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Test: Boss ME-70, Gitarren Multi-Effektgerät

14. April 2009

Der gelungene Nachfolger des ME-50

Nachdem im vergangenen Jahr bereits die erfolgreiche GT-Multieffekt Serie von BOSS um zwei neue Modelle erweitert wurde (siehe Verweise am Ende dieses Testberichtes), folgt nun eine Neubesetzung der kleineren ME-Serie. Das neue BOSS ME-70 Effektboard verfügt zwar über deutlich weniger Möglichkeiten als das GT-10, überzeugt aber gerade deswegen durch seine äußerst einfache und intuitive Bedienung – und nicht zuletzt durch einen deutlich günstigeren Kurs.

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Auf den ersten Blick

Kaum ist das BOSS ME-70 aus seiner Verpackung befreit, überrascht erst einmal das niedrige Gewicht von lediglich 3.5 kg und das sehr handliche Format (38,4 cm Breite, 22,9 cm Tiefe und 10 cm Höhe). Trotzdem bestehen Gehäuse und Pedal aus robustem Metall und machen einen äußerst soliden Eindruck, zumal die gummierte Oberfläche des Pedals äußerst rutschsicher ist.
Geschmacklich gewiss etwas fraglich ist die schwarze Glitzerlackierung, aber der 80er Jahre Retro-Boom ist ja auch noch lange nicht vorbei.

Äußerst übersichtlich ist die Bedieneroberfläche angeordnet:
Zunächst einmal gibt es vier Effektblöcke (Compessor/FX, Overdrive, Modulation und Delay), die wie hintereinander geschaltete Bodentreter angeordnet sind, wobei jeder Block über einen eigenen Fußtaster und mehrere Regler verfügt.
Dem Pedal kann wahlweise einer von acht Parametern, wie zum Beispiel Volume, Wah-Wah oder Delay Level zugewiesen werden.
Schließlich folgt dieser Kette noch eine Preampsimulation und ein Hall– und Raumeffekt. Mit Hilfe des Master-Reglers wird unabhängig von den gespeicherten Sounds die Gesamtlautstärke eingestellt. Ein zweistelliges Display liefert Auskunft über die Speicherplätze und funktioniert auch als Stimmgerät. Diverse Drucktasten dienen sowohl zum Auswählen und Speichern der Presets als auch zur Bedienung der EZ-Tone-Funktion, hierzu aber später mehr.

Anschlüsse

Auf der Rückseite befinden sich sämtliche Anschlüsse des ME-70. Neben dem Gitarreninput liegen zwei Ausgänge für den Mono- oder Stereobetrieb. Sobald in dem Kopfhörerausgang bzw. Record Out eine Stereoklinke steckt, wird die Speakersimulation aktiviert, die natürlich in Verbindung mit einem Amp nicht so viel Sinn machen würde. Speziell für den Anschluss an ein Mischpult über die Hauptausgänge muss in den Kopfhörerausgang ein Blindstecker eingesteckt werden, damit die virtuellen Lautsprecher anspringen. Hierfür empfiehlt sich ein einfacher Kopfhöreradapter, da er schön Platz sparend ist.
Im Gegensatz zu allen anderen 6,3 mm Buchsen ist der Aux-Eingang als 3,5 mm Miniklinke ausgelegt. Dort lässt sich zum Beispiel ganz einfach ein mp3-Player anschließen, dessen Signal mit dem des ME-70 gemischt werden kann. Das ist eine schöne Möglichkeit, um schnell und einfach zu Playbacks zu spielen. Ein weiterer Kanalumschalter kann zusätzlich angeschlossen werden, um den Preamp und Halleffekt ein- und auszuschalten.
Zu guter Letzt gibt es natürlich noch einen Netzteilanschluss mit einer sehr ordentlichen Zugentlastung für den Netzstecker.

