Test: D16 Group LuSH-101, Software-Synthesizer

20. Mai 2020

Mehr als nur eine Alternative

 

Vorwort der Redaktion

Die D16 Group aus Polen hat vor dem Einsetzen des Hardare-Clone-Hypes den Markt für TBs, MCs und SHs in VST-Formaten, ganz schön aufgemischt. Ihre Produkte haben durch die Bank Bestnoten erhalten und sind auch von Hardcore-Hardware-Usern als extrem authentisch gewürdigt worden. Was kaum einer auf dem Schirm hat, die D16-Group hat ihre edlen Schätzchen seitdem gehegt und gepflegt. Und so widmen wir uns erneut der Roland SH-101-Variante aus dem D16-Portfolio, denn auch wenn alle gerade auf die Behringer Hardware-Kopien in vielen bunten Farben schielen, so liegt für viele User die wahre Alternative zum Original in einem überzeugenden Plugin. Viola! Viel Spaß mit dem Test von Michael Heublein.

Überblick auf den SH-101 VST-Klon

Der erste Blick auf die Benutzeroberfläche des LuSH-101 lässt vermuten, dass es sich lediglich um die Adaption eines Roland SH-101 handelt. Bei genauerer Betrachtung fällt aber auf, dass hier viel mehr dahintersteckt.

Der LuSH-101 hat tatsächlich die einfache Benutzeroberfläche und die Klangerzeugung sowie das Filter mit dem Roland SH-101 gemeinsam.

Der Hersteller wirbt auf seiner Website aber nicht explizit mit einer Nachahmung des kleinen monophonen analogen Roland Synthesizers, dennoch lässt die Oberfläche des Synthesizers auf einen polyphonen SH-101 schließen.

Insgesamt stehen dem Anwender hier acht verschiedene Synthesizer (hier Layer genannt) zur Verfügung, welche in einem gemeinsamen Mixer mit Effekten, Equalizer und Kompressoren bearbeitet werden können. Die Layer können im oberen Bereich der Oberfläche bequem aktiviert oder deaktiviert werden. Zudem können auch auf simple Weise Split-Zonen erstellt werden. Jeder der acht Layer verfügt über eine eigene subtraktive Klangerzeugung und einem recht umfangreichen Arpeggiator. Jedem Layer lassen sich unter anderem ein separater MIDI-Kanal und ein Audioausgang zuweisen oder man kann diese auch gleichzeitig zu einem Multilayer kombinieren. Die Modulationsziele der einzelnen Synthesizer werden in einem extra Fenster innerhalb des grafisch aufwändigen Hauptfensters erstellt. Den Mixer erreicht man ebenfalls über ein Fenster innerhalb der Benutzeroberfläche. Zudem verfügt LuSH-101 sinnvollerweise über einen Soundbrowser mit derzeit 1700 Presets. Die Presets sind in verschiedenen Kategorien angeordnet und erleichtern somit das Suchen.

Installation AU, VST und mehr

Als Kopierschutz erhält man eine Lizenzdatei, welche auf dem System abgelegt wird. D16 Group hat alles richtig gemacht und lässt auch Mac-Nutzer sowie Menschen mit 64 Bit Systemen nicht leer ausgehen.

Das Plugin lief auch unter Mac OS Catalina problemlos.

Benutzeroberfläche

Es gibt hier nicht viel zu meckern, da die grafische Aufbereitung sehr gelungen, sauber und in ausreichender Auflösung von 1087px x 675px vorhanden ist. Teilweise ist die Beschriftung recht klein, was sich insbesondere im Mixer bemerkbar macht. Hier muss man schon teils sehr dicht an den Monitor rücken, damit das einr oder andere lesbar ist. Auch wirkt der Mixer insgesamt etwas unübersichtlich und vollgepackt. Nach etwas Einarbeitungszeit gewöhnt man sich aber daran.

Layer Settings im LuSH-101

Klangaufbau des LuSH-101

Der 32-stimmige LuSH-101 verfügt über Oszillatoren mit Sägezahn und Puls und einen Suboszillator, der entweder eine oder zwei Oktaven unterhalb mitschwingt. Im Gegensatz zum Roland SH-101 kann man dem Suboszillator jedoch Sägezahn oder Puls zuweisen. Daneben befindet sich noch ein Oszillator mit der Bezeichnung Supersaw, welcher sich in der Stimmung variieren lässt und zum Hauptsignal zugemischt werden kann. Ein Unisono-Modus mit maximal acht Stimmen wurde auch spendiert.

