Eine weitere Besonderheit des Antelope Audio Discrete 8 Pro ist die virtuelle Patchbay, die ein freies Routing von jedem einzelnen Eingang (digital wie analog) zu jedem Ausgang (digital und analog) gestattet. Dabei werden auch die Rückkanäle des Computers einbezogen, die Effekt Returns und die vier möglichen Stereo Mixes. Eine solche virtuelle Patchbay ist ein großer Vorteil, weil im Studio so seltener etwas umgesteckt werden muss. Zwar lassen sich Ein- und Ausgänge in der Regel auch in der DAW entsprechend verschalten, doch so flexibel, wie es die virtuelle Patchbay gestattet, ist das nicht. Trotz der vielen Ein- und Ausgänge gelingt das übersichtlich.

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Virtual Patchbay

Thunderbolt 3 und USB 2.0

Gleich zwei verschiedene Schnittstellen bietet das Antelope Audio Discrete 8 Pro dem Besitzer für die Verbindung mit dem Computer an. USB 2.0 ist seit vielen Jahren der Standard, wenn es um den Anschluss von Audiointerfaces an den Computer geht. Thunderbolt 3 besticht durch seinen hohen und schnellen Datendurchsatz und ist dann die Wahl, wenn es um das Ausnutzen der maximalen Kanalzahl und um das Nutzen aller Synergy Core Effekte geht. Diese lassen sich nämlich über ein Plug-in auch in die DAW einbinden. Das führt zu einem höheren Datendurchsatz auf dem Bus. Doch dazu später mehr. Möchte man das Interface zudem mit der geringst möglichen Latenz betreiben, ist Thunderbolt 3 ebenfalls USB 2.0 überlegen. Dennoch ist es schön, beide Anschlussmöglichkeiten zur Verfügung zu haben. Insbesondere Windows-Nutzer, bei denen Thunderbolt nicht so verbreitet ist, werden sich über USB 2.0 freuen, auch wenn sich dann nur 24 Ein- und Ausgänge anstelle von 32 nutzen lassen.

Synergy Core

Was Antelope Synergy Core nennt, ist eine Kombination aus FPGA und DSP für die Signalverarbeitung. FPGA steht für Field Programmable Gate Array und man kann sich das wie einen IC vorstellen, dessen Schaltung frei durch eine Konfiguration vom Anwender bestimmt werden kann. Ohne diese Konfiguration ist ein FPGA wie ein unbeschriebenes Blatt.

Ein DSP hingegen ist ein Prozessor, der bereits auf die digitale Signalverarbeitung hin optimiert ist. Beide Architekturen haben Stärken und Schwächen, wenn es um die Echtzeitberechnung von Effekten geht. Antelope Audio setzen schon lange auf FPGAs für die Berechnung von Audioeffekten. Es bleibt zu vermuten, dass hinter Synergy Core deshalb auch der Gedanke der Kompatibilität steckt, um zu den FPGA-basierten Effekten weiterhin kompatibel zu sein. Der Anwender selbst bekommt von all dem aber nicht mit, da er nur die Effekte im Auswahlmenü sieht und nicht weiß, was wo und wie berechnet wird.

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Vintage DSP-Effekte

Installation des Antelope Audiointerfaces

Um das Interface verwenden zu können, muss es zunächst autorisiert werden. Ohne diese Autorisierung über das Internet funktioniert das Interface nicht. Hier geht es also nicht nur um eine Autorisierung zum Download des Treibers, sondern zur Inbetriebnahme der Hardware! Es muss also zwingend ein Account bei Antelope Audio erstellt und die Hardware dort registriert werden. Erst nach dieser Registrierung nimmt das Interface seine Arbeit auf und der Treiber (Antelope Launcher) kann installiert werden.

