Test: Cybersound Dark Room, Hall-Effektprozessor

12. Dezember 2020

Quadratisch, praktisch, klingt

Hardware-Reverb aus der Boutique

Cybersound ist ein Boutique-Hersteller von Effektgeräten, Synthesizern und Eurorack-Modulen mit dem Motto „Handmade with Love in Germany“.  Aufmerksam auf Cybersound bin ich unter anderem durch den Cybersound T-1 Bassynthesizer geworden.

Neben dem Cybesound T-1 sind auf der Homepage aber auch Effektprozessoren zu finden, wie z.B. das Cybersound Sound Maxx II. Beide haben wir hier auf AMAZONA.de schon getestet – und beide konnten meinen Kollegen überzeugen.

Der Cybersound Dark Room ist ein digitales Effektgerät, das Halleffekte, aber auch Chorus und Delay, erzeugen kann. Die interne Signalverarbeitung erfolgt mit 24 Bit, es sind Burr-Brown OP-Amps verbaut, die Effekte werden in Studioqualität erzeugt.

Der Dark Room ist vom Konzept her als einfach zu bedienendes Effektgerät mit Betonung auf Effekt angelegt – es werden keine natürlichen Hallräume simuliert, sondern es werden wirkungsvolle Halleffekte generiert, die dem Original zugemischt werden können.  Eine Besonderheit des Darkroom ist dabei die variable Clock bzw. Sample Rate, die mit einem eigenem Regler im laufenden Betrieb verändert werden kann. Weiters ist im Gerät ein monophoner Instrumentenvorverstärker mit Lautstärkeregelung verbaut, sodass der Dark Room auch als Gitarreneffektgerät verwendet werden kann. Da ich Tastendrücker bin, habe ich im Rahmen dieses Tests den Dark Room vor allem mit Keyboards und E-Pianos gefüttert und dabei teilweise auch den Vorverstärker benutzt.

Cybersound Dark Room, quadratisch, praktisch, rot:

Wenn man die Luftpolsterfolie abgewickelt hat, hält man ein kompaktes (ca. 12/9/5cm), rot beschichtetes Gehäuse in Händen, das erstaunlich leicht ist. Die Beschriftung des Cybersound Dark Room ist schwarz aufgedruckt und somit sehr gut lesbar. Alles ist hochwertig ausgeführt und sauber verarbeitet. Die Regler sitzen fest, hier wackelt und eiert nichts.

Frontseitig befindet sich der Power-Wippschalter, dieser ist erfreulich groß und wertig – da können sich manche Großserienproduzenten hinten anstellen. Hier verwendet ein Boutique-Hersteller ordentliche Bauteile, manche Geräte von bekannten Herstellern laufen unter dem Label Boutique und verbauen Schalter…..aber lassen wir das.

On Top befinden sich 6 Drehregler am Cybersound Dark Room für die Parametersteuerung (Sample Rate, Decay, Tone, Chorus / Shift, Guitar Vol und Mix), ein Wahlschalter für die 8 Effektprogramme sowie der Buffered / True Bypass Schalter. Eine grüne ON Led signalisiert, dass der Effekt eingeschaltet ist, eine rote Peak LED signalisiert eine Übersteuerung im Signalweg.

Rückseitig befinden sich die Ein- und Ausgänge sowie die Netzteilbuchse. Ein Netzteil wird mitgeliefert (in AC 100-240V,  out 9V,1A); es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, das nur das Originalnetzteil verwendet werden soll, wobei die Spannungsversorgung auf Rückfrage wie folgt angegeben wird: 9 – 12VDC, 100mA, externes Steckernetzteil (Pin = Pluspol).

Technisches:

Vom Signalfluss her weist der Dark Room zwei Besonderheiten auf:

Er verfügt über einen monofonen Instrumentenvorverstärker mit Volume Regler. Ist eine Signalquelle am Guitar In angesteckt, sind die zwei Stereo In-Buchsen automatisch stummgeschaltet. Somit können Gitarren, aber auch Rhodes, CP70 etc. direkt an den Dark Room angeschlossen werden. Das Signal wird optimalerweise so eingestellt, das die Peak – LED nur kurz aufleuchtet, außer man möchte das Signal bewusst verzerren.

