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Test: D16 Group, LuSH-101, Software-Synthesizer

14. November 2012

Softwaresynthesizer

LuSH-101 klingt eher nach fränkischer Mundart für ein leichtsinniges Mädchen, ist aber tatsächlich der Name eines Software-Synthesizers der polnischen Firma D16 Group. Jenes Unternehmen ist unter anderem bekannt für einen Clone der TB 303. Der erste Blick auf die Benutzeroberfläche des LuSH-101 lässt vermuten, dass es sich lediglich um die Adaption eines Roland SH-101 handelt. Bei genauerer Betrachtung fällt aber auf, dass hier viel mehr dahintersteckt.

Benutzeroberfläche des LuSH-101

Benutzeroberfläche des LuSH-101

Kurzer Überblick

Der LuSH-101 hat tatsächlich die einfache Benutzeroberfläche und die Klangerzeugung sowie das Filter mit dem Roland SH-101 gemeinsam.

Der Hersteller wirbt auf seiner Website aber nicht explizit mit einer Nachahmung des kleinen monophonen analogen Roland Synthesizers, dennoch lässt die Oberfläche des Synthesizers auf einen polyphonen SH-101 schließen.

Insgesamt stehen dem Anwender hier acht verschiedene Synthesizer (hier Layer genannt) zur Verfügung, welche in einem gemeinsamen Mixer mit Effekten, Equalizer und Kompressoren bearbeitet werden können. Die Layer können im oberen Bereich der Oberfläche bequem aktiviert oder deaktiviert werden. Zudem können auch auf simple Weise Split-Zones erstellt werden. Jeder der acht Layer verfügt über eine eigene subtraktive Klangerzeugung und einem recht umfangreichen Arpeggiator. Jedem Layer lässt sich unter anderem ein separater MIDI-Kanal und ein Audioausgang zuweisen oder man kann diese auch gleichzeitig zu einem Multilayer kombinieren. Die Modulationsziele der einzelnen Synthesizer werden in einem extra Fenster innerhalb des grafisch aufwändigen Hauptfensters erstellt. Den Mixer erreicht man ebenfalls über ein Fenster innerhalb der Benutzeroberfläche. Zudem verfügt LuSH-101 sinnvollerweise über einen Soundbrowser mit derzeit 1700 Presets. Die Presets sind in verschiedenen Kategorien angeordnet und erleichtern somit das Suchen.

Soundbrowser des LuSH-101

Soundbrowser des LuSH-101

Installation

Diese lief auf meinem Windows 7 System völlig problemlos. Als Kopierschutz erhält man eine Lizenzdatei, welche auf dem System abgelegt wird. D16 Group hat alles richtig gemacht und lässt auch MAC Nutzer sowie Menschen mit 64 Bit Systemen nicht leer ausgehen.

Klangerzeugung

Der 32-stimmige LuSH-101 verfügt über Oszillatoren für Sägezahn und Puls und einen Suboszillator, der entweder eine oder zwei Oktaven unterhalb mitschwingt. Im Gegensatz zum Roland SH-101 kann man dem Suboszillator jedoch Sägezahn oder Puls zuweisen. Daneben befindet sich noch ein Oszillator mit der Bezeichnung Supersaw, welcher sich in der Stimmung variieren lässt und zum Hauptsignal zugemischt werden kann. Ein Unisono-Modus mit maximal acht Stimmen wurde auch spendiert.

Modulationsmöglichkeiten und Filter

Modulationsziele gibt es hier fast im Überfluss, da sich innerhalb eines separaten Fensters sämtliche Controller unterschiedlichen Zielen zuweisen lassen. Ausgestattet ist LuSH-101 mit 2 LFOs, die entweder frei in ihrer Geschwindigkeit schwingen oder synchron zu MIDI-Clock laufen. Das Multimode-Filter lässt sich wahlweise auf Lowpass, Bandpass oder Highpass umschalten. Dazu gesellt sich noch ein separates Highpass-Filter. Zwei ADSR Hüllkurven, die sich in ihrer Polarität umschalten lassen, sind ebenfalls an Bord. Alles in allem nichts Neues, aber dafür effektiv und übersichtlich. Wer jetzt an dieser Stelle einen Synthese-Boliden erwartet hat und nun enttäuscht ist, der sei dennoch gut beraten, den LuSH-101 einmal anzutesten.