Bei der Treiberinstallation wird in meinem Fall auch gleich ein Firmware-Update durchgeführt und das Software Mischpult installiert. Nun habe ich erwartet, dass danach das Interface funktioniert. Leider kam auch nach einem Neustart und der Erlaubnis an MacOS, die Systemerweiterung zu laden, nur ein verzerrtes und stockendes Signal aus dem Interface. Dabei war es unerheblich, ob das Interface per Thunderbolt oder USB angeschlossen war. Der Versuch mit einem anderen Computer ergab ein ähnliches Ergebnis. Ein Klick auf den Systemreiter von Antelope Launcher zeigte, dass offenbar der Antelope Unified Driver nicht mitinstalliert wurde. Nach der Installation dieses Treibers und eines erneuten Neustarts wurde das Interface überhaupt nicht mehr gefunden. Über einen Bildschirmdialog („Still not seing your device?“) und einem weiteren bislang nicht angezeigten Fenster zur Treiberinstallation inkl. Trennen des Interfaces von der Stromversorgung war ich dann tatsächlich erfolgreich. Nun wollte das Interface endlich mit meinem MacBook Pro (Intel) und meinem Mac Mini (M1) zusammenarbeiten.

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Mischpult

Mischpult

Das Mischpult des Antelope Audio Discrete 8 Pro stellt im oberen Viertel die acht analogen Preamps dar. Große Gain-Regler, eine Level-Anzeige und Schalter für Link, Mic/Line/Instrumenten-Pegel sowie für das Setup von +48 V Phantomspeisung, Polarität und das Mic-Modeling umfassen die Bedienelemente der Preamp-Sektion. Das Mic-Modeling ist für angeschlossenes Antelope Audio Edge oder Verge Modeling-Mikrofon gedacht.

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Preamp-Sektion mit Mic Modeling

Direkt darunter wählen wir aus den sogenannten „Main Tabs“ aus, in welchem Bereich des Mischpults wir arbeiten wollen:

Mixers: Ein Mixer ist eine Mischebene, auf der wir einen Mix aus den 32 Kanälen erstellen können. Vier Mixer stehen zur Verfügung.

Digital Outs: Auf dieser Ebene lassen sich Signale auf die ADAT- und S/PDIF-Ausgänge routen.

Line Outs: Hier findet das Routing auf die Line-Outs statt (D-Sub)

DAW: Routing aller Signale für die Aufnahme in der DAW

AFX: Effekt-Routing für jeden Eingangskanal und Auswahl der Signalquelle für den Effekt

Routing: Routing-Matrix

Auraverb: Sends-Ebene für den integrierten Auraverb-Effekt und Effekt-Settings

Auf der Mix Ebene stehen uns neben dem Input Selector, der uns erlaubt, jeden möglichen Eingang einem Fader zuzuweisen, ein Panoramaregler, ein Volume Fader, ein Peak Meter, ein Solo-Schalter, ein Mute-Schalter sowie ein Link-Schalter zum Koppeln zweier Kanäle zur Verfügung.

Interessant ist, dass wir das Routing der Line-Ausgänge und der Digitalausgänge frei gestalten können. Das eröffnet viele Möglichkeiten, ohne dass am Interface irgendetwas umgesteckt werden muss. Gerade wenn es um das Einbinden von analogem Outboard Equipment oder das Senden von Signalen an einen Summierer geht, ist das eine große Hilfe.

Antelope Discrete 8 Pro Synergy Core

Antelope Discrete 8 Pro Synergy Core

Kundenbewertung:
(4)

Sehr schön ist, dass sich die Ansicht des Mischpults von acht Kanäle auf alle 32 Kanäle erweitern lässt. So kann man bei großen Monitoren alle Mischpultkanäle gleichzeitig sehen.

Auf der AFX-Seite weisen wir 16 Kanälen bei Bedarf Effekte zu, die auf dem Synergy Core berechnet werden.

