Test: Chandler Limited TG2 500, TG12345 MKIV, Mikrofonvorverstärker/Equalizer

8. April 2019

Sound Legenden fürs API-500-Format

    chandler limited tg200 preamp tg12345 mkivChandler Limited TG2 500, TG12345 MKIV

Zwei Legenden bitten zum Test: Chandler Limited stellt zwei Module als 500er-Serie bereit, den TG2 500 Preamp und den TG12345 MKIV EQ. Wer in der Lage ist, mit zwei kleinen Logos auf seinen Produkten die Assoziation herzustellen, ganze Musikdekaden klanglich entscheidend mitgestaltet zu haben, darf ruhig das Wort Legende in den Mund gelegt bekommen. Zieren doch das EMI und Abbey Road Studios Logo die unteren Frontabschnitte der hier zum Test gebetenen Module.

Es geht auch in klein und handlich, will heißen, die Sounds, die ich mir von beiden Geräten zu erwarten hoffe, passen in die Lunchbox-Kassette. Chandler Limited hat diverse Module als 500er-Serie herausgebracht, Stand Januar 2019 sind es sieben an der Zahl. Unser Test konzentriert sich auf den Mic Preamp TG2 und den TG 12345 EQ.

-- Luchbox bento 6s mit Chandler Limited TG 2-500 und TG 12345 MKIV EQ --

Luchbox Fredenstein Bento 6s mit Chandler Limited TG 2-500 und TG 12345 MKIV EQ

Chandler Limited: wieso weshalb warum?

Mit dem Slogan „Vintage Unlimited“ macht seit 2011 das in Iowa, USA, lokalisierte Familienunternehmen um Wade Goeke binnen kürzester Zeit Wirbel in der Audio-Szene. Hatte man sich doch die Neuauflage klassischer nicht mehr erhältlicher oder niemals regulär veröffentlichter Analogprozessoren auf die Fahne geschrieben. Prio 1 hat der professionelle Einsatz in modernen Tonstudios. Designs von Rupert Neve und Abbey Road, diese kommen mit weiterentwickelten Basisschaltkreisen, machen die 500er-Module zu gerne gesehenem Equipment, denn wie einst deren Originale zur Realisation zahlloser Meilenstein-Alben eingesetzt wurden, soll das heutige Equipment Produktionen mit speziell diesem Retro-Charme zur Seite gestellt bekommen.

Zur letztjährigen Frankfurter Messe konnte ich die Jungs am Stand persönlich kennenlernen und schon damals war das Glitzern in den Augen bei der Produktbeschreibung deutlich zu erkennen. Der deutsche Vertrieb S.E.A. stellt AMAZONA.de zwei Chandler Module zum Test zur Verfügung, die ins handliche 500er-Luchbox-Format passen.

Chandler Limited TG2 500, TG12345 MKIV

Als Luchbox-Kassette dient mir dazu die Fredenstein Bento 6s, die mit sechs freien Slots auf die High-End-Module wartet. Der Hersteller Fredenstein hat neben puristischem Design praktisches Handling in den Vordergrund gerückt. Wir reden von nicht rackfähigen 500er-Formaten, d. h. diese Lunchbox wird wohl in den allermeisten Fällen irgendwo sichtbar auf einem Case, Tisch oder anderem Mobiliar stehen und da will der Strippenzieher auch in Sachen Optik keinen bunt blinkenden trendigen Quatsch haben. Zeitlos muss es sein, funktional und solide verarbeitet. Fredenstein liefert mit der Bento 6s Lunchbox diese Attribute ab, kann man mit dem linker Hand platzierten Tragegriff die Unit jederzeit bequem waage- oder senkrecht positionieren oder im Haus bzw. irgendwo unterwegs rumtragen, denn warum sollten die Herren nicht auch mal ne teure Handtasche besitzen?

