Test: Dreadbox Polyend Medusa Hybrid-Synthesizer Sequencer

7. November 2018

Hybrides Joint Venture

Hybride Synthesizer, die digitale Oszillatoren mit analogen Filtern kombinieren, sind mittlerweile wieder weit verbreitet. Wesentlich seltener anzutreffen sind hingegen hybride Oszillatorschaltungen. Eine solche bot in den vergangenen Jahren nur der Evolver von Dave Smith Instruments. Damit hat es nun ein Ende. Doch die Verbindung von analogen und digitalen Oszillatoren ist nicht der einzige Aspekt, der den Medusa zu einem Hybrid-Synthesizer macht. Denn beim Medusa handelt es sich auch um ein transeuropäisches Projekt, das die digitale Expertise des polnischen Herstellers Polyend und die analoge Expertise des griechischen Herstellers Dreadbox zusammenführt.

Polyend machte zuletzt mit dem Sequencer SEQ in der Branche von sich reden, während Dreadbox für eine ganze Reihe von analogen Instrumenten steht, die allesamt nach der griechischen Mythologie benannt wurden. Zu den beliebtesten Exemplaren zählen unter anderem ein Modularsystem, der 4-stimmige Analogsynthesizer Abyss, der Erebus, der nun in seiner dritten Inkarnation veröffentlicht wird, der Hades, Nyx sowie Murmux bzw. Murmux V2. Durch die Zusammenarbeit ist nun mit dem Medusa ein Synthesizer herausgekommen, der die Analogschaltung von Dreadbox erstmals unter digitale Kontrolle bringt, um digitale Schwingungsformen erweitert und mit einem multifunktionalen Pad-Raster verbindet.

Dreadbox Polyend Medusa

Dreadbox Polyend Medusa

Der Dreadbox Polyend Medusa im Überblick

Der knapp einen halben Meter breite und etwa zweieinhalb Kilo schwere Medusa macht nach dem Auspacken einen äußerst robusten Eindruck. Auch ein näherer Blick auf das Bedienfeld des aluminiumverpackten Geräts lässt den Betrachter nicht zu Stein erstarren. Alles ist gut sortiert und klar gegliedert: Rechts befindet sich die Dreadbox-Hälfte, die den Klangerzeuger beherbergt, links die Polyend-Hälfte mit einem Raster aus 8×8 Silikon-Pads. Beide Bereiche werden durch einen mittleren Abschnitt zusammengehalten, der mit einem OLED-Display zwecks Menüführung ausgestattet ist. Hier können nicht nur die Aufnahme und Wiedergabe von Sequenzen gesteuert sowie Sounds verwaltet, sondern auch Synthesizer- und MIDI-spezifische Konfigurationen festgelegt werden.

Die angenehm bespielbaren Silikon-Pads und Druckknöpfe sind für den langjährigen Gebrauch geeignet und die Fader in der Synthesizer-Hälfte haben einen guten Widerstand, der auch Feinjustierungen ermöglicht, ohne dass hier etwas zu schnell verrutscht. Nur die Potentiometer wirken zuweilen etwas leichtgängig und deren Kappen ein wenig wackelig. Die mit einer Kunststoffachse ausgestatteten Potentiometer sind nicht mit dem Gehäuse verschraubt, sondern einzig auf der Platine befestigt. Etwas angenehmer ist hingegen der Drehwiderstand des nichtgerasterten und mit einem Druckknopf ausgestatteten Endlos-Encoders, der sich im mittleren Bereich befindet. Zur Designwahl „Potentiometer vs. Encoder“ jedoch später mehr.

Rückseitig bietet der Dreadbox Polyend Medusa einen Ein-/Ausschalter sowie einen Anschluss für das mitgelieferte Netzteil. Daneben folgen drei Audiobuchsen im Klinkenformat: Ein Mono-Hauptausgang, ein Kopfhörerausgang (beide Ausgangssignale können separat geregelt werden) und ein Monoeingang zur Verarbeitung eines externen Signals, das vor der Filterschaltung in den Signalweg eingespeist wird. Schließlich ist hier noch ein MIDI-Trio (In/Out/Thru) untergebracht sowie ein USB-Anschluss, der ebenfalls für MIDI-Zwecke und darüber hinaus für Software-Updates genutzt werden kann. Mit Software-Updates hat auch das unscheinbare und mit RESET überschriebene schmale Loch zu tun, das sich neben den MIDI-Buchsen befindet. Dahinter verbirgt sich ein Schalter, durch den sich das Aufspielen eines Firmware-Updates und ein anschließender Neustart initialisieren lässt. Alles, was man dafür benötigt, ist eine umgebogene Büroklammer. Von der wurde während des Testdurchlaufs auch ganze fünfmal Gebrauch gemacht, da es Firmware-seitig noch die ein oder andere Baustelle gab, was vor allem die MIDI-Funktionalität, die Stimmstabilität und das Verhalten der Filterresonanz anbelangte. So war anfangs unter anderem keine Synchronisation zu einem externen Clock-Signal möglich, MIDI-CC-Parameterdaten konnten weder gesendet noch empfangen werden, die Stimmung lief alle 20 Minuten aus dem Ruder und die Filterresonanz verhielt sich extrem unmusikalisch, da sie ab etwa drei Uhr von Flüstern auf Kreischen sprang.

