Test: Behringer Dual Envelope 1003, 1033, ARP 2500, Eurorack

16. Dezember 2020

Hüllkurven Eurorack Module nach ARP 2500

Die Modulflut von Behringer für das Eurorack-Format reißt nicht ab, und derzeit trudeln so manche Module der 2500 Serie bei den Händlern ein und sind verfügbar. Getestet wurde von mir schon das Filter 1006! Nachzulesen unter diesem Link.

Nun geht es um die frisch gelieferten beiden 2-Kanal-Hüllkurven-Module (ENV) der Arp Serie. Das DUAL ENVELOPE GENERATOR MODULE 1003 und das DUAL ENVELOPE GENERATOR MODULE 1033. Wo ist der Unterschied, beides klingt doch nahezu gleich? Nun ja, fast. Bei dem Modul 1033 gibt es zwei Potis mehr. Da der Unterschied so miminal ist, erwähne ich die Besonderheit während des Tests an geeigneter Stelle.

Die Serie 2500 ist ein Nachbau im Eurorack-Format des sehr seltenen und sehr teuren Arp 2500, welcher vor etwas über 40 Jahren in überschaubarer Menge hergestellt wurde und vorbehaltlich an Forschungseinrichtungen und zahlungskräftige Kunden geliefert wurde, und zwar als „Wohnzimmerschrankversion“. Um diesen klassischen Signalweg und dessen Klang dem interessierten Musiker auch heutzutage zur Verfügung zu stellen, wurde dies seitens Behringer realisiert.

Beide Module liegen in der gewohnt bunten Umverpackung. Wenn man Glück hat, befindet sich ein Quick-start-Guide in der Packung. Bei einem war es der Fall, beim anderen nicht. Warum Behringer nach wie vor Aufkleber des B-Logos beilegt, erschließt sich mir nicht, da gerade der Modulkäufer nicht unbedingt in jeder Packung diesen Aufkleber benötigt. Bitte einfach mal wegsparen. Ich bin mir sicher, die wenigsten Käufer würde dies stören. Oder Behringer bringt einfach mal etwas Abwechslung mit verschiedenen Varianten ins Spiel. Schwarze Schrauben sind ebenfalls enthalten und natürlich das Ribbon-Kabel zum Anschluss.

Optik und Funktionen der Behringer Dual Envelopes

Beide Envelope Module sind 16TE in der Breite und in der Tiefe skifftauglich, also flach, und fühlen sich in jedem Rack wohl. Optisch gibt es ein gebürstetes Alupanel, welches sehr edel mit gut lesbarer und logischer Beschriftung daher kommt. Die griffigen Potis sind ebenfalls optische Nachbauten des Original Arps. Da neben den Potis auch die Funktion als Grafik aufgedruckt ist, kommt das jedem Anfänger oder dem im Dunkeln und in Hektik agierenden Live-Musiker zu Gute. Strom benötigt das Modul kaum, es sind nur 50mA bei +12V und 20mA bei -12V.

Zwei verschiedene Hüllkurven lassen sich einstellen, werden jedoch von einem einzigen anliegenden Signal aktiviert, um zu starten. Von oben nach unten es auf jeder Seite folgende Regler: Attack, Inital Decay, Sustain Level und Final Decay Time. Klassisch formulieren kann man es auch als ADSR. Das R steht für Release und bedeutet Abklingzeit. Beim 1033 Modul gibt es zusätzlich ganz oben einen Regler mit der Bezeichnung „Gate Delay“. Das ist eine zusätzliche Verzögerung, bis die Attackphase beginnt; ansonsten ist alles weitere identisch. Nach den Drehreglern folgt ein manueller Kippschalter mit der Bezeichnung „Trigger Mode“. Das ist auch für mich etwas Neues aus der „alten Zeit“, doch dazu mehr etwas weiter unten. Danach folgen noch manuelle Trigger-Knöpfe, um die beiden Hüllkurven separat auch ohne eingehendes Signal zu aktivieren. Als Eingänge finden wir einen Gate- und einen Trigger-Eingang. Eine LED zeigt pro Kanal das eingehende Signal an. Jedoch wird nicht die gesamte Hüllkurvenspanne mit Helligkeitsschwankung der LED dargestellt, sondern es gibt nur ein An oder Aus. Als Ausgänge stehen pro Seite ein positiver und ein invertierter Ausgang der Hüllkurve zur Verfügung.

