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Test: Beyerdynamic T1 3rd Generation, Studiokopfhörer

6. November 2020

Flaggschiff in offener Bauweise

beyerdynamic t1 3rd generation test

Beyerdynamic T1 3rd Generation, Studiokopfhörer

Die Tesla Technologie geht nunmehr in die dritte Generation. Der beyerdynamic T1 3rd Generation stellt sich zum Test und zum Vergleich vor.

Die Firma beyerdynamic mit Sitz im Ländle, genauer in Heilbronn, ist einer der wohl bekanntesten deutschen Hersteller im Pro-Audio-Bereich. Der mittelständische Betrieb designt und fertigt made in Germany und steht für die Produktpalette Kopfhörer, Konferenztechnik und Mikrofone. Auch der Gaming-Bereich wird mit personalisierbaren Headsets abgedeckt. Zu Ersterem der gerade genannten Produkte gehört der in offener Bauweise gefertigte Kopfhörer T1. T steht dabei für die Verwendung von Tesla-Technologie. Die nunmehr dritte Generation des ab September 2020 erhältlichen High-End-Kopfhörers kann mit der Abgabe einer grade noch dreistelligen Summe erworben werden.

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Fertigung und Technik

beyerdynamic t1 3rd generation test

beyerdynamic T1 3rd Generation Bauteile

Wie die erste und zweite Generation der T-Serie, wird auch der beyerdynamic T1 3rd Generation in Deutschland montiert, eingemessen und kontrolliert. Die Einzelbausteine des Kopfhörers werden fast alle in Deutschland gefertigt. Sicher wirkt sich das auf den Endpreis aus, doch hat beyerdynamic ein solides Standing im Pro-Audio-Bereich und liefert mit der T-Serie eine feste Referenz ab, die der Kunde bereit ist, entsprechend zu entlohnen.

Ich selbst nutze die erste Generation des T1 und bin immer noch sehr zufrieden damit. Der Klang ist ganz und gar nicht in die Jahre gekommen und ich erwische mich trotz eingemessenem Regieraum immer wieder, dass ich ausschließlich einen Mix mit dem T1 1st Gen Kopfhörer erstelle. Klar wird das Resultat dann auch noch im Raum per Verstärker und Boxen abgehört, doch sind diverse Feinheiten im Arbeitsprozess ganz gezielt per Kopfhörer einfach direkter und schneller zu hören als über die Abhöre.

Was ist Tesla-Technologie?

Tesla ist kein Rohstoff, sondern die Maßeinheit für die magnetische Flussdichte. Im Einsatz ist ein Magnet mit sehr hoher Feldstärke, das bringt höchstmögliche Lautstärke und Präzision. Die Tesla Schallwandler werden in Heilbronn entwickelt, gefertigt und eingemessen. Diese Messung spielt dem Abgleich für beide Seiten des Kopfhörers den Ball zu. Beim Wirkungsgrad von elektrischem Input zu akustischem Output ist die T-Serie marktführend lt. Herstellerangaben.

beyerdynamic t1 3rd generation test

Mit 32 Ohm hat der 360 g leichte Kopfhörer sowohl die Auslegung für mobile Endgeräte als auch für passende Kopfhörerverstärker. Die angegebenen 5 – 50.000 Hz sind in den Extrembereichen für das menschliche Ohr nicht mehr wahrnehmbar, untenrum vielleicht noch in der Magengrube, nach oben wird eher des Nachbarn Hund hellhörig.

Konzeption T1 3rd Gen

Das Verhalten der Kundschaft ist dynamisch. Will heißen, Hörgewohnheiten ändern sich, die Geschmäcker und der Zeitgeist sowieso. Wurde mit der ersten Generation noch hauptsächlich die ein eher nüchternes Klangbild bevorzugende Studio-Szene angesprochen, wird mit der dritten Generation das Netz auch zur High-End HiFi-Community ausgeworfen. Auch Design-Liebhaber, die sich auch sonst gerne hochwertig umgeben, werden durch haptisch hochwertige Komponenten geködert. beyerdynamic beobachtet, wie alle anderen auch, ständig die Marktsituation, so stellte man einen gesteigerten Bedarf in diesem Preissegment fest und bedient den Markt mit dem aktuellen Modell.

beyerdynamic T1 3rd Generation vs. 1st Generation

Unterschiede T1 1st, 2nd, 3rd Generation

Mal das Höher-Schneller-Weiter-Prinzip außer Acht gelassen, wieso muss denn eine dritte Generation gebaut werden? Haben die erste und die zweite denn nicht schon das High-End der Fahnenstange erreicht?