Die zweite Besonderheit des Cybersound Dark Room ist die sogenannte True-Bypass Schaltung. Ist der Effekt auf Bypass, wird das Signal auf rein analogem Weg vom Input zum Output geführt; bei aktiviertem Effekt wird das Eingangssignal über einen OTA dem vom Prozessor berechneten WET -Signal zugemischt.

Einziger kleiner Kritikpunkt, die Hardware betreffend: Der Bypass Switch, ein für Bodeneffektgeräte typischer Fußschalter, ist niedriger als der benachbarte und zudem sehr nah sitzende Dry/Wet Drehregler. Wenn man den Dark Room tatsächlich als Tretmine einsetzt, hätte ich Bedenken, da herzhaft zuzutreten.

Die Effekte des Cybersound Dark Room:

Der Cybersound Dark Room bietet 8 Programme. Bevor wir zu den Details kommen, hier ein schönes Video zu den Effekten von Kurt Ader:

ROOM

Klassischer Halleffekt. Simuliert einen mittelgroßen Raum. Im Vergleich zu den übrigen Halleffekten liefert ROOM einen recht neutralen Klang.

CHAM

„Chamber“ simuliert einen sehr kleinen Raum. Der Hall ist vergleichsweise dicht strukturiert und sehr kurz. CHAM liefert deutliche Klangverfärbungen, insbesondere mit perkussiven Eingangssignalen.

PLATE

Ist an die typischen Klangeigenschaften einer klassischen Hallplatte angelehnt (leicht metallischer Soundcharakter).

REFL

„Reflexion“ betont besonders stark die sog. Erstreflexionen im Hall-Sound – kann auf interessante Weise „unnatürlich“ klingen.

CATH

„Cathedral“ simuliert einen besonders großen Raum mit deutlichen Verzögerungen und sehr langem Nachhall – der klassische  „Wall of Sound“ – Halleffekt.

SHIMMER 1 und 2

Liefert eine Kombination aus Hall und Pitch-Shifter. Die Bezeichnung „Shimmer“ bezieht sich auf eine Effektkombination, die einige namhafte Produzenten in den 1980er Jahren als „Shimmer-Reverb“ populär gemacht haben, Shimmer 1 und 2 unterscheiden sich dabei  in der Tonhöhenverschiebung bzw. Wirkungsweise des Reglers CHO/SHIFT (s.u.).

DELAY

Erzeugt einen Echoeffekt mit regelbarer Verzögerungszeit (DECAY-Regler) und Feedback (CHO/SHIFT-Regler).

Wahrscheinlich aufgrund der Auswahl und Namen der Programme, aber auch aufgrund des Klangcharakters, bin ich beim Recherchieren im Internet mehrfach auf Vermutungen gestoßen, im Gerät würden lizensierte Algoritmen von Valhalla verwendet werden. Deswegen habe ich den Hersteller kontaktiert, und dieser hat klargestellt, das alle Programme bzw. die DSP Programmierung allesamt Eigenentwicklungen sind.

Die editierbaren Parameter des Dark Room

Wie lassen sich die Hallprogramme nun mit den Parameterreglern am Cybersound Dark Room beeinflussen? Auch hierzu vorab ein Video von Kurt Ader:

 

DECAY

Bei den Hall-Modi wird hier die Dauer des Nachhalls bestimmt.

Im Delay-Modus wird hier die Dauer der Verzögerung („Delay-Zeit“) bestimmt. Leider gibt es hier keine Angaben, welche Delay-Zeiten mit der Beschriftung 0-10 korrelieren, und da es auch keinen Tap-Taster gibt, muss man sich hier auf sein Gehör verlassen.

TONE

Dieser Regler steuert ein Tiefpassfilter, welches die hohen Signalanteile im Effekt zunehmend ausfiltert. Damit lässt sich die Klangcharakteristik der Halleffekte effektiv beeinflussen und man kann Charakteristika wie etwa „Kachelraum“ (keine Höhenbeschneidung, heller Sound, Einstellwert = 0) oder „Öltank“ (maximale Höhenbeschneidung, dumpfer Sound, Einstellwert = 10) erzielen.