Der LuSH-101 in der Mixing-Ansicht

Modulationsmöglichkeiten und Filter

Modulationsziele gibt es hier fast im Überfluss, da sich innerhalb eines separaten Fensters sämtliche Controller unterschiedlichen Zielen zuweisen lassen. Ausgestattet ist LuSH-101 mit 2 LFOs, die entweder frei in ihrer Geschwindigkeit schwingen oder synchron zu MIDI-Clock laufen. Das Multimode-Filter lässt sich wahlweise auf Lowpass, Bandpass oder Highpass umschalten. Dazu gesellt sich noch ein separates Highpass-Filter. Zwei ADSR-Hüllkurven, die sich in ihrer Polarität umschalten lassen, sind ebenfalls an Bord. Alles in allem nichts Neues, aber dafür effektiv und übersichtlich. Wer jetzt an dieser Stelle einen Synthese-Boliden erwartet hat und nun enttäuscht ist, der sei dennoch gut beraten, den LuSH-101 einmal anzutesten.

Effekte

Als Effekt stehen Chorus, String Ensemble, Phaser, Flanger, Distortion, Vowel Filter, Decimator und Tremolo zur Verfügung. Die Einstellungen und Zuweisungen für Delay, Reverb und Chorus finden als Send-Effekte im Mixer statt. Im Hauptfenster können als Insert alle anderen zugewiesen werden. Die Qualität der Effekte ist sehr gelungen und beschert jedem Layer ein zusätzliches Quäntchen Qualität.

Klang

Der Klang ist überraschend gut und durchweg frei von Aliasing. Damit wirbt auch der Hersteller und verspricht somit nicht zu viel. Die Synthese mag etwas angestaubt sein, jedoch ist das, was aus den Speakern tönt, eine echte Bereicherung im Setup. Der Sound ist durchsetzungsfähig und dabei nicht übertrieben. Somit lässt sich der LuSH-101 wunderbar im Mix unterbringen, sogar ohne EQ oder sonstige Bearbeitung. Sehr gelungen ist auch das Filter, welches auch wahlweise als Pendant zum Roland SH-101 zur Verfügung steht. Einige Presets sind sehr inspirierend und laden regelrecht zum Produzieren ein. Es gibt viele Brot und Butter Sounds und es sind sicherlich nicht alle toll. Aber bei der enormen Anzahl wird schon etwas Passendes dabei sein. Außerdem soll man seine Sounds ja auch selber basteln und das gelingt beim LuSH-101 auf intuitive Weise.

Der D16 LuSH-101 on YouTube

Ganz aktuell hat Klangfrickler (YT Channel SoEx003) ein sehr umfangreiches Demo mit dem LuSH-101 produziert, das eindrucksvoll die Möglichkeit dieses Synthesizers zeigt:

Fazit

D16 hat mit dem LuSH-101 einen gut klingenden Software-Synthesizer ins Rennen um die Gunst der Käufer geschickt. Das Konzept und die Synthese sind zwar nichts völlig Neues, aber dafür ist die Umsetzung gut gelungen und für den Preis akzeptabel. Teilweise erinnert mich der Sound an den Sylenth 1, der ja schon fast legendär ist. Teils wird der Sound auch den alten Roland Synthesizern gerecht. Plugin-Freunde erhalten mit dem LuSH-101 eine echte Alternative zum Original bzw. zum Behringer Klon.

Sicherlich mag es immer hörbare Unterschiede geben und nicht zuletzt ist der Klang eines jeden Software-Synthesizers auch Geschmacksache. Mich hat der LuSH-101 jedenfalls rundum überzeugt, zumal er auch nicht als ein Replika gedacht ist und darüber hinaus deutlich mehr bietet als sein Vorbild.

