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Test: Dual DTJ 303 USB DJ-Plattenspieler

23. September 2021

DJ-Plattenspieler vom HiFi-Hersteller - oder doch nur ein weiterer günstiger OEM-Turntable?

Dual DTJ 303 USB

Dual DTJ 303 USB

Ein Blick auf den Dual DTJ 303 USB. Dual – absolut keine Marke, die im DJ-Zirkus bisher auffällig geworden ist. Wie auch, ist Dual doch eine Marke, die abgesehen von einer bewegten Firmengeschichte, vielen Besitzern, Lizenzen und nun einer Dual GmbH mit dem Lizenzrecht des Namens für Europa und der Namsung Corp. mit dem Lizenzrecht für den amerikanische und asiatischen Markt, in vielen Bereichen der Audio- und Unterhaltungselektronik aktiv ist, jedoch nicht im DJ-Bereich.

Dennoch gibt es tatsächlich drei Modelle aus dem Hause Dual GmbH, die dem DJ-Bereich zugeordnet sind. Entgegen der neuen Produktlinie und Ausrichtung werden diese Modelle jedoch nicht in Deutschland gefertigt, sondern kommen wie die meisten anderen Modelle aus dem asiatischen Raum (mit Ausnahme der neuen Referenzklasse, Dual Maximus, handgebaut in Deutschland in einer maximalen Auflage von 100 Stück).

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Zurück zum heutigen Testmodell, dem DTJ 303 USB. Das Design ganz klar an einen Technics SL-1210MK2 angelehnt ist der DTJ 303 USB das hochpreisige Modell der drei „DJ-Plattenspieler“ von Dual.

Dual DTJ 303 USB

Technics Look-alike – aber auch technisch gut?

Bei einem Preis von 349,- Euro könnte man als informierter DJ schon auf die Idee kommen, dass der Dual DTJ 303 USB nicht in einer eigenen Produktion hergestellt wird. Ein genauerer Blick zeigt zudem verblüffende Ähnlichkeiten mit Modellen von Omnitronic (DD-2550 USB), Audio-Technica (AT-LP140XP), Reloop (RP-1000 MK2) oder sogar ein Lenco L-3808. Im Klartext: Der Dual DTJ 303 USB ist ein klassischer OEM-Plattenspieler aus der Firma Hanpin – so wie die meisten DJ-Plattenspieler auf dem Markt.

Dual DTJ 303 USB – ein erster Blick

Der Look eines Technics 1210ers – das wurde schon erwähnt. Klar, an diesem Modell orientieren sich alle, so auch der DTJ 303 USB. Verpackt im schwarzen Gehäuse aus Kunststoff finden wir Strobe-LEDs und den großen Start/Stop-Taster links, rechtsseitig den Pitchfader und hier auch die Tasten für die Auswahl der Geschwindigkeiten (33/45 RPM).

Dual DTJ 303 USB

33 und 45 RPM Tasten auf der rechten Oberseite des Plattenspielers

Die Pitch-Range des Dual DTJ 303 USB reicht von -10 bis +10 % samt Mittenrasterung am Nullpunkt und grüner LED bei Erreichen von diesem. Quartz-Lock oder Pitch-Reset gibt es nicht, ebenso wenig kann die Pitch-Range umgestellt werden.

Dual DTJ 303 USB

Pitch me up!

An der Front sitzt die Nadelbeleuchtung, an der Hinterseite die Scharniere für die mitgelieferte Haubenhalterung. Eine Mulde für den Puck findet sich ebenso.

Rückseitig ist das „Anschlusspanel“, das in diesem Fall Cinch-Buchsen für die Verbindung zum Mixer oder zum Verstärker ermöglicht. Ein entsprechendes Cinch-Kabel wird mitgeliefert.

Dual DTJ 303 USB

Anschluss für Audio und USB – ein fest verbundenes Stromkabel

Zudem gibt es hier die Anschlussbuchse für das USB-Kabel sowie einen Umschalter für das Ausgangssignal. Dank des eingebauten Phono-Preamps kann das Audiosignal auch auf Line-Level ausgespielt werden. So kann der Dual DTJ 303 USB auch an Verstärkern angeschlossen werden, die über keinen Phono-Eingang verfügen.

Dank des eingebauten USB-Interface kann mit der Dual DJ-Plattenspieler zudem direkt zum Digitalisieren von Schallplatten genutzt werden.