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Guitar-Amp-Modeling

Antelope Audio Discrete 8 Pro Synergy Core Effekte

Dem Antelope Audio Discrete 8 Pro Audiointerface liegen 37 Synergy Core Effekte bei. Viele weitere Effekte sind im Store erhältlich. Die Preise für einzelne Effekte erstrecken sich dabei von 55,- Euro bis hin zu fast 250,- Euro für Antares Auto-Tune. Dennoch liegen die Preise etwas unter dem, was Universal Audio verlangt.

Erheblich günstiger sind die Bundles, die im Store angeboten werden. Allerdings sind gerade bei den großen Bundles oft Effekte enthalten, die auch in anderen Bundles zu finden sind oder bereits zu den 37 beiliegenden Effekten gehören. Hier ist also das intensive Recherchieren empfohlen und das Nachrechnen, welche Option günstiger ist.

Der größte Vorteil der Bundles ist aber, dass ein Plug-in beiliegt, dass das Antelope Audio Discrete 8 Pro mit Synergy Core erst so richtig interessant macht: afx2daw. Das Plugin afx2daw stattet das Interface mit der Möglichkeit aus, die Effekte aus der DAW heraus zu nutzen als wären sie native Plug-ins. Ohne afx2daw lassen sich die Synergy Core Effekte lediglich für das Monitoring oder Tracking einsetzen, mit afx2daw stehen sie auch für das Mixing zur Verfügung und belasten die Computer CPU nicht. Es können 32 Mono- und 16 Stereo-Instanzen des Plug-ins geladen werden. Jede Instanz enthält ein virtuelles Rack, das bis zu acht Effekte aufnehmen kann.

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Die Effekte der Special Processing-Kategorie

Das afx2daw Plug-in kostet 199,- Euro. Das ist ein ganz schön stolzer Preis für eine Funktion, die eigentlich selbstverständlich sein sollte. Bei allen Hybrid- oder Thunderbolt-Interfaces funktioniert afx2daw leider aktuell nur per Thunderbolt und nicht per USB 2. Lediglich das Zen Go Synergy Core Interface funktioniert auch per USB 2 mit dem afx2daw Plug-in. Das afx2daw Plug-in eignet sich nicht für das Tracking, da es nur mit hohen Buffer-Einstellungen betrieben werden soll. Für das Tracking sollten deshalb die Plug-ins direkt über das Mischpult des Interface geladen werden. Natürlich ist es auch jederzeit ohne das Plug-in möglich, Return-Kanäle anzulegen, mit Plugins zu bestücken und dann wieder zurück in den Computer zu leiten und dort aufzunehmen.

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Vintage-EQs

Die Effekte klingen gut. Natürlich lassen sich gerade die Emulationen seltener analoger Hardware kaum bewerten, weil schlicht und ergreifend die Original-Hardware nicht für einen 1:1 Vergleich zur Verfügung steht.

Mit den Verstärker-Emulationen ist gutes Arbeiten möglich. Durch die Reamping-Ausgänge wäre es so zum Beispiel möglich, mit den Amp-Plug-ins die Spuren zu Hause aufzunehmen und diese dann später per Reamping in einem guten Studio mit vernünftiger Akustik und guten Mikrofonen vor dem Verstärker in die eigentliche Form zu bringen. Die Auswahl an Verstärkern und Lautsprechern ist recht groß und es sollte sich jeder gewünschte Sound damit abbilden lassen.

Gleiches gilt für Kompessoren und EQs, wenn auch hier die Auswahl bei den mitgelieferten Plugins eher schmal ausfällt. Einige Effekte, wie zum Beispiel die Modulationseffekte, sind nur im Demo-Modus verfügbar. Den Großteil der Effekte bilden die Gitarrenverstärker und Gitarrenlautsprecher. Das ist sehr schade. Wer tatsächlich ohne weitere Effekte aus der DAW auskommen möchte, muss erst einmal auf Shopping Tour gehen, was schnell sehr teuer werden kann.