Dreadbox Polyend Medusa

Die Anschlüsse des Medusa

Das Testgerät wurde zuletzt vom Release-Kandidaten für die Firmware-Version 1.1 gesteuert, die in mancherlei Hinsicht einen Quantensprung im Vergleich zu den Firmware-Versionen darstellt, mit denen der Medusa zunächst ausgeliefert wurde. Die fortwährend aktualisierte Firmware machte nicht nur deutlich, dass es auf diesem Gebiet noch einiges zu tun gab, sondern Polyend sich auch zeitnah um die Wartung kümmert. Für frühe Käufer bleibt es allerdings ein Ärgernis, unfreiwillig Teil eines Betatest-Programms zu werden. Auch ich schob das Gerät innerhalb der ersten zwei Wochen oft frustriert zur Seite und fragte mich, ob hier jemals auch nur ein einziger Betatest vor Auslieferung stattgefunden habe oder gar Dritte konsultiert wurden– ein erster Eindruck, der sich vermeiden ließe, würde man Produkte weniger vorschnell auf den Markt hetzen. Zumal man als Hersteller nicht vergessen sollte, dass die eigene Ungeduld sehr schnell durch die Ungeduld der Käufer abgestraft werden kann.

Dreadbox Polyend Medusa

Der Medusa-Prototyp zeigt, wie weit man das Instrument weiterentwickelt hat

Die Dreadbox-Hälfte: Der Synthesizer

Für den Hersteller Dreadbox stellt der Medusa womöglich einen Testlauf für kommende Instrumente dar. So gaben die beiden Gründer Yiannis Diakoumakos und Dimitra Manthou kürzlich in einem Interview mit dem YouTube-Kanal ProckGnosis zu Protokoll, dass man zukünftig beabsichtige, eher in eine hybride Richtung zu steuern. Grund genug, sich die Synthesizer-Hälfte des Medusa genauer anzuschauen. Beginnen wir mit den Klangerzeugern. Hier finden sich drei identische analoge Oszillatoren, ein Rauschgenerator und drei identische digitale Oszillatoren. Damit die alle miteinander harmonieren, startet der Medusa eine Autotuning-Prozedur, nachdem man ihn eingeschaltet hat. Grundsätzlich wird empfohlen, dem Medusa eine Aufwärmzeit von etwa 20 Minuten einzuräumen, bevor es losgehen kann.

Die analogen Oszillatoren bieten vier klassische analoge Schwingungsformen, durch die man sich mit der WAVE-Taste hindurchklicken kann: Sägezahn aufwärts, Rechteck, Dreieck und Sinus. Ferner lassen sich die einzelnen Oszillatoren um eine Oktave auf- und abwärts grobstimmen und um 100 Cents auf- und abwärts feinstimmen, was auch in dem für den Synthesizer zuständigen OLED-Display angezeigt wird. Schließlich gibt es noch einen Oktavwahlschalter, mit dem man die Tonhöhe um eine Oktave hinauf- oder hinabtransponieren kann. Sämtliche Oszillatoren decken ein Frequenzspektrum von sechseinhalb Oktaven ab, was nicht sonderlich umfangreich ist, aber für die gängigsten Anwendungen vollkommen ausreicht.

Wählt man für die analogen Oszillatoren eine Rechteckschwingung aus, kann man auch die Pulsbreite modulieren. So lässt sich über einen entsprechenden Regler diese zwischen 50 und 95 Prozent manuell einstellen – ein Umfang, den man mittels LFO-Steuerung jederzeit überschreiten kann. Dies ist allerdings nur für alle analogen Oszillatoren gleichzeitig möglich, nicht pro Oszillator. Im Gegenzug verfügt der Medusa gleich zweimal über eine Hard-Sync-Option. So lassen sich der zweite analoge Oszillator zum ersten und der dritte analoge Oszillator zum zweiten synchronisieren. Die Hard-Sync-Option führt schnell zu aggressiven Klangcharakteristiken und vor allem in höheren Lagen wird deutlich, dass sich die modulierte Frequenz eines synchronisierten Oszillators stufenweise und nicht übergangslos ändert.

Neben Pulsbreitenmodulation und Hard Sync gehört Frequenzmodulation zu den Spezialitäten der analogen Oszillatoren. Für diesen Zweck ist der dritte analoge Oszillator als Modulationsquelle zuständig. Mögliche Modulationsziele sind die Frequenzen der ersten beiden Oszillatoren (nicht getrennt, sondern nur gemeinsam) sowie die Filterfrequenz, so dass sich auch allerhand metallische Klänge erzeugen lassen.

Darüber hinaus werden die Oszillatoren noch durch einen Rauschgenerator ergänzt. Mit einem entsprechenden Regler lässt sich das Rauschen von einem tiefpassgefilterten bis zu einem hochpassgefilterten Signal durchfahren, was auch modulierbar ist. Der tiefpassgefilterte Rauschtyp wird hier braunes Rauschen genannt, der hochpassgefilterte Rauschtyp violettes Rauschen und der mittige und durch ein Notch-Filter gefärbte Rauschtyp graues Rauschen.

Kommen wir nun zur ersten eigentlichen Neuerung im Dreadbox Polyend Medusa: den digitalen Oszillatoren. Sie teilen sich die Bedienelemente mit den analogen Oszillatoren. Zugang zu ihnen erhält man, indem man die Taste DIGITAL betätigt, die dann aufleuchtet, um anzuzeigen, dass man sich nun im Bearbeitungsmodus für die digitalen Oszillatoren befindet. Der Funktionsumfang ist mit dem der analogen Oszillatoren identisch, abzüglich Pulsbreitenmodulation, Hard Sync und Frequenzmodulation. Die digitalen Basisschwingungsformen aufsteigender Sägezahn, Rechteck, Dreieck und Sinus kommen den analogen Versionen recht nahe, jedoch macht sich in höheren Registern Aliasing deutlich bemerkbar.

