Test: Boss Loopstation RC-500, Looper-Pedal

22. Oktober 2020

Boss Performance Looper im Test

Boss Loopstation RC-500

Test: Boss Loopstation RC-500

Ich habe beschlossen, meinen Ditto-Looper in den Ruhestand zu schicken.

In aller Fairness – das Gerät hat mir viele Jahre gute Dienste geleistet. Aber viele werden das kennen: Wenn man zu lange auf einem Pedal rumreitet, schränkt es irgendwann ein Stück weit die Kreativität ein. Beziehungsweise man ertappt sich dabei, immer wieder das Gleiche zu tun, die gleichen Features zu nutzen, die gleichen Tricks.

Ich habe zu den alten Boss Looping-Stationen geschielt, insofern war ich verzückt, als ich vor dem RC-500 gelesen habe. Nun liegt uns das Gerät vor – und wir haben es uns ausführlicher angesehen. In Sachen Looper-Pedalen kann nämlich eine Menge schiefgehen – vieles, was auf dem Papier gut aussieht, erweist sich in den Praxis als kontraproduktiv. Der Harmonix Looper 95000 zum Beispiel entpuppte sich als multifunktionales Schlachtschiff, das jedoch vieles im Sinn hatte außer den Gitarristen als solchen. Und Geräte wie das Looperboard von Headrush sprengen den Rahmen von allem, was man bislang von Looper-Pedalen kannte und war fast schon zu viel des Guten. Was bleibt, ist die goldene Nische: kompakt, einfach, leistungsfähig. Die alten Boss Looper und die Ditto Serie leistete genau das. Mit dem RC-500 möchte Boss nun ein neues Kapitel aufschlagen, das genau dem gerecht wird – ein leistungsfähiges, flexibles Gerät, das keine hundert Jahre Einarbeitungszeit benötigt.

Boss RC-500 – Looping und Sampling für Gitarre

Der Boss RC-500 ist in seinen Funktionsweisen und seiner Leistungsfähigkeit ein Performance-basiertes, praxisorientiertes Gerät, das aufgrund seiner MIDI-Kapazitäten auch eine zentrale Rolle auf dem Pedalboard übernehmen kann. Optisch erinnert es schon mal den RC-10R, das jedoch noch mehr als der RC-500 als Performance-Tool zu verstehen ist. Wer vom RC-500 jedoch abgedrehte Looper-Funktionen erwartet, dem sei beispielsweise eher das Tensor von Red Panda ans Herz gelegt. Ganz so verrückt geht es hier also nicht zu. Der Boss RC-500 arbeitet mit zwei Stereo-Tracks, die unabhängig voneinander bearbeitet werden können und eignet sich vor allem aufgrund des XLR-Eingangs für Mikrofone sehr gut für die Arbeit mit der akustischen Gitarre – Singer/Songwriter: aufgepasst! Darüber kann der Boss RC-500 in Stereo arbeiten und besitzt zwei 6,3 mm Instrumenten-Eingänge. Drei Eingänge also, die über zwei Tracks in Stereo gemischt rausgegeben werden können – dies über zwei 6,3 mm TRS-Klinkenausgänge und dabei möglichst unkomprimiert und klar wiedergegeben – unabhängig von der Anzahl der Overdubs.

Test: Boss Loopstation RC-500, Looper Pedal

Vor allem Letzteres ist ein großer, vielleicht der wichtigste Punkt bei Loopern: Auf einen ungewollten knarzigen Bitcrusher-Effekt nach dem dritten Overdub können die meisten verzichten. Der Boss RC-500 arbeitet mit 32 Bit AD/DA und Klangverarbeitung in 32 Bit. Das Pedal wird über die Mono-Ausgangsbuchse in den Betriebszustand gesetzt. Ganz rechts findet ihr die Expression-Buchse. Was hierbei erwähnt werden sollte – in der Vergangenheit gab es immer wieder Querelen bei der Nutzung firmenfremder Expression-Pedale. Boss weist ausdrücklich darauf hin, dass nur die Nutzung ein Expression-Pedal aus der FV- und EV-Reihe eine schadenfreie Nutzung des Pedals garantiert.