Spaß beiseite, die Module sind leichtgängig einzupassen und werden von zwei Frontschrauben, die oben und unten an den Modulfrontplatten für Halt sorgen, festgeschraubt. Es stehen Phantomspeisungen zur Verfügung,+/-16 V sowie +48 V können an die Module intelligent ausgegeben werden. Rückseitig sind I/Os und AUX I/Os in XLR je Modul bereitgestellt, nach der Reihe bis maximal sechs Module können der Folge nach zusammengeschaltet werden, dies passiert mit dem Kippschalter Audio Link. Mit Comp Bus steht ein weiterer Kippschalter parat, der zwei Mono-Module als Stereo-Pärchen zusammenschaltet.

-- Bento 6s Speisungen --

Bento 6s Speisungen

Die Fredenstein Lunchbox Unit hat einen Groundlift und kann dank des 90-240 VAC Stromanschlusses weltweit eingesetzt werden. Zur Ansicht der Link zur Box, die auch mit einem Rackmountkit als 19″-Teil erweitert werden kann.

Chandler Limited Mic Preamp TG2

Drei Regler, zwei Kippschalter, zwei Druckschalter und fertig. Purismus mit Historie ist angesagt. Der seinerseits mit gleichen Features ausgestattete Preamp hat, trotz des minimal Nötigen, einiges auf der Pfanne, ist er nicht auch bei Pink Floyds Album Klassiker Dark Side of the Moon zum Einsatz gekommen. Die Kippschalter wählen den gewünschten Mic- bzw. Line-Input und die Impedanz von 300 bzw. 1200 Ohm. Eine Phantomspeisung von +48 V kann ebenso zugeschaltet werden wie die Phasenumkehrung. Was wirklich justiert werden kann, ist das Grobe, sprich Coarse-Gain, welches mit +5 dB Schritten geregelt werden kann. Das Feine sprich Fine-Gain, ist dem Coarse-Gain zugeordnet und steht auf der 12 Uhr Stellung neutral. Das Fine-Gain kann den Input um +/-10 dB feinfühlig anpassen. Somit steht dem Preamp ein maximales Gain von +60 dB bei minimalem Gain von +10 dB zur Verfügung.

-- Chandler Limited Preamp Drehregler --

Chandler Limited Preamp Drehregler

Klanglich liefert das Chandler Limited 500 Modul genau das ab, was ich erwartet hatte. Zeitloser unaufdringlicher Klang, egal was man in die Kiste reingibt. Zum Vergleich habe ich meine Digi 002 genutzt. Die Gitarrenspur wurde mit einem Sontronic Orpheus Mikro mit 0 dB Kugel und Niere aufgenommen, das Signal per Splitter in den TG2 500 bzw. direkt in die Digi 002.

Das Bass-Signal wurde Avalon U5 DI verstärkt per Line-In-Modus im TG2 Modul aufgenommen.

Die Vocals, ich betone an dieser Stelle ausdrücklich, dass ich kein Sänger bin, wurden mit einem Neumann TLM 192 bzw. einem dynamischen Sennheiser MD421 aufgenommen. Das Rauschen der Spuren kommt vom IMG Stage Line Splitter, der leider bisserl Nordsee-Idylle zum Signal mischt. Der TG2 500 arbeitet auch bei voll aufgedrehtem Gain absolut rauscharm, was ihn sehr interessant für dynamische Mikrofone macht. Was noch interessanter ist, ist die Widerstand-Schaltmöglichkeit 300 Ohm bzw. 1200 Ohm. 300 Ohm klingen bei Ribbon-Mikros und Mikros mit niedriger Impedanz interessant. Doch liegt „interessant“ immer im Auge des Betrachters und natürlich im Ohr des Producers. Hier gilt testen und individuell nach Wunsch und Zweck entscheiden.

Chandler Limited TG2 500, TG12345 MKIV

Chandler Limited TG 12345 MKIV EQ

Ist der Mic-Preamp schon sehr übersichtlich ausgestattet, setzt der EQ in Sachen Reduktion noch einen drauf. Bildlich gesprochen kann der TG 12345 MKIV einen Badewannen-EQ bzw. die gegenteilige Einstellung erzeugen. Beschneidet oder boostet der EQ doch den Bass- bzw. Höhenbereich.