Neben den klassischen Schwingungsformen kann man auch zwischen 20 Wavetables (16 Bit, 44 kHz) wählen. Man betätigt hierfür einfach die WAVE-Taste solange, bis alle LEDs für die Schwingungsformen aufleuchten und wählt dann mit dem Encoder im mittleren Panel-Bereich das gewünschte Wavetable aus. Diese Auswahl gilt dann für alle digitalen Oszillatoren gleichzeitig. Individuell gestalten kann man je Oszillator allerdings die Modulation der Position im Wavetable. Analog zum Pulsbreitenregler findet sich im gleichen Abschnitt auch ein Wavetable-Regler, mit dem man ein Wavetable manuell scannen kann. Der Übergang zwischen den einzelnen Schwingungsformen erfolgt beim Durchlauf in Stufen, das heißt das Wavetable-Scanning erfolgt ohne Interpolation, die weiche Übergänge zwischen den einzelnen Timbres ermöglichen würde. Es gibt jedoch einige Wavetable-Varianten, bei denen das weniger deutlich hervortritt, so zum Beispiel Wavetable 16, dessen Spektrum aus verschiedenen Pulsbreiten besteht, mittels derer sich auch für die digitalen Oszillatoren Pulsbreitenmodulation simulieren lässt.

Die Lautstärkeverhältnisse zwischen den insgesamt sechs Oszillatoren und dem Rauschgenerator des Dreadbox Polyend Medusa lassen sich schließlich mit einem Mixer steuern, der mit sieben Fadern ausgestattet ist. Erwähnenswert ist hier, dass sämtliche Klangquellen über eine eigene Verstärkerschaltung verfügen. Dies ist relevant für die verschiedenen Spielmodi. Zur Auswahl stehen hier monophon sowie zwei Paraphonie-Varianten. Im ersten Fall teilen sich sämtliche Oszillatoren das Filter und dieselbe Verstärkerhüllkurve. Der erste paraphone Modus ist dreistimmig, das heißt auf jede Stimme entfällt jeweils ein analoger und ein digitaler Oszillator, die sich das Filter und dieselbe Verstärkerhüllkurve teilen. Im zweiten und 6-stimmigen paraphonen Modus hingegen entfällt auf jede Stimme ein Oszillator mit je eigener Verstärkerhüllkurve bei weiterhin geteilter Filterartikulation. Letztere Variante entspricht somit der Umsetzung des paraphonen Modus im Dave Smith Instruments Pro 2. Der Vorteil der eigenen Verstärkerschaltung je Oszillator besteht darin, dass trotz des von allen Stimmen geteilten Filters Ein- und Ausschwingzeiten individuell je Stimme artikuliert werden können. Bis auf die Filterartikulation ist die 6-stimmige Variante also tatsächlich vollkommen polyphon. Positiv hervorzuheben ist außerdem, dass sich die einzelnen Stimmen in diesem Modus über getrennte MIDI-Kanäle (1-6) steuern lassen. Zusätzlich lässt sich für beide paraphone Modi die Stimmenpriorität festlegen. Hier hat man die Wahl zwischen „First“ und „Next“. Im ersten Fall entspricht die erste Stimme, die gespielt wird, immer dem ersten Oszillator bzw. dem ersten Oszillatorenpaar. Im zweiten Fall rotiert der Medusa durch die noch frei verfügbaren Oszillatoren, was wiederum längeren Ausschwingzeiten zugutekommt.

Die Oszillatoren des Medusa

Was unter den konfigurierbaren Spielmodi der Dreadbox Polyend Medusa leider fehlt, ist eine Option zur Festlegung der Notenpriorität im monophonen Modus. Standardmäßig räumt der Medusa beim Legato-Spiel immer der zuletzt gespielten Note die Priorität ein, und zwar ohne die vorletzte Note bzw. die Hüllkurven zu retriggern, sobald man die letzte Note wieder loslässt. Hier wäre es noch wünschenswert, zwischen hoher, tiefer, letzter Note und entsprechenden Retrigger-Optionen wählen zu können. Um das Oszillator Kapitel abzuschließen sei noch erwähnt, dass es selbstverständlich auch einen Glide-Parameter gibt, der für alle Oszillatoren zuständig ist.

Als nächstes folgt in der Signalkette das Filter, bei dem drei Modi zur Auswahl stehen: ein 2-poliges Tiefpassfilter (12 dB Flankensteilheit je Oktave), ein 4-poliges Tiefpassfilter (24 dB Flankensteilheit pro Oktave) und ein 1-poliges Hochpassfilter (6 dB Flankensteilheit pro Oktave). In der Filtersektion erhält man Zugriff auf die Filterfrequenz, die Resonanz, die Auswahl des Filtertyps sowie das Keyboardtracking. Entsprechende Werteänderungen werden im OLED-Display angezeigt und sind – wie sämtliche modulierbare Parameter – auf einer 128-schrittigen Werteskala (0-127) festlegbar. Im Folgenden werden Filterfahrten durch alle Filtertypen demonstriert und zwar mit Resonanz-Einstellungen von 0, 25, 50, 75 und 100 Prozent.

Die Resonanz macht sich bei der Dreadbox Polyend Medusa erst recht spät, das heißt nach halbem Wege bemerkbar, packt dafür aber vor allem im letzten Drittel so richtig zu, wo der Klangcharakter deutlich in eine aggressive Richtung geht.