Technik

Die Effekt- und Ampsimulationen des ME-70 beruhen auf der hauseigenen COSM-Technologie, dem identischen Modeling-Verfahren, das auch in dem GT-8, GT-10 oder ME-50 verwendet wird. Auch die AD/DA-Wandlung geschieht wie bei den anderen BOSS Geräten in 24 Bit bei einer Sample-Frequenz von 44,1 kHz.
Wahlweise kann das ME-70 über sechs AA-Batterien betrieben werden, die auf der Unterseite des Effektboards eingesetzt werden und mit denen das Gerät bis zu 12 Stunden Betriebsdauer bietet. Leider sind in der Verpackung anstatt eines Netzteils auch nur sechs Batterien beigelegt, was in dieser Preisklasse nicht ganz nachvollziehbar ist. Glücklicherweise reicht zum Betrieb ein 10-Euro-Universalnetzteil, wie es die großen deutschen Musikhäusern anbieten, völlig aus. Man sollte aber genauestens auf die Polarität und die Spannung achten, bewährt hat sich in jedem Fall das Original-Netzteil.

Amp- und Effektsimulationen

Insgesamt besitzt das BOSS ME-70 sechs Verstärkertypen, zehn Verzerrer und 25 weitere Effekte.
Zwar ist die Amp- und Effektsektion im Gegensatz zum GT-10 deutlich reduziert, dafür kommt das ME-70 vollständig ohne Untermenüs aus.

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Die vier Blöcke Compessor/FX, Overdrive, Modulation und Delay beherbergen jeweils acht bis zehn unterschiedliche Effekte ihrer Art. Jeder Effekt kann via Regler ausgewählt und anschließend mit den drei darunter liegenden Potis eingestellt werden.
Natürlich handelt es sich hierbei in erster Linie um Emulationen der unzähligen und allseits beliebten BOSS Bodentretern. Wahrscheinlich wird sogar der ein oder andere Algorithmus aus den digitalen Tretminen seinen Weg hier hin gefunden haben.
Neben Verzerrernamen wie Blues, OD-1, Metal oder Classic finden sich allerlei klassische Modulationseffekte wie Phaser, Flanger, Chorus oder Tremolo. Auch der Delay-Block bietet vielseitige Möglichkeiten, Echos in einfacher Form, moduliert, reversed oder mit analogem Klangbild zu erzeugen. Über den Fußtaster lassen sich eigene Delay-Rhythmen „eintappen“, und wenn der Fuß dabei eh gerade tight am wippen ist, kann auch direkt zum Looper übergegangen werden. Dieser Effekt ist recht bekannt aus der BOSS Loop-Station und ermöglicht es, bei einer maximalen Aufnahmezeit von 38 Sekunden, kurze Phrasen festzuhalten, diese im Loop wiederzugeben und durch weitere Overdubs zu ergänzen. Voraussetzung hierfür ist allerdings ein gutes Rhythmusgefühl und einiges an Übung.
Aber auch extremere Effekte wie Harmonist, Metalcore-Distortion oder Defretter haben einen Platz im ME-70 erhalten.

Die Klangregelung der Preampsektion besteht wie gewohnt aus Gainregler, Dreibandtonregelung und Volumepoti. Klanglich werden alle wichtigsten Stilrichtungen abgedeckt, wobei natürlich eine Auswahl der üblichen Verdächtigen nicht fehlen darf. Es gibt crunchige Emulationen des Vox AC-30 und Fender Bassman, ein klassisches 70’s Marshall-Stack und für moderne Sounds einen Mesa/Boogie Dual Rectifier. Die zwei Boss-Eigenkreationen Clean und Lead-Stack sorgen entweder für saubere Klänge à la Rolands JC-120 oder brachiale Highgain-Wände.
Zusätzlich gibt es noch die Möglichkeit, die Preampsektion als Vierbandequalizer zu verwenden oder ganz abzuschalten, was gerade wünschenswert ist, wenn der eigentliche Sound des Gitarrenamps vordergründig sein soll.

Bedienung

Sowohl das ausführliche Manual als auch die Kurzanleitung beschreiben schlicht und verständlich die Funktionen des ME-70, wobei sich fast alles schon beim Betrachten der Oberfläche von selbst erklärt. Wie auch beim Vorgängermodell ME-50 legte BOSS hohen Wert auf eine leichte Handhabung – und das Konzept geht voll auf: Die Bedienung macht einfach nur Spaß! Endlich mal keine Untermenüs, nicht der ständige Blick auf ein Display und vor allen Dingen für jeden Parameter einen Regler! Das wirkt befreiend, da Sounds einfach mehr aus dem Bauch heraus geschraubt werden können und sich das Gerät bedienen lässt wie eine Ansammlung von Tretminen.
Wem das noch zu kompliziert ist, kann aber auch mit der so genannten EZ-Tone-Funktion Presets für die einzelnen Blöcke abrufen oder auch eigene erstellen.
Insgesamt gibt es 72 Speicherplätze, 36 User– und 36 Factorypatches, wobei die Factorypatches leider nicht veränderbar sind.
Um beispielsweise Speicherbänke zu wechseln oder den Tuner zu aktivieren, müssen zwei der Fußtaste gleichzeitig gedrückt werden. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase ist das aber eigentlich kein Problem, wenn das Gefühl für die richtige Fußposition da ist.