Der Synthesizer macht auf alle Fälle sehr viel Spaß und ist mit ausreichenden Möglichkeiten ausgestattet. Es lassen sich wunderbar seidige Flächen, druckvolle Bässe und sehr schöne Sequenzen basteln. Der Hersteller beschreibt den LuSH 101 als „the only synthesizer you need“. Tatsächlich kann man mit ihm eine komplette Produktion durchziehen.

Plus

  • sehr guter Klang
  • ansprechendes GUI
  • einfache Bedienung

Preis

  • 149,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Klangfrickler

    Ja, dem kann ich mich nur anschließen.

    Ich finde den Mixer generell recht unnötig. Wozu bitte braucht man in einem Synth Kanalzüge mit Kompressor und EQ?! Der LuSH funktioniert doch eh nur innerhalb einer DAW… und die hat doch alles was man braucht. Hätten sie ruhig weg lassen und Ressourcen sparen können!

    Stimmt, der Look ist generell nicht das non-plus-ultra! Was ich (als NI user) jedoch störender finde ist, dass immer noch kein NKS unterstützt wird und dass die MIDI controls nicht standardmäßig gemappt sind!

    Vom Sound her gefällt er mir recht gut. Ist sehr vielseitig mit seinen Modulationsmöglichkeiten und den D16-typisch gut klingenden Effekten.

    Für bestimmte Sounds ist er sehr gut zu gebrauchen. Unterm Strich find ich den Synth für den Preis somit absolut ok!

  2. Profilbild
    The-Sarge  

    schöner kompakter Test, ungewöhnlich nur 1 Seite, aber nicht schlimm

    dennoch:
    hab ich was verpasst? das Teil ist schon seit paar Jahren auf meiner Platte, schafft es leider bisher nie in nen Track (wohl immer nur die Brot&Butter erwischt…) aber wo ist denn jetzt was Neues, daß ihr dem SH-101-Clone noch mal nen Test spendiert? Intro las sich so, von wegen Produktpflege und so *mitdenSchulternzuckt*
    da ich den D16-Newsletter abbestellt habe, könnte da ja was an mir vorbei gegangen sein?!

    bitte um Aufklärung, danke

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      Tyrell  RED 11

      Freunde, wir picken uns auch manchmal ältere Produkte raus, die immer noch am Markt sind. Das Ding hat seine Daseinsberechtigung. und nur weil manche das Teil schon kennen, heißt das nicht, dass es auch alle anderen kennen. Der Testbericht hatte innerhalb von 24 Stunden 1400 Leser. Das scheint also aufzugehen ;-).

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        The-Sarge  

        Du weisst ich schätze Euch wirklich sehr und deshalb hoffe ich daß ihr weiterhin „click-bait“ widersteht ;)
        aber warum mein Post kam, war weniger weil ich nen „Doppel-Review“ bemängel, als das:
        [quote] „Was kaum einer auf dem Schirm hat, die D16-Group hat ihre edlen Schätzchen seitdem gehegt und gepflegt. Und so widmen wir uns erneut der Roland SH-101-Variante aus dem D16-Portfolio“[/quote]
        wo ist denn jetzt die Hege und Pflege im Bericht bzw. im Tool zu finden? doch wohl nicht der Hinweis, daß 64Bit-User leer ausgehen…ähm, 32Bit wird nirgends in aktuellen OS mehr unterstützt

        aber vielleicht kann @Synthman statt Du was dazu sagen ;)

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          Hectorpascal

          Nach den ganzen 101-Klonen ist dieser hier eine ganz besondere Alternative weil er einfach spitze ist. Früher CPU hungrig, heute ein „to go“ Plugin. Mag ich persönlich lieber als den TAL. Die neue Generation kennt den und D16 generell vielleicht überhaupt nicht. :)

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        Tyrell  RED 11

        Das ist genau das Problem der heutigen Zeit. Alles muss immer NEU sein. Ich fand toll, dass D16 das Teil für neue Betriebssysteme pflegt, ansonsten aber so lässt wie es ist. Die hätten genausogut V2 draufschreiben können, wie das viele andere machen, um einfach ein wenig Augenwischerei zu betreiben. Ich sehe den AMAZONA.de-Auftrag auch darin, immer mal wieder auf etablierte Produkte hinzuweisen, die sich seit Jahren am markt halten. Was bitte ist daran schlecht?

