Test: beyerdynamic Lagoon ANC, Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung

26. März 2021

Kompakter Kopfhörer mit ANC

beyerdynamic lagoon anc test kopfhörer

beyerdynamic Lagoon ANC, Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung

Nachdem wir mit den AirPods MAX und dem Bowers & Wilkins PX7 kürzlich bereits zwei Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung im Test hatten, folgt heute ein weiterer ANC-Kopfhörer, der beyerdynamic Lagoon. Obwohl ANC-Kopfhörer nicht zwingend mit dem Fokus „Studioeinsatz“ entwickelt wurden, nutzen viele Musiker und DJs diese Kopfhörer auf Reisen, beim Spaziergang übers Feld oder für den heimischen Musikgenuss. Entsprechend möchten wir euch diese Art der Kopfhörer nicht vorenthalten.

Was bietet der beyerdynamic Lagoon?

Schon viele Jahrzehnte entwickelt beyerdynamic professionelle Kopfhörer für den Studio-, Bühnen- und Broadcast-Bereich, seit einiger Zeit widmet sich die Heilbronner Firma auch dem Consumer-Bereich. Neben Hifi- und In-Ear-Kopfhörern dürfen da Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung natürlich nicht fehlen. Genau da setzt der beyerdynamic Lagoon an. Erhältlich ist er in zwei Farben, technisch gibt es zwischen den beiden Modellen Explorer (grau/braun) und Traveller (schwarz) keine Unterschiede. Auch preislich liegen beide auf gleichem Niveau.

beyerdynamic lagoon anc test kopfhörer

Geliefert wird der beyerdynamic Lagoon ANC in einem schlichten Karton. Darin befindet sich eine Aufbewahrungs- und Transportbox in Form eines abgerundeten Dreiecks. Hierin lässt sich der Kopfhörer kompakt und sicher aufbewahren. Ebenfalls zum Lieferumfang gehören ein 3,5 mm Klinkenkabel, ein USB-C auf USB-A-Kabel sowie ein mehrsprachiger Quick-Start-Guide.

Das Erscheinungsbild des Lagoon ANC ist ansprechend designt. Farblich geht beyerdynamic hier keine Risiken ein und verpasst dem Kopfhörer eine zurückhaltende Optik. Die Traveller-Version, die beyerdynamic uns für den Test zur Verfügung stellte, ist komplett in Schwarz gehalten. Lediglich die Außenseiten der Ohrmuscheln sind mit einem Emblem versehen, dazu findet sich rechts und links jeweils der Name des Herstellers und des Produkts wieder.

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Hinsichtlich der Verarbeitungsqualität braucht man sich beim Lagoon ANC keine Gedanken zu machen: Auch wenn der Kopfhörer vornehmlich aus Kunststoff gefertigt ist und andere beyerdynamic Kopfhörer, beispielsweise aus der DT-Serie, haptisch deutlich mehr hermachen, ist beim Lagoon ANC doch alles sauber gefertigt. Ein klarer Vorteil des Kopfhörers ist die Tatsache, dass man ihn sehr kompakt zusammenfalten kann, den cleveren Kipp- und Drehmechanismen sei Dank.

Wie trägt sich der Lagoon ANC?

Dank der wendigen Ohrmuscheln passt sich der beyerdynamic Kopfhörer sehr gut an jegliche Kopfformen an. Die weich aufsitzenden Ohrmuscheln sorgen für einen sehr angenehmen Tragekomfort, dazu sitzt der Kopfhörer sicher und fest auf dem Kopf auf. Einzige Schwachstelle: Die Ohrmuscheln fallen relativ klein und schmal aus, d. h. bei größeren Ohren könnte der Tragekomfort möglicherweise etwas leiden, da hilft letztlich nur ausprobieren.

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Wie klingt der beyerdynamic Lagoon?