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Vintage-Kompressoren

Was mir nicht so gut gefällt, ist der Auraverb Halleffekt. Mir ist es trotz der Presets und dem langen Ausprobieren mit den Parametern nicht gelungen, einen Halleffekt mit kurzer Nachhalldauer einzustellen. Die Hallfahne bleibt selbst bei komplett zugedrehtem Reverb Time-Regler immer in voller Länge erhalten. Selbst dann, wenn bis auf den Reverb Level-Regler alle anderen Regler zugezogen sind, ist der Nachhall lang. Daran ändert auch das Laden eines der „Room“-Presets nichts.

Um einen Fehler meinerseits auszuschließen, habe ich mir einige Demonstrationsvideos angeschaut, dazu auch offizielle Videos von Antelope Audio zu Auraverb. Auch dort ist zu hören, dass trotz minimaler Reverb Time ein vergleichsweise langer Nachhall zu hören ist. Für die Bearbeitung von Schlagzeug ist mir das zu lang und zu unflexibel. Ich habe mal ein Hörbeispiel erstellt mit einer Bass Drum. Zunächst hört ihr alle zwei Takte ein anderes Preset. Achtet hier vor allem auf den Ausklang des Nachhalls und wie dieser sich verändert. Nach circa zwei Minuten spiele ich mit den einzelnen Parametern.

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Gitarren-Amps (und ein Bassverstärker)

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Auraverb Sends und Parameter

Messergebnisse zum Discrete 8 Pro

Wie immer habe ich das Interface mit REW und dem Rightmark Audio Analyzer untersucht. Auffällig ist bei der Loop-Messung des Frequenzgangs, dass im Vergleich zu anderen Testkandidaten ein leichter Rolloff im Bass- und Höhenbereich zu verzeichnen ist. Diesen konnte ich bei all meinen Messungen entdecken: Line-Out zu Line-In, Line Out zu Mic-In, Monitor-Out zu Line-In und Monitor-Out zu Mic-In. Auch ein nicht im Loop-Verfahren zugespieltes Testsignal zeigt in der Analyse diesen sanften Rolloff.

Im Hörvergleich mit spielt das bei diesen extrem tiefen und hohen Frequenzen zwar keine Rolle, soll aber nicht unerwähnt bleiben. Die sonstigen Messwerte sind gut, aber auch nicht überragend. So zeigt sich das günstigere Focusrite Clarett+ 8 Pre in den Messungen deutlich positiver, vor allem bei THD, Frequenzgang und Übersprechen. Dennoch bleibt unterm Strich ein gutes Gesamtergebnis.

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Messwerte im Überblick (RMAA)

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Frequenzgang

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Antelope Audio Discrete 8 Pro THD gemessen mit REW

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Antelope Audio Discrete 8 Pro Total Harmonic Distortion (THD) gemessen mit RMAA.

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Rauschen gemessen mit RMAA

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Übersprechen zwischen den Kanälen 1 und 2 (gemessen mit RMAA)

Antelope Audio Discrete 8 Pro: Licht und Schatten

Was darf man von einem Interface, das im Online-Handel knapp 2.000,- Euro kostet, erwartet werden? Eine ganze Menge. Interfaces sind in den vergangenen Jahren immer besser geworden. AD/DA-Wandler leisten sich selten große Schnitzer und schon für unter 1.000,- Euro bekommt man ein erstklassiges Interface mit vielen Ein- und Ausgängen und sehr guten Audiowerten. Ich möchte hier explizit das kürzlich von mir getestete Focusrite Clarett+ 8 Pre erwähnen. Die meisten Interfaces gestatten sehr niedrige Latenzen und bei heutigen Computern geht der CPU selten bei der Nutzung vieler nativer Plug-ins die Puste aus.

