Test: Dynaudio Core Sub, Subwoofer

11. März 2020

Das klangliche Ende der Subwoofer Fahnenstange

dynaudio core sub subwoofer test

Dynaudio Core Sub, Subwoofer

Nicht nur im ambitionierten Budgetstudio mit eingeschränkten Platzverhältnissen, nein auch in den Regieräumen großer High-End-Studios haben Subwoofer längst Einzug gehalten, bieten sie doch die Möglichkeit, auch bei Bass-fixierten Produktionen unterhalb der 70 Hz Marke die Orientierung nicht zu verlieren. Wer sich zudem den Ladenpreis von 3.529,- Euro vergegenwärtigt, wird unmittelbar feststellen, dass der anvisierte Kundenkreis des Dynaudio Core Sub ganz bestimmt kein Budgetstudio sein wird. Inwieweit der dänische Vorzeigehersteller mit hauseigener dänischer Fertigung in seiner Pro Serie Bassträume wahr werden lässt, wird dieser Test zeigen.

Die Konstruktion des Dynaudio Core Sub

Vor der Inbetriebnahme des Produktes haben die Götter des Transports ihr Veto eingelegt. Gegen das Gewicht von 48 kg hebt sich eine 4×12“ Gitarrenbox wie eine Einkaufstasche. Dem nicht genug, wird der Woofer zusätzlich in einer verschraubten (!) Holzkiste auf Palette geliefert, die zwar einen hervorragenden Transportschutz gewährleistet, mit 60 kg Transportgewicht jedoch endgültig das Limit eines Ein-Mann-Transportes erreicht hat. Nur mit einem massiven Transportwagen und unter Zuhilfenahme aller Drehmomentgesetze konnte ich den Woofer von A nach B rollen und dort mittels Akkuschrauber aus seinem Holzpanzer befreien. Übrigens, Griffmulden oder Tragegriffe sucht man vergebens.

Hat man den Woofer dann endlich dorthin gewuchtet, wo man ihn haben möchte, glänzt das vergleichsweise kompakte Gehäuse mit den Abmessungen 390 x 514 x 365 mm (B x H x T) mit einem imposanten Äußeren. Vier 9 Zoll Tieftöner, jeweils zwei an den Seitenwänden platziert, liefern insgesamt 1.000 Watt (2x 500 Watt) bei einem Frequenzbereich von 15 – 200 Hz (+/-3 dB) und einem Maximalpegel von 120 dB.

Der Dynaudio Core Sub ist als aktiver Subwoofer angelegt und wurde speziell als Tieftonergänzung für die neue Core Familie von Dynaudio (Core 7, Core 47 und Core 59) konzipiert. Wie nahezu immer wird auch der Dynaudio Core Sub von Hand in Dänemark gefertigt, was auch den ambitionierten Ladenpreis erklärt.

Der Woofer wurde ohne Bassreflexöffnung konzipiert, was ihn klanglich straffer und direkter auslegt. Das pulverlackierte MDF-Gehäuse ist komplett geschlossen und kann sich demnach nur auf die Direktabstrahlung der Lautsprecher verlassen. Die Wahl von 9 Zoll als Lautsprechergröße spricht eine eindeutige Sprache. Ähnlich wie die sehr beliebten 4×10“ Bassboxen im Live-Bereich gewährleisten vergleichsweise kleine, aber mehrfach vorhandene Lautsprecher genügend Schnelligkeit für Impulsspitzen, verfügen aber auch über genügend Schwingungsfläche, um auch sehr tiefe Frequenzen wiedergeben zu können.

Rückseite und Anschlüsse

Die Rückseite bietet, wie auch die gesamte Core Serie, eine umfangreiche Auswahl an Regelmöglichkeiten. Eingangstechnisch bietet der Woofer nur 2 XLR-Buchsen: Analog und AES3. Im digitalen Bereich arbeitet das System mit 24 Bit und 192 kHz, wobei sowohl der rechte als auch der linke Kanal über nur ein Kabel übertragen werden. Über die entsprechenden Schieberegler kann man das Stereosignal summieren oder aber sich für einen der beiden Kanäle entscheiden. Ebenso gibt es einen digitalen XLR-Ausgang für den Daisy-Chain-Betrieb. Ein Wordclock-Eingang bietet zudem die Möglichkeit der externen Steuerung.

