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Test: Eve Audio TS107, Subwoofer

27. September 2019

Kleiner Subwoofer mit großem Sound!

eve audio ts107

Der breiten Öffentlichkeit wurden sie erst mit der Etablierung der Surround-Sound-Anlage bewusst, heute befinden sie sich in nahezu jedem Tonstudio, das nicht im Midfield-Monitor-Bereich oder größer arbeitet. Die Rede ist von Subwoofern, die den Subbass-Bereich zu Kontrollzwecken abdecken, die aus physikalischen Gründen von den Nahfeldmonitoren nicht abgedeckt werden können. Zum Test liegt uns der kleinste Vertreter des Berliner Herstellers Eve Audio vor, der die Bezeichnung Eve Audio TS107 trägt und mit einer gehörigen Anzahl von Besonderheiten für reges Interesse sorgen könnte.

Die Besonderheiten des Subwoofer-Betriebs

Auch wenn die meisten Nutzer mit den Besonderheiten des Subwoofer-Betriebs vertraut sein dürften, hier noch mal kurz eine Einführung für den interessierten Neueinsteiger. Während um das Platzieren der Nahfeldmonitore und die damit verbundene Optimierung des Stereodreiecks (zu Recht) zuweilen riesige Fässer aufgemacht werden, tritt man der optimalen Platzierung eines Subwoofers vergleichsweise entspannt entgegen. Selbst eine Platzierung jenseits der Stereomitte wird je nach Reflektionsfläche nahe des Woofers noch sehr locker gesehen, sofern man sich nicht mit einer ungünstigen Phasenproblematik den eigentlichen Einsatzbereich des Systems zerschießt.

Eve Audio TS107 - Profilansicht

Eve Audio TS107 – Profilansicht

Woran liegt das? Der Hauptgrund ist darin zu suchen, dass das menschliche Gehör unterhalb von ca. 300 Hz keinerlei räumliche Ortung mehr wahrnimmt. Es ist daher vernachlässigbar, ob der Subwoofer mittig oder seitlich im Raum steht, sofern es nicht durch eine ungünstige Geometrie des Raums zu stehenden Wellen o. ä. kommt. Das Stereobild wird ausschließlich durch die Satelliten der Nahfeldmonitore gebildet, zumal bei fast allen Woofern das anliegende Stereosignal in Mono zusammengefasst wird.

Der Vorteil eines Subwoofers liegt insbesondere in der platzsparenden Variante, da man durch einen hochwertigen Woofer-Betrieb einen Tiefbass erreicht, der sonst nur durch sehr gute und teure Midfield-Monitore zu erreichen ist, die zudem mittelgroße bis sehr große Regieräume benötigen, um ihr volles Potential ausschöpfen zu können.

Die Gefahr eines Woofer-Betriebs hingegen liegt in der nicht optimierten Abstimmung zu den Satelliten, was dann zu einer verbundenen undifferenzierten Wiedergabe des Bassbereichs führt und die Klangwiedergabe eher verschlechtert als verbessert. Ein guter Subwoofer zeichnet sich daher nicht nur durch einen überragenden Klang, sondern auch durch möglichst viele Einstellungsmöglichkeiten aus, um eine optimale Zusammenarbeit mit den Satelliten zu gewährleisten.

Eve Audio TS107 - Rueckseite

Eve Audio TS107 – Rückseite

Die Konstruktion des Eve Audio TS107

Die Firma Eve Audio führt insgesamt 4 Subwoofer in ihrem Portfolio, wobei der Eve Audio TS107 mit seinem 6,5 Zoll großen Basslautsprecher die kleinste Variante der Baureihe darstellt. Der weich aufgehängte und dennoch magnetisch straff anliegende Lautsprecher bietet eine Ausgangsleistung von 100 Watt und verfügt über einen internen Limiter. Der Frequenzbereich beträgt laut Hersteller 33 – 300 Hz, wobei der Woofer mit den Abmessungen 230 x 355 x 300 mm und einem Gewicht von nur 8,2 kg als sehr handlich bezeichnet werden muss. Der maximale SPL liegt bei 1 m Entfernung bei 102 dB. Wie alle anderen Eve Audioprodukte ist auch der Eve Audio TS107 perfekt verarbeitet und bietet keinen Anlass zur Kritik.