Nö!

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Die Unterschiede sind: Der Widerstand mit 32 statt 600 Ohm, die innere und äußere Dämpfung des Schallwandlers, was die Änderung des Klangbildes nach sich zieht, die offene statt halboffene Bauweise, der Zierdeckel ist jetzt aus Edelstahl statt vorher Gewebematerial, das Kopfband ist aus Alcantara statt Satinband gefertigt und die Ohrmuschel besitzt jetzt Memory-Foam.

Die Ohrmuschel fällt auch etwas kleiner aus, der T1 1st ist größer dimensioniert, was mir persönlich mehr entgegenkommt.

beyerdynamic t1 3rd generation test

Auch liegt mir persönlich die offene Bauweise eher, denn so wird noch ein Teil der natürlichen Umgebungsgeräusche und ganz wichtig auch der gefühlten Luftzirkulation wahrgenommen. Ich komme mir bei geschlossenen Modellen immer wie in einer Art Vakuumkäfig vor, aber auch das ist subjektiv. Den beyerdynamic T5p hatte ich auch schon hier im Test, wer mag, kann das gerne querlesen. Testbericht beyerdynamic T5p geschlossen

Die Kabel des T1 3rd Generation sind endlich abnehmbar. Dieses Feature vermisse ich bei meinem T1, denn möchte ich den T1 in das stabile Case verstauen, habe ich immer das Problem, die Kabelführung zur Ohrmuschel sanft in das Case zu bekommen. Knicken ist da keine Option.

Leider sind Körperschallgeräusche, die sich direkt am Kabel „einfinden“ doch deutlich zu hören. Das ist aber bei jedem kabelgebundenen Kopfhörer so, zumindest bei allen, die ich kenne. Man nenne in den Kommentaren bitte ein Modell, bei dem das nicht so ist. Das wäre doch mal einen Post wert.

In der Darstellung des Bassbereichs ist beim neuen T1 eine andere. Für mich fühlt es sich wie ein kleiner Bassboost an, dadurch wirkt das Audio kraftvoller wie auch kompakter und am Ende auch etwas lauter.

Gefühlt hat sich die Mitten- und Höhenwahrnehmung nicht geändert, doch verändert das Bassverhalten des T1 3rd Generation Modells den Gesamteindruck des Audiomaterials, daran muss ich mich erst gewöhnen.

Test und Vergleichssituation: T1 vs. Raumklang

Wie eingangs schon erwähnt, kann ich keine Äpfel mit Birnen vergleichen, deshalb habe ich fünf mir sehr gängige Titel ausgesucht, die ich vergleichend im Raum und per T1 höre. Die Eindrücke vergleich ich noch mit dem T1 der ersten Generation. Das Szenario scheint mir der fairste und vor allem auch nachvollziehbarste Vergleich zu sein.

Test CDs

Klassik Orchester: Ravel, Bolero, Einspielung Orchestre de la Suisse Romande, CD-Edition DDD

Eindruck T1 3rd: Sofort fällt mir das Raumgrundrauschen der CD auf, der erste T1 stellt das auch dar, aber nicht so intensiv. Der Hallraum des Orchesters ist intensiv und direkt abgebildet, die Panoramazeichnung des Halbovals wird sauber wiedergegeben, Höhen und Tiefen sprechen gleichermaßen schnell an, dynamische Faktoren wie Spitzen des Blechs werden verhallt im Raum eingebettet und gehen mit der wunderschön gezeichneten Snare zusammen. Der Bass ist mir etwas zu wuchtig dargestellt im Verhältnis zum Raumklang. Da das Luftvolumenn der Ohrmuschel sehr gering ist, sind die tiefklingenden Orchesterklänge etwas zu weit vorn.

Eindruck im Raum: Das Klangerlebnis im Raum ist natürlich ein anderes, da der Schall auch von hinten wahrgenommen wird, man fühlt sich mehr im Konzertraum eingebettet. Der Raum der Aufnahme wirkt weiter durchlässiger und luftiger.

Jazz, Fusion: Marcus Miller, Panther, CD The Sun don’t lie

Eindruck T1 3rd: Breites Bassverhalten, sehr weiche Höhen, direkte, nicht schmatzende Mitten, die Kompression der BD klingt moderner als im Raum und die Synthesizer-Elemente sind gut und direkt da, der Shaker ist weich und fein im Panorama, die cleane Gitarre sehr schön natürlich isoliert wahrzunehmen. Die Produktion aus den 90ern klingt via T1 3rd fast wie im Jetzt gemacht.