Der s-förnige Tonarm wird in einem schwarzen Gelenk gehalten und ist kardanisch aufgehängt. Während das Anti-Skating in einem Bereich von 0 bis 7 eingestellt werden kann, ist die Tonarmhöhen-Verstellung, was durch den geriffelten Außenring um die Tonarmbase herum angedeutet wird, nur eine Andeutung, jedoch nicht funktionell. Dies sieht nur danach aus. Der Tonarmlift hingegen funktioniert.

Dual DTJ 303 USB

Der Tonarm des DTJ 303 USB

Mitgeliefert mit dem Plattenspieler und vorinstalliert an einem schwarzen Headshell ist ein Audio-Technica AT-3600 Tonabnehmer-System. Das System ist preislich im Bereich von rund 25,- Euro angesiedelt, um damit auch einen Eindruck zu geben, in welchem Qualitätsbereich dieses System liegt.

Dual DTJ 303 USB

Mitgeliefert und vorinstalliert: Ein günstiges Tonabnehmersystem

Soweit gute Features und eine gute Ausstattung für einen Preis von knapp 350,- Euro.

Der Dual DTJ 303 USB in der Praxis

Geliefert wird der Dual DTJ 303 USB mit den klassischen Bauteilen: Gerät, Plattenteller, Puck, Tonabnehmer-System, Cinch- und USB-Kabel, Gegengewicht, Slipmat.

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Der Zusammenbau gestaltet sich also einfach: Plattenteller auf die Spindel auflegen, Tonabnehmer auf den Tonarm aufschrauben, ebenso das Gegengewicht. Auflagegewicht und Anti-Skating einstellen, Strom anschließen, Cinch-Kabel zum Mixer (kurz kontrollieren, ob der Ausgangspegel auf Line- oder Phono-Level gestellt ist), Slipmat auf den Teller und fertig.

Der Hersteller verspricht einen Direktantrieb – „perfekt zum Scratchen“. Das Drehmoment des Direktantriebs bleibt der Hersteller jedoch schuldig. Darüber gibt es keine Informationen, ebenso wenig über das empfohlene Auflagegewicht des Tonabnehmer-Systems. Dafür gibt es Daten zu den Gleichlaufschwankungen ( < +/-0,1 %). Mehr Daten? Die Tonarmlänge beträgt 230,5 mm, die Kröpfung 20,8 Grad, der Überhang beträgt 16 mm. Hier trifft HiFi auf das DJ-Business, denn um ehrlich zu sein: Diese Daten interessieren keinen DJ – geschweige denn, dass der klassische DJ mit Kröpfung oder Überhang etwas anfangen könnte. Wozu auch, am Großteil der Tonarme finden sich Ortofon Concorde Systeme. Zugleich fehlen Angaben zu der Kraft des Antriebes – wiederum etwas, was für DJs sehr relevant ist. Dual ist nun einmal kein Hersteller von DJ-Plattenspielern – egal ob aus eigener Produktion oder wie in diesem Fall aus den Hallen des Herstellers für nahezu alle DJ-Plattenspieler auf dem Markt.

Der Plattenteller aus Aluminium-Druckguss ist einer der ersten Teile, die man in der Hand hat und feststellt, dass dieser sehr leicht ist. Vom Gewicht abgesehen besitzt dieser an der Unterseite keine Gummibeschichtung, die Vibrationen dämpfen könnte. Kein Wunder, dass der Motor den Plattenteller schnell auf Geschwindigkeit bringt, Motorkraft und Kombination von Plattenteller allerdings machen den Dual DTJ 303 USB nicht zu einem Gerät für ambitionierte Scratch-Artists. Für erste Scratch-Versuche vielleicht.

Dual DTJ 303 USB

Der Plattenteller: ungedämpft, aus Aluminium und daher sehr leicht

Die Funktionen des Dual Plattenspielers für DJs oder Interessenten am DJ Look-Alike sind einwandfrei, diesen Punkt kann man schnell abhaken. Technisch gibt sich das Modell keine Schwächen. Pitchfader, Umschaltung zwischen Geschwindigkeiten, Anpassung der Frequenz der LEDs am Stroboskop an die Drehgeschwindigkeit des Plattentellers, Anti-Skating, aber auch die interne Verstärkung des Signals auf Line-Level funktionieren einwandfrei.