Neben den Grundbausteinen der subtraktiven Synthese stehen einem noch eine Reihe von Modulationsquellen zur Verfügung. Zunächst sind da fünf 5-stufige DADSR-Hüllkurvengeneratoren. Zwei von ihnen sind dem Filter und dem Verstärker fest zugewiesen, drei hingegen frei belegbar. Die Hüllkurvenphasen lassen sich mit Fadern bestimmen. Zur Aktivierung eines Hüllkurvengenerators drückt man die entsprechende Taste zweimal hintereinander; drückt man die Taste nur einmal, wird einfach nur die entsprechende Hüllkurve ausgewählt. Möchte man den drei zusätzlichen Hüllkurvengeneratoren eines der insgesamt 35 Modulationsziele zuweisen, so hält man die entsprechende Taste gedrückt und betätigt anschließend den gewünschten Parameter über das Bedienfeld. Das ist gut gelöst und spart Zeit. Darüber hinaus lassen sich Modulationsziele auch mit einem dafür vorgesehenen Potentiometer aus einer Liste auswählen, durch die man über das OLED-Display scrollen kann. Zusätzlich gibt es noch für jede Hüllkurve einen Regler, der deren Modulationsintensität steuert. Schade ist einzig, dass einem für diesen Parameter keine bipolare Werteskala zur Verfügung steht, der von der Filterhüllkurve und den frei belegbaren Hüllkurven ausgehende negative Modulationen ermöglichen würde. Gut ist wiederum, dass man alle fünf Hüllkurven loopen kann, womit sie sich auch als alternative LFOs nutzen lassen. Am Beispiel der Filterhüllkurve wird hier das Frequenzspektrum der Hüllkurven-Loops demonstriert und dass dieses auch bis in den Audiobereich vordringt, womit auch schnellen Amplitudenmodulationen nichts im Wege steht.

Schließlich gibt es noch fünf LFOs, die allesamt zu einem Clock-Signal in Teilwerten synchronisiert werden können. Nicht synchronisiert operieren die LFOs freischwingend, im synchronisierten Zustand wird hingegen deren Phase mit jeder neu getriggerten Note zurückgesetzt. Hier wäre es schön gewesen, dem Nutzer die Wahl zu überlassen, wann ein LFO freischwingend oder aber im Reset-Modus agieren soll. Das Frequenzspektrum der LFOs reicht von 0,01 bis 30 Hz, was auf das Filter angewendet folgendermaßen klingt:

Modulationen im Audiobereich sind also nicht möglich, aber dafür gibt es ja als Alternativen entweder den dritten analogen Oszillator oder aber die loopbaren Hüllkurven.

Als Schwingungsformen stehen je LFO Sinus, Rechteck, absteigender Sägezahn, Dreieck und aufsteigender Sägezahn zur Verfügung. Die Besonderheit liegt hier darin, dass man stufenlos zwischen diesen fünf Schwingungsformen überblenden kann und dieser Überblendungsvorgang selbst auch ein Modulationsziel ist, was schnell zu komplexen Ergebnissen führen kann, wenn man LFOs miteinander moduliert.

Wie im Falle der Hüllkurvengeneratoren aktiviert man die einzelnen LFOs per Doppelklick. Auch die Zuweisung von Modulationszielen erfolgt auf dieselbe Weise, das heißt man hält die gewünschte LFO-Taste gedrückt und betätigt anschließend einen Parameter. Auch hier lässt sich das Modulationsziel alternativ aus einer im OLED-Display angezeigten Liste auswählen.

Der Parameter für die Modulationsintensität steuert die Amplitude der LFO-Schwingungsformen. Negative Modulationswerte sind hier ebenfalls nicht einstellbar, dafür agieren jedoch die Schwingungsformen bipolar. An dieser Stelle muss man allerdings aufpassen: Während eine bipolare LFO-Schwingungsform ideal für ein natürlich wirkendes Vibrato ist, ist sie eher suboptimal für Triller, da um den eigentlich gehaltenen Ton herum moduliert wird. Hielte man ein C gedrückt, dessen Frequenz durch einen Rechteck-LFO um den Radius einer Quarte moduliert wird, würde man im Endeffekt nur Sprünge zwischen dem F über und dem G unter diesem C hören, nie jedoch das C selbst.

Abschließend noch einige Bemerkungen über die Synthesizer-Abteilung der Dreadbox Polyend Medusa: Durch diverse Firmware-Updates wurde die Stimmstabilität durch automatisch ablaufende Autotuning-Prozeduren deutlich verbessert, so dass man den Medusa nicht länger regelmäßig manuell kalibrieren muss. Während des Autotunings durchlaufen alle Oszillatoren sämtliche Oktavlagen. Woher man das weiß? Nutzt man den Kopfhörerausgang, der einen recht hohen Ausgangspegel hat, dann kann man das zeitweise im Hintergrund ablaufende Autotuning wahrnehmen – zwar sehr leise, jedoch in hochfrequenten Bereichen durchaus bemerkbar als aufwärts verlaufende Notenkaskaden. Über den Hauptausgang und im Zusammenspiel mit einem externen Mischer oder Vorverstärker ist dies jedoch weniger offensichtlich.

Obgleich sämtliche Modulationsbewegungen, die von den Hüllkurven und LFOs ausgehen, auf der Standardseite des OLED-Displays angezeigt werden, lassen sich einzelne Einstellungen nicht mehr gut nachvollziehen, sobald ein Sound gespeichert wurde. Denn wenn man ein Potentiometer betätigt, verstellt man auch automatisch den entsprechenden Wert. Eine Anzeigefunktion wäre also von Vorteil gewesen, zumal die Bedienoberfläche durchaus noch Platz für eine entsprechende Taste geboten hätte, die man gedrückt halten müsste, damit einem die aktuellen Parameterwerte bei Betätigung der entsprechenden Regler ohne weitere Änderungen angezeigt würden.