Eindruck im Raum: Der Track umfließt den Sweet-Spot, gerade was im Panorama und im Tiefbass passiert, stellt der Kopfhörer gegenüber dem Raum wesentlich kompakter dar. Die Kompression ist nicht so deutlich wahrzunehmen, dafür aber nölende Mitten.

Der T1 1st stellt den Mix recht scharf obenrum dar, das macht der T1 3rd Gen nicht.

Pop: Seal, Crazy, CD 1991

Eindruck T1 3rd: Analoge und synthetische Drums zwar voneinander zu unterscheiden, doch fließen diese zusammen. Sequencer und wandernde Signale von den Keys und den Gitarren sind fein gezeichnet wahrnehmbar, die Gesangsspitzen der S-Laute erscheinen mir über den T1 3rd zu spitz. Die Darstellung der Gitarren und allem, was sich da an Keys drumrum befindet, ist ein Traum. Leider zischelt Seal zu spitz drüber und macht das etwas kaputt. Der T1 1st stellt die Mitten hier bei Weitem nicht so schön dar, aber auch hier schreie ich nach einem DeEsser.

Eindruck im Raum:

Seals Pop Masterpiece erfüllt den Raum, die S-Laute verwischen im Hallanteil bzw. mit der gesamten Produktion. Alle Panoramas gefallen mir im Raum besser, obwohl der kompakte Kopfhörer sehr direkte akustische Ortung zulässt.

beyerdynamic t1 3rd generation test

Funk, Fusion, Soul, Pop: Earth, Wind and Fire, September, CD Greatest Hits 1978

Eindruck T1 3rd: Die Snare und der drüberliegende Handclap sind bei höherer Lautstärke störend, der Mix aber in allen Einzelheiten griffig und in allen Facetten sehr gut lokalisierbar. Das ist der erste Song, bei der die Bassdarstellung absolut ein Zugewinn ist. Das Klangerlebnis ist rund und lässt keine Wünsche offen.

Der T1 1st gibt dem Bass mehr die typische Holznote der 70er, ansonsten hört man deutlich luftiger, als über den T1 3rd. Geschmacksache.

Eindruck im Raum:

Sofort fällt die tolle Kompression der cleanen Gitarre auf und der holzige Drumset-Sound, das meine ich absolut positiv. Das Gebläse auf halb rechts, die Streicher legen einen feinen Teppich und die Gesänge vorn schön fett drüber. Keine Fragen offen.

Prog Rock: Yes, State of Play, CD Talk 1994

Eindruck T1 3rd:

Sehr gute Wahrnehmung der Aushallphase der Hallräume. Der Tiefbassanteil nagelt die Ohrmuschel fest ans Gesicht und an den unteren Hinterkopf, wow. Die Drums rücken etwas in den Hintergrund. Der Song klingt auch sehr modern über den T1 3rd. Da ist der T1 ist deutlich luftiger unterwegs.

Eindruck im Raum:

Was da an Tiefbässen gemischt wurde, beschert mir als Bassmann immer wieder eine Gänsehaut. Der Kopfhörer bekommt das natürlich so nicht gebacken mit der raumumgreifenden Darstellung. Der mehrstimmige Gesang in der Songmitte hat eine Wucht im Raum, die der Kopfhörer nicht ganz hinbekommt, da das Panorama anders auseinandergezogen wahrgenommen wird.

Metal: Slayer, Discible 2001

Eindruck T1 3rd:

Endlich ist ein grundlegendes Problem bei Slayer Produktionen gelöst. Der Bass ist ausreichend laut wahrzunehmen. Spaß beiseite, die Matt Hyde produzierte CD ist an Druck schon sehr weit vorn dabei. Der T1 3rd nimmt das voll auf und lässt den Song den geneigten Hörer im Raum vor sich herschieben. Alles ist präzise zu orten und die getretene HiHat in der Mitte des Songs lassen sogar den Drum-Raum durchblicken. Der T1 1st macht aus dieser Nummer bei Weiten nicht so eine druckvolle Angelegenheit.

Eindruck im Raum:

Interessanterweise klingt die Nummer ohne den nötigen Bass etwas lau im Vergleich zum T1 3rd Kopfhörer. Da hilft auch das Doublebass-Gewitter von Paul Bostaph nicht.

beyerdynamic T1 3rd Generation Ohrmuschel Close-up

Es war schon sehr spannend, gleich zwei dieser Hochkaräter im Studio zu haben und diese gegeneinander zu hören.