Schwach auf der Brust ist jedoch die Nadelbeleuchtung in Form einer klassischen Glühdrahtlampe. Zu den früheren OEM-Plattenspielern gehörend ist diese früher noch klassisch gewesen, heute jedoch ist LED state of the art und Glühdrahtlampen leider einfach nicht mehr uptodate. Nicht nur hinsichtlich der kürzeren Lebensdauer, sondern auch hinsichtlich der geringeren Helligkeit, die sich hier wirklich bemerkbar macht.

Dual DTJ 303 USB

Leider keine Nadelbeleuchtung der hellen Art

Klanglich macht der Dual DTJ 303 USB einen akzeptablen Eindruck. Sowohl für den Einsatz als DJ-Plattenspieler, aber auch zum Hören von Schallplatten würde ich den Wechsel des Moving-Magnet Tonabnehmer-System mit konischem Nadelschliff ist ein sehr günstiger System, das allerdings klanglich auch keine Wunder vollbringt. Die Tiefe ist eher mittelmäßig, gerade im Bereich der mittleren und hohen Frequenzen fehlt die Präzision und Klarheit. Ein Wechsel des Systems sorgt hier für eine deutliche Verbesserung.

Die Nutzung des internen Preamps erweitert die Nutzungsmöglichkeiten des Plattenspielers, wobei man sagen muss, dass heute nach wie vor jeder DJ-Mixer Phono-Inputs besitzt. Der Preamp selbst ist also eher für Situationen, in denen ein Verstärker keinen Phono-Eingang mehr besitzt – was derweil bei einigen Verstärkern im HiFi/Consumer-Bereich der Fall ist.

Qualität und Haptik

Insgesamt bringt der Plattenspieler rund 7 kg auf die Waage – gut 4 kg weniger als ein Technics SL-1210MK2. Nicht zu verhindern, dass dieser Gewichtsunterschied sich bemerkbar macht. So sehr der Technics-Look gewünscht ist, qualitativ und haptisch ist der Dual DTJ 303 USB klar am anderen Ende der Fahnenstange anzusiedeln.

Dual DTJ 303 USB

So steht der Plattenspieler auch nicht vergleichbar mit aktuellen DJ-Plattenspielern den Einflüssen als echter DJ-Plattenspieler entgegen. Das beginnt bei dem leichten Plattenteller, der beim Scratchen sehr viel stärker abgebremst wird, als ein robuster und schwerer Plattenspieler, angetrieben von einem kraftvollen Motor, wie man es bei der Konkurrenz findet, verläuft über den Tonarm bis zu dem Gehäuse aus Kunststoff, das Vibrationen und Stöße relativ ungefiltert an den Tonarm übergibt.

Positiv zu benennen sind die Füße, die, gummiert und gefedert, eine gewisse Dämpfung bieten.

Die Funktionen und die Haptik dieser (Tasten, Tonarmlift) sind ebenso wie die verwendeten Materialien dem Preis entsprechend aber auch angemessen.

Was mir persönlich sehr missfällt ist, dass man die Scharniere für die Haubenhalterung nicht abnehmen kann. Nicht einmal abschrauben. Der halbe Scharnier-Winkel wird also immer, auch wenn man den Plattenspieler ohne Haube nutzen möchte, über die Gehäuseoberfläche hinausragen. Einer pro Seite. Optisch leider wirklich ein kompletter Fail.

Dual DTJ 303 USB

Die Haube kann man abnehmen, die Halterung und Winkel leider nicht

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Fazit

Der Dual DTJ 303 USB wirkt, als wüsste er nicht so genau, was er sein mag. Dem Anspruch, ein DJ-Plattenspieler zu sein, wird das Modell ausschließlich im Anfänger-Segment gerecht, fällt hier jedoch auch einfach aus der Zeit. Die Funktionen wie USB-Audiointerface oder integrierter Phono-Preamp aus dem Baukasten des Herstellers sind schöne Funktionen für die Nutzung daheim und den reinen Hörer, der den DJ-Plattenspieler-Look wünschen, für einen DJ aber sind diese eher irrelevant. Interessanter wäre da zum Beispiel eine Angabe zu der (nicht besonders hohen) Motorkraft. Hier wären ein stärkerer Motor, ein gedämpfter Plattenteller, eine einstellbare Pitch-Range oder ein besser gedämpftes Gehäuse wertvoller gewesen.