Die Mehrzahl der Plug-ins, die für DSP-Interfaces verfügbar sind, gibt es auch in einer nativen Version oder es findet sich eine entsprechend gleichwertige Alternative. Die nativen Plug-ins sind zudem nicht an irgendeine Hardware geknüpft, sondern funktionieren mit jedem Interface und jeder DAW. Sie sind zudem in der Regel sehr viel günstiger.

DSPs sind toll, wenn man die Effekte direkt mit aufzeichnen möchte. Das gelingt zudem meistens mit einer recht geringen Latenz. Auch ältere Computer lassen sich mit DSP-Unterstützung länger nutzen, da die Plug-ins dann nicht von der CPU, sondern vom DSP des Interfaces berechnet werden.

Gerade bei den mitgelieferten Synergy Core Gitarren-Amps macht es Spaß, mal eben einige Gitarrenspuren ins Projekt zu spielen. Die gute Qualität der Effekte macht das Mikrofonieren des Amps überflüssig. Gerade für Projektstudios, die ohne akustisch optimierten Aufnahmeraum auskommen müssen, ist das eine tolle Alternative. Nimmt man parallel das „trockene“ DI-Signal auf, steht später auch noch das Reamping zur Verfügung.

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Guitar-Amp-Modeling

Hier kommen wir dann gleich zur Schattenseite des Antelope Discrete 8 Pro Interfaces: Um im Mix die Effekte innerhalb der DAW zu nutzen, wird das afx2daw Plug-in benötigt, das kostenpflichtig ist. Da für das Mixing übliche Effekte wie verschiedene Hallalgorithmen, Delays, Modulationseffekte und so weiter nicht zur Grundausstattung gehören, ist zudem ein teurer Einkauf angesagt. Schaut man dann mal im Store in die entsprechenden Rubriken, macht sich schnell Ernüchterung breit.

Während man im Falle der UAD-Plattform aus einem riesigen Angebot wählen kann, wartet hier ein sehr schmales Angebot aus acht Effekten plus dem bereits mitgelieferten Halleffekt. Wer nun Emulationen eines Lexicon 480L, von EMT Hallplatten, eines Eventide H910 oder Roland Space Echos oder dergleichen erwartet, wird enttäuscht. Es gibt sie schlicht und ergreifend nicht und auch keine passenden Alternativen. Für das Mixing bleibt dann nur der Rückgriff auf native Effekte.

Ein weiterer deutlicher Minuspunkt ist die zwingend notwendige Registrierung des Interfaces. Denn das Interface muss zwingend autorisiert werden, damit es überhaupt funktioniert. Möchte ich es mit einem anderen Computer verwenden, muss die Autorisierung wiederholt werden (zumindest war es bei mir so).

Der für mich größte Minuspunkt ist allerdings der USB-Treiber. Geht der Computer in den Ruhezustand, wird anschließend das Interface nicht mehr erkannt und Treiber und Interface müssen neu gestartet werden. Dazu wird man aufgefordert, das Interface vom Stromnetz zu trennen. Beim Rackeinbau keine einfach Sache, da das Interface keinen Netzschalter an der Frontseite besitzt (auch nicht auf der Rückseite) und entweder der Stecker aus der Steckdose gezogen werden muss oder der Stecker des Netzteils aus dem Interface. Dieser ist allerdings zur Sicherung verschraubt, was bedeutet, dass die Sicherung erst gelöst werden muss. Angeschlossene Aktivlautsprecher oder anderes Equipment sind zwingend vorher auszuschalten. Wie so etwas bei einem Interface dieser Preisklasse passieren kann, ist mir schleierhaft.

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Diesen Bildschirm habe ich im Test leider viel zu oft gesehen

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Letzte Rettung

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Treiber

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Fazit

Ich muss sagen, dass mich das Antelope Audio Discrete 8 Pro doch leider etwas enttäuscht hat. Der überschaubare Lieferumfang bei den DSP-Effekten, das kostenpflichtige afx2daw-Plug-in, eingeschränktes Effektangebot im Plug-in-Store und ein verbesserungswürdiger Treiber lassen das Interface schlechter aussehen, als es sein müsste.

