Test: Cort MR 710F NS2, Akustikgitarre

25. Dezember 2018

Verdammt attraktive Akustikerin!

Cort MR 710F NS2

Die Cort MR 710F NS2

Dass die koreanische Firma Cort ganz hervorragende Instrumente in der unteren Preislage bauen kann, davon konnten wir uns erst wieder vor Kurzem in einem Test überzeugen. Damals ging es um die Kopie einer Les Paul und die unverschämt gute und günstige CR-250 hat uns alle mal wieder verblüfft: Perfekt verarbeitet, klasse bespielbar und mit einem Klang, der dem des Originals beängstigend nahekommt. Jetzt ist es mal wieder an der Zeit, uns ein akustisches Instrument von Cort zu betrachten, zum Test ist die Cort MR 710F NS2 bei uns in der Redaktion eingetroffen. Ihr Preis und ihre Ausstattung klingen mal wieder sehr reizvoll, nur 350,- Euro sind für diese Dreadnought zu berappen, die in ihrer zweiten Auflage seit Sommer dieses Jahres im Handel erhältlich ist.

Cort MR 710F NS2 front

Cort MR 710F NS2 – Facts & Features

Die Zeiten, in denen eine Gitarre aus Fernost zum überwiegenden Teil aus Sperrholz gefertigt und auch sonst eher ein trauriges Bild abgaben, sind seit Langem schon vorbei. Und so erhält auch die Cort MR 710F NS2 eine massive Decke aus Sitkafichte, die in unserem Fall wie das komplette Instrument von einer Satinlackschicht überzogen ist und von einem cremefarbenen Binding umrandet wird. Die Qualität der Maserung geht absolut in Ordnung, darf aber natürlich nicht mit Instrumenten der Premiumklasse verglichen werden. Zum Schutz gegen Kratzer auf der Decke dient ein aufgeklebtes Tortoise-Pickguard, das sich an die Rosette mit ihren dezenten Perlmutteinlagen anschmiegt. Ein Blick durch das Schallloch in das Innere des Korpus zeigt eine makellose Verstrebung, auffallen tut lediglich die 9-Volt-Batterie des integrierten Vorverstärkers, der im oberen Zargen eingesetzt wurde. Die MR 710F NS2 besitzt einen Fishman Presys Preamp, der die Gitarre fit für den Einsatz auf der Bühne oder im Studio machen soll. Seine Funktionen und vor allem den Klang, den er produziert, betrachten wir uns jedoch später noch genauer.

Der zweigeteilte Boden sowie die Zargen des Korpus bestehen aus Mahagoni, auch hier wurden massive Teile von guter Qualität verwendet, die ebenfalls von einem sauber eingesetzten Binding umschlossen werden. Ein Binding ist faktisch an jeder Stelle der Gitarre zu entdecken, mit Ausnahme der Kopfplatte. Die ist wiederum Bestandteil des Halses und den schauen wir uns jetzt an.

Cort MR 710F NS2 2

Cort MR 710F NS2 – der Hals

Verwöhnten E-Gitarristen, dem Gelegenheitszupfer und vor allem Anfängern wird der schlanke Mahagonihals sicher auf Anhieb gut gefallen. Er liegt sehr angenehm in der Hand und durch die satinierte Rückseite entsteht ein sehr natürliches und zugleich „griffiges“ Spielgefühl. Hinzu kommt die sehr gute Werkseinstellung, die Saitenlage wurde bei unserem Instrument optimal eingestellt, was ja fast schon einem Wunder für ein Instrument in dieser Preisklasse gleicht. Da macht das Cutaway mal Sinn, denn Ausflüge jenseits der Oktavlage zum Solieren sind hier überhaupt kein Problem.

Die 20 Bundstäbchen setzen der Greifhand ebenfalls keinen nennenswerten Widerstand entgegen, die Bunddrähte wurden sauber in ein Griffbrett aus Ovangkol eingesetzt und sorgfältig an ihren Kanten abgerichtet. Etwas nachlässig wurde jedoch beim Polieren der Oberflächen vorgegangen, sodass hier deutliche Schabgeräusche entstehen, wenn die Saite(n) gezogen werden. Aber das erledigt sich nach einer Weile der Benutzung von selbst, seltsam ist es aber trotzdem – bei der insgesamt vorbildlichen Verarbeitung der Gitarre.

Die Saiten werden über einen 43 mm breiten Sattel aus Wasserbüffelknochen zu den sechs Mechaniken an der Kopfplatte geführt. Die Tuner besitzen schwarze Knöpfe aus Kunststoff und arbeiten erfreulich leichtgängig und präzise, ehrlich gesagt hätte ich hier eigentlich einen Schwachpunkt erwartet. Berichten kann ich allerdings nichts Negatives, denn neben ihrem weichen Lauf halten sie die Gitarre darüber hinaus auch bestens in Stimmung! Ein Inlay mit einer Raute aus Perlmutt sorgt für eine dezent edle Optik der Kopfplatte.