Das Ganze entpuppt sich vor allem für diejenigen Bereiche als Problem, die mit Mehrfachbelegungen gestaltet wurden und insgesamt zehn Potentiometer umfassen: Die drei doppelt belegten Frequenzregler für sämtliche Oszillatoren, der doppelt belegte Regler zur Steuerung der FM-Intensität durch den dritten analogen Oszillator (Oszillator- und Filter-FM) und die fünffach belegten zwei Hüllkurven- und vier LFO-Regler. Zwar kann man zwischen zwei Potentiometer-Modi wählen – „Absolute“ und „Preset Value“ –, die im Verhältnis zum aktuellen Wert entweder einen absoluten Wertsprung bewirken oder erst dann eine Veränderung herbeiführen, nachdem der gespeicherte Wert durchlaufen wurde, was dann durch eine Potentiometergraphik im OLED-Display visualisiert wird. Letzterer Abholmodus funktioniert jedoch nicht in den Hüllkurven- und LFO-Bereichen.

Überdies stellt das Speichern als Bedingung für das genaue Nachjustieren und Nachvollziehen von Parameterwerten eine Einschränkung dar, da man für geläufig nicht nach jeder vorgenommenen Parametereinstellung ein Preset speichert, an dem man gerade arbeitet. So bleibt das Grundproblem bestehen, dass einmal festgelegte Einstellungen nicht mehr nachzuvollziehen sind, nachdem man zur nächsten Funktion ein und desselben Potentiometers gesprungen ist, also etwa von der Frequenz des ersten analogen Oszillators zur Frequenz des ersten digitalen Oszillators, von der Modulationszielauswahl von LFO 1 zur Modulationszielauswahl von LFO 2 usw. Denn die Potentiometer befinden sich dann immer in der zuletzt gewählten absoluten Position, die sich nach nur einem Wechsel nicht mehr mit den tatsächlichen Parameterwerten deckt. Eine bessere Lösung hätten für die genannten Bereiche positionsneutrale gerasterte Endlos-Encoder dargestellt, die naturgemäß auch ein präziseres Einwählen von Werten erlauben, was mit den Potentiometern nicht immer so einfach ist.

Die Polyend-Hälfte: Pad-Raster und Sequencer

Das Pad-Raster auf der linken Seite des Medusa übernimmt im Wesentlichen drei Funktionen. Möchte man einen Sound speichern oder laden, dann fungieren die 8×8 Pads als Programmspeicherplätze. Insgesamt lassen sich in zwei Bänken bis zu 64 Presets speichern und ausgeliefert wird der Medusa mit 32 Werksounds in Bank A.

Darüber hinaus übernehmen die Pads die Funktion der Noteneingabequelle. Wenn man den Medusa einschaltet, ist dieser Spielmodus die Standardeinstellung für die Pads. Hier ähnelt dann das Pad-Raster einem Ableton Push 2 oder ähnlichen Pad-Controllern. So lassen sich beispielsweise 39 verschiedene Notenskalen über chromatisch, Dur, Moll bis hin zu alternativen Stimmungen und deren Grundton definieren. Letzterer wird durch dauernd aufleuchtende Pads hervorgehoben, die eine Orientierung im Notenraster ermöglichen. Überdies ist es möglich, das Layout des Pad-Rasters zu variieren, indem man in 1-7 Halbtonschritten den Abstand zwischen einem Pad und dem darüber liegenden Pad festlegt, wodurch das Skalierungsraster entweder gestaut oder gedehnt wird.

Die Skalenansicht des Pad-Rasters

Die Besonderheit des Pad-Rasters besteht darin, dass es Hardware- und Software-seitig den MPE-Standard unterstützt. So reagieren die einzelnen Pads sensorisch auf horizontale (X) sowie vertikale Bewegungen (Y) und sind druckempfindlich (Z). Lediglich mit Anschlagdynamik wurde der Medusa nicht ausgestattet, jedoch soll diese laut Polyend mit Firmware-Version 1.2 nachgeliefert werden. Welches Modulationsziel man über die drei Dimensionen steuert, kann man je Preset frei bestimmen. Die Modulationsintensität ist dabei bipolar festlegbar, das heißt über die Pads sind auch negative Modulationen möglich. Möchte man den Medusa via MIDI von einem Keyboard-Controller aus spielen, dann werden die Parameter, denen die Dimensionen X, Y und Z zugewiesen sind, durch Pitchbend-Rad, Modulationsrad und Aftertouch gesteuert. Umgekehrt lassen sich vom Pad-Raster aus auch externe Klangerzeuger spielen und deren Pitchbend-, Modulationsrad- und Aftertouch-Daten mit jedem einzelnen Pad steuern.

Wer jedoch hofft, mit der Dreadbox Polyend Medusa eine günstige Alternative für das LinnStrument geboten zu bekommen, wird enttäuscht werden. Zwar lässt sich für die Pads bestimmen, ob die Modulation, die von einer horizontalen oder vertikalen Bewegung ausgeht, von einer absoluten oder relativen Position aus gesteuert wird, jedoch fällt der Aktionsradius für diese Bewegungen gegenüber dem LinnStrument geringer aus. Zum anderen hat man es hier mit 64 in sich geschlossenen Pads zu tun und nicht mit einem kontinuierlichen sensorischen Netz unterhalb der Spieloberfläche. Dies bedingt zum Beispiel, dass sich ein Portamento nicht nahtlos spielen lässt, wenn man mit dem Finger über eine Pad-Reihe streicht. Überdies reagieren die Pads nicht auf eine bloße Berührung; man muss schon etwas Druck ausüben, damit ein Pad aktiviert wird. Kurz: Das Ansprechverhalten wirkt verglichen mit einem LinnStrument hölzerner. Aufgrund dessen sollte man auch mit der Intensität der Aftertouch-Modulation sparsam umgehen. Andernfalls wird diese umgehend aktiviert, sobald man ein Pad niederdrückt, um auch Gebrauch von den anderen beiden Dimensionen machen zu können. Hat man sich einmal damit arrangiert, dann lassen sich die Pads dennoch mit mehr Ausdrucksstärke spielen als dies mit einem handelsüblichen Keyboard möglich wäre.

