Test: DAngelico Premier Bowery VS, Akustikgitarre

7. April 2019

Eine Akustik für alle Fälle!

DAngelico Premier Bowery VS

DAngelico Premier Bowery VS

In dem Bündel, das uns die Firma D’Angelico für Tests geschnürt hat, befand sich nicht nur eine elektrische Gitarre – an dieser Stelle sei gleich schon mal auf den Review der D’Angelico Deluxe Atlantic hingewiesen, die als erstes in diesem noch jungen Jahr unser Best-Buy-Prädikat absahnen konnte. Eine für diese Preisklasse unglaublich gut verarbeitete und ebenso gut klingende E-Gitarre, die natürlich neugierig darauf macht, was uns der Hersteller aus New York im akustischen Bereich bietet. Stellvertretend dafür schält sich nun die DAngelico Premier Bowery VS aus ihrem mitgelieferten Gigbag und weiß von Anfang an das Auge des Betrachters zu entzücken.

DAngelico Premier Bowery VS

DAngelico Premier Bowery VS – Facts & Features

Wirklich: Ich bin ehrlich kein Fan von übermäßigem Geglitzer, höchstens am Weihnachtsbaum! Aber D’Angelico hat es mit der Premier Bowery VS erneut geschafft, den schmalen Grat zwischen edel und purem Kitsch bei dieser Akustik zugunsten eines fast schon majestätischen Äußeren zu lenken. Das liegt vor allem an der massiven Kopfplatte, die mit ihren Perlmutteinlagen, der übergroßen Abdeckplatte des Halsstabs, den sechs „Stairstep“-Mechaniken sowie dem charakteristischen Goldzapfen on top sofort die Blicke auf sich zieht. Die Verarbeitung ist bis in das kleinste Detail gelungen und wirkt ziemlich hochwertig, fast schon wie ein kleines Kunstwerk, an dem man sich kaum sattsehen kann.

DAngelico Premier Bowery VS

DAngelico Premier Bowery VS – die Kopfplatte

Gut, nach so viel Blenderei wandern wir nach unten Richtung Korpus, doch auch dort reißt der gute Eindruck nicht ab, der ganz oben an der Kopfplatte begann. Für eine Akustikgitarre dieser Preisklasse besitzt die Premier Bowery VS ein verblüffend hochwertiges Finish. Nicht nur die Qualität der Fichtendecke kann überzeugen, auch der Lack, mit dem die Decke und der Rest des Instruments überzogen wurden, ist von außergewöhnlich guter Qualität und lässt das Instrument regelrecht glühen. Unsere Testgitarre besitzt ein sehr dunkles Sunburst-Finish, weitere Farboptionen sind Natural Koa, Natural, Grey Black und das m.M.n. wunderschöne Aged Natural Mahogany.

DAngelico Premier Bowery VS Mahagoni

Die DAngelico Premier Bowery in „Aged Mahogany“

Der obligatorische Blick durch das Schallloch zeigt eine einwandfreie Verarbeitung, so weit das Auge blicken kann. Das Bracing (Verstrebungen) wurde sauber ausgeführt, es sind keine Reste von Leim oder gar Holzspäne in irgendeiner Form auszumachen. Die Rosette wird von einem farbigen Ring aus Perlmutt umschlossen: Nein, auch an dieser Stelle kein bisschen Kitsch, sondern dezentes Understatement! Ob man allerdings Block-Inlays auf dem Griffbrett braucht, sei mal dahingestellt. Allerdings sind diese übergroßen Markierungen sauber in das Griffbrett aus Ovangkol eingelassen, genau so wie die Bünde, die sauber eingesetzt und abgerichtet auf ihren Einsatz warten. Damit es auf der Decke keine üblen Kratzer gibt, sorgt ein kaum sichtbares Pickguard für den nötigen Schutz der empfindlichen Lackschicht.

DAngelico Premier Bowery VS – Hals & Griffbrett

Zwanzig Bünde gilt es auf dem Griffbrett zu bespielen und damit man auch alle von ihnen gut erreichen kann, vor allem dann, wenn man mal zu einem Solo ansetzt, bietet ein weit ausgesägtes Cutaway ideale Bedingungen dafür. Und diese Bedingungen sind von Anfang hervorragend, denn genau wie unser E-Gitarren Testmodell „Atlantic“ besitzt die Premier Bowery VS eine Bespielbarkeit, wie man sie kaum besser hinkriegen könnte. An dieser Stelle mal ein großes Lob an die Serviceabteilung von D’Angelico, denn sie wissen, was sie tun!

Der sauber eingeleimte Hals besteht aus drei Teilen Mahagoni und einem sehr schlanken Halsfuß, der auch bereits mit einem Gurtknopf ausgerüstet ist. Wie fein die Gitarre bis ins Detail verarbeitet wurde, sieht man auch an dieser Stelle erneut, denn neben einem cremeweißen Binding, das faktisch jede Ecke der Gitarre umschließt, hat der Gurtknopf noch eine dicke Filzunterlage abbekommen. Der andere am unteren Zargen natürlich auch. Das Profil der Halsrückseite ist ziemlich „E-Gitarren-like“, also recht flach, was zusammen mit der erwähnten, komfortablen Saitenlage eben diese bereits erwähnte hervorragende Bespielbarkeit ergibt.