Im Delay-Modus sorgt der TONE-Regler für einen zunehmend „dubbigen“ Echo-Sound.

CHO/SHIFT

Dieser Regler steuert, abhängig vom gewählten Modus, unterschiedliche Parameter:

In den Hall-Modi (ROOM, CHAMBER, PLATE, REFLEXION, CATHEDRAL) moduliert er den Hall-Sound mit einem leichten Chorus-Effekt. Dadurch kann der Hall eine gewisse „Lebendigkeit“ erhalten, die man von einigen Vintage-Digital-Hallgeräten (Stichwort Lexicon) kennt; bei SHIMMER 1 regelt er die Tonhöhenverschiebung des Pitch-Shifters im Bereich von 0 bis +1Oktave, bei SHIMMER 2 regelt er die Tonhöhenverschiebung des Pitch-Shifters im Bereich von -1 Oktave bis +1 Oktave, und bei DELAY regelt er den Feedback-Anteil des Echo-Effekts. Wird der Regler nach rechts gedreht, erhöht sich die Anzahl der Rückwürfe.

SAMPLE RATE

Bei Sample Rate wird es dann noch einmal richtig interessant, denn Sample Rate regelt die Clock-Rate bzw. Arbeitsgeschwindigkeit des Prozessors zwischen 16kHz und 64kHz. Bei höchstem Einstellwert (64kHz) arbeitet Dark Room maximal sauber und artefaktfrei. Reduziert man die Sampling-Rate, werden sämtliche Delay-Patterns, die Dark Room für die Hallerzeugung generiert, zunehmend „auseinander gezogen“. Gleichzeitig reduziert sich der Frequenzgang, und gewisse Störgeräusche tauchen auf. Dieses Verhalten ähnelt stark einem klassischen Delay-Effektgerät mit analoger „Eimerketten“-Technik, ist aber im Falle des Dark Room auf Halleffekte erweitert. Die reichen je nach Einstellwert von subtilem Lofi-Charkter über Federhall-ähnliche Sounds bis hin zu auffälliger Klangzerstörung. Verändert man die Rate bei zugeführtem Signal, kann man den Effekt sehr subtil steuern; klanglich erinnert das an die Veränderung der Bandgeschwindigkeit bei Tape-Echos, und im Grunde genommen ist es ja nichts anderes, nur auf digitaler Ebene.

Der Sound des Cybersound-Halls

Nach so viel Theorie aber endlich zur Praxis und dem Klang des Cybersound Dark Room, und da wird es wie immer subjektiv.

Also, mir persönlich hat der Klang des Cybersound Dark Room sehr gut gefallen, es lassen sich sehr schöne Klangwolken formen, man kann ihn aber auch sehr subtil zum Originalsignal dazumischen. Die Bauform als Bodeneffektgerät ist richtig gewählt, da er nicht als klassisches Hallgerät konzipiert ist, das man in einen Send eines Pultes hängen würde. Stattdessen habe ich ihm mit zunehmendem Vergnügen Signale diverser Klangerzeuger zugeführt, und generell kann ich sagen, das er von seinem grundsätzlichen Klangcharakter her (extreme Einstellungen und absichtlich verzerrtes Eingangssignal einmal ausgenommen) warm und gut kingt und mit beigemischtem Effekt das Signal grundsätzlich aufwertet, und zwar unabhängig von der Qualität und Güte. Er hat mit einer Roland TR-06 genau so funktioniert wie mit Vintage Gear, als da wäre ein Prophet VS. An den Guitar-In habe ich mein CP-70 direkt vom Patch Out aus angeschlossen, und das hat tadellos funktioniert. Ich habe ein Rhodes MK1 direkt angeschlossen – auch sehr schöne Ergebnisse, man kann aus einem einzigen Tastendruck erstaunliche Klanglandschaften herausholen, der Dark Room kann dezent dezent klingen, aber auch experimentell; die Regelbereiche der Parameter sind gut ausbalanciert und laden dazu ein, Effekte auch live per Hand zu modulieren. Die Variable Clock setzt dem noch eines drauf, mir persönlich war der Klang bei max. Sample-Rate zu clean, ich habe mich im Bereich von 32-48 kHz am wohlsten gefühlt.

