Test: Dave Smith Instruments DSM01, Curtis Filter Module

8. November 2014

Der Erbe des 3320

Mit dem Dave Smith Instruments DSM01 betritt der Marktführer bei polyphonen Analogsynthesizern nun modulares Neuland.

DSI Ships DSM01 Curtis FIlter

Dave Smith hat durch seinen exklusiven Zugang zu Curtis Chips einen enormen Wettbewerbsvorteil. Die monophonen DSI-Modelle setzen die Mitbewerber mit ihren günstigen Preisen unter Druck, die polyphonen sind nahezu konkurrenzlos. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum die DSI-Synthesizer so viele Fans haben, auch das Curtis Filter trägt seinen Teil dazu bei. Mit dem ersten Eurorack-Modul von DSI wird dieser Filtersound auch für Modularfreunde zugänglich.

Das DSM01 ist ein Tiefpassfilter, das auch einen VCA mit beherbergt. Dafür bedient sich das Modul des gleichen Chips, der auch vielen DSI-Synthesizern (außer dem Pro 2) zum Einsatz kommt. Dieser Chip namens DSI-120 ist eine moderne Version des CEM3320, der wiederum bei einer Reihe von Synthklassikern wie dem Oberheim OBXa/SX/8, CMI Fairlight II, PPG Wave 2, Elka Synthex, SCI Pro One und Prophet-5/10 Rev.3 für den guten Ton sorgte. Da der CEM3320 mehrere Optionen der Beschaltung besaß, was den Hauptunterschied zu dem berühmten Filterchip SSM2044 darstellte, unterschieden sich die genannten Synthesizer in Ausstattung und Klang des Filters.

DSI VCF chip 1Hardware & Anschlüsse

Das DSM01 ist mit einer Breite von 8 TE recht schmal, trotzdem ist die Oberfläche sehr aufgeräumt. Das liegt vor allem an den relativ wenigen Bedienelementen. Doepfer und andere Hersteller bringen auf dem gleichen Platz viel mehr unter, was jedoch oft zu Lasten des Komforts geht.

DSI VCF patch 2
Beim DSM01 gibt es nur zwei Regler – für Cutoff und Resonanz – sowie zwei Schalter. Mit drei CV-Eingängen und drei Audioanschlüssen hat es sich dann auch schon. Was sofort auffällt ist die Abwesenheit von Pegeleinstellmöglichkeiten, die weder für CV noch für Audio vorhanden sind. DSI hält sich hier an das „englische“ Prinzip, wo man Pegel immer am Ausgang, nicht am Eingang regelt, so wie es bei Doepfer und den meisten anderen Herstellern der Fall ist. Für das DSM01 heißt das, dass, egal ob Audio oder CV-Spannung, immer maximaler Pegel anliegt. Deswegen braucht man hier weitere Module zum Vorschalten, um die Signale gegebenenfalls abzuschwächen (Attenuator, Mixer, VCA). Speziell bei der CV-Modulation von Cutoff und Resonanz vermisst man einen Attenuator, wie er allgemein üblich ist, sehr schnell.

DSI VCF audio
Beim VCA, der hier ohnehin nur per CV geregelt werden kann, läßt sich darauf durchaus verzichten, denn hier steuert man in der Regel mit einer Hüllkurve den Lautstärkeverlauf und der Ton soll ja am Ende auch gänzlich verstummen. Aber eine Einstellmöglichkeit für Aus- und Eingang wäre an sich schon praktisch. Das würde zwar das Modul verbreitern, aber wenn man sich ein extra Modul daneben ins Rack schrauben muss, hat man auch nichts gewonnen.
Angenehm empfinde ich die unten abgesetzte Sektion der Audioanschlüsse, die bei Verkabelung nicht die Bedienung von Cutoff und Resonanz stören. Eine Besonderheit des Moduls ist dabei, dass VCF und VCA zwei getrennte Ausgänge besitzen.