Modulation des LuSH-101

Modulation des LuSH-101

Effekte

Als Effekt stehen Chorus, String Ensemble, Phaser, Flanger, Distortion, Vowel Filter, Decimator und Tremolo zur Verfügung. Die Einstellungen und Zuweisungen für Delay, Reverb und Chorus finden als Send-Effekte im Mixer statt. Im Hauptfenster können als Insert alle anderen zugewiesen werden. Die Qualität der Effekte ist sehr gelungen und beschert jedem Layer ein zusätzliches Quäntchen Qualität.

Klang

Der Klang ist überraschend gut und durchweg frei von Aliasing. Damit wirbt auch der Hersteller und verspricht somit nicht zu viel. Die Synthese mag etwas angestaubt sein, jedoch ist das, was aus den Speakern tönt, eine echte Bereicherung im Setup. Der Sound ist durchsetzungsfähig und dabei nicht übertrieben. Somit lässt sich der LuSH-101 wunderbar im Mix unterbringen, sogar ohne EQ oder sonstige Bearbeitung. Sehr gelungen ist auch das Filter, welches auch wahlweise als Pendant zum Roland SH-101 zur Verfügung steht. Einige Presets sind sehr inspirierend und laden regelrecht zum Produzieren ein. Es gibt viele Brot und Butter-Sounds und es sind sicherlich nicht alle toll. Aber bei der enormen Anzahl wird schon etwas passendes dabei sein. Außerdem soll man seine Sounds ja auch selber basteln und das gelingt beim LuSH-101 auf intuitive Weise.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Super Synth und toll anzusehen. Findet Ihr den Sound wirklich gut? Ich habe das gefühl da hält jemand den Deckel drauf oder der Filter öffnet nicht richtig….

    • Profilbild
      mira

      mir gefällt der Sound nicht wirklich, etwas „mulmig“ in den unteren Mitten. Aber die Geschmäcker sind nunmal verschieden.

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Kurzer, knackiger und guter Testbericht! Gott sei Dank haben die das Ding nicht SH-101 genannt, sonst würde es sicher sehr bald eine „Finger Weg!“ Wertung geben ;) Der Sound gefällt mir!

  3. Profilbild
    ariston

    LuSH-101 hat mich kälter gelassen als alle anderen Neuveröffentlichungen der letzten Jahre. Der Klang is „ganz gut“, hinkt aber vor allem im Filterbereich m.E. den neueren Vorzeigeboliden Diva, Synth Squad und Oxium hinterher. Das GUI ist ja ganz nett, aber für mich völlig unbrauchbar. Ich möchte nicht in den Monitor hineinkriechen oder ständig die Augen zusammenkneifen müssen. Der CPU-Verbrauch ist angesichts des „okayen“ Klangs völlig indiskutabel. Und etliche (mittlerweile fast standardmäßige) Modulationsoptionen fehlen völlig. „The only synthesizer you need?“ Da lachen ja die Hühner.
    Hier spricht natürlich eine erhebliche Portion Enttäuschung mit… dennoch: so viele Designfehler (und eine sehr nervige, wenn auch mittlerweile entschärfte Demorestriktion) haben mir den Spass an LuSH endgültig vermiest. Eine gute Alternative ist, den schönen TAL BassLine durch den neuen Filter The Drop von Cytomic zu jagen.

  4. Profilbild
    4damind

    Sound ist Ok, hat einige Features zu bieten insbesondere das Layering ist natürlich interessant. Resourcenverbrauch ist schon sehr hoch, selbst bei einfacheren Sounds. Dieser Mixer mit den winzigen Bedienelementen ist allerdings nicht sehr gut, da tun einem ja schon nach 5 Minuten die Augen weh. Insgesamt ist das Design ergonomisch gesehen eine Katastrophe und da man die GUI ja benötigt um den Synth zu bedienen für mich ein Kriterium was gegen den Kauf dieses Synth spricht.
    Solche Plug-ins tragen unter anderem dazu bei, das viele wieder mehr über Hardware nachdenken.

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