Gestört haben am Cybersound Dark Room lediglich Kleinigkeiten wie ein leichter Pegelabfall bei der Umschaltung Bypass-Effekt,  was im Studiobetrieb  aber kein Problem dargestellt hat – und der Umstand, dass es keine TAP Funktion oder die Möglichkeit einer externen Synchronisation für das Delay gibt.

Fazit

Der Cybersound Dark Room ist ein Hall-Effektgerät mit gutem Klang und einfacher, effektiver Bedienung. Guitar in und variable, im Betrieb regelbare Sample Rate, sind Features, die den Dark Room aufwerten. Die Auswahl der Effekte und der Klang sind an den Klangcharakter von Valhalla Plugins angelehnt, was als ausdrückliches Kompliment an die Entwickler verstanden werden soll. Von dezent beigemischtem Raum zu Klangwolken und Experimentellem spannt sich der Bogen des Machbaren, und zuletzt sei im Sinne der Wertschöpfung erwähnt, dass das Gerät sowohl in Deutschland entwickelt wurde als auch hier in Kleinserie gebaut wird.

Wer also ein Reverb mit warmen und dichtem Charakter sucht, der sollte sich den Cybersound Dark Room unbedingt einmal anhören.

Plus

  • Klang
  • Guitar (Instrument) -In mit regelbarem Vorverstärker
  • Variable in Echtzeit steuerbare Sample-Rate

Minus

  • Delay hat keine TAP Funktion und ist nicht synchronisierbar

Preis

  • 399,-€
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Marco Korda  AHU

    Danke für den anschaulichen Artikel. Es fehlt noch das hier:
    https://www.cybersound.org/shop/effektgeraete/23-dark-room.html
    (Link und Preisangabe).

    Leider finde ich ein Delay ohne Synchronisationsmöglichkeit relativ unbrauchbar. Das nach Gehör einzustellen hat sicherlich Charme, kann aber auch sehr nerven und „rauslaufen“.

    Finde die Schmiede sehr sympathisch, der Schnauzbart ist ja sowas von End-70er… :-)). Preislich hat er natürlich harte Konkurrenz. Aber Made In Germany ist ja auch ein schönes Argument.

    • Profilbild
      toneup  RED

      Das sehe ich auch so, deshalb der einzige Minus-Punkt für das delay-programm. Die Beschriftung des Reglers von 1-10 ist da auch nicht hilfreich, der Hersteller könnte eine Tabelle nachreichen, wie viele MS denn 1-10 bedeuten, so hätte man zumindest näherungsweise Angaben.

  2. Profilbild
    Bernd-Michael Land  

    Den Dark Room nutze ich schon eine ganze Weile (dürfte unter den ersten Käufern gewesen sein, war brandneu) und bin sehr zufrieden damit.
    Die Einstellungen gehen da sehr schnell von statten, was es gut für den Liveeinsatz macht, mir fehlt da eigentlich nichts. Der Hall klingt wirklich sehr gut und ist ideal für dichte Ambient-Pads und Atmos. Bleibt dabei immer noch differenziert und wird nicht muffig.
    Besonders der Shimmer ist um Längen besser, als bei meinem Big Sky, daher hat sich der Dark Room fest in meinem Liveset etabliert, nutze ihn aber dennoch auch im Studio.
    Klein und kompakt, Netzschalter ist auch dran -ich hab da beim besten Willen nix zu meckern.

  3. Profilbild
    Johnnie Beamer

    …der Sound ist ja wohl der Hammer!!!
    Hätte mir allerdings ein paar mehr Klangbeispiele mit kurzen Räumen (also wo nicht alles im Endlosen verschwimmt) gewünscht – und vor allem auch mal mit akustischen Sounds und Vocals.

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