Sound

Eine große Gefahr bei digitalen Effektgeräten stellen interne Übersteuerungen dar, die gerade leider oft im Verzerrungs- und Lautstärkeübermut überhört werden. Unverständlicherweise wurde auf eine Clip-Anzeige ganz verzichtet, obwohl schon eine kleine, einfache Diode ausreichen würde. Daher müssen wohl beim ME-70 die guten alten Messgeräte am Kopf des Users auf Übersteuerungen achten!

Die Verstärker- und Effektemulationen erinnern vom Sound her stark an das GT-10, da sicherlich auch hier zum Teil die gleichen Algorithmen verwendet wurden.
Die Charaktere der vier klassischen Ampmodelle werden gut simuliert, und auch die zwei BOSS Eigenkreationen brauchen sich nicht verstecken. Bei dem Lead-Stack sind die oberen Mitten auffallend stark ausgeprägt, wodurch er gerade bei Soloparts ein Garant für Durchsetzungskraft ist.
Der Distortion-Block bietet für jeden Geschmack die passende Zerre und überzeugt dabei in allen Kategorien. Das integrierte, regelbare Noisegate bändigt die Nebengeräusche die zwangsläufig bei hohen Verzerrungsgraden auftauchen.
Auch die Modulationseffkte und Echos, so wie der Kompessor erklingen in gewohnter BOSS-Qualität. Vom Sound her etwas chemisch wirkt der Defretter, mit dem eine Fretlessgitarre ohne Bünde simuliert werden kann. Das gleiche gilt für den Harmonist, dessen digitale Mehrstimmigkeit eher an „Super Mario“-Sounds erinnert und dabei auch leider in den Obertönen eine leichte Latenz aufweist.

Im Großen und Ganzen ist das Klangbild des BOSS ME-70 sehr sauber und klar. Die Speakeremulation eignet sich gut für Live-Anwendungen ohne Verstärker, wenn das Signal des Multieffekts direkt am Mischpult der PA anliegt. Aber auch für den Homerecording-Artisten bietet das Gerät sehr hochwertige Klänge.
Viel interessanter wird es natürlich in Kombination mit einem Gitarrenamp, da nun die Klangeigenschaften beider Geräte zusammenfließen. Gerade ein Röhrenverstärker kann die digitale Herkunft des ME-70 gut verschleiern aber davon selbst natürlich gehörig profitieren. Besonders das Zusammenspiel von digitaler und analoger Zerrung bietet unzählige Klangvariationen!

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Fazit

BOSS hat nicht nur einen gelungenen Nachfolger des ME-50 geschaffen, sondern auch eine günstige Alternative zum „großen“ Bruder, dem GT-10. Die Bedienung des ME-70 ist genial einfach und dürfte jeden Technik-, Untermenü- und Handbuchmuffel voll und ganz zufrieden stellen.
Auch die Verarbeitung und Qualität des Gehäuses ist vorbildlich, nur eine Übersteuerungsanzeige wäre wünschenswert gewesen.
Stilistisch ist das ME-70 Genre-übergreifend anwendbar, da für eigentlich jede Musikrichtung etwas Passendes dabei ist und der Sound stets hochwertig klingt.

Es lohnt sich auf jeden Fall das BOSS ME-70 einmal zu testen!

 

Plus

  • Bedienung
  • Sound
  • solide Verarbeitung

Minus

  • keine Clipanzeige
  • Netzteil nur optional erhältlich

Preis

  • UVP: 299 Euro / Straßenpreis ca. 269 Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    OSCGitarrist  

    Ich vermisse schmerzlichst MIDI-IN/OUT/THRU!
    Vor allem Delays sollten unbedingt synchronisierbar sein. Wirklich schade. Das hatte sogar das BOSS VF-1 schon!