Dabei sieht alles zunächst so gut aus: Die tadellose Verarbeitung, das Konzept, der diskrete Schaltungsaufbau der Preamps, die AFC 64-Bit Clock und das große Angebot an Schnittstellen und Ein- und Ausgängen stehen auf der Positivliste. Am Ende bleibt aber ein komisches Bauchgefühl, wenn man das Antelope Discrete 8 Pro einmal mit anderen Interfaces vergleicht.

Verzichtet man auf DSPs, ist das Focusrite Clarett+ 8 Pre die bessere Wahl. Auch hier bekommt man eine tolle Ausstattung und sogar bessere Audiowerte zum halben Preis. Das gesparte Geld fließt vielleicht dann besser in einen neuen Rechner oder in native Plug-ins oder andere Studioausstattung wie ein gutes Mikrofon. Mir geht zum Abschluss das Sprichwort „Es ist nicht alles Gold was glänzt“ durch den Kopf, wenn ich an das Antelope Audio Discrete 8 Pro denke. Zumal es nicht beim Anschaffungspreis für das Interface selbst bleibt, sondern noch erheblich mehr Geld für die DSP Plug-ins zu zahlen ist, damit man überhaupt sinnvoll arbeiten kann. Ich komme deshalb nicht umhin, diese negativen Aspekte deutlich in der Endwertung zu berücksichtigen, die trotz der vielen guten Ansätze nur „befriedigend“ lauten kann.

Plus

  • Verarbeitung
  • Konzept
  • viele Ein- und Ausgänge
  • AFC 64 Bit Wordclock
  • Thunderbolt 3 und USB 2

Minus

  • Treiber
  • begrenztes Angebot an DSP-Plug-ins
  • afx2daw-Plug-in kostenpflichtig
  • mittelmäßiger Halleffekt
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Preis

  • 1.989,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Flowwater AHU

    Wenn ich das im Shop von Antelope Audio richtig überrissen habe, dann wollen die für das afx2daw noch einmal zusätzlich EUR 199,00 haben. Das finde ich für eine Software, die quasie »nur« einen Audiostream »zusätzlich« ins Interface und wieder heraus leitet (man möge mich korrigieren) durchaus sportlich. Vor allem mit Blick darauf, dass andere Hersteller so eine Funktionalität kostenlos mitliefern.

    Die DSP-Sachen von zum Beispiel Universal Audio zeichnen sich außerdem nicht nur dadurch aus, dass sie auf dem DSP laufen. Die sind ja wohl qualitativ sehr hochwertig (selber noch nicht ausprobiert, da ich kein Apollo-Interface oder ähnliches besitze, und UAD Spark gibt es noch nicht für Windows).

    Und Elektron schob das Overbridge kostenlos hinterher, welches noch einmal einen deutlichen Mehrwert für deren Geräte liefert (gut, ist ein wenig eine andere Baustelle, vom technischen Prinzip aber nicht unähnlich).

    Ich fürchte, Antelope Audio wird da in Zukunft ein wenig umdenken müssen.