Wir sind durch mit den trockenen Fakten, aber es wird nicht fröhlicher, denn so eine Hüllkurve macht ja nichts außer eine Spannung zu erzeugen, diese aufrecht zu halten und irgendwann wieder abfallen zu lassen. Das formt die Beschaffenheit eines Klangs, also ob er kurz oder lang und in welcher Intensität vorliegen soll. Die Profis verzeihen mir bitte diese Erklärung, aber es kommen auch neue Musiker nach, die über jede einfache Erklärung dankbar sind.

Übrigens: Das Modul ist zwar recht groß geraten, allerdings schreiten auch hier die Technik sowie der Preisdruck voran und man findet die nahezu gesamte Elektronik eines Kanals auf gerade mal 1x2cm in SMD Technik. Ein paar Elkos sind auch noch neben den Potis zu finden, aber das war es dann schon. Faszinierend!

Bauteile eines Kanals auf 2×1 cm! Faszinierend!

Die beiden Euroreck-Module in der Praxis

Griffig und mit tollem Widerstand lassen sich die Potis drehen, die Schalter sowie die Drucktaster sind gut zu erreichen und verrichten ihren Dienst ruhig und ohne Nebenwirkungen. Dank der Größe des Moduls ist auch alles ganz entspannt zu orten und zu bedienen. Beim Einbau ist mir eine silberne Regler-Abdeckung aus dem Poti gefallen. Das ist natürlich nicht schön, aber ein Klecks Kleber auf das Poti und das Aluplättchen sitzt wieder an seinem Platz.

Folgende (Zeit-)Werte können mit den Potis geregelt werden:

  • Gate Delay (nur Modell 1033): 0 s – 2,5 s
  • Attack: 1 ms – 2 s
  • Initial Decay: 5 ms – 6 s
  • Sustain: -10V bis +10V
  • Final Decay: 5 ms – 6 s

Man sieht, hier bewegt sich das Modul im schnellen und mittleren Hüllkurvenbereich, der für die meisten Sounds absolut ausreichend ist. Langsam startende oder ganz langsam abnehmende Sounds sind damit nicht möglich. Dosieren kann man die Werte sehr gut und auch sehr fein, somit kann man ganz nuanciert seinen Wert einstellen. Die für mich bisher unbekannte Funktion der Trigger Modes erschließt sich mir nur zaghaft und auch nur rein theoretisch. Im Single Mode wird die Hüllkurve ausgelöst, wenn ein Gate Signal anliegt, so wie bei jedem anderen ENV-Modul. Im Multimode wird die Hüllkurve nochmals ausgelöst, wenn zusätzlich ein positives Trigger-Signal am Trigger-Eingang anliegt.

Im Video kann man sich ein Bild davon machen, da ich auch einen Oszillator eingeschleift habe, der den Envelope Graphen auch optisch darstellt. Zumindest öffnet sich mir hier eine erweiterte Komplexität, die man nur dankend entgegennehmen kann, um zu experimentieren.

Vergleich der Module 1003 und 1033 zum ARP-Original

Wer die Bilder studiert, wird feststellen, dass es beim 1003 und beim 1033 einen ganz entscheidenden Unterschied zum Behringer Pendant gibt. Beim Clone gibt es nur einen Gate und Trigger-Eingang für beide Hüllkurven, aber beim Original hat jede Hüllkurve ihren eigenen Gate-Eingang. Das ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen, da nur am unteren Rackrand die Eingänge aufgedruckt sind, weil diese in einem separatem Modul als Slider zur Verfügung stehen. Warum das bei den Behringer Modulen nicht berücksichtigt wurde, kann ich nur mutmaßen: Entweder wurde es übersehen, einfach wegrationalisiert, oder man nahm in Kauf, dass man sich auch zwei Module kaufen kann. Nichtsdestotrotz tut es der Funktion als solche keinen Abbruch, ganz im Gegenteil, denn so kann man mit einem Gate gleich zwei Parameter gleichzeitig einstellen, z.B. um ein VCA und ein Filter gleichzeitig mit zwei zeitlich unterschiedlichen Hüllkurven zu füttern.

Die beiden Behringer ARP-Envelopes in YouTube

Hier noch ein Video, das mehr analytisch herangeht, aber nur mit dem 1003 Modul!