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Fazit

Der in offener Bauweise gefertigte beyerdynamic T1 3rd Generation Kopfhörer spielt ganz klar in der großen Manege. Wer die erste T1 Generation besitzt, muss sich an das Klangverhalten mit mehr Bassdarstellung gewöhnen, doch absolut gesehen ist der T1 3rd ein weiterentwickeltes tolles Produkt, das sich jeglicher Konkurrenz stellen wird. Die 32 Ohm machen den Kopfhörer auch für ausreichend Lautstärke bei Smartphone-Nutzung interessant. Der Preis ist gerade noch dreistellig, geht aber für die gefertigte Qualität und die Fertigung made in Germany in Ordnung.

Plus

  • hoher Wirkungsgrad mittels Tesla Technologie
  • wertige Verarbeitung
  • Kabel abnehmbar
  • Haptik und Tragekomfort
  • holistic Design

Minus

  • leichtes Grundrauschen beim Anschluss an manche Groß-Klinkeneingänge
  • bei starker Lautstärke flackert das Audio schneller als bei den Vorgängermodellen

Preis

  • 999,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    manomym  

    Der Kopfhörer liegt leider etwas jenseits meiner Möglichkeiten :(
    Allerdings bin ich begeistert, dass State of Play von Yes zum Hörtest herangezogen wurde. „Talk“ ist nach wie vor ein absolutes Hammer-Album (wenn auch nicht „typisch“ für Yes)

  2. Profilbild
    Bill Clark five

    Hab nen Grado 325e . Die Kabel sind etwas dicker aber da ist nix mit Geräuscheübertragung.
    Schaut aus als hätten die nen schrumpfschlauch o.ä. drüber gezogen.

  3. Profilbild
    uelef  

    Jochen, danke für den Test. Ich hatte den T1 (1st gen) auch mal hier, aber ich habe ihn schließlich zurückgeschickt. Meine Referenz ist der AKG K-812 geblieben, der einfach eine noch bessere Raumdarstellung hatte, außerdem in den Mitten besser differenziert hat. Kennst du den AKG K-812 auch? Mich würde wirklich mal interessieren, ob das jemand anderes auch so sieht wie ich …

    • Profilbild
      jochen_schnur  RED

      Hallo uelef. Leider hatte ich den AKG K-812 noch nicht hier im Studio. Ich hatte seinerseits den T1 1st gegen den Sennheiser HD 880 verglichen und mich dann für den analytischen T1 entschieden. Aber ich checke den AKG mal, danke für den Tipp. Es gibt sicher Leser, die beides kommentieren können oder?

  4. Profilbild
    liquid orange  AHU

    Danke für den tollen Bericht, der meinen Eindruck des T1 3rd bestätigt. Meine Sohn hat diesen erworben und so konnte ich ihn gründlich testen. Hervorragend verarbeitet und super bequem zu tragen. Spitzensound, aber mir einfach etwas zu bassbetont. Gehöre halt schon zu der älteren Generation ;-)

  5. Profilbild
    Stephan Merk  RED

    Hallo Zusammen, ich habe selbst aus Interesse meinem T 5 p 2nd den T5/T1 3rd und DT 1990 Pro gegenüber gestellt. Mein Fazit: T1 topfig, dumpf, grummelig. Musikalisch schon, klingt auch alles groß und offen, aber viel zu groß. Der DT 1990 Pro ist dagegen vor Allem bei Atmo eine Offenbarung und toppt den T1 sogar räumlich, bei meinen binauralen Aufnahmen habe ich mich unwillkürlich gedreht. Mein K812 kommt dem sehr nahe, selbst der T 5 p 2nd ist mit kleinen Abweichungen neutral genug. Den T5 3rd hätte man auch AMG nennen können, im Bass nicht so schlank, aber auch leichter Kermit. Toller Spaßhörer, aber weniger ehrlich, muss er auch nicht sein. Der T1 hingegen fiel bei mir subjektiv durch, das bekomme ich bei Bose günstiger und geht im Studio absolut gar nicht. Geblieben sind T5 3rd und DT 1990 Pro, die meinen K812 ergänzen. Mein Bericht ist auf merkst.de zu finden, der T 5 p kommt jetzt in die Bucht. Wer keinen K812 hat oder ein geschlossenes Pendant sucht, kommt mit dem T 5 p wohl am Besten klar, offen wäre es mit Abstand der DT 1990 Pro. Liest man übrigens in vielen Foren, dass viele den Schwenk zur Badewanne nicht gut heißen und empfehlen, die Vorgänger zu kaufen.

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