Boss RC-500 – Bedienoberfläche des Looper-Pedals

Die Bedienoberfläche ist einfach und praktisch, wenn man will, kann man auch sagen: Es ist nur das Nötigste drauf. Die zwei Slider steuern die Lautstärke für eure beiden Aufnahmespuren. Für die beiden Tracks ist per Farblämpchen zu sehen, was gerade passiert: blau für leer, rot für Aufnahmeprozess, gelb für Overdubbing, grün für Spielen und weiß gibt euch an, dass eine Phrase existiert. Auf die Editiertaste kommen wir noch zu sprechen. Das Display als solches verändert sich, je nachdem ob ihr bei der ersten Aufnahme seid, im Overdubbing oder nicht. Mit dem Memory/Value-Regler wählt ihr entweder einen Speicherplatz aus oder ändert einen Parameter während des Editiervorgangs.

Der Boss RC-500 ist zusätzlich mit einer Vielzahl von Drumkits und Rhythmen ausgestattet. 16 Kits und insgesamt 57 Grooves, aus denen ihr jeweils aussuchen könnt und auf deren Klangqualität wir im Praxisteil noch einmal detailliert eingehen. Die eigene Rhythm-Sektion des Loopers erlaubt euch die Einstellung von Tempo (geht übrigens auch über Tapping der Tempo-Taste), zeigt den Aktivitätsstatus des Drumloops an oder wann er bereit ist. Memory erlaubt es euch, Playback und Aufnahme-Einstellungen zu ändern sowie zu bearbeiten, was euer Expression-Pedal genau verändern soll. System- und MIDI-Einstellungen erfolgen über die Menü-Taste. Mic Level erlaubt es euch, die Empfindlichkeit des Mikrofoneingangs einzustellen und die Input-Anzeige zeigt euch in Farben an, ob Clipping vorliegt. Der Input-Taster selbst aktiviert die Phantomspeisung.

Test: Boss Loopstation RC-500, Looper Pedal

Die übliche Prozedur lautet auch beim RC-500: AufnahmePlaybackOverdub. Besteht eine Phrase bereits, heißt es Playback – Overdub. Hält man den REC/PLAY-Schalter für länger als zwei Sekunden gedrückt, aktiviert sich die Undo-Funktion – die letzte Aufnahme bzw. Overdub-Aufnahme wird gelöscht. STOP stoppt die Aufnahme, die gerade aktuell ist, hält man diesen zwei Sekunden  oder länger gedrückt, wird die Spur gelöscht. TRACK SELECT erlaubt es, zwischen den Tracks 1 und 2 hin- und herzuschalten.

Boss RC-500 Gitarrenpedal – Loop-FX, Overdubs und MIDI

Die Aufnahmen können als WAV-Dateien via USB exportiert werden. Das Speichern, Löschen und Abrufen von Spuren verläuft über die Write-Knöpfe, ebenso das Speichern temporärer Loop-FX-Einstellungen. Für viele ist das Ausmaß der Editiermöglichkeiten für die Loops – die Loop-FX-Funktionen – ein entscheidendes Kaufargument. Im unmittelbaren Vergleich zu einem Tensor sind die Optionen umfangreich, aber nicht bahnbrechend. Unter anderem kann der Loop durch die Reverse-Funktion rückwärts abgespielt werden oder per One Shot so getriggert werden, dass er nur einmal oder mit einer festen Anzahl von Wiederholungen abgespielt wird. Stereo-Panning zwischen den beiden Tracks ist ebenso möglich.

Eine weitere Frage betrifft die Synchronisation der Track-Längen: Man kann die beiden Längen angleichen oder dafür sorgen, dass sie in ihrer originalen Länge jeweils abgespielt werden. Im Loop-FX kann zudem die Taktung des Loops eingestellt werden: Ob er synchron zum eingestellten Tempo wiederholt wird, mit einer Art Turntable-Effekt abgespielt oder synchron zum Tempo zerteilt wird. Und auch das Editieren der Rhythmus-Einstellungen besitzt ein paar ungewöhnliche (aber längst überfällige) Funktionen: So kann dem Drum-Pattern ein Reverb-Sound zugeführt werden und die Wahrscheinlichkeit von Fill-ins kalibriert werden sowie ein High- und Lowpass-Filter für die Sounds. Die ersten beiden Punkte sind für so ein kompaktes Loop-Pedal neu – und äußerst praktisch.

