Test: Dreadbox Erebus V3, duophoner Analogsynthesizer

26. Februar 2020

Größer ist manchmal besser

Mit dem Dreadbox Erebus V3 bringt die griechische Synthesizer-Manufaktur Dreadbox nun eine weitere Version des beliebten Desktop-Synthesizers heraus. Aber statt ein paar kleinen kosmetische Änderungen hier und ein bisschen mehr Feature da, ist der Erebus beinahe komplett überarbeitet worden. Kann er nun immer noch so komfortabel bedient werden?

Vergleich Dreadbox Erebus V2, Dreadbox Erebus V3

Der  auffälligste Unterschied zum Vorgänger Erebus V2 ist zunächst die Größe und die Fader, die einige der Potis ersetzen. Fader sparen nun mal auch Platz und so hat nun auch der Amp eine eigene ADSR-Hüllkurve (V2: AR-Hüllkurve). Das Patch-Feld hat sich wesentlich vergrößert und bietet nun auch Clock-Ausgänge oder eine komplette Steuerung des internen VCAs. Es können nun auch die eingehenden MIDI-Signale an den Buchsen GATE, MOD und CV abgegriffen werden. Jeder VCO kann einzeln über CV angesprochen werden und auch die Pulsbreiten von OSC1 und OSC3 können gesteuert werden. Es war sogar noch Platz für ein kleines 1-auf-2-Multi und vor allem noch für einen Clock-Generator (50 Hz bis 2,7 kHz).

Die Dreadbox Erebus Version V2 von 2014

Auch der LFO wird nun über Fader geregelt: Rate-Depth und eine LED müssen hier genügen. Geschwungen wird im Dreieck. Die Frequenzen reichen von 0,0167 Hz bis 20 Hz.

Die beiden Hüllkurven sind übrigens digital ausgeführt und überstreichen einen Bereich von 10 ms bis 60 sec, der Envelope, der standardmäßig dem Filter zugeordnet ist, bietet auch eine Loop-Funktion, so dass er auch als LFO dienen kann. Damit lassen sich z. B. schöne Delay-Effekte  oder gegenläufige Tonhöhenschwebungen erzielen.

Apropos: Der Dreadbox Erebus V3 verfügt über eine Autotune-Funktion, die bei geschlossenem VCA alle drei Sekunden einen internen Stimmungsabgleich vollzieht. Möchte man die Oszillatoren driften lassen, so kann man diese Funktion auch über die DIP-Schalter deaktivieren. Hier werden auch der MIDI-Kanal und die duophone Funktion aktiviert. Ein Wort zur Duophonie. Sie ergib oft nur Sinn, wenn man mit zwei ähnlichen klingenden Oszillatoren arbeitet. Da die richtig schönen Klänge aber erst im Zusammenspiel aller drei Oszillatoren zustande kommen (wie wir noch sehen werden), hatte für mich persönlich diese Funktion keinen wirklichen Mehrwert. Aber trotzdem schön, dass man sie benutzen kann, wenn man möchte.

Die MIDI-Implementation im Erebus V3 Synthesizer

Die MIDI-Implementation ist sparsam, aber im Grunde ausreichend: Der EFB versteht Note-on, Pitchbend und Modulation (CC1). Leider nicht den für meine Begriffe viel wichtigeren Aftertouch. Gate, CV und MOD-CV können am Patch-Feld abgegriffen werden, somit fungiert der Dreadbox Erebus V3 auch als MIDI-to-CV-Interface.

OSC Nummer 3 – der Neue im Bunde

Der kraftvollste Zuwachs in Sachen Synthese ist aber definitiv der dritte VCO, während die beiden anderen VCOs in ihrer Konzeption identisch geblieben sind: OSC1 bietet Sägezahn und Rechteck, OSC2 ebenfalls Sägezahn und Dreieck. Alles in drei Fußlagen und über einen Fader mischbar. OSC3 ist nun aber nicht einfach noch ein Oszillator, sondern wartet mit insgesamt sechs Schwingungsformen auf: Sägezahn auf- und absteigend, Rechteck, Dreieck, Sinus, Rauschen und eine Supersaw.

Bevor wir uns dem neu designtem Filter widmen, das die zweitgrößte klangliche Änderung mit sich bringt. Es lohnt sich, OSC3 genauer zu betrachten, denn so wie dieser angelegt ist, lassen sich Klänge erreichen, die beim Dreadbox Erebus V3 vorher unmöglich waren. Und das liegt zum einen an seiner Verschaltung der beiden anderen Oszillatoren wie auch an der Umsetzung der Supersaw.

dreadbox Erebus V3 - patch

Erweitertes Patch-Feld

OSC3 des Dreadbox Erebus V3 interagiert auf zwei Weisen mit den beiden anderen Oszillatoren. Da ist zunächst der FM-Anteil, der bestimmt, in wie weit OSC1 und OSC2 gleichzeitig beeinflusst werden. Da OSC3 einen sehr weiten Stimmungsbereich besitzt, kann man extrem langsame Schwebungen genauso realisieren wie die typischen glockenartigen FM-Klänge. Da OSC3 über keine Fußlagenschalter verfügt, ist er deswegen auch leider ein wenig schwer zu stimmen, da das große Tune-Poti entsprechend empfindlich reagiert. Daher gibt es auch folgerichtig auch noch einen Fine-Tune-Regler. Über den Level-Regler kann man die Lautstärke ganz unabhängig von den anderen beiden VCOs einstellen. Praktisch: Eine LED leuchtet in der Geschwindigkeit der eingestellten Frequenz.