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          index  

          ….also mein Vorschlag mit der Blue Box für Plugins ist durchaus ernstgemeint. Ich habe viele ältere Plugins, die ich immer noch sehr wertschätze. Manche Dinge lohnen sich, wieder in Erinnerung gebracht zu werden…

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          Klangfrickler

          Sehe ich ganz genauso!

          Dasselbe lässt sich auch bei Musikstilen beobachten. Wenn man etwas spielt was nicht top-aktuell ist, sagen einige Leute dann gleich (mit einem recht abwertenden Unterton) so etwas wie: „Das klingt ja wie 80er“.

          Ich frag dann immer ob ich denn irgendwo ein Etikett mit einem Ablaufdatum übersehen habe! :)

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          Coin  AHU

          Weiss nicht Tyrell, ob Du das Gefühl kennst.
          Das Gefühl von Verlangen nach etwas.
          Etwas was Du nicht kennst.
          Und dann, wenn es da ist, weißt Du genau, das es das ist,
          was Du schon immer haben wolltest.
          Das kann die Möglichkeit sein,
          ein Sample in einen Oszillator zu laden.
          (in 59 Jahren ist das auch nicht mehr Neu, wenn Du so willst)
          Oder etwas ganz anderes.
          Ich persönlich kann auch sehr stur sein, bis ich es bekomme.

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          chain25  

          Das ist alles fein und sehe ich ganz genauso.
          Letztendlich lag es an der Formulierung „Hege und Pflege“, die offensichtlich (auch für mich) nicht eindeutig genug gewesen ist, weswegen The-Sarge höflich nachgefragt hatte. Zum Glück gab es da jetzt ja eine Info zu und somit ist alles gut.
          Gerne weiterhin Artikel über ältere Produkte, den Microtonic z.B. kannte ich noch nicht.

          • Profilbild
            The-Sarge  

            danke chain25
            genau so war mein Posting gemeint, nicht böse oder gar abfällig

            daß evtl. ein VSTi unter Win7 läuft, aber nicht Win10 ist mir noch nicht aufgefallen, bin erst seit paar Wochen auf Win10 und alles funzte bei der Neuinstallation
            wie das bei Mac ist, weiß ich nicht, sehe aber immer Hinweise „nicht Catalina“, also gibt´s da wohl mehr Probleme

            „Alles muss immer NEU sein“ – auch da bin ich der Typ: nein, muß es nicht. Ich liebe z.B. meine Korg Legacy Collection (hab die mit dem Hardware-MS-20-Controller) und war erstaunt, als die jetzt ein Update bekam – aber gerreicht hat mir auch die „Alte“

            • Profilbild
              chain25  

              Gerne!
              Ich sehe auch eine Chance darin mit älterem (oder auch einfach nicht typischem) Equipment, das eben nicht wie alles klingt, eine Art Signature Sound zu entwickeln. Da reicht vielleicht sogar schon ein crappy oder nicht wie jeder klingendes FX-Unit.
              Es muss eben nicht immer Serum sein …
              In der Musik ist alles erlaubt und das ist ungemein attraktiv. Ob es dann einem größeren oder kleineren Publikum gefällt oder nicht, steht auf einer anderen Karte, ist aber für mich erstmal sekundär.

              Habe dieselben Erfahrungen mit Win 7 und 10. Zu Mac kann ich nichts beisteuern.

  3. Profilbild
    Klangfrickler

    Ich finde den LuSH-101 auch ziemlich gut. Bin ein ziemlicher Fan von den D16-Plugins. Ich kenne keine vergleichbar guten 808, 909 und 303 (Software-) Emulationen und auch die Effekte, die sie machen sind, meiner Meinung nach, TOP!

    Beim LuSH, finde ich, kommt es stark auf die jeweilige Einstellung an, ob er gut klingt. Ich finde, dass er sich vor allem für klare Poly-Sounds extrem gut eignet (siehe z.B. ab 1:21:00 im Video). Die Hüllkurven gehen sehr schnell und sind dadurch sehr knackig. Ist daher auch sehr gut für ‚pluckige‘ Arpeggios mit kurzem Gate geeignet!

    Auch wenn er bei mir nur in dem einen oder anderen Song Verwendung findet, möchte ich den Synth jedenfalls nicht mehr missen!

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