  2. Profilbild
    Steffog

    Vielen Dank für den aufschlussreichen Test mit den coolen Soundbeispielen. Die Gitarren rocken und ich kann nachvollziehen, dass es total Laune macht, die Gitarre einstöpseln zu können und sofort loszulegen.
    Vor ein paar Monaten habe ich begonnen, für mein RME Fireface 800 einen Nachfolger zu suchen, wenn ich richtig informiert bin, war der Verkaufsstart bereits im Jahr 2005. In 17 Jahren sollte es doch eine Weiterentwicklung gegeben haben. Wenn man wie ich auf viele Eingänge wert legt und sich nicht vom Windows PC lösen möchte und auch nicht bereit ist, eine Thunderbolt-Karte einzubauen, ist die Auswahl nicht groß. Die UA Apollo Interfaces fallen damit raus. Antelope hatte mich gereizt und ich hatte die Vorankündigung gesehen, hatte aber auch gehört, dass deren Interfaces unter Windows manchmal Probleme machen. Mein RME Fireface war mir immer ein treuer Begleiter, lief absolut stabil. Ich habe mich vor ein paar Tagen dann für das RME UFX II entschieden. Geliefert und installiert und läuft. Und klingt meinem subjektiven Empfinden nach tatsächlich besser als die Fireface. Dass ich den Unterschied deutlich hören kann, habe ich so nicht erwartet. Da geht die Sonne auf. Das Antelope-Interface hatte ich in Betracht gezogen, der Test hat meine Entscheidung zugunsten des UFX II nun bestätigt. Die Antelope-DSP-VST-Effekte fehlen mir nicht.

  3. Profilbild
    gs06

    Also ich habe langsam das Gefühl, dass die Zeit für spezifische HW-DSP-Lösungen zum Ende gekommen ist, sofern nicht live Effekte berechnet und mit aufgezeichnet werden sollen. Das Geld für spezielle Hardware und Plug-ins steckt man wohl besser in eine schnelle aktuelle CPU und kann dann von erheblich günstigeren nativen Plug-ins und besseren Latenzen in the Box profitieren.

  4. Profilbild
    Garfield Modular AHU

    Hallo Markus,

    Herzlichen Dank für dein interessanten Artikel! Das Gerät hat sich teilweise so gut angehört aber das mit dem Interface, runter fahren usw., das ist wirklich doof und schade gleichzeitig… Hoffentlich folgt da noch mal ein Firmware Upgrade der das korrigiert und/oder ein Treiber Upgrade.

    Hast du oder kennst du eine Erklärung wie so es ein 6.3 dB Stereo Crosstalk Unterschied gibt zwischen 24 bit/192 kHz und 24 bit/48 kHz? Das fand ich etwas merkwürdig, kann aber sein das es ein guten Grund gibt, so ja, welchem?

    Vielen Dank für das sehr detaillierte Bericht und viele Grüße, Garfield.

    • Profilbild
      Markus Galla RED

      Hi,
      diese Frage kann ich dir leider nicht beantworten, habe sie mir aber auch schon gestellt. Das Thema „Crosstalk“ ist sehr breit gefächert und kann so extrem viele Ursachen haben, dass es fast unmöglich ist, innerhalb eines Tests die Ursache zu ergründen. Mir ist das aber auch schon bei Messungen anderer Magazine aufgefallen, dass es beim Übersprechen Unterschiede hinsichtlich der Sampling Rate gibt. Vielleicht hängt es mit dem Reconstruction-Filter zusammen, keine Ahnung. Hinzu kommt, dass unter Crosstalk eine ganze Reihe von ähnlichen Phänomenen zusammengeführt sind, die bei analogen wie digitalen Schaltungen auftreten können. Dass die Werte zu hohen Frequenzen hin ansteigen, ist normal. Hier wurde auch nicht mit teurer Audio Precision Hardware gemessen, sondern im Loop-Verfahren mit einer schon recht alten Software (RMAA), die aber gerne für solche Interface-Tests herangezogen wird, weil sie dafür entwickelt wurde. Ich bin da auch kein ausgewiesener Fachmann und nutze das nur für Vergleiche von Interfaces, die alle mit dem gleichen Setup getestet werden, um halbwegs vergleichen zu können. Ich vergleiche außerdem die Messergebnisse mit denen des Herstellers (sofern überhaupt vergleichbar) und frage ggf. bei sehr groben Abweichungen dort nach. Interessant ist der Frequenzgang, der trotz höherer Sampling Rate offensichtlich gefiltert wird. Das ist selten, kommt aber vor.

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