Triple-Ring ist das Ding

Die zweite Interaktion mit OSC1 und OSC2 wird von Dreadbox als Triple-Ring-Modulation bezeichnet. Dazu hat der Dreadbox Erebus V3 in der Hauptoszillatorsektion zwei Regler: einen mit der Bezeichnung 1/2 und einen mit der Bezeichnung 1/3. Diese sind folgende Weise verschaltet: Als Quelle dienen hier Dreieck von OSC2 und Sinus von OSC3. Die Rechteckform von OSC1 dient nun als Schalter. Befindet sich das Tastverhältnis vom Rechteck im positiven Bereich, ist OSC3 zu hören; entsprechend hört man OSC2, wenn die negative Teil durchfahren wird. Daraus ergibt sich sofort, dass die Pulsbreite, die man über den Patch-Punkt PW1 einstellen kann, einen enormen Einfluss auf den Gesamtklang hat.

dreadbox Erebus V3 - triple ring modulation

dreadbox Erebus V3 – Triple Ring Modulation

Ich finde diese Verschaltung genial, denn hier hat man quasi einen Wave-Hächsler zur Verfügung. Dieser kann übrigens mit den anderen Schwingungsformen der Oszillatoren gleichzeitig erklingen, die besten Ergebnisse werden aber erzielt, wenn die anderen Oszillatoren nicht an sind. Und diese Ergebnisse meinen zumeist abgrundtiefe Bässe, die so richtig fies drücken können und weit weg von einfach nur einem übersteuerten Klang sind. Das geht eindeutig mehr in die D‘n‘B- und Dubstep-Ecke.

Tricky Supersaw

Bleibt „nur“ noch die Supersaw des Dreadbox Erebus V3; diese ist etwas anders konzipiert als gewohnt und ist eigentlich keine klassische Supersaw, bei der mehrere Oszillatoren gegeneinander verstimmt werden – auch OSC3 ist halt nur ein Oszillator. Die hier gewählte Umsetzung hängt im Klang im entscheidenden Maße von der Modulation der Pulsbteite des OSC3 ab. Aktiviert man die Supersaw, so hört man zunächst einfach nur einen Sägezahn eine Oktave oberhalb der aktuellen Lage. Über die PW3-Modulation kann man nun stufenlos zwischen original Oktave und der Oktave bzw. darunter überblenden. Der Klangcharakter erinnert dabei auch etwas an eine Pulsbreitenmodulation, nur eben mit Saw. Das ist zwar kein Ersatz für eine echte Supersaw, klingt aber je nach Kontext schon sehr ähnlich. Vor allem aber im Zusammenspiel mit dem Triple-Sync ergibt sich reichhaltiges Klangpotential.

Das Filter des Dreadbox Erebus V3

Anstatt eines Kaskadenfilters bietet der Dreadbox Erebus V3 nun ein State-Variable-Filter mit einer stufenlosen Überblendung zwischen LP- und HP-Modus. Hier finde ich einen der Kritikpunkte: Das kann man leider nicht über CV steuern; damit hätte man sehr gut Beat-ähnliche Strukturen erzeugen können, indem man über dem Filter-Modus in Richtung Bassdrum, Snaredrum oder HiHat hätte gehen können. Ansonsten ist auffällig, dass die Resonanz immer ein wenig aktiv ist, auch wenn sich der Regler ganz unten befindet. Nur wenn der Mid-Regler genau in der Mitte steht, scheint die Frequenzbetonung im Cutoff-Bereich nicht mehr hervorzutreten.

Das organische Ganze

Über einen Synthesizer dieser Struktur braucht man eigentlich keine langen Worte zu verlieren. Beim Dreadbox Erebus V3 ist da den Leuten von Dreadbox meiner Meinung nach etwas ganz Besonderes gelungen. Einerseits haben sie das Gerät in Richtung modularer „Verwertbarkeit“ geöffnet und das hauptsächlich durch die vielen neuen Patch-Punkte.

Anderseits ist mir lange kein so gut abgestimmter Monosynthesizer untergekommen. Es fühlt sich beinahe alles wie ein riesiger Sweetspot an. Man kann dem Dreadbox Erebus V3 eigentlich gar keine grausigen Klänge entlocken (obwohl das natürlich geht). Vor allem diese präzise abgestimmte Parametrisierung macht das Arbeiten mit dem Dreadbox Erebus V3 zu wahren Freude. Hier kommen dem Gerät auch die Fader zugute. Ich finde, mit ihnen kann man viel intuitiver die gewünschten Stellen anfahren und auch verlässlich treffen! Egal, wo man reingreift, der Synthesizer reagiert stets gutmütig und nachvollziehbar, ohne dabei brav zu klingen.