Hier zunächst eine Übersicht über die technischen Daten des Kopfhörers:

  • Wandlerprinzip: dynamisch
  • Bauweise: geschlossen
  • Übertragungsbereich: 10 – 30.000 Hz
  • Nennimpedanz: 20 Ω
  • Kennschalldruckpegel: 91 dB SPL (@ 1 mW @ 500 Hz)
  • Max. Schalldruckpegel: 107 dB SPL (@ 40 mW @ 500 Hz)
  • Klirrfaktor: < 0,02 % (@ 1 mW @ 500 Hz)
  • Lautsprecherdurchmesser: 40 mm

Doch nun zum Klang. Der ANC-Kopfhörer kann, sofern er denn richtig eingestellt ist, wirklich gut klingen. Allerdings muss man sich hierfür zunächst 6 Minuten Zeit nehmen, denn direkt ab Werk ist der Klang eher mittelmäßig.

beyerdynamic bietet für den Lagoon ANC eine kostenlose App für iOS und Android an, über die ein persönliches Klangprofil erstellt werden kann. In der App heißt es sogleich:

„Jedes Gehör ist anders. Um das volle Potenzial deines Hörers auszuschöpfen, solltest du dir sechs Minuten Zeit nehmen und unseren Hörtest machen.“

Auf Basis dieses Hörtests passt die MIY-App den Klang des Kopfhörers an, d. h. für den einen gibt es mehr Bass, für den anderen mehr Höhen usw. Was genau angepasst wird, ist leider nicht so einfach herauszuhören, aber sicherlich wird hier grundsätzlich mit unterschiedlichen EQ-Presets gearbeitet. Diese können auf Wunsch jederzeit geändert und auch gänzlich abgeschaltet werden. Dazu bietet die MIY-App diverse Steuerungsmöglichkeiten fürs Musikhören und kann bei Fragen zum Kopfhörer weiterhelfen (FAQ & Kontaktmöglichkeit). Im folgenden Video erhaltet ihr eine Einführung in die App, wobei die aktuelle Version der App etwas anders aussieht und noch mehr Funktionen bietet:

Hat man die Klangpersonalisierung hinter sich gebracht, erhält man beim Lagoon ANC ein klares und druckvolles Bassfundament, was vielleicht nicht jede kleinste Nuance des schnarrenden Kontrabasses ans Ohr bringt, aber dennoch akkurat klingt. Gleiches ergibt sich prinzipiell für die mittleren und oberen Frequenzbereiche. Auch hier bietet der beyerdynamic ein solides Klangbild, wirkt in den oberen Höhen aber etwas zu drucklos. Das dürfte meiner Meinung nach ruhig etwas lebhafter sein, da fehlt es dem Lagoon an Dynamik und Spritzigkeit.

Kurzum: Er ist sicherlich nicht der neutralste Kopfhörer und entsprechend nicht für audiophile Hörer zu empfehlen, das Klangbild ist aber als stimmig zu bezeichnen (und nicht so aufgeblasen wie bei so manchem Mitbewerber) und das reine Musikhören macht hiermit sehr viel Spaß.

beyerdynamic-lagoon-anc explorer traveller

Die Stereobühne wirkt beim Lagoon ANC deutlich größer als bei anderen Kopfhörern, d. h. hier wirkt alles etwas fulminanter. Die Lokalisierung einzelner Bestandteile des Mixes, also Vocals, Instrumente, Drums etc. gelingt dem beyerdynamic Kopfhörer sehr gut. Bei der Arbeit mit einem meiner eigenen Songs und Mixes konnte ich die Verschiebung der einzelnen Schallquellen gut und sauber nachvollziehen.

Was bietet die aktive Geräuschunterdrückung und die Bluetooth-Verbindung?

Die aktive Geräuschunterdrückung des Lagoon ANC lässt sich in zwei Stufen schalten. Praktisch ist dabei die Ansage einer Sprecherin, welche Funktion bzw. welche Einstellung des Kopfhörers gerade aktiv ist. Von Grund auf dämmt der beyerdynamic Außengeräusche schon sehr gut ab, der ohrumschließenden Bauweise des Kopfhörers sei Dank. Noch besser wird es wenn man die Geräuschunterdrückung aktiviert, dann verschwindet ein Großteil der störenden Geräusche wirkungsvoll. Dies gilt für das reine Aufziehen und natürlich noch mehr sobald über den Kopfhörer Musik abgespielt wird.

Allerdings gelingt die Geräuschunterdrückung beim Lagoon nicht so gut wie beim kürzlich getesteten Bowers & Wilkins. Aufgrund seines Aufbaus dichtet dieser grundsätzlich ein gutes Stück besser ab, so dass Hintergrundgeräusche ohnehin schon weniger ans Ohr gelangen. Aktiviert man dann noch das ANC-System, verschwinden Außengeräusche gänzlich. Ganz so gut bekommt der Lagoon das nicht hin. Hier muss man jedoch auch den Preisunterschied von knapp 200,- Euro in die Wertung mit einbeziehen.

