Test: Aphex Aural Exciter 204

26. April 2010

Ein Klassiker im neuen Gewand

Die Faszination Aphex Aural Exciter 204

APHEX! Ein Name wie Donnerhall! Zumindest wenn man sich wie ich seit über 2 Dekaden mit Studiotechnik auseinandersetzt oder manchmal auch setzen muss. „Donnerhall ?“, werden da die Jüngeren unter den Lesern argwöhnen, „was bitte soll denn an dem Firmennamen so unvergleichbar sein?“.

Ich wage zu behaupten dass JEDER den Namen Aphex mindestens über 1000 mal in seinem Leben bereits akustisch wahrgenommen hat, wenn auch auf so subtile Weise, sodass es ihm nicht bewusst ist. In der ewigen Top-Ten-Studioliste wird der erfahrene Tonmeister den amerikanischen Hersteller allein aufgrund eines einzigen Produktes nahtlos in die „ewigen-Besten-Liste neben so illustreren Namen wie Nieve, Studer, Focusrite oder auch Eventide einordnen.

Die Rede ist vom Aural Exciter, einem Produkt, welches aus einer versehentlich falsch verdrahteten Schaltung eines Radio- und Fernsehtechnikers geboren wurde und über Jahrzehnte als letztes Glied in der Summenkette unzähligen Hits der Weltgeschichte den letzten Glanz verpasste. Ende der Siebziger / Anfang der Achtziger war das Gerät so begehrt, dass man es nur für einen Stundenpreis von 30 Dollar mieten (!) konnte. Der käufliche Erwerb war aus Angst vor eine Kopie der Schaltungstechnik verboten! Man kann sich vorstellen, dass nur die ganz Großen der Unterhaltungs- und Übertragungstechnik das nötige Budget hatten, um sich diesen exquisiten Klang zu sichern.

In Zeiten des Massenphänomens Musik kommen aber auch Legenden nicht umhin ihre Produktpalette zu überarbeiten, um nicht in den Erinnerungen der Gestrigen zu verstauben. So bringt Aphex nunmehr eine Neuauflage des 104 unter der der Produktbezeichnung 204 auf den Markt, welches über einige Verbesserungen gegenüber des Vorläufermodells verfügt. Interessanterweise fertigt Apex seine Produkte nach wie vor in den USA und erlag nicht wie nahezu alle Kollegen der Versuchung, seine Produktionsstädten in das Land ohne Menschen-, Tier- und Umweltschutz, China, zu verlegen. Respekt!

Konstruktion des Aphex Aural Exciter 204

Hübsch sieht er aus, der Aphex 204, mit seiner Front aus gebürstetem Aluminium, eingefasst in eine Höheneinheit. Das Produkt ist komplett in Stereo ausgelegt, alle Regelelemente sind doppelt ausgelegt, sodass man auch zweifach Mono fahren kann. Ein Link-Switch, wie er zum Beispiel für das Mastern eines Stereofiles sinnvoll wäre, fehlt jedoch.

Im Aphex 204 befinden sich gleich zwei Trademarks, mit denen der Hersteller seinen Ruf unter den Tontechnikern manifestierte. Neben dem Aural Exciter, der für den oberen Frequenzbereich zuständig ist, gibt es noch den so genannten „Big Bottom“, der, wer hätte es gedacht, den Bassbereich abdeckt. Durch die Tatsache, dass das Produkt nicht wie bei einem Shelving Filter den Frequenzbereich leistungstechnisch hochfährt, hat man durch die Big Bottom Schaltung zudem eine Art Schutzschaltung für den Tiefbassbereich.