Analog hingegen müssen beim Dynaudio Core Sub Abstriche bzgl. der Summierfähigkeiten hingenommen werden. Hat der entsprechende Monitorcontroller keinen entsprechenden Sub-Ausgang, sieht es schlecht aus oder aber man schafft sich direkt einen zweiten Dynaudio Core Sub an. Wahrscheinlich liebäugelt Dynaudio auch mit dieser Lösung, zumal die Core Komponenten sich aufgrund der vom Werk aus platzierten Mulden ganz hervorragend auf dem Woofer stapeln lassen und somit zwei kleine Türme ergeben. Allerdings sind alle Türme ohne entsprechende Stative in den meisten Abhörsituationen deutlich zu niedrig. Es bedarf also schon einiger sehr belastungsfähiger Stative, die auch echte Schwerlasten tragen können.

Wie auch bei den anderen Core Bausteinen, passt sich der Dynaudio Core Sub der gelieferten Sample-Rate über den internen DSP an und nutzt zudem unterschiedliche IIR-Filter, was eine Konvertierung obsolet macht. Über den analogen XLR-Eingang hingegen läuft der Woofer immer auf 192 kHz. Ebenso ist auch hier der verbaute USB-Port nur für Wartungsarbeiten konzipiert, die Möglichkeit des Zugriffs auf die Steuerung des Woofers bietet er nicht.

Auch der Woofer der Core Serie bietet mittels mehrerer Schieberegler die optimale Ausrichtung je nach Platzierung des Systems an. Generell kann man bei dem Woofer zwischen den Kategorien freistehend, nahe einer Wand und der Platzierung in einer Ecke wählen, die jeweils den Abstand zu den entsprechenden Wänden beschreiben. Zusätzlich gibt es noch die Anechoic/Stuffit-Option, die bei einer freien Platzierung im Raum oder bei einem Wandeinbau zum Tragen kommt. Apropos tragen, das System ist VESA Mount kompatibel. Man kann sich jedoch bei den 48 kg gut vorstellen, welche Abmessungen der Rahmen haben muss und vor allem, welche Dübel bei der Wandhalterung aufgefahren werden müssen.

Der Dynaudio Core Sub verfügt über ein Auto-Power-Management und drei Schieberegler für die angestrebte Lautstärke, die mit den Bezeichnungen „Analogue Input Sensitivity“, „SPL“ und „Attenuation“ versehen sind.

Dynaudio Core Sub im Studio, Vorderseite

Einsatz des Subwoofers

Wie bereits erwähnt, den Dynaudio Core Sub zu bewegen, ist keine Freude, zumal es keinerlei Griffmulden oder sonstige Tragehilfen gibt. Was dann allerdings schon bei den ersten anliegenden Signalen aus dem Gehäuse gedrückt wird, entschädigt für jegliche Quälerei, die man im Vorfeld zu erdulden hatte. Der Woofer hat einen unbeschreiblichen Punch, der sich in jeder Hinsicht als extrem trocken ohne jegliches Dröhnen und Nachschwingen entpuppt. Selten habe ich einen dermaßen „direkten“ Bass gehört, wie bei diesem System.

Aufgrund der hohen Leistungsreserven stellt sich zu keinem Zeitpunkt auch nur der Hauch einer Saturisation ein, wovon insbesondere das Impulsverhalten profitiert. Keine ungewollte Kompression, kein Pressen, nichts. Stattdessen bewegt man sich fast schon im PA-Sektorbereich, bei dem man auch die körperliche Wahrnehmung der sehr tiefen Frequenzen deutlich spürbar macht. Instrumente wie der Bass, tiefe Flächen oder aber die allseits referenzierte Kick erhalten eine komplett neue Wertigkeit im Mix.