Was mir bereits während des Auspackens aufgefallen war, sind die ungewöhnlich hohen und massiven Füße, auf denen der Eve Audio TS107 steht. Ein Blick auf die Unterseite des Gehäuses bringt die Erklärung. Anstatt wie bei nahezu allen Subwoofern üblich, verzichtet Eve Audio auf den Bassreflex-Kanal und setzt statt dessen auf eine Passivmembran, die die Bewegungen des Frontlautsprechers und die damit verbundene Kompression der internen Luft ausgleicht und auch als eine Art zweiter Lautsprecher arbeitet. Das Ergebnis ist ein deutlich strafferer und definierterer Bass als die zuweilen zum „Schlabbern“ neigende Basswiedergabe über den Bassreflex-Kanal. Auch werden die Strömungsgeräusche durch gelegentliche Luftturbulenzen eliminiert.

Eve Audio TS107 - Passivmembran

Eve Audio TS107 – Passivmembran

Die Anschlüsse der Eve Audio TS107

Alle Anschlüsse des Eve Audio TS107 befinden sich auf der Rückseite des Gehäuses und sind bis auf den unsymmetrischen RCA-Anschluss, der für das Eve Audio SC203 Master/Slave-System eingerichtet wurde, in XLR symmetrisch ausgeführt, bestehend aus L/R-In/Out und LFE-In/Out. Über 4 DIP-Schalter können die folgenden verschieden Zusatzfunktionen aktiviert werden:

  • Filter Lock: Sicherung der auf der Frontseite eingestellten Filter
  • Volume Lock: Sicherung der auf der Vorderseite eingestellten Lautstärke
  • Auto On/Off: Auto Standby Mode, sofern für länger als 10 Min. kein Signal am Eingang anliegt
  • Max. Input: Eingangsempfindlichkeit schaltbar zwischen +8 dBu und für Studios mit sehr hohem Ausgangspegel +22dBu

Des Weiteren befindet sich auf der Rückseite des Gehäuses auch die Kaltgerätebuchse.

Eve Audio TS107 - Frontansicht

Eve Audio TS107 – Frontansicht

Bedienung des Eve Audio TS107 Subs

Die Vorderseite des Eve Audio TS107 wird von 2 Drehreglern dominiert, die mittels einer Push-Funktion durch das sehr umfangreiche Menü des Systems führen. Außerdem informieren 3 kleine LEDs über verschiedene Schaltungszustände.

Der untere Drehregler übernimmt die Funktion der Subwoofer-Lautstärke relativ zum kompletten Set und schaltet durch die Push-Funktion den Woofer stumm. Dabei arbeitet der LED-Kranz um den Regler herum mit einer angepassten Wirkungsweise, will heißen, dass jede LED je nach Lautstärke über folgende Regelung verfügt:

  • -80 dB (Minimum) bis -48 dB: 2 dB
  • -48 dB bis -20 dB: 1 dB
  • -20 dB bis 0 dB (Maximum): 0,5 dB

Diese sinnvolle logarithmische Regelung erlaubt bei hohen Pegeln einen wesentlich feinfühligeren Abgleich der Lautstärke, während man diese Feinheit bei geringen Lautstärken nicht benötigt.

Richtig interessant wird es jedoch erst, wenn man sich den oberen Regler zur Brust nimmt. Dieser Regler übernimmt bzgl. der Lautstärke die Gesamtregelung der Satelliten und des Woofers. Zunächst gilt es, ggf. die Satelliten im Hochpass abzuregeln, damit der Tieftöner bei kleinen Satelliten nicht zu stark belastet wird. Eve Audio empfiehlt die Übergangsfrequenz bei 80 Hz, die als Default eingestellt ist. Das Gleiche gilt für den Tiefpass des Woofers, der bei 60 Hz bis hinauf zu 140 Hz übergibt oder aber im LFE Mode alles zulässt, was er übertragen kann.

Zusätzlich kann das Signal in der Phase gedreht werden, sollte die Raumakustik zu einem unverhältnismäßig dünnen Sound führen. Als echten Luxus in dieser Preisklasse hat Eve Audio dem System eine Infrarot-Fernbedienung beigelegt, mit der sich alle Funktionen auch aus der Ferne vom Regieplatz aus steuern lassen. Insbesondere bei der Ersteinrichtung des Systems kann man die mühevolle „Einstellen-Setzen-Hören-Aufstehen-Hingehen-Ändern“-Repeat Prozedur abkürzen und im direkten A/B-Vergleich deutlich mehr Effektivität erzielen.