Man kann die subjektive Basswiedergabe erhöhen, ohne den Basslautsprecher durch Überlastung zu zerstören. Eine sinnvolle Einrichtung, insbesondere wenn es um die Beschallung mit kleinen Lautsprechern geht. Hintergrundbeschallungen, Vorführungen oder aber Broadcasting im Allgemeinen, werden von dieser Schaltung ungemein profitieren.
Frontseitig wird ein Kanal in je 2 Bereiche a drei Regler unterteilt. Der Big Bottom teilt sich in die Bereiche „Drive“ (Effektanteil), „Tune“ (Einsatzfrequenz) und „Mix“ (Mischverhältnis Dry / Wet). Ähnlich geht auch der Aural Exciter zugange, welcher ebenfalls über „Tune“, „Mix“ und „Harmonics“ (Anzahl der Obertöne) geregelt werden kann. Jeder Kanal hat zudem einen eigenen Bypass Schalter.

Rückseitig verfügt das Produkt über konsequente symmetrische Signalführung, wahlweise über verriegelbare XLR Stecker oder aber Klinke. Zwei leicht hakelige Schiebeschalter lassen zwischen dem Homerecordingpegel -10 dB oder dem Studiopegel +4 dB wählen. Das Gerät ist sauber verarbeitet und gibt keinen Anlass zur Kritik.

Der Aphex Aural Exciter 204 in der Praxis

OK, was macht denn Aural Exciter eigentlich mit dem Signal? Das Zauberwort lautet „Harmonics“ oder im deutschen Sprachgebrauch „Obertöne“, wobei man in diesem Fall auch gerne ein paar „Untertöne“ mit ins Spiel bringen darf. Der Klang eines Instruments wird von seiner Anzahl der Ober- und Untertöne definiert. Generell kann man die Aussage vertreten, dass die Aggressivität, respektive Schärfe eines Tons, mit der Anzahl der Obertöne zunimmt. So klingt zum Beispiel eine Trompete mit einer hohen Anzahl an Obertönen schärfer als eine Oboe, welche vergleichsweise wenig Obertöne besitzt. Eine saubere Sinusschwingung kommt übrigens in der Natur nicht vor, sondern kann nur künstlich mit einem Oszillator erzeugt werden.

Somit kann der Aural Exciter (manche Konkurrenten nennen ihre Produkte aus gerne „Enhancer“ oder „Expander“, Markenschutzrecht sei Dank…) einem Signal zusätzliche „Frische“ einhauchen, indem er Frequenzen generiert, welche während des Aufnahmeprozesses (noch) nicht vorhanden waren. Dabei handelt es sich nicht um eine Equalizer-, respektive Shelving Filter Funktion, welche zuvor definierte Frequenzen einfach „boostet“, sondern das klangliche Ausgangsmaterial wird analysiert und entsprechend „harmonisch ergänzt“.

Schaltet man das Gerät ein und nimmt sich als Basis die unspektakuläre „alles auf 12 Uhr“ Einstellung vor, wird einem selbst bei dieser belanglosen Grundeinstellung schlagartig klar, warum seiner Zeit und auch noch heute, ein Raunen durch die Räume geht, sobald das Gerät aktiviert wird. Wenn man jemals Gefahr läuft ein Produkt nie mehr abstellen zu wollen- bei dem Aphex 204 ist es der Fall! Den audiophilen Suchtcharakter, welchen dieses Produkt binnen Sekunden erzeugt, ist unfassbar! Jedes Signal, das dem Aphex zugeführt wird, erlebt eine Auffrischung der ganz besonderen Art.

Insbesondere im Mastering-Prozess überzeugt das Gerät auf der ganzen Linie. Letztendlich muss jeder selbst wissen, ob er einer Hard- oder Softwarelösung den Vorzug für die Bearbeitung seines Audiomaterials gibt. Sollte er jedoch dem haptischen Erlebnis den Vorzug geben, ist der Aphex 204 die erste Wahl! Ich kann nur empfehlen das Gerät regelmäßig zu deaktivieren, oder man verliert komplett das Gefühl für den neutralen Klang des Ausgangsmaterials.