Beyerdynamic lagoon anc test

Der beyerdynamic Lagoon ANC arbeitet mit Bluetooth 4.2, ist also hinsichtlich der drahtlosen Übertragungstechnologie nicht mehr auf dem neuesten Stand. Hinsichtlich der Audioqualität muss man sich hier allerdings keine Gedanken machen, auch wenn die Bandbreite im Low-Energy-Bereich bei Bluetooth 5 theoretisch höher ist. Die unterstützten Codecs sind aptX Low Latency, aptX, AAC, SBC und mSBC. Bei eingeschalteter Geräuschunterdrückung und Übertragung per Bluetooth lässt sich der Lagoon ANC bis zu 24,5 Stunden nutzen, ohne ANC liegt die Betriebsdauer bei 45 Stunden. Danach ist eine 3-stündige Ladezeit erforderlich. Verbindet man den Kopfhörer mit dem beiliegenden Audiokabel und nutzt ANC, kann der Kopfhörer sogar bis zu 31,5 Stunden am Stück genutzt werden.

Extra Funktionen des Lagoon ANC

Über die weiter oben erwähnte MIY-App lassen sich für den Kopfhörer auch Gesten festlegen, über die der verbundene Player bzw. das Smartphone gesteuert werden kann. Der Clou: Auf die Außenseite der Ohrmuscheln klopfen oder darüber wischen, diese Gesten werden vom Lagoon ANC wahrgenommen und können als Touch-Steuerung genutzt werden. Dabei stehen die folgenden Befehle zur Verfügung:

  • Play/Pause
  • Nächster Titel
  • Vorheriger Titel
  • Vorwärtsspulen
  • Rückwärtsspulen
  • Lautstärke anheben
  • Lautstärke senken
  • Anruf annehmen/beenden
  • Anruf abweisen
  • Anruf Lautstärke anheben/senken
  • Persönlichen Assistenten anrufen (kein Witz!)

Auch die Sensitivität der Touch-Steuerung lässt sich innerhalb der App festlegen. Ein tolles Extra, das den Griff zum Smartphone oftmals erspart.

beyerdynamic-lagoon-anc explorer traveller

Ebenfalls hilfreich sind die unterschiedlichen Farbkennungen, die der Lagoon ANC über die Innenseite der Ohrmuscheln anzeigen kann. Orange, blau und rot verdeutlichen die unterschiedlichen Betriebszustände und sehen dazu auch noch schick aus.

Fazit

Der Lagoon ANC von beyerdynamic ist ein sehr guter Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung. Er bietet einen runden Klang, der mit Hilfe der kostenlosen MIY-App auf das eigene Hörempfinden abgestimmt werden kann. Ein klarer Pluspunkt für den Kopfhörer.

Die Verarbeitungsqualität ist an den Consumer-Bereich angepasst und nicht ganz so robust, wie man dies von anderen Studio- und Bühnen-Kopfhörern von beyerdynamic kennt. Dennoch wird man damit langfristig Spaß und viel Freude haben. Hierfür sorgt die gute Transportbox, die den Kopfhörer sicher und vor allem kompakt aufbewahrt.

Der Preis von 199,- Euro geht für das Gebotene vollkommen in Ordnung.

Plus

  • guter Hifi-Klang
  • sinnvolle App-Erweiterung mit Klangpersonalisierung
  • hohe Abdämpfung von Außengeräuschen
  • kompakt

Preis

  • 199,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    bmusik

    Hi,

    besitze den Hörer seit mehreren Monaten und bin sehr zufrieden bis auf die Tatsache, dass der Bügel beim Gehen Geräusche macht und sich diese sehr deutlich bis in die Hörmuschel übertragen. Das ist äußerst störend. Ich kann damit leben, weil ich den Kopfhörer zu 90% auf der Couch benutze 😊.

  2. Profilbild
    bluebell  AHU

    Gäbe es sowas doch nur für den stationären Betrieb, also ohne Akkus, dafür mit Stromversorgung durchs Kabel.

    Verkehrs- und Fluglärm schafft es mittlerweile bis in die Wohnungen hinein, auch durch Schallschutzfenster.

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