Die dritte und letzte Funktion übernimmt das Pad-Raster im sogenannten Grid-Modus, der für das Zusammenspiel mit dem integrierten Sequencer konzipiert wurde. In diesem Modus kann die 8×8 Pads große Matrix, deren Pads dann die einzelnen Schritte einer Sequenz repräsentieren, für Notenwerte und modifizierte Parameterwerte genutzt werden. Verbleiben wir zunächst bei den grundlegenden Sequencer-Daten: Gemäß des Umfangs der Matrix können Sequenzen von 1-64 Schritten erstellt werden. Die Länge einer Sequenz lässt sich vor Beginn der Aufnahme entweder mithilfe des Encoders im mittleren Abschnitt des Medusa festlegen oder aber – was deutlich bequemer ist – indem man einfach über die Pads streicht. Für das Tempo gibt es eine Werteskala von 10-300 BPM, während sich Swing-Einstellungen in einem Bereich von 25-75 regeln lassen, wobei ein Wert von 50 keinem Swing entspricht. Des Weiteren bekommt man vier Wiedergabemodi geboten: vorwärts, rückwärts, vorwärts und rückwärts sowie zufällig. Notenwerte lassen sich entweder im Grid-Modus, das heißt in der Step-Sequencer-Ansicht definieren, oder aber im Skalen-Modus live aufzeichnen. Entscheidet man sich für die zweite Option, dann können mithilfe der Taste CLEAR, die im Grid-Modus dazu genutzt wird, Noten- oder Parameterwerte zu löschen, Pausen gesetzt werden. Leider gibt es derzeit keine Möglichkeit, Notenverbindungen zu erstellen. Auch ein Metronom ist derzeit nicht gegeben. Im Gegenzug kann der Sequencer jedoch via MIDI dazu genutzt werden, externe Klangerzeuger zu steuern. So viel zu den grundlegenden Funktionen des Sequencers und der Noteneingabe.

Kommen wir nun zum Clou des Grid-Modus: Hat man einmal eine Sequenz erstellt, dann lassen sich in diesem Modus bei aktivierter Aufnahme sämtliche Synthesizer-Parameter automatisieren, indem man einfach nur die entsprechenden Regler betätigt. Diese Variante von P-Locks ist jedoch nicht die einzige Option. Hält man im Grid-Modus ein beliebiges Pad gedrückt und ändert dann die Klangcharakteristika, dann wird auf diesem Pad eine Variante des eigentlichen Presets gespeichert. Dies gilt sowohl für die Pads, die innerhalb einer Sequenz einen Schritt markieren als auch für solche, die außerhalb der markierten Sequenz liegen. Anschaulich bedeutet dies Folgendes: Nehmen wir an, wir haben eine Sequenz mit einer Länge von 32 Schritten erstellt. Im Grid-Modus leuchten nun die ersten vier Reihen auf. Hält man innerhalb dieser Reihen ein Pad gedrückt, so lässt sich der Sound für nur diesen Schritt variieren oder bis zur Unkenntlichkeit ändern. Man kann nun jedoch auch die restlichen 32 Pads, also diejenigen, die nichts mit der Sequenz zu tun haben, als Platzhalter für weitere Variationen nutzen. Hier könnte man auf verschiedenen Pads beispielsweise eine Snare-Drum, eine Bass-Drum, FM-Percussion und einen Bass ablegen. Diese Sounds ließen sich dann als Ausgangsmaterial für eine noch zu erstellende Sequenz verwenden. Dazu hält man dann das gewünschte Pad gedrückt, was einen Kopiervorgang in Gang setzt. Anschließend drückt man dann einfach die Pads, auf denen dieser Sound in der Sequenz erklingen soll, fügt sie also in die entsprechenden Schritte ein. So drückt man also beispielsweise die jeweils ersten Pads in den obersten vier Reihen, wenn man hier eine Bass-Drum für einen Four-on-the-floor-Beat setzen möchte. Mithilfe von noch weiteren Soundvariationen lässt sich so ein Drum-Pattern unter Verwendung von nur einer Notenspur erzeugen. Wem das nicht genügt, der kann im Grid-Modus auch noch einen Zufallsgenerator aktivieren, der sich entweder nur auf die Oszillator-Parameter, die Notenwerte oder aber sämtliche Parametermodulationen auswirkt.

Der Grid-Modus

Das Ganze wirft noch einmal ein Licht auf die Komplexität der Datenstruktur: So umfasst ein gespeichertes Preset nicht nur einen Synthesizer-Sound, den man im Skalenmodus oder mithilfe eines externen Controllers spielen kann, sondern ebenfalls eine Sequenz, die über den Grid-Modus wiedergegeben wird, Parametervariationen und schließlich noch eine Reihe von Klängen, die vom eigentlich angewählten Preset gänzlich unabhängig sein können und auf den noch freien Grid-Plätzen gespeichert sind. Damit man hier die Übersicht behält, leuchten die Pads gemäß der Daten, die auf ihnen gespeichert sind, mit unterschiedlicher Intensität auf: Ohne Daten leuchten die Pads gar nicht, mit nur Parameterwerten belegt, leuchten sie mit einer Intensität von 25 Prozent, mit ausschließlich Notendaten belegt, leuchten sie mit einer Intensität von 50 Prozent und mit sowohl Noten- und Parameterdaten belegt, leuchten sie mit einer Intensität von 75 Prozent.