    • Profilbild
      Stephan Güte  RED

      Stimmt..wäre schon praktisch und man fragt sich warum dort keine MIDI Schnittstelle integriert ist- wenn das bei vielen anderen Geräten (auch günstigeren) schon lange eigentlich Standard ist.
      Nicht nur für die synchronisation der Delays wäre das interessant, ich denke da erstmal an ganz einfache Dinge wie z.B. den über Jahre genutzten Lieblings-Effektprozessor mit in das System einzubinden und per MIDI zu steuern.

      • Profilbild
        AMAZONA Archiv

        Ich fürchte irgendeinen Grund muss Boss doch noch aufrecht erhalten, warum man das GT-10 kaufen soll. Aber ich muss sagen, so wie das ME-70 von der Bedienung und vom Aufbau her aussieht wäre das mein eigentlicher Favorit. Mal davon abgesehen, dass ich das schwarz (wie beim GT-8) vom Aussehen her als wesentlich wertiger empfinde.

        • Profilbild
          Stephan Güte  RED

          Ja, das GT 10 is ja auch schon ein toller Happen..aber das beste Gerät der Serie ist IMHO immer noch das GT-PRO, die Effektqualität, die Grundsounds und die Flexibilität dieser Kiste sind schlicht unfassbar..für alle die es interessiert habe ich hier bei Amazona eine Workshopreihe mit dem GT-Pro verfasst, schaut mal im Archiv, gibts jede Menge Soundclips..UNBEDINGT mal antesten!!!

  2. Profilbild
    toom

    Würdet ihr sagen, dass man es kaufewn sollte?
    Ich spiele noch nicht so lange Gitarre, aber in ener Band & daher wollte ich wissen, ob es sichlohnen würde, es sich zu kaufen?!

    • Profilbild
      Stephan Güte  RED

      Hi, Toom

      hast Du denn eine Möglichkeit den Sound des ME-70 auch zu verstärken? Hast Du bereits einen Verstärker? Oder habt ihr in eurem Proberaum eine PA oder ähnliches? Wenn JA, dann hol´s Dir und hängs dran ;)

      Gruss,

      Stephan

      • Profilbild
        toom

        hey
        danke
        also wir haben ein Bell MDA 1600 Mischpult!!
        Ich habe einen Cube 30 x
        denkst du das Gerät ist auch etwas für Profis?
        Glaubst du dass das Gerät an meinem Verstärker gut klingt?
        wie lange spielst du schon gitarren??

        Bitte antworte

        PS: GLAUBST DU DASS DAS BOSS GT 6 BESSER ALSO DAS BOSS ME 70 IST????

  3. Profilbild
    Stephan Güte  RED

    Hi, Toom

    ich würde dir raten das ME-70 an euren Mixer zu hängen, der kleine Cube nimmt ihm sonst „den Raum“, damit sind z.B. die Stereoeffekte wie Delay, Chorus,etc. gemeint. Das ME-70 ersetzt Soundmäßig den Cube, komplett.

    Ich spiele schon ganz schön lange..25 Jahre dürftens doch schon sei mittlerweile..Kinners, was die Zeit verfliegt..;)

    ..“GLAUBST DU DASS DAS BOSS GT 6 BESSER ALSO DAS BOSS ME 70 IST????..“

    Kurz und knapp : Nein.

    Viele Grüße,

    Stephan

    • Profilbild
      toom

      ok
      danke du hilfst mir wirklich sehr viel weiter, aber ich habe immer noch Frage

      1.Der Nachteil ist doch an dem Boss Me 70, dass wenn ich phaser und flanger in Einem Stück brauche es nur auf einem Pedal habe, oder?
      Und dann müsste ich doch während des Stückes umschalten

      2.Ok das Teil ist auch was für Profis, oder?

      Ok das wärs dann erstmal

      Danke

      Gruß Toom

  4. Profilbild
    dirtyalexx

    Ich hatte beide Geräte und fand das ME-70 vom Klang her BESSER als das GT-10, diese überflüssigen Verstärkeranpassungen der GT-s braucht kein Mensch, wenn es einem um gute Effekte geht. Wegen dieser Frequenzverschieberei klingen GT-Effekte niemals so authentisch wie ME- Effekte, weil ja immer das Frequenzbild verändert wird, und es keine neutrale einstellung gibt.

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