Fazit

Es gibt nicht viele Audio Produkte, welche einem Ausgangssignal eine dermaßen prägnante Klangfarbe hinzufügen, weswegen man sie tatsächlich als Trademark bezeichnen muss. Der Aphex Aural Exciter gehört zweifelsohne dazu, prägt er das Endprodukt doch klanglich gleich einem echten Instrument. Oft kopiert und selten erreicht weiss das Produkt auch 35 Jahre nach seiner Markteinführung Maßstäbe zu setzen, welche seine Konkurrenten in Scharen an die Entwicklungstische treibt.

Unaufdringlich und doch effektiv fügt das Produkt dem Klangmaterial genau den Loudness-Effekt hinzu, den die Gehörgänge gerne wahrnehmen und glücklicherweise nichts mit der „Badewannen-EQ-GTI-Car-Stereo-Deppen“ Abteilung zu tun hat. Klanglich hervorragend mit sehr guter Verarbeitung kann man dem Produkt nur die Höchstpunktzahl attestieren! Respekt!

Plus

  • Sound
  • Flexibilität
  • Verarbeitung
  • verriegelbare XLR Anschlüsse

Minus

  • kein Link Switch
  • hakelige Eingangsempfindlichkeitsschalter

Preis

  • 300,-€
Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Sehr guter Bericht! Bei „Plus“ könnte gerne auch noch der Preis stehen. Als ich den Bericht las dachte ich das mich im Fazit ein wesentlich höherer Preis erwarten würde!
    Eine Frage noch: Kann ich den SPL Vitalizer jetzt von meiner Traumstudiogearliste streichen?

    MFG
    Dennis

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      Onkel Sigi  RED

      Hallo Dennis and all!

      Der SPL Vitalizer klingt deutlich anders als der Aphex, aber beide Geräte sind eine schöne Bereicherung. Allerdings kann man getrost auch ohne sie leben.

      Beide Geräte sind „Klangfärber“ und sollten sehr behutsam eingesetzt werden. Man sollte sie nicht als Gesamtverbesserer verstehen, sondern als zusätzliche Farben einer Soundpalette. Dezent auf eine Subgruppe von Gitarrenspuren oder Backing-Vocals gelegt, kann das ein schönes Ergebnis bringen.

      Wie gesagt: Kann!
      Muss aber nicht…….

      Musikalische Grüsse

      Siegfried Schöbel

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    AMAZONA Archiv

    OK, schlagt mich nicht, ich bin ja nur Hobbymäßig in der Musik unterwegs. Was ich Anfang der 1980er Jahre über den Aphex Aural Exciter gehört habe war nahe an Audio-„Alchemie“. Ein mehrmonatige Studio-Phase hat mich damals in die Nähe eines dieser Wundergeräte gebracht (Da war übrigens auch ein Ursa Major Digital-Hall, mindestens so toll wie der Aphex). Die damaligen Produktionsmethoden mit Bandmaschinen legten den Einsatz eines Exciters nahe. Aber wie ist das heute? Je nach Produktionsmethode gibt es keine „Verluste“ die mit einem Exciter wieder aufgefrischt werden müssen. Muss das frische Signal weiter aufgefrischt werden? Oder haben wir schnell Effekte wie bei sehr scharfen Bildern, die nachträglich weiter geschärft werden und schnell unnatürlich aussehen?

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    Goofy

    Vielen Dank für den Bericht – darauf habe ich gewartet. Ein guter Test des Gerätes, das schon lange auf meiner Wunschliste steht. Leider habe ich es bisher nicht geschafft einen Exciter in mein Studio zu holen. Ein Fehler der schleunigst korrigiert wird.
    Nochmal Danke für den Bericht!
    Gruß
    Goofy