Cort MR 710F NS2 Headstock

Der Onboard-Preamp Fishman Presys

In der oberen Zarge eingesetzt befindet sich der eingebaute Preamp, den der Spezialist Fishman beisteuert. Das Teil ist ziemlich luxuriös ausgestattet, neben einer Vierband-Klangregelung (Bässe, Mitten, Höhen und Brillanzen inkl. Rasterung in der Mittelposition der Regler) verfügt der Fishman Presys weiterhin über eine Stimmfunktion, einen Phasenumkehrschalter sowie ein Notchfilter, um eventuell auftretende Feedbacks wirkungsvoll unterdrücken zu können. Sollte dem integrierten 9-Volt-Block mal die Puste ausgehen, dann lässt er sich durch das Lösen der Verriegelung und dem Herausklappen des kompletten Preamps ganz schnell aus seinem Schlitten herausnehmen und ersetzen. Angezeigt wird der nötige Wechsel des Saftspenders über eine kleine LED oberhalb des Displays des Tuners, die im Falle des Falles ein rotes Licht abgibt.

Der Tuner arbeitet übrigens einwandfrei und spricht gut und zügig auf die angeschlagene Saite an, ohne dabei in ein hektisches „Zappeln“ zu fallen. Erfreulicherweise wird das Signal am Klinkenausgang während des Stimmens  deaktiviert, so muss man dem Publikum nicht übermäßig auf die Nerven gehen. Die Klinkenbuchse ist auch hier wieder eine Kombination aus Buchse und Gurthalteknopf, einen weiteren Gurtknopf finden wir bereits am Halsfuß eingesetzt. Es muss also niemand den Gurt an der Mechanik der tiefen E-Saite befestigen, was auf Dauer erfahrungsgemäß das sichere Ende der Mechanik bedeuten würde. Don’t do this!

Cort MR 710F NS2 – ein kurzes Zwischenfazit

Nach der ersten genauen Betrachtung der Koreanerin bleibt viel Gutes haften, das weniger Gute beschränkt sich ausschließlich auf die unzureichend polierten Oberflächen der Bünde und selbst das wird schon nach kurzer Zeit der Benutzung Geschichte sein. Ansonsten aber präsentiert sich die Cort MR 710F NS2 fast schon erwartungsgemäß als sehr gut verarbeitete und dank des schlanken Halses eben so gut bespielbare Dreadnought-Westerngitarre, die wir uns jetzt in der Praxis genauer anschauen werden.

Cort MR 710F NS2 – Sound & Praxis

Cort MR 710F NS2_3

Absolutes Highlight der Cort-Akustik ist für mich persönlich ihre sehr gute Bespielbarkeit „Out of the box“, was für einen Westerngitarre dieser Preisklasse schon recht außergewöhnlich und vor allem nicht selbstverständlich ist. Der Klang selbst bietet Licht und Schatten gleichermaßen, gut gefallen kann das scharfe Attack und der kräftige, fast schon singende Mittenbereich. Die Höhen sind hingegen etwas unterrepräsentiert im Frequenzbild, zudem ist das Sustain nicht besonders stark ausgeprägt. Aber o.k., um sich (in einer Band) durchzusetzen, ist ein kräftiges Mittenbild allemal mehr wert als ein ewiges Sustain im Sound.

Der Klang des Presys-Preamps überrascht hingegen positiv und es spricht überhaupt nichts dagegen, die MR 710F NS2 auch mal direkt aus dem Klinkenausgang in die Soundkarte des Computers einzuklinken und damit wirkungsvolle Aufnahmen zu erstellen. Denn der EQ mit seinen vier Bändern arbeitet sehr effektiv und durch die Mittenrasterung der Regler hat man stets die Kontrolle über deren aktuelle Positionen.

Wie die Gitarre mit dem Signal aus dem Preamp klingt, können wir in den folgenden Klangbeispielen hören. Dazu habe ich die Cort direkt aus ihrem Klinkenausgang an mein UAD-Interface angeschlossen. Der Reiz war groß, noch etwas Hall hinzuzufügen, ich gebe es zu und so hört man ja Westerngitarrensounds in aller Regel ja auch sehr gerne. Hier und jetzt aber hören wir den Sound der Gitarre bzw. des Preamps ohne weiteres Zutun, lediglich die Pegel wurden in Logic Audio nahe der 0-dB-Marke angeglichen. Das ist auch nötig, denn mit Anheben der Frequenzbänder des EQs steigt natürlich auch die Lautstärke des Signals insgesamt. Wir hören vier Klangbeispiele, jeweils ein Picking- und ein Schlagmuster mit 50 bzw. 100 % angehobenen Frequenzbändern des Fishman Presys Preamps.

Fazit

Unzureichend polierte Bundstäbchen hin oder her: Ich komme trotzdem nicht drum herum, der Cort MR 710F NS2 unser Best-buy-Prädikat zu verleihen! Man fragt sich wirklich, wie es die Koreaner immer wieder schaffen, derart ausgereifte Instrumente für solch einen Spottpreis anzubieten. Zumal im Falle unseres Testinstruments sogar noch ein Marken-Preamp verbaut wurde. Von daher alle Daumen nach oben und ein ganz heißer Tipp für Leute, die das Bestmögliche für ihr hart Erspartes abgreifen wollen!

Plus

  • Klang
  • sehr gute Bespielbarkeit
  • Verarbeitung
  • Werkseinstellung
  • Onboard Fishman Presys Preamp

Minus

  • unzureichend polierte Bundoberflächen

Preis

  • Ladenpreis: 329,- Euro
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