test Dynaudio Core Sub

Dynaudio Core Sub Profilansicht vorne

Eine Herausforderung stellt natürlich die perfekte Platzierung des Woofers im Studio dar. Einfach in den Raum und ab dafür ist in dieser Leistungsklasse leider nicht so einfach zu realisieren. Insbesondere bei kleinen bis mittleren Regieräumen kann das System schon einmal das Gefühl vermitteln, es wollte den Raum „sprengen“. Durch die Verwendung der unterschiedlichen Filter kann man bereits viel an den „Problemzonen“ der Regie arbeiten, letztendlich jedoch kommt man um eine Mindestgröße und vor allem um eine perfekte Raumakustik bzgl. Moden etc. nicht umhin. Dieser Woofer zeigt mit einer erbarmungslosen Ehrlichkeit die akustischen Schwachpunkte des persönlichen Arbeitsraumes auf. Auch wenn man sich verschiedene Punkte in seinem Umfeld ggf. noch schönreden kann, mit diesem Woofer wird man um eine professionelle Raumakustik nicht umhin kommen. Wobei, wer das entsprechende Geld für einen oder evtl. sogar 2 Core Woofer in die Hand nimmt, wird wohl kaum im umgebauten Kellerraum seine Produktionen fahren.

Fraglich bleibt die Fixierung auf die digitale Lösung in Sachen Stereomanagement. Dynaudio scheint der festen Meinung zu sein, dass die analoge Betriebsart fest auf zwei Subwoofern fußt, oder aber ein entsprechend hochwertiger Controller das Bassmanagement in Sachen R/L-Summierung übernimmt. Dieser Ansicht kann man sein, muss man aber nicht. Gewiss, mit einer gewissen Investitionsfreude oder mit dem passenden Auftraggeber sollte es möglich sein, alle verwendeten Komponenten auf einem entsprechenden Level zu halten, dennoch würde ich mir in dieser Preisklasse ein entsprechendes Feature wünschen und sei es nur, um eine entsprechende Flexibilität gewährleisten zu können.

Dynaudio Core Sub im Studio, Rückseite

Fazit

Mit dem Dynaudio Core Sub ist der dänische Hersteller klanglich am Ende der Fahnenstange angelangt. Es fällt schwer, bei der massiven Ansammlung von hervorragenden Punkten wie Impulsverhalten, Headroom, Verarbeitung und Konzept einen Schwachpunkt im System ausfindig zu machen. Wenn überhaupt, wäre es die etwas stiefmütterliche Behandlung der analogen Summierung, was einen Hauch von Makel aufkommen lässt, wobei sich das Problem mit einem entsprechenden Controller wieder in den Griff bekommen lässt.

Selbst der ambitionierte Preis steht in einem sehr guten Verhältnis zum gelieferten Gegenwert. Wer bereit ist, unter Zuhilfenahme eines guten Freundes einen Nachmittag lang „das große Wooferschleppen“ für die optimale Platzierung in der Regie zu spielen, bekommt im Gegenzug eine massive Ansammlung aller positiven Eigenschaften, die ein Subwoofer im High End Bereich zu bieten hat.

Plus

  • Klang
  • Verarbeitung
  • Konzept
  • Einstellungsmöglichkeiten

Preis

  • 3.529,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    bluebell  

    So ein schweres, nur mit Kraft zu platzierendes Gerät ohne Lautsprecherschutzgitter zu liefern, ist entweder fahrlässig oder Kalkül („Hoppla! Abgerutscht!“). Und flutscht einem mal ein Bassist in den Regieraum rein, sind mindestens die unteren Lautsprecher in Schuh-Höhe auch nach der Erstinstallation dauerhaft gefährdet.

    Das macht Neumann mit dem KH-805 deutlich besser UND liefert die entsprechenden Weichen für den Betrieb mit zwei Monitoren für Mitten/Höhen gleich mit – trotz der Hälfte des Preises. Wenn ein Gitter in dieser Liga ins Budget passt, dann in der 3500 EUR-Liga erst recht.

    • Profilbild
      Jörg Hoffmann  RED

      Dynaudio verbaut zumeist Langhub-Chassis mit zum Teil enormen Auslenkungen. Da kommt es dann bei Schutzgittern zu Kompressionseffekten. Und da der bevorzugte Einsatzbereich das Studio ist, die ja meist definierte Plätze für Lautsprecher haben, sollte das auch kein Thema sein.
      Es ist übrigens eine Philosophie-Frage, ob man mehrere recht kleine Chassis nimmt, oder weniger große. Während kleine Chassis meist schneller sind, aber dafür zum Verzerren neigen (Schwingspule am Rand des Magnetfeldes) sind große tendenziell Chassis langsamer und benötigen mehr Leistung für den gleichen Schalldruck. Ein Subwoofer ist immer ein Kompromiss.

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