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    gaffer  AHU

    Genau Polyaural, sehr oft wird das übertrieben. ich finde das Bildbeispiel übrigens sehr passend. Ich wurde zur Hochzeit des Exciterwahns mal nach einem Effekt gefragt, der das wieder rausrechnet…Aber ich denke der Exciter wurde nicht entworfen bzw. eingesetzt um verloren gegangene Frische aufzuholen. Nein, ich würde sagen genau wie im Supermarkt das frische Obst und Gemüse farbig beleuchtet wird um noch besser auszusehen wurde der Effekt eingesetzt. Da er nicht wie ein EQ arbeitet, der ganze Frequenzbänder anhebt sondern Obertöne zu den gespielten Grundtönen addiert, kann man mMn. bei vernünftiger Dosierung sehr wohl ein besseres Klangbild erhalten, selbst nach akkurater Aufbahme :-)

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    livingsounds

    Unaufdringlich? Nein, das klingt einfach nur fies. Das ist auch der Grund, weshalb kaum ein gutes Studio den Exiter heute noch einsetzt. Meiner steht seit langem ungenutzt im Rack. Was hier beschönigend als „Harmonische“ bezeichnet wird sind schlichte Verzerrungen, leider nicht von der angenehmen Sorte. Sowas kann in seltenen Einzelfällen mal hilfreich sein (bei ganz dumpfen Signalen, die von den zusätzlichen Obertönen profitieren). Auf Hihats, wie in den Beispielen, klingt es dagegen leider nur unangenehm.
    Ich kann nur jedem empfehlen, mal einen guten EQ anzutesten, bevor er sich so einen Krachmacher ins Studio holt. Als ob all die Chinamics, Plugins und Budget-Wandler in Homestudios nicht schon genug kratzende Höhen verursachen würden…

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    Steppenwolf  

    Sehr guter Testbericht, genau das brauchte ich um mich für einen Kauf zu entscheiden, gleich nach dem Anhören der Klangbeispiele auf thomann.de bestellt um damit das Signal meines DSI Tetra und anderer Geräte aufzuwerten :)

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    Luna23

    Das Stereobild ist bei den Beispielen mit Effekt jeweils immer vertauscht. Ist das keinem aufgefallen?

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    nontachi

    Die alten APHEX AURAL EXITER B und C werden in Deutschland leider unterschätzt.
    Nur noch gebraucht zu bekommen, kann man sie für ca. 50 Euro das Stück ersteigern.
    Digitale Musik kann schon deshalb nie wirklich analog klingen, weil sie halt digital ist.
    Digitale Oszilatoren ticken und klingen anders als analoge.
    Wer aber wie ich, neben analoge Synths gern auch zu VST-Synths greift, aber manche Sounds lieber analog klingen lassen will, ist mit den beiden Aphex-Teilen gut bedient.
    Die in der DAW erstellte Musik wird durch den oder die Exiter durchgeschleift und extern aufgenommen (intern funktioniert das nicht) und schon hat man digitale Musik analogisiert. Ach ja, diesen Vorgang kann man auch endlos wiederholen, bis es halt passt.

    APHEX AURAL EXITER B ist gut um warme Klänge zu generieren (Bässe und Flächen).
    APHEX AURAL EXITER C eignet sich phantastisch für Drums, insbesondere für die Snare.
    Und das alles ohne Big Bottom.

  9. Profilbild
    nontachi

    Hier noch einmal für Einsteiger erklärt: Mit „diesen Vorgang kann man auch endlos wiederholen, bis es halt passt“ meinte ich, dass die analog aufgenomene Musik wieder in die DAW zurück transportiert wird und mit der ersten Version zusammen noch einmal durch die oder den Exiter geschleift wird.
    Mit „extern aufnehmen meinte ich, – oder anders – ich arbeite halt mit 2 PC`s, auf dem einen mit der DAW, auf dem anderen mit Wavelab um die ankommende analoge Musik digital aufzunehmen.

    Wirklich nur für Einsteiger: Für beide PC`s sollten natürlich gute Audiokarten, mit guten Analog/Digital Wandlern vorhanden sein.

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