Elektrische Unterstützung – D’Angelico Preamp

DAngelico Premier Bowery VS Preamp

Es gibt noch einen Bonus in Form eines Preamps, dessen Bedienpanel im oberen Zargen eingesetzt wurde. Ganz so viel Luxus wie das übrige Instrument bietet er zwar nicht, dennoch ist er mit den nötigsten Funktionen ausgestattet: Dreiband-Equalizer mit Mittenrasterung, Lautstärkeregler und sogar ein Stimmgerät mit einem Minidisplay finden auf dem Panel Platz, das kaum größer als eine Streichholzschachtel ist. Die benötigte Energie erhält die Elektronik von einem 9-Volt-Block, der zusammen mit der Klinkenbuchse in einem gemeinsamen Panel am unteren Zargen sitzt. Sollte die Batteriespannung mal zur Neige gehen, dann bittet eine kleine rote LED den Benutzer freundlich um einen möglichst baldigen Wechsel des Saftspenders.

Die Regler des hauseigenen Preamps wirken etwas fragil und sollten besser nicht zu hart rangenommen werden, tatsächlich der erste Schwachpunkt, der mir an unserer DAngelico Premier Bowery VS auffällt. Besonderes Augenmerk gilt auch der Sache mit dem eingesteckten Klinkenkabel am unteren Zargen, das beim Drauftreten sicher unschöne Folgen für das Instrument hinterlassen wird. Also immer schön die Schlaufe zwischen Gurt und Gurtknopf klemmen, wenn man denn die Gitarre am Gurt trägt! Und am besten gleich einen Winkelstecker benutzen, so sind die Gefahren zumindest minimiert.

DAngelico Premier Bowery VS rear

DAngelico Premier Bowery VS – in der Praxis!

Hatte ich erwähnt, dass die Basis der Gitarre die bewährte Dreadnought-Bauform ist? Nein, aber spätestens jetzt muss ich es erwähnen, denn mit all den Attributen, mit denen diese Bauform glänzt, kann auch die Premier Bowery VS aufwarten: Ihre Lautstärke und das überbetonte Mittenbild sind perfekte Voraussetzungen, um sich live oder im Proberaum gut durchzusetzen. Dafür wird sie sicher auch eingesetzt werden, denn der Preamp bietet ja die Möglichkeiten dafür, obwohl der erwartungsgemäß nicht in der Lage ist, den vollen Tonumfang der Gitarre an einen Verstärker zu liefern. Bei Piezos ist und bleibt das eben eine spezielle Sache, dennoch ist diese Option immer wieder gerne genommen.

Das Klangbild jedoch nur auf die kräftigen Mitten zu reduzieren, wäre reichlich untertrieben. Der Bassbereich kann ebenso überzeugen, drahtig und knurrig geht es hier zur Sache, wobei das nötige Sustain nicht fehlen darf und auch hier nicht fehlt. Oben drauf gibt es noch einen Schwung perlende Höhen, die dem gesamten Klangbild eine feine Auflösung hinzufügen. Man merkt es schon: Ich bin positiv überrascht, denn etwas derartiges bekommt man in dieser Preisklasse ganz selten mal zwischen die Finger! Die fühlen sich spürbar wohl auf der flachen Halsrückseite, die trotz der Hochglanzlackierung keine Anstalten macht, die Greifhand zum Ankleben zu bringen. Hier scheint D’Angelico ein perfekter Mix aus Schutz des Holzes und Praxistauglichkeit für feuchte Proberäume und heiße Clubgigs gelungen zu sein.

Doch genug der Worte, lassen wir den Sound sprechen! Für die folgenden Klangbeispiele habe ich die DAngelico Premier Bowery VS zum einen über den Ausgang des Preamps aufgenommen (LINE) und zum anderen über ein Mikrofon (MIC), das ich nahe dem Schallloch platziert habe. Eine akustische Gitarre aufzunehmen, ist wahrlich keine leichte Sache bzw. eine besondere Herausforderung und nicht mal so eben schnell gemacht. Insofern sollte man sich besser die Gitarre beim nächsten Händler schnappen, um den vollen Klangumfang für sich beurteilen zu können. Ich hoffe dennoch, dass die Klangbeispiele ein wenig von dem rüberbringen, was die Premier Bowery VS bietet.

Fazit

Nach der elektrischen D’Angelico nun also eine akustische, die mit nicht weniger pompösem Auftreten in Sachen Bespielbarkeit und Klang in ihrer Preisklasse neue Maßstäbe setzen wird, da bin ich mir ziemlich sicher. Für das Gebotene kann es für die DAngelico Premier Bowery VS nur das Best-Buy-Prädikat geben, denn die fragilen Potis des Preamps sind hier der kleine Schönheitsfehler an einer akustischen Gitarre, die ansonsten in allen Punkten überzeugt!

Plus

  • Klang
  • Verarbeitung
  • Bespielbarkeit
  • Preamp an Bord
  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • kommt im robusten Gigbag

Preis

  • Ladenpreis: 499,- Euro
Klangbeispiele
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