Test: Taylor 314Ce V-Class, Akustikgitarre

4. November 2018

Akustische Spitzenklasse

Taylor 314Ce V-Class titel

— Taylor 314Ce V-Class —

Die Firma Taylor Guitars gehört zur Spitze der Akustikgitarrenhersteller in den USA, seit Mitte der siebziger Jahre schon verlassen hochwertig gefertigte Instrumente die Werkstätten des Herstellers im sonnigen El Cajon/Kalifornien. Die Taylor 314Ce V-Class ist genau solch eine Gitarre: handgefertigt und mit einigen Besonderheiten ausgestattet, darunter das patentierte V-Class-Bracing der Decke sowie ein Preamp aus eigener Herstellung, dessen Bedienelemente unauffällig in das Design des Korpus integriert wurden. Doch eins nach dem anderen, betrachten wir die Taylor 314Ce V-Class im Folgenden von Kopf bis Fuß.

Taylor 314Ce V-Class  – Facts & Features

Kommen wir doch gleich mal zu der Besonderheit der Gitarre, die sich V-Class nennt. Hierbei handelt es sich um die Verstrebungen der Decke, die im Falle der 314CE aus einem einteiligen Stück Sitka-Fichte besteht. Obwohl das „X-Bracing“ seit über einem Jahrhundert Standard bei der Herstellung einer akustischen Gitarren ist, erzeugt diese Art der Fertigung immer auch einen Konflikt zwischen zwei Hauptelementen des Klangs: der Lautstärke und dem Sustain. Die Gitarrendecke spielt dabei eine maßgebliche Rolle. Die Flexibilität der Decke erzeugt Lautstärke, während seine Steifheit Sustain erzeugt. Mit den herkömmlichen X-Brace-Verstrebungen ist somit immer nur ein Kompromiss möglich, denn wenn etwas steifer gemacht wird, wird folglich die Flexibilität reduziert (und umgekehrt). Das Taylor V-Class Bracing soll das ab sofort ändern. Durch die neue Art der Verstrebung kann eine Akustikgitarrendecke sowohl steif als auch flexibel sein – für mehr Volumen bei unveränderten Eigenschaften im Sustain. Diese Innovation verbessert laut Hersteller auch die Intonation und soll damit nicht nur Noten erzeugen, die lauter und mit längerem Sustain klingen, sondern auch besser aufeinander abgestimmt sind.

Ein Marketinggag des Herstellers oder wirklich ein bedeutender Schritt nach vorne in der Herstellung von Akustikgitarren? Ehrlich gesagt möchte ich das nicht beurteilen, denn zum einen sind die Verstrebungen unter der Decke nicht so einfach zu erkennen und zum anderen glänzt die 314CE ohnehin mit einer famosen Performance in beiden Kategorien, der Lautstärke UND dem Sustain, das kann ich hier schon mal getrost verraten! Und auch der Blick durch das Schallloch zeigt eine absolut hochwertige Verarbeitung, es sind weder Holzspäne, Leimreste oder sonstige Verarbeitungsmängel sichtbar. Somit sollte man davon ausgehen können, dass es unter der Decke nicht weniger perfekt ausschaut. Das folgende Foto zeigt das neue Taylor V-Brace-System, in dessen Genuss auch unser Testinstrument gekommen ist.

Taylor 314Ce V-Class bracing

— Das Taylor V-Bracing-System —

Decke und Boden der Gitarre wurden aus Sapele hergestellt, einem Holz, das sowohl vom Klangverhalten, als auch von der Optik dem Mahagoni sehr nahe kommt. Und es sieht verdammt gut aus, bei dieser gebotenen Qualität reicht hier schon eine Satinlackierung, um das voll zur Geltung zu bringen! Abgerundet werden Vorder- und Rückseite von einem schwarzen Binding, das sich auch am Hals fortsetzt.

Taylor 314Ce backside

— Wie war das noch gleich mit dem schönen Rücken? —

Der wiederum besteht aus einer dreiteiligen Mahagonikonstruktion, das eigentliche Halsstück, die Kopfplatte und der Halsfuß wurden zu einer Einheit zusammengesetzt und mit einem Ebenholzgriffbrett bestückt. Das Halsprofil ist sehr moderat, ja fast schon zierlich ausgefallen, was zusammen mit dem guten Werkssetting beste Voraussetzungen für eine gute Bespielbarkeit bietet. Für den einen oder anderen Umsteiger bzw. Einsteiger könnte lediglich die Sattelbreite von 44,5 mm etwas Eingewöhnungszeit beanspruchen, obwohl die Taylor 314Ce V-Class in diesem Punkt im Mittelfeld anzutreffen ist, es geht schon noch breiter.

Geschmackvolle, dezente Perlmutt-Inlays an den gewohnten und geschätzten Positionen sorgen für die Orientierung auf dem Griffbrett. Ein Sonderlob gibt es auch hier zu vermelden, denn die 20 Bunddrähte wurden meisterhaft eingesetzt und perfekt abgerichtet, nichts hakt, kratzt oder steht über. Ein Blick über das Griffbrett der Gitarre im „Kimme-und-Korn-Stil“ verdeutlicht dies und macht zudem klar, aus welchem Grund unser Testinstrument mit so einer angenehmen Saitenlage erscheint.

Taylor 314Ce V-Class  – Hardware

Zugegeben, so viel Hardware findet man an einer akustischen Gitarre ja nun nicht, das liegt in der Natur der Sache. Die wenige Ausstattung mit Metallteilen, die die Taylor 314Ce V-Class besitzt, beschränken sich auf die sechs verchromten und voll gekapselten Nickelmechaniken an der Kopfplatte, die im unverwechselbaren, klassischen Taylor-Design erscheint. Es sind ganz feine Mechaniken, denn sie ermöglichen nicht nur ein sehr feinfühliges und präzises Stimmen, sondern sind auch im Halten der Stimmung ganz vorne mit dabei. Etwas fällt jedoch auf: Beim Bohren des Lochs der Mechanik der tiefen E-Saite scheint wohl nicht ganz akkurat vorgegangen worden zu sein, denn die E-Saite berührt in diesem Zustand die A-Saite ganz leicht. Beim Aufziehen einer dickeren Saitenstärke könnten sich die beiden Drähte berühren und damit durchaus Probleme im Stimmverhalten des Instruments verursachen.

Taylor 314Ce Headstock

— Etwas unglückliche Saitenführung der (tiefen) E-Saite —

Klangbeispiele
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