Fazit

Wir haben hier ein extrem gutes Preis-Leistungsverhältnis. Das Modul 1003 ist ein BestBuy, auch wenn es nicht die gleiche Anzahl an Eingängen wie das Original bietet! Für 55.- EUR (1003) gibt es zwei Hüllkurven mit verschiedenen Modis, manuellen Trigger-Tasten und das Ganze in ergonomischer übersichtlicher Anordnung. Das 1003 Modul ist ein Preisbrecher in seiner Kategorie und somit die bis dato weltweit günstigste Möglichkeit, ein Envelope-Modul mit dieser Vielfalt zu erwerben. Die Parameterweite ist für die meisten Sounds absolut gut getroffen. Die kleinen Ungereimtheiten wie das herausgefallenene Aluplättchen oder die nur On/Off LED stellen im Betrieb keinen Nachteil dar und grenzen den Nutzen in keinster Weise ein. Wer die zusätzliche Verzögerung benötigt, der muss unverhältnismäßig tiefer in die Tasche greifen und das Modell 1033 erwerben. Hier tümmeln sich dann aber auch aus eigenem Hause die Behringer System 100 Module.

Plus

  • extrem gutes Preis-Leistungsverhältnis (nur 1003; deswegen BestBuy)
  • viel Funktionalität (beide Module)
  • Look and Feel (beide Module)

Minus

  • LEDS bilden nicht die Hüllkurve ab (beide Module)

Preis

  • 55.- EUR (Modul 1003)
  • 95.- EUR (Modul 1033)
Forum
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    Django07  

    Mir persönlich gefällt die Baugröße sehr gut. Viele Module sind viel zu klein, die Regler nur noch kleine Plastikstifte. Hier kommt man gut an die Regler ran. Man könnte denken, dass jemand bei der Entwicklung tatsächlich versucht hat, damit Musik zu machen – ohne Pinzette.
    Der mechanische Aufbau sieht solide aus. Das wirkt keinesfalls gebastelt – was bei vielen „Boutique-Modulen“ nicht behauptet werden kann.

    Ich würde gerne einen Zehner mehr bezahlen, wenn ich dafür verschraubte Buchsen und Potis erhalten könnte. Das ist vielleicht nicht wirklich notwendig, wirkt aber nochmals robuster.

    Danke für den Hinweis, dass eine Doku beiliegt. Hoffen wir mal, dass bei dem zweiten Modul es sich um ein Pressesample handelt, bei dem die Doku abhanden gekommen ist.

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      [P]-HEAD  AHU

      Das 1003 wurde von mir gekauft, es war keine Doku drin, und das 1033 wurde zur Verfügung gestellt, ebenfalls aus regulärer Handelsware, und dort war ein Manual enthalten. Es kommt eben wie es kommt. Übrigens: Die Testgeräte gehen immer Retoure nachdem der Test geschrieben wurde.

  2. Profilbild
    Kraut Control  

    Habe beide Module seit einer Woche hier (sowie Filter und ModAmp) und bin ebenfalls sehr angetan, ein besseres Preis/Leistungsverhältnis ist fast nicht möglich. Auch bei mir fehlte bei einem Modul die Anleitung, der Behringer-Aufkleber war jedoch immer mit drin. Ich freue mich schon sehr auf weitere Module der 2500er Serie und hier auf weitere Testberichte. :-)

  3. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Ein Dual Envelope sollte auch 2 Gate-Inputs bieten, wie z.B. auch mein altes MFB Dual ADSR für 99,-€, das zudem auch nur 12HP breit ist, anstelle von Gate Delay ein Hold zwischen Attack und Decay bietet und alternativ einen EG linear fährt. Außerdem sind mir die A-,D- & R-Zeiten zu kurz; 5 – 10 sec sollten schon drin sein. Für Brot&Butter-Sounds ist das 1003 zwar ungeschlagen günstig, aber eben auch eingeschränkt…

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      Cavestudioschweiz  

      Der originale ARP 1003 hatte nur maximal 2 Sekunden für Attack, Decay und Release -Zeit. Hier beim Behringer Nachbau anscheinend wurde nur die Attack-Zeit „richtig“ geklont. Die kürzeste Decay-Zeit ist beim Original bei 1ms (wenigstens gemäss den Spezifikationen).

  4. Profilbild
    frankste

    Tolle Module bei dem Preis Leistungsverhältnis. Aber nur ein Gate Eingang für beide Hüllkurven. Verstehe nicht was daran Praktisch ist, bei Modular ist es ja kein Problem, wenn gewünscht parallel zu patchen.

  5. Profilbild
    smoo  

    Von allen bisher geklonten Synths ist der ARP2500 der bei weitem Unerreichbarste.

    Und darum sehr willkommen. Ich habe den originalen 2500 nur einmal gespielt und denke heute noch an diesen (war total verzerrt aber extrem druckvoll) Sound.
    Ich hoffe nur die restlichen Module gehen nicht so lange wie beim System 100. Dort fehlt noch so viel und das schreckt mich ab.

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