Test: Boss Loopstation RC-500, Looper Pedal

Ein paar Worte zu den MIDI-Funktionen: MIDI-In und MIDI-Out sind an Bord. Entsprechend können PC- und CC-Befehle empfangen und gesendet werden. So kann das Gerät durchaus so etwas wie eine zentrale Schnittstelle auf eurem Board herhalten – zumindest für die PC-Befehle für #0 bis #99. So kann das Tempo des RC-500 als MIDI-Clock rausgegeben und an ein anderes Gerät übertragen werden, ebenso können die Start/Stop-Meldungen des Gerätes ebenfalls über MIDI rausgegeben werden. Dabei muss die MIDI-Synchronisation nicht auf die Spieldauer des Loops beschränkt sein.

Boss RC-500 Looper – Sound-Qualität und Praxis

Wir nehmen die Loops über den REVV G20 auf. Die Soundqualität der Features wie der Drum-Sounds, Reverse-Funktionen und Reverb-Sounds sind von besonderem Interesse, ebenso die Overdub-Qualitäten.

Test: Boss RC-500, Looper Pedal

Gleich zu Beginn: Der hässliche Übersteuerungseffekt hängt mitunter auch mit der Input-Lautstärke zusammen. Der Boss RC-500 kann bei den regulären Inputs kein Level einstellen, insofern muss man ggf. mit dem Lautstärkepoti der Gitarre nachjustieren. Doch klar ist auch: Das Boss RC-500 ist verdammt einfach zu bedienen – auch für Neulinge ist der Track-Wechsel zwischen den zwei Spuren problemlos zu bewerkstelligen. Am Ende stehen bei meinen Loops zum Teil sieben Overdubs übereinander – die Soundqualität bleibt erhalten. Das Kratzen im ersten Beispiel kam von Kabelproblemen, der Reverb der linken Stereospur wurde nachträglich in der DAW hinzugefügt.

Weiter geht’s mit dem Loop-FX – was bringt der Boss RC-500 da mit? Nichts Bahnbrechendes, aber das muss er ja auch nicht. Den Tape-Stop-Effekt des Vinyl-FX kennt man von anderen Loopern und die Reverse-Funktionen für Phrasen- und Notenlängen machen auch einiges her – speziell mit der dritten Repeat-Funktion, dem vierten Beispiel, hatte ich persönlich meinen Spaß. Die Loop-FX können auf den einzelnen Fußtastern zugewiesen werden. Sämtliche Sounds kommen als Overdubs aus den zwei Tracks des Boss RC-500.

Die Drum-Patterns des Boss RC-500 machen kein vollständig neues Fass auf, sondern bewegen sich im bekanntem Fahrwasser. Nothing new to see here, folks – dafür ist die Auswahl ziemlich enorm, und die praktische Handhabe sehr einfach. Pattern und Rec werden gleichzeitig getriggert, nur muss man darauf achten, dass die Drumspur dem Track zugeordnet wird, in dem man sich gerade befindet und die Overdubs dann am besten auf der anderen Spur erfolgen. Das lässt mehr Raum in der Performance.

Fazit

Ein leistungsstarker, äußerst praktikabler Looper, der durch seine enorme Flexibilität auch erfahrenen Performance-Künstlern gut zuarbeitet. Man kann speziell durch die MIDI-Zuweisungen ein Customized-Looping-Konzept fahren – für alle, die es brauchen. Die Verarbeitungstiefe reicht, um auch viele Overdubs sehr differenziert erklingen zu lassen. Für den Preis hätte man sich jedoch über mehr Fantasie beim Loop-FX gefreut.

Plus

  • gute Klangqualität, auch bei vielen Overdubs
  • zahlreiche Drum-Patterns
  • enorm flexibel

Minus

  • wenige Loop-FX-Optionen

Preis

  • 299,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Sven Blau  

    Kann der Looper zu einer externen MIDI Clock gesynct werden?
    Sollte ja nicht das Problem sein, Time Stretch kann er ja auch.

    • Profilbild
      Dimi Kasprzyk  RED

      Hey Sven
      Jap, kein Problem. Kann durch externe Clock gesynct werden, kann aber auch eine rausgeben.
      Grüße

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