So hängt der Dual DTJ 303 USB irgendwo zwischen günstigem DJ-Plattenspieler und DJ-Plattenspieler zum günstigen Preis, konkurriert hier jedoch zugleich mit einem Pioneer PLX-500 oder Reloop RP-4000, die zunächst bereits optisch eher in das Jahr 2020 und folgend gehören. Mit gleichen Tonarmen ausgestattet bieten diese haptisch jedoch ein wenig mehr „Stabilität“, verfügen teilweise ebenso über ein internes Audiointerface und Phono-Preamp. Die Basis der Geräte ist am Ende alle dieselbe, Pioneer und Reloop bringen ihre Modelle jedoch ein wenig zeitgemäßer auf den Markt. Entsprechend ginge auch meine Kaufempfehlung zu einem der anderen Modellen.

Der Dual DTJ 303 USB bleibt stehen als günstiger HiFi-Plattenspieler mit dem Technics-Look. Ich würde jedoch sagen: Einen günstigen HiFi-Plattenspieler findet man von Dual, Thorens oder Pro-Ject zu Preisen im Rahmen bis 450,- Euro mit mehr HiFi-Qualität, zugleich gibt es für 50,- bis 100,- Euro mehr DJ-Plattenspieler mit mehr DJ-Qualität und Stabilität.

 

Minus

  • Scharniere für die Haubenhalterung können nicht abgenommen werden
  • Plattenteller ohne Dämpfung
  • Gehäuse ohne Dämpfung
  • Nadelbeleuchtung mit schwachem Licht und Glühdrahtlampe

Preis

  • 299,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    dAS hEIKO  AHU

    Vor 40 Jahren ist die einstmals stolze Marke von hochwertigen Plattenspielern in freiem Fall in den Sumpf ehemaliger nahmhafter Herstellernamen wie Nordmende, Telefunken, Grundig abgestürtzt und wird wie diese seither für zumeist ramschige Unterhaltungselektronik misbraucht.

    Ein Gerät mit diesen „Features“ zu diesem Preis anzubieten ist so ambitioniert wie dreist.

  2. Profilbild
    SynergyMan  AHU

    Och der ambitionierte Hörer, welcher den DJ Look schätzt und der Fader für die Speed mag, kann mit dem Ding sicher was anfangen. Wenn der Vorverstärker da drin noch was taugt, umso besser. Das vorhandene System gegen ein Ortofon getauscht und diese (Billig-)Dinger von Dual verbringen wahre Wunder, weil man den Arm gut einstellen kann und die selbst für diesen Preis einen guten Gleichlauf bieten. Scratchen sollte man damit halt nicht. Die Glühlampe ist aber der Hit – keine Frage. Da war wohl noch eine Kiste Lampen übrig, die in Hanpin weg musste.

    • Profilbild
      fanatic  AHU

      Nicht dein Ernst

      System tauschen und gut…..

      Das Ding kann noch originalverpackt ohne zu zögern in den Container

      • Profilbild
        SynergyMan  AHU

        Doch ist mein Ernst. Als Plattenspieler sind die billigen Hanpin Plattenspieler, egal welches Label drauf klebt, besser als Ihr Ruf. Klar als DJ Table ist das Ding ein Vollausfall, aber als Plattenspieler mit DJ Optik nicht unbedingt ein Fehler, vor allem wenn Du das System tauschst und den Arm richtig einstellst. Klar für das Geld bekommst Du einen gebrauchten überholten Thorens (und andere) mit gutem System und das ist klar immer die bessere Wahl, aber hier ging es um die Bewertung eines neu hergestellten Produkts.

  3. Profilbild
    Jifty Fifty

    Ich habe mir vor 3 Jahren den Dual DT 250 USB bei Lidl im Angebot für kleines Geld gekauft. Das ist das äußerlich gleiche Gerät mit gleichem Tonabnehmersystem, die Öffnung für die Nadelbeleuchtung ist mit Gummi verschlossen. Allerdings mit anderen inneren Werten (Belt Drive; wie man hier sieht, hat der Testspieler den gleichen Plattenteller mit Riemenführung)… Früher hatten viele meiner Freunde schlechtere Player. Aber für den DJ…

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