In diesem Video informiert Firmengründer Roland Stenz über die Funktionsweise des Eve Audio TS107:

Klang und Bewertung des Eve Audio TS107

Ich habe das Glück, in meinem Broadcast-Studio eins der von Eve Audio empfohlenen Satellitenpaare im Test nutzen zu können, die Eve Audio SC204, die sowohl für den Stereo- als auch für den Surround-Sound empfohlen werden. Einen entsprechenden Test könnt ihr hier einsehen.

Als Basiseinstellung habe die Default-Einstellungen mit Crossover bei 80 Hz gewählt und war vom Fleck weg begeistert. Der anliegende Sound entpuppt sich als extrem voluminös, stets definiert und sehr dezent. Allerdings war mir der Bass etwas zu dezent, zumal die SC204 ohne weitere Boost-Funktionen schon oberhalb der 80 Hz nicht mehr sehr stark akustisch liefern können. Ich entschloss mich daher, den Woofer bei 140 Hz zu trennen, was eine unglaubliche Verbesserung im Bass- und Tiefmittenbereich nach sich zog.

Eve Audio TS107 - im Studiobetrieb

Eve Audio TS107 – im Studiobetrieb

Der Klang ist in dieser Einstellung wirklich nur noch als hervorragend zu bezeichnen, insbesondere wenn man die Abmessungen der Komponenten berücksichtigt. Gerade im Projekt- oder Homerecordingstudio-Bereich, wo es auf jeden Meter Platz ankommt, kann die Kombination aus kleinen Satelliten, z. B. den SC204 und dem TS107, ein sehr erwachsenes Klangbild generieren, was bei diesen Abmessungen wirklich extrem selten ist. Die Kombination 2x SC204 und ein TS107 liegt bei unter 1.000 Euro Ladenpreis, was für diese klangliche Ausbeute geradezu lächerlich erscheint.

Spaßeshalber habe ich den Woofer auch in den LFE-Modus gesetzt, was aber zu Lasten des Stereobildes mit den Satelliten ging, da es zu viele Überschneiden im Mittenbereich gab. Immerhin ist ein 6,5 Zoll Lautsprecher schnell genug, um Tiefmitten aus dem Gitarren- und Keyboard-Sektor gut zu übertragen.

Eve Audio TS107 - leuchtende LED

Eve Audio TS107 – leuchtende LEDs

Fazit

Mit dem Eve Audio TS107 ist dem Berliner Hersteller um Roland Stenz ein ganz großer Wurf gelungen. Der extrem handliche Subwoofer überzeugt mit umfangreichen Einstellungsmöglichkeiten, einer perfekten Verarbeitung und raffinierten Detaillösungen, wie z. B. einer Passivmembran, auf ganzer Linie und steht damit ganz weit vorne, wenn es um klanglich große Lösungen auf kleinstem Raum geht.

Unbedingt antesten und sich viel Zeit bei der individuellen Einrichtung lassen, es lohnt sich!

Plus

  • herausragender Klang bei sehr geringen Abmessungen
  • sehr gute Verrbeitung
  • Passivmembran
  • umfangreiche Eisntellmöglichkeiten

Preis

  • 499,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    defrigge  

    Danke für den sehr interessanten Test!

    Ich suche immer noch einen passenden dezenten, aber nicht verschwommenen Subwoofer, der ab 80 Hz abwärts meine Neumann KH 120 entlastet, damit sie, befreit von Tiefbässen, ihren eigenen sehr guten Job noch besser machen können.

    Die Eve werde ich nach diesem Test bei nächster Gelegenheit gern mal probehören.

    • Profilbild
      MrKatz

      Meine KH 120 werden von einem Presonus Temblor T10 unterstützt. Eigentlich ein super Sub, wenn die Qualität vom Netzteil nicht so unterirdisch wäre.

      Das erste halbe Jahr lief das Teil ohne Probleme. Dann hat sich das Netzteil verabschiedet. Reparatur hat 1 1/2 Monate gedauert und als er endlich wieder bei mir im Studio stand, brummte das Netzteil und zwar richtig heftig. Also Sub wieder eingeschickt und wieder einen Monat gewartet. Und jetzt der Hammer: Presonus kann kein Brummen feststellen?! Also haben sie das Teil einfach wieder zurückgeschickt.
      Ziemlich angepisst habe ich mich bei Thomann beschwert und eine nagelneues Gerät bekommen. Das brummte zwar auch, aber bei Weitem nicht so heftig wie das Reparaturgerät.
      Leider hielt der neue Sub noch nicht mal eine Stunde, bevor auch hier das Netzteil über den Jordan ging.

      Der Eve klingt aber vielversprechend. Werde ich mal mit den Neumanns testen…

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