-- Chandler Limited EQ Regler Bassbereich --

Chandler Limited EQ-Regler Bassbereich

Die Schaltung im Einzelnen

Per Druckschalter wird die Kernfrequenz für den Bassbereich gewählt, ab Werk 150 Hz, bei gedrücktem Schalter 90 Hz, die dann per Band um +/-10 dB Veränderung erfahren. Optisch schaut das mögliche Frequenzbild wie eine liegende Stimmgabel aus. Der zugeordnete Drehregler agiert stufenlos.

Der obere Frequenzbereich, im Modul Presence betitelt, ist recht pfiffig aufgebaut. Acht fest vorgegebene Frequenzen von 0,5 bis 10 kHz können per Positionsschalter angewählt werden, danach per stufenlosem Drehregler um +/-10 dB verändert werden. Als Besonderheit wird die 10 kHz Frequenz als High-Shelf-Kurve zur sonstigen Glockenkurve vorgegeben. Der Presence-EQ kann auch, wenn linksseitig auf 8 Uhr eingestellt, komplett ausgeschaltet werden, um im Modul nur den Bassbereich zu bearbeiten.

Sounds von Chandler Limited Mic Preamp TG2 und TG 12345 MKIV EQ

Am Ende steht immer der Fokus auf den zu erwartenden Sound und hier wird man nicht enttäuscht. Es klingt retro und doch modern. Zeitlos hatte ich bereits in Verbindung mit dem Preamp erwähnt, das trifft in vollem umfang auch auf den EQ zu. Egal ob ein Mic- oder Line-Signal durch den EQ auf den Rechner geschickt wird oder ein bereits in der DAW aufgenommenes Signal noch per Insert verschönernd bearbeitet werden soll, der feingriffige EQ klingt wunderschön weich und warm und hinterlässt keine Wünsche lediglich Begehrlichkeiten. Denn es muss immer bedacht werden, dass ein Modul lediglich ein Mono-Signal generiert, so ergibt der Einsatz des EQs schon vor der DAW durchaus Sinn, summieren sich doch die vor-optimierten Signale im Rechner und können dann gemischt werden. Wer größere Budgets verwaltet, kann auch den Mix mit mehreren EQs bestückt fahren.

Die Klangbeispiele zeigen alle erdenklichen EQ-Manipulationen am aufgenommenen Signal. So kann das geübte Ohr schon die Bandbreite des EQs erfassen.

-- Lunchbox ToGo --

Lunchbox ToGo

Fazit

Chandler Limited bereichert den Pro-Audio-Markt mit einigen 500er-Modulen, die in das Lunchbox- Format passen. Teils mit erweiterten Basis-Schaltungen ausgestattet liefern die Test Module TG2 500 Preamp und TG12345 MKIV EQ ein beeindruckendes Ergebnis und trotz minimalistischer Ausstattung flexible zeitlose Klangergebnisse. Wer klassische Retro-Sounds mit moderner Technik ausgestattet kombiniert mag, liegt hier goldrichtig und sollte die Module unbedingt antesten.

Plus

  • Preamp: arbeitet generell sehr feifühlig und rauscharm
  • EQ: pfiffige Schaltung, trotz 2-Band-EQ sehr variabele Sounds
  • Preamp und EQ: klassischer zeitloser unaufdringlicher Sound

Minus

  • kein Stereo-Link zu weiteren Modulen möglich

Preis

  • Ladenpreise:
  • Chandler Limited TG2 500 Preamp: 1.149,- Euro
  • Chandler Limited TG 12345 MKIV EQ: 1.249,- Euro
Klangbeispiele
Forum
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        psv-ddv  AHU

        Das widerspricht sich ja nicht.
        Allerdings dürfte das 19″ Format weiter verbreitet sein als das API500 Format, trotz dessen Popularität in den letzten Jahren.
        Gemessen daran gibt es schon eine auffällige Flut von 500er Pres.

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          #n3rd4l3r7  

          Nunja, die Firmen haben den Trend erkannt und wollen natürlich auch ein Stück vom Kuchen ab. Sieht man doch auch am Wiederaufleben von Modularen Synthesizern. ALLE bekannten Firmen mischen da mit. Warum wohl?

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