Schließlich noch zwei Antworten auf Fragen, die sich hinsichtlich des Sequencers ergeben können: Wenn man die Presets wechselt, während eine Sequenz wiedergegeben wird, dann startet die mit dem nächsten Preset verbundene Sequenz sofort von vorn, das heißt, die Sequenz, die zuerst wiedergegeben wird, läuft vor dem Wechsel nicht bis zum Ende durch. Darüber hinaus gibt es keine Möglichkeit, eine Sequenz zu sperren, um bei gleichbleibender Sequenz zwischen verschiedenen Sounds wechseln zu können.

Dreadbox Polyend Medusa Klangbeispiele

Abschließend folgen noch einige Klangbeispiele, die sowohl eine Auswahl der Werksounds (1-9) als auch ein paar Eigenkreationen (10-19) umfassen. In zwei Fällen wird überdies ein Valhalla VintageVerb eingeblendet, um zu demonstrieren, was sich aus paraphonen Pads in einer Produktion machen lässt.

Fazit

Trotz einiger der hier vorgebrachten Kritikpunkte ist es den beiden jungen Herstellern Dreadbox (2012) und Polyend (2015) in einem erstmaligen Gemeinschaftsprojekt ohne Zweifel gelungen, mit der Dreadbox Polyend Medusa ein innovatives Instrument zu entwickeln. Denn auf dem gegenwärtigen Markt sucht die Kombination aus einem Hybrid-Synthesizer, MPE-kompatiblen Controller und Sequencer im Zusammenspiel mit einer flexibel nutzbaren multifunktionalen Pad-Matrix seinesgleichen.

Ausschlaggebend für eine letztlich gute Bewertung war überdies Polyends Handhabung der Firmware-Wartung, zu der auch eine Nachrüstung in Sachen MIDI-Implementation zählte. So wurden seit Erstauslieferung des Medusa mittlerweile drei Updates veröffentlicht – Beta-Versionen, für die man sich bei Polyend per Newsletter eintragen kann, nicht mit eingerechnet. Überdies signalisierte Polyend, dass man gegenüber Vorschlägen und Feedback stets sehr offen ist. Dort, wo also Firmware-seitig noch Luft nach oben ist, werden in Zukunft teils bereits angekündigte Nachbesserungen und Erweiterungen stattfinden.

Zu empfehlen ist die Dreadbox Polyend Medusa sowohl für den Live- als auch den Studiobetrieb. Dort eignet er sich besonders für die spontane Kreation von variantenreichen Sequenzen. Wer darüber hinaus Pads einspielen möchte, kann dies mittels der zwei paraphonen Modi tun. Der Klang der analogen Seite hat eher Retrocharme, was angesichts des sachlichen Medusa-Designs zunächst überraschend wirkt. Dank zahlreicher Modulationsmöglichkeiten sowie der Wavetables lässt sich diese Klangästhetik jedoch jederzeit überschreiten.

Plus

  • innovatives Konzept
  • eigenständiger Klang
  • zahlreiche Modulationsquellen
  • überblendbare LFO-Schwingungsformen
  • paraphone Spielmodi
  • Sequencer
  • MPE-Unterstützung
  • Steuerung von externen Klangerzeugern via MIDI

Minus

  • (noch) keine Anschlagdynamik
  • Wavetables lassen sich nur stufenweise durchlaufen
  • kein Sample & Hold
  • eingeschränkter Bewegungsspielraum auf den Pad-Achsen
  • keine negativen Modulationswerte für die Hüllkurven
  • in Bereichen mit Doppelbelegungen lassen sich Parameterwerte sehr schlecht nachvollziehen

Preis

  • Ladenpreis: 999,- Euro
Klangbeispiele
Forum
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    Emmbot  AHU

    Ich konnte den auf der Superbooth mal testen. Der sieht klasse aus und ist auch Wertig verarbeitet. Soundmäßig kam ich leider in den 15 Minuten an dem Gerät nicht so hin. Liegt aber daran, dass ich mit dem Pad nicht so klar kam. Da braucht man schon mehr Zeit und Übung.

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    Numitron  AHU

    Tolles Gerät, finde ich super wenn sich 2 europäische Firmen zusammentun. Aber plastikpotiachse? Hatte das mal bei billigen Logitechboxen. Ist natürlich irgendwann gebrochen.

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    Son of MooG  AHU

    Der Medusa ist ein ziemlich bemerkenswertes Instrument mit einigen einmaligen Features, scheint jedoch noch nicht ganz fertig in der Entwicklung zu sein. Immerhin werden einige Upgrades geboten; Velocity und invertierte EGs sollten auf jeden Fall noch nachgereicht werden. Beim sonicstate-Test konnte mich auch der Sound überzeugen. Ich bin schon neugierig, was Dreadbox und Polyend sonst noch so in der Entwicklung haben und ob sich die Hybrid-Ausrichtung auch auf die Eurorack-Module der Griechen auswirken wird…

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    lightman  AHU

    Ausführlicher Test und tolle Soundbeispiele, danke dafür.

    Die Medusa spricht mich klanglich sehr an, wenn mal die Ecken und Kanten der Firmware abgeschliffen sind, wird das ein richtig geiles Teil.

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    GioGio  AHU

    Ich habe das richtig verstanden, dass man auch per Step einen anderen Sound wählen kann (nicht nur Parameter Motion/Lock)? Also eher so Sound-Lock meine ich. Wie man es neben Parameter-Lock auch bei der Analog Four machen kann.