Läuft eine Sequenz, wird man geradezu verführt, an den Reglern zu schieben und an den Knöpfen zu drehen. Man kann sich eben sehr weit aus dem Fenster lehnen und schnell wieder auf den Ausgangssound zurückkommen – zu übermäßig viele Einstellungen gibt es ja nicht. Punktum: Man hat jederzeit Herr der Lage zu sein und die Kontrolle über den Dreadbox Erebus V3 zu haben.

Das prädestiniert den Desktop-Synthesizer aber auch für eine andere Aufgabe: als Sidekick-Solo-Synthesizer in einem Bandkontext. Denn obwohl er keine Speichermöglichkeiten bietet und leider eine Aftertouch-Funktion vermissen lässt, hat man Sounds sehr schnell um- und eingestellt. Selbst ein ekstatisches Herumschrauben während eines Solo-Parts kann man schnell wieder zurückdrehen – der Dreadbox Erebus V3 ist einfach so übersichtlich geworden, dank der Fader.

Dreadbox Erebus V3

Dreadbox Erebus V3

Das Echo ist dabei nach wie vor die Kirsche auf dem Sahnehäubchen und kann durchaus zum Grundcharakter des Dreadbox Erebus V3 gezählt werden. Da es Modulationen der Time wie ein Tape-Delay mitmacht, steckt hier viel Potential drin.

Fazit

Das ist ein Upgrade, das es in sich hat. Durch FM, Supersaw und die Triple-Ring-Modulation macht der dritte Oszillator viel mehr Alarm, als es zunächst den Anschein hatte. Manchmal mag man es kaum glauben, dass man es sich hier lediglich um einen monophonen (bzw. duophonen) Synthesizer mit drei Oszillatoren zu tun hat.

Das Filter erweitert einfach dadurch enorm das Spektrum, da es zwischen HP/LP überblenden kann. Einziger Wermutstropfen: Der Filtermode lässt sich nicht über CV fernsteuern.

Loop-bare Hüllkurve, Clock und das erweiterte Patch-Feld tun ihr Übriges. Das alles wurde beim Dreadbox Erebus V3 in ein stimmiges Gesamtkonzept gegossen, an dem Einsteiger, Fortgeschrittene und Profis lange Freude haben werden. Ein schönes Stück Synthesizer mit einem vernünftigen Preis-Leistungs-Verhältnis.

Plus

  • durchdachtes Oszillator-Konzept
  • erweitertes Patch-Feld
  • Auto-Tune-Feature
  • „Envelope“-Hüllkurve ist loopbar
  • MIDI-Thru
  • Updates via Sysex

Minus

  • minimale MIDI-Implementation (Note, Pitch-Wheel, Mod-Wheel)
  • Filterresonanz immer ein wenig aktiv
  • State-Variable-Filter Mode kann nicht moduliert werden

Preis

  • 499,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    8 Bit Fighter  

    Die Soundbeispiele sind wenig aussagekräftig und viele wichtige Details fehlen im Bericht. Der LFO arbeitet nur im Retrigger Mode und läuft nicht frei.Es gibt kein Retrigger Mode für Die Hüllkurven im Mono Mode sondern nur im Duophone Mode. Es gibt keine last note Periority. VCO 3 ist selbst bei voll aufgedrehter Lautstärke leiser als die anderen VCO’s.

    • Profilbild
      Vinybeats

      Und deine Aussage beeinflusst die Hörbeispiele in welcher Art und Weise? Bitte weniger Theorie und mehr Praxis. Musik ist doch keine Mathematik. Mir geht solch ein Geschwätz langsam aber sicher aufn Sack. Sucht ihr alle nur noch Fehler bei anderen um euch höherzustellen? Jetzt kauf ich mir den Dreadbox nicht, weil der Oszillator leiser als die anderen ist…So…

      • Profilbild
        johnny bore  

        Ich finde die Aussagen von 8 Bit Fighter heir nicht uninteressant. Das kritisieren der Soundbeispiele jetzt mal außen vor gelassen. Aber das verhalten von LFO, Hüllkurven und Note Priority ist für mich schon wichtig und wäre zusammengenommen für mich leider auch ein KO-Kriterium.

      • Profilbild
        martin stimming  

        keine last note priority ist von großer wichtigkeit! das wird dir wenn du keine flinken und gut beherrschten finger hast beim spielen dieses geräts den letzten nerv rauben…

  2. Profilbild
    hejasa  AHU

    Ich habe Respekt vor Instrumenten, die ich nicht ohne lange Schaltungsüberlegungen und -versuchen in ihrer Struktur im Eurorack nachbauen kann. Der Erebus gehört mit seinem Triple Ring dazu, Chapeau!

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