12 vs. 24

Das DSM01 kann als 2- oder 4-Pol-Tiefpass betrieben werden. Im 12 dB-Modus klingt das Filter ausgesprochen gutmütig, sogar harmlos. Die Resonanz ist dabei überaus zurückhaltend. Sie senkt den Bass leicht ab, hält dann jedoch den Pegel gleichmäßig und färbt den Klang ein wenig. Doch dann passiert nichts mehr, von Eigenschwingung ganz zu Schweigen. Für einen Polysynth ist so ein zartes Filter durchaus sinnvoll, aber in einem Modularsystem, wo man überwiegend monophone, aber überaus expressive Klänge erzeugt, scheint mir dieser Modus nur bedingt praktikabel zu sein. Doch das ist sicherlich auch eine Geschmacksfrage.

DSI VCF platine 1
Ganz anders klingt das jedoch bei 24 dB. Hier fängt die Resonanz schnell an zu „schmatzen“ und ab 12 Uhr (Reglerstellung, nicht Mittagessen) setzt die Eigenschwingung heftigst ein. Für alle Klänge, die von Resonanz profitieren, ist also dieser Modus die richtige Wahl. Doch geht das mit einem ordentlichen Pegelschub einher, der den internen VCA überfordert und auch am separaten VCF-Ausgang Unsauberkeiten und Spratzer erzeugt. Bei anderen Filtern sagt man Charakter dazu.

DSI VCF system 1

Old School vs. New School

Der originale CEM3320-Chip wird seit längerer Zeit nicht mehr hergestellt. Doepfer hatte diesen Chip bei verschiedenen Filtern verwendet. Das inzwischen nicht mehr erhältliche A-121 nutzte eine Multimode-Beschaltung mit 12 dB. Vergleicht man dessen Tiefpass mit dem DSM01 im 12 dB-Modus, liegen Welten dazwischen. Beim A-121 kann die Resonanz nämlich den Klang deutlicher färben und erreicht zum Ende hin sogar die Eigenschwingung. Dazu besitzt es noch Hochpass, Bandpass und Bandsperre und ist mit Attenuatoren ausgestattet. Klarer Punktsieg für Doepfer. Ich kann jedem Besitzer nur raten: BEHALTEN!

DSI VCF A122 2
Das Doepfer A-122 ist ein 24 dB Tiefpass, das früher einen CEM3320 besaß, mittlerweile jedoch mit einem CEM3379 ausgerüstet und daher noch verfügbar ist. Zum Vergleich mit dem DSM01 habe ich noch ein altes A-122 besorgen können. Diese beiden Filter liegen klanglich deutlich dichter zusammen, wenngleich sie sich in Feinheiten unterscheiden. Beim A-122 klingt die reine Selbstoszillation sehr sauber, fast schon etwas steril, beim DSM01 hingegen wirkt das Signal etwas voller und organischer. Filtert man einen Sägezahn tief hinab und gibt ordentlich Resonanz dazu, entsteht beim DSM01 ein schöner Bassschub, den das A-122 nicht erreicht. Im Bereich kurz vor der Eigenschwingung erzeugen jedoch beide Filter ein markantes „Klingeln“ in der Resonanz. Das A-122 hat zwar bei der Ausstattung die Nase vorn, doch im Klang sehe (bzw. höre) ich beim DSM01 gewisse Vorteile.

DSI A122

VCA & Boost

Der VCA des DSM01 ist denkbar einfach ausgestattet. Man führt ein CV-Signal zu und er öffnet sich. Das war es schon. Keine Pegelkontrolle, kein manuelles Öffnen. Als CV-Quelle nimmt man in der Regel eine Hüllkurve, aber auch eine CV-Source (für permanentes, regelbares Öffnen) oder ein LFO bzw. VCO (für Amplitudenmodulation) sind möglich. Doch bei letzteren macht sich wieder das Fehlen von Abschwächern störend bemerkbar und es muss ein entsprechendes Modul vorgeschaltet werden. Denn neben der normalen VCA-Nutzung als Hüllkurven-gesteuerter Endverstärker macht gerade die AM-Anwendung in Verbindung mit dem Filter den VCA interessant. Übrigens ist der VCA-Ausgang auch bei voller CV-Auslenkung etwas leiser als der VCF-Ausgang.
Zu guter Letzt gibt es noch einen Boost, der den Eingangspegel leicht übersteuert. Obwohl das klangliche Ergebnis ausgewogen und positiv klingt, wäre mir eine dosierbare Übersteuerung lieber.