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      Mike Hiegemann  RED

      Es funktioniert nicht so, dass der Sequenzer unterschiedliche Sounds aus dem Preset-Speicher ansteuert, also beispielsweise Bank 1 Sound 15, Bank 2 Sound 11, Bank 1 Sound 4 usw. Stattdessen werden Schnappschüsse von Variationen eines Sounds (die natürlich auch völlig anders klingen können als der Sound, von dem man ausgegangen ist) je Sequenzerschritt gespeichert. Darüber hinaus lassen sich diese Schnappschüsse im Grid auch außerhalb der für eine Sequenz genutzen Pads ablegen. Beispiel: Man erstellt eine Sequenz mit einer Länge von 32 Schritten, also bleiben noch 32 Pads ungenutzt. Auf denen kann man diese Sound-Variationen abspeichern. Das sind dann im Prinzip Pads, auf denen – in Elektron-Sprache – Parameter Locks aktiv sind, die aber außerhalb der Sequenz liegen und im Grunde so funktionieren wie Tasten zur Auswahl von verschiedenen Presets. So kann man dann die verschiedenen Sound-Variationen auch direkt über die Pads anspielen, um eine Sequenz aufzunehmen. Das Ganze passiert aber auf der Ebene eines einzelnen Sounds inklusive Sequenz, nicht auf der globalen Ebene. Zur Verdeutlichung: Man kann in 2 Bänken jeweils 64 Sounds inklusive je einer Sequenz als Preset speichern. Je Preset lässt sich aber gewissermaßen noch ein Unterverzeichnis von Sound-Variationen erstellen.

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        GioGio  AHU

        Danke für die Antwort. habe die jetzt erst gesehen. (Toller Test auch, sehr gut, danke vor allem für den ehrlichen kritischen Blick!!!). Der Hersteller meinte in der Zwischenzeit zu mir, dass das, was ich mir wünsche (also, wie bei Elektron, auch jeden Step mit Sounds von den Soundbänken zu belegen) auch künftig nicht per Update zu realsisieren wäre. Liegt an der Struktur oder so. Gut zu wissen und ein klein wenig schade, aber nicht besonders schlimm denke ich, da der Medusa dennoch weiß zu überzeugen.
        Ich habe ihn bei mir auf der primären Wunschliste. mal schauen :)

        Mich wundert jedoch, dass bei meiner Recherche viele behaupteten, der Klang wäre weniger durchsetzungsfähig und etwas untypischer im Vergleich zu anderen Dreadbox-Synthies. Wieder andere Pesonen meinten, dieser Eindruck entstehe nur durch die „falsche“ und übertriebene, oder nicht gekonnte Anwendung unzähliger Parameter-Locks (-Spielereien), die dem Sound dann nicht immer gut tun.

        Was meinst Du eigentlich mit „Retrosound“ der analogen Sektion? Meinst Du das eher „negativ“, oder „positiv“?

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          Mike Hiegemann  RED

          Danke, GioGio!

          Mit „Retrosound“ meinte ich, dass die analoge Seite alt klingt, also wie man sich Synthesizer von früher vorstellt im Gegensatz zu glatt, neutral oder modern. Das sind natürlich alles subjektive Attribute, aber in dieser Richtung würde ich den Klang einordnen.

          Damit kommen wir dann auch zu dem zweiten Punkt, den Du angesprochen hast: Ich würde mit Leuten wie Nick Batt darin übereinstimmen, dass der Medusa nicht so klingt wie beispielsweise ein Erebus. Er hat aber dennoch seinen eigenen Klangcharakter, was wiederum typisch für Dreadbox ist.

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    dr w  

    ich hab die kiste jetzt auch zuhause und bin wirklich ueberrascht wie phat die klingen kann.
    dass manche leute etwas schreiben von „duenner sound“ kann ich ueberhaupt nicht nachvollziehen.
    die regelwege einzelner knoeppe moegen vielleicht nicht optimal sein aber nun gut. dafuer punktet die kiste mit den ganzen grid und snapshot funktionen womit mensch wirklich ein feuerwerk der guden laune abfeuern kann.
    ist auf jeden fall mein hauptsynth auf der naechsten force inc 12″.
    BRRRRRRÄÄÄÄÄÄTZZZ!!!!

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        dr w  

        den force inc release kann ich natuerlich nicht schicken aber ich kann mal was aufnehmen am wochenende – also keine „Grosse kunst“ aber so nen bissie herumgephreake….

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      AMAZONA Archiv

      inzwischen mein absoluter Lieblingssynth,wirklich mehr als die Summe der Teile.

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        dr w  

        kann ich gut verstehen.
        sowohl analog als auch digital part koennen massivststst rocken.
        man muss sich halt ein bisschen umgucken auf dem geraet was wie wo geht – aber bis jetzt hab ich nur fuer 2 funktionen das manual gebraucht. der rest hat sich so erschlossen.

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    GioGio  AHU

    Ich hatte das Gerät letztlich im Shop getestet und war etwas von der Bedienung und Umsetzung (Workflow) enttäuscht. Von Fotos und ausgiebiger Recherche her hatte ich mir das anders vorgestellt. Während ich zuvor glaubte ich würde mir das Teil zu 100% kaufen, entschied ich mich dann fix um. Man sollte also unbedingt antesten vor einem Kauf. Außerdem zickten ab und zu zwei Potis rum. Klar, in so einem Laden werden die Geräte schon hart rangenommen, aber irgendwie machte mir das Sorgen bezüglich der verbauten Qualy.

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