DSI VCF VCA 2

Fazit

Wenn es im Modularsektor etwas im Übermaß gibt, dann sind es Filter. Von einfach bis komplex, von günstig bis teuer und so ziemlich jede Schaltung, die je entwickelt wurde. Das DSM01 liegt irgendwo im Mittelfeld. Es zwar nur ein Tiefpass, doch die Umschaltung von 12 auf 24 dB wechselt auch den Charakter hörbar. Dazu kommen mit Boost und dem VCA nützliche Zusatzfunktionen. Es gibt mehrere VCF-Module, die merklich günstiger und teils auch bezüglich ihrer CV-Möglichkeiten besser ausgestattet sind. Und dann gibt es noch deutlich teurere Filter, die sich oft durch bestimmte Charaktereigenschaften und Spezialfunktionen auszeichnen.
Das DSM01 ist nicht zu vergleichen mit destruktiven Filtern à la Wasp, MS20 oder Sherman, sondern klingt viel ausgewogener. Auch wenn im 24 dB-Modus eine gute Portion Charakter und ein bisschen Dreck mit ins Spiel kommen. Klanglich ein wirklich gutes Modul, die Ausstattung hätte aber üppiger ausfallen dürfen.
Bleibt noch abzuwarten, wann und was Dave Smith uns als DSM02, DSM03 usw. präsentieren wird …

Plus

  • sattes 24 dB Tiefpassfilter mit starker Resonanz
  • integrierter VCA
  • gute Bedienbarkeit dank aufgeräumter Oberfläche

Minus

  • keine Regelmöglichkeiten für CV- und Audiopegel
  • Boost nur schaltbar

Preis

  • Ladenpreis: 155 Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Ich halte mir auf jeden Fall noch 8 TE frei für das DSM01.Was die fehlenden Regler für die CV-Eingänge angeht, kann ich nur aus eigener Erfahrung sagen, dass man nie zu viel Attenuator / Multiples haben kann. Die Kosten halten sich in Grenzen und man braucht nicht mal einen Stromanschluss (habe mir dafür ein Extra-Mini.Case gebastelt, in das je drei A-180 und A-183 passen).
    Mir hat der Klang der DSI-Filter immer gefallen, so muss ich mir nicht gleich einen ganzen Prophet oder Mopho ins überfüllte Wohnzimmer-Studio stellen, um in den Genuss dieses Filters zu kommen.

  2. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Ich habe nun meine Drohung vom 24.11.14 in die Tat umgesetzt und wurde nicht enttäuscht. Das DSM01 ist eine wertvolle Ergänzung zu meinen weiteren verwendeten Filtern wie dem Doepfer A-106-5 SEM 12dB Multimode, MFB Microzwerg (2×12 dB Multimode) oder Dark Energy 1. Besonders bei Bässen ist es effektiver als das des DE, der an sich eigentlich schon ein gutes Bassverhalten mitbringt. Der integrierte VCA ist, wenn auch simpel, eine willkommene Erweiterung.

  3. Profilbild
    swissdoc  RED

    Der DSI 120 hat mit dem Curtis CEM3320 eher nichts zu tun. Er ist vielmehr (voller Name ist DSI 120 PA397) eine verbesserte Version des CEM3396 mit externem Eingang, einem VCA zum Mischen der Filterstufen, einem VCA fürs Panning und Ausgangsstufen für Links/Rechts. Bezeichnungen sind CEM3397, Marion MS1215 (aus dem Marion Systems, Pro Synth) und